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Zu: Gottfried Benns "Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke" - Lyrik einmal anders

Termpaper, 2004, 17 Pages
Author: Claudia Wipprecht
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Lyrik in der Moderne
Institution/College: University of Erfurt
Tags: Gottfried, Benns, Mann, Frau, Krebsbaracke, Lyrik, Moderne
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 17
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 4  Entries
Language: German
Archive No.: V31674
ISBN (E-book): 978-3-638-32598-1
ISBN (Book): 978-3-638-79679-8
File size: 188 KB

Abstract

Benns, mit besonderem Augenmerk auf den Gedichtzyklus „Morgue“ Die Epoche des Expressionismus wird von der Literaturgeschichtsschreibung zwischen 1910 und 1925 datiert. Der Begriff des Expressionismus wurde 1911 von Kurt Hiller geprägt und war lange Zeit eher umstritten. Das primäre Ziel dieser Stilbewegung war das Schockieren und die Provokation, was wiederum durch die Ablehnung der veralteten Muster und Normen unterstrichen wurde. Lyrik wurde zum Ausdruck einer Bewusstseinskrise, stilistisch umgesetzt durch kühne Metaphorik und einer Sprache, die völlig frei von Normen und Konventionen war; es wurden Satzfetzen und unverbundene Reihen verwendet, ebenso wie die sogenannte „Montagetechnik“ zum Aneinanderkoppeln von Wörtern aus verschiedenen Sinnesbereichen. Das Ziel dieses Konglomerats der Künste war die Ablehnung der Kunst als hübsches Beiwerk. Kunst sollte provozieren, kritisieren und schockieren. Thematisch rückten Motive wie der Ich – Verfall, Kriegs – und Todesmotive, sowie das Großstadtmotiv in den Vordergrund. Anhand dieser Motive wurde Kritik geübt an der Doppelmoral und Spießigkeit der kleinbürgerlichen Idylle, mit dem Ziel des Ausbruchs aus diesen bürgerlichen Konventionen. Vor allem die Sicht des Menschenbildes ist völlig entgegengesetzt zu allem bisher Da – gewesenen: Menschen werden auf ihre bloße Existenz beschränkt und auf ihre elementare Triebhaftigkeit reduziert; menschliche Werte sind praktisch nicht mehr existent. Dies spiegelt sich auch im Großstadtmotiv wider. Die Großstadt wird als Qual beschrieben und auch empfunden; sie scheint der Fluchtort jeglichem Negativen zu sein: Krebsbaracken, Leichenhallen, Bordelle, Gefängnisse und weiterer schrecklicher Orte. Das Individuum empfindet eine Ohnmacht gegenüber den Zuständen in der Großstadt, es kann nichts tun. Die Bewohner sind isoliert, vereinsamt, betäubt, verblendet, orientierungslos, kurz gesagt: völlig hilflos gegenüber dem Phänomen Großstadt. Die Stadt ist der Dämon, die übermenschliche Kraft. Diese Motive werden auch von Gottfried Benn in seinem Frühwerk, dem „Morgue“ – Zyklus, eingesetzt. Benn schuf diesen Gedichtband mit insgesamt neun Gedichten im Jahre 1912 in der sogenannten „ersten Periode“ seines Schaffens. Zu dieser Zeit war er Sanitätsoffizier im deutschen Heer und im Berliner Krankenhaus Moabit tätig.


Excerpt (computer-generated)

Universität Erfurt
BA Anglistik / Germanistik
2. Semester
Abgabedatum: 05.08.2004

H A U S A R B E I T

Gottfried Benn
„Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“
- Lyrik einmal anders -

Seminar
„Moderne Lyrik – Lyrik in der Moderne“
Hausarbeit - 3 LP

von

Claudia Wipprecht

 

 

Gliederung

1. Die Epoche des Expressionismus unter Einbeziehung der literarischen Figur Benns, mit besonderem Augenmerk auf den Gedichtzyklus „Morgue“

2. Versuch des Eindringens in die Tiefenschichten des Gedichts „Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“
2.1. allgemeine formelle Mittel
2.2. Analyse der einzelnen Strophen

3. Abschließende Zusammenfassung der Erkenntnisse

4. Bibliographie

 

1. Die Epoche des Expressionismus unter Einbeziehung der literarischen Figur

Benns, mit besonderem Augenmerk auf den Gedichtzyklus „Morgue“ Die Epoche des Expressionismus wird von der Literaturgeschichtsschreibung zwischen 1910 und 1925 datiert. Der Begriff des Expressionismus wurde 1911 von Kurt Hiller geprägt und war lange Zeit eher umstritten. Das primäre Ziel dieser Stilbewegung war das Schockieren und die Provokation, was wiederum durch die Ablehnung der veralteten Muster und Normen unterstrichen wurde. Lyrik wurde zum Ausdruck einer Bewusstseinskrise, stilistisch umgesetzt durch kühne Metaphorik und einer Sprache, die völlig frei von Normen und Konventionen war; es wurden Satzfetzen und unverbundene Reihen verwendet, ebenso wie die sogenannte „Montagetechnik“ zum Aneinanderkoppeln von Wörtern aus verschiedenen Sinnesbereichen. Das Ziel dieses Konglomerats der Künste war die Ablehnung der Kunst als hübsches Beiwerk. Kunst sollte provozieren, kritisieren und schockieren.

Thematisch rückten Motive wie der Ich – Verfall, Kriegs – und Todesmotive, sowie das Großstadtmotiv in den Vordergrund. Anhand dieser Motive wurde Kritik geübt an der Doppelmoral und Spießigkeit der kleinbürgerlichen Idylle, mit dem Ziel des Ausbruchs aus diesen bürgerlichen Konventionen. Vor allem die Sicht des Menschenbildes ist völlig entgegengesetzt zu allem bisher Da – gewesenen: Menschen werden auf ihre bloße Existenz beschränkt und auf ihre elementare Triebhaftigkeit reduziert; menschliche Werte sind praktisch nicht mehr existent. Dies spiegelt sich auch im Großstadtmotiv wider. Die Großstadt wird als Qual beschrieben und auch empfunden; sie scheint der Fluchtort jeglichem Negativen zu sein: Krebsbaracken, Leichenhallen, Bordelle, Gefängnisse und weiterer schrecklicher Orte. Das Individuum empfindet eine Ohnmacht gegenüber den Zuständen in der Großstadt, es kann nichts tun. Die Bewohner sind isoliert, vereinsamt, betäubt, verblendet, orientierungslos, kurz gesagt: völlig hilflos gegenüber dem Phänomen Großstadt. Die Stadt ist der Dämon, die übermenschliche Kraft.

Diese Motive werden auch von Gottfried Benn in seinem Frühwerk, dem „Morgue“ – Zyklus, eingesetzt. Benn schuf diesen Gedichtband mit insgesamt neun Gedichten im Jahre 1912 in der sogenannten „ersten Periode“ seines Schaffens. Zu dieser Zeit war er Sanitätsoffizier im deutschen Heer und im Berliner Krankenhaus Moabit tätig. Er selbst äußert sich zur Entstehung des Zyklus wie folgt:


„Als ich die Morgue schrieb, mit der ich begann und die später in so viele Sprachen übersetzt wurde, war es abends, ich wohnte im Nordwesten von Berlin und hatte im Moabiter Krankenhaus einen Sektionskurs gehabt. Es war ein Zyklus von sechs Gedichten, die alle in der gleichen Stunde aufstiegen, sich heraufwarfen, da waren, vorher war nichts von ihnen da; als der Dämmerzustand endete, war ich leer, hungernd, taumelnd und stieg schwierig hervor aus dem großen Verfall.“ 1

Die „Morgue“ wurde im März 1912 mit einer Auflage von nur 500 Exemplaren als 21. Flugblatt des Verlages A. R. Meyer in Berlin veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um Gedichte aus der klinischen Sphäre, in der die Medizinersprache dominiert; die Fachliteratur bezeichnet dies auch als Sektionslyrik. Auch hier zieht sich das Auflösen der klassischen lyrischen Formen und die neu gewonnene syntaktische Freiheit wie ein roter Faden durch das Werk. Zu den Gedichten des Zyklus zählen unter anderem „Kleine Aster“, „Schöne Jugend“ und auch „Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“, welches ich im Hinblick auf die formalen, sprachlichen und inhaltlichen Aspekte untersuchen möchte, und dabei den Versuch wage, in die Tiefenstruktur einzudringen.

2. Versuch des Eindringens in die Tiefenschichten des Gedichts „Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“

2.1. allgemeine formelle Mittel

Zuerst möchte ich einen Blick auf den formellen Aspekt werfen. Das Gedicht besteht aus sieben Strophen mit jeweils frei gefüllten reimlosen Versen. Die Strophen eins, zwei und vier bestehen aus jeweils vier Zeilen, die restlichen aus jeweils drei. Es ist ein Erzählgedicht, da es oft prosaische Züge aufweist. Das gesamte Gedicht weist nicht nur keinen Reim auf, sondern auch kein eindeutiges Metrum. Es ist auch nicht eindeutig festzustellen, ob das Werk eher dem Nominalstil oder eher dem Verbalstil zuzuordnen ist. Nomen kommen nur geringfügig häufiger vor, allerdings sind diese zur Beschreibung des Zustandes wesentlich wichtiger als die Verben.

[....]


1 aus UHLIG, HELMUT: Gottfried Benn – 3. überarbeitete Auflage – Berlin: Morgenbuch Verlag, 1996 (Köpfe des 20. Jahrhunderts; Band 20); Seite 12


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