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Das Wesen der Fotografie - eine vergleichende Analyse der Essays von Roland Barthes und Walter Benjamin zur Fotografie

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 28 Pages
Author: Sandra Dietrich
Subject: Communications: Theories, Models, Terms and Definitions

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V31730
ISBN (E-book): 978-3-638-32640-7
ISBN (Book): 978-3-638-70363-5
File size: 246 KB
Notes :
Diese Seminararbeit vergleicht ausgewählte Aspekte der beiden Essays „Die helle Kammer“ von Roland Barthes und die „Kleine Geschichte der Photographie“ sowie „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit“ von Walter Benjamin miteinander, um am Ende die Wesensmerkmale der Fotografie herauszustellen.


Abstract

Die Bedeutung der Erfindung der Fotografie für die Menschheit ist unumstritten groß. Aber was ist Fotografie eigentlich? Was passiert beim Fotografieren? Was grenzt das Medium Fotografie von anderen Bilddarstellungen ab? Mit diesen Fragen haben sich seit der Erfindung der Fotografie in den 30-iger Jahren des 19. Jahrhunderts immer wieder Theoretiker auseinandergesetzt. Die Werke von zwei der bedeutendsten Persönlichkeiten für die Etablierung einer Theorie über Fotografie werden in diesem Buch analysiert und anhand ausgewählter Aspekte miteinander verglichen. Dabei handelt es sich zum einen um das Buch "Die helle Kammer" von Roland Barthes. Dieser Text wird verglichen mit den Essays "Kleine Geschichte der Photographie" und "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit" von dem Kritiker und Essayisten Walter Benjamin. Erläutert wird die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Autoren an das Medium Fotografie und die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Perspektiven. Zudem wird in dem vorliegenden Buch analysiert, was nach Ansicht von Roland Barthes bzw. Walter Benjamin beim fotografischen Akt, also im Moment der Aufnahme eines Objekts durch die Kamera, geschieht, welche Rolle dem Fotografen und der Chemie bzw. des Lichts bei der Entstehung eines Fotos aus der Perspektive der beiden Autoren zugeschrieben wird und welche Gedanken Barthes und Benjamin zur Rezeption von Fotografien durch den Betrachter äußern. Daran anknüpfend wird der von Roland Barthes entwickelte Begriff des "punctums" mit dem von Walter Benjamin geprägten Begriff der "Aura" eines Fotos verglichen. Dabei wird herausgestellt, ob es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Begriffen gibt und welche wesentlichen Unterschiede bestehen. Der letzte Analyseaspekt widmet sich den Erkenntnissen von Roland Barthes und Walter Benjamin zum Wesen der Fotografie. Die Autorin stellt heraus, durch welche entscheidenden Merkmale sich die Fotografie nach Auffassung der beiden Autoren von anderen bildhaften Darstellungen - wie zum Beispiel dem Film - abgrenzt.


Excerpt (computer-generated)

Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Institut für Kunstgeschichte
Hauptseminar: „Fototheorien“
5. Semester

Das Wesen der Fotografie – eine vergleichende Analyse
der Essays von Roland Barthes und Walter
Benjamin zur Fotografie

von: Sandra Dietrich

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Vergleich ausgewählter Aspekte des Essays „Die helle Kammer“ von Roland Barthes mit Aspekten der Essays „Kleine Geschichte der Photographie“ und „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit“ von Walter Benjamin 4

2.1. Die unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven der Fotografie bei Roland Barthes und Walter Benjamin 4
2.2. Was passiert beim fotografischen Akt? 6
2.3. Die Rolle von Fotograf und Chemie bzw. Licht beim fotografischen Akt 11
2.4. Die Rezeption von Fotografien 13
2.5. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Begriffe „punctum“ und „Aura“ 17

2.5.1. Das Spezifische des punctums einer Fotografie 17
2.5.2. Der Zeitfaktor im punctum 19
2.5.3. Das Spezifische der Aura einer Fotografie 20
2.5.4. Ein Vergleich von punctum und Aura 22

2.6. Die Wesensmerkmale der Fotografie 23

3. Resümee 25

Literaturverzeichnis 26


 

1. Einleitung

Die Bedeutung der Erfindung der Fotografie für die Menschheit ist unumstritten groß. Aber was ist Fotografie eigentlich? Was passiert beim Fotografieren? Was grenzt das Medium Fotografie von anderen Bilddarstellungen ab? Mit diesen Fragen haben sich seit der Erfindung der Fotografie in den 30- iger Jahren des 19. Jahrhunderts immer wieder Theoretiker auseinandergesetzt. Die Werke von zwei der bedeutendsten Persönlichkeiten für die Etablierung einer Theorie über Fotografie sollen in dieser Arbeit analysiert und anhand ausgewählter Aspekte miteinander verglichen werden. Dabei handelt es sich zum einen um das Buch „Die helle Kammer“ von Roland Barthes. Dieser Text soll verglichen werden mit den Essays „Kleine Geschichte der Photographie“ und „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit“ (im Folgenden „Kunstwerkaufsatz“ genannt) von dem Kritiker und Essayisten Walter Benjamin. In einem ersten Schritt soll die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Autoren an das Medium Fotografie und die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Perspektiven erläutert werden.

Nachfolgend soll analysiert werden, was nach Ansicht von Roland Barthes bzw. Walter Benjamin beim fotografischen Akt, also im Moment der Aufnahme eines Gegenstands bzw. einer Person durch die Kamera, geschieht. Daran anschließend soll untersucht werden, welche Rolle bzw. Verantwortung dem Fotografen und der Chemie bzw. des Lichts bei der Entstehung eines Fotos aus der Perspektive der beiden Autoren zugeschrieben wird. Der nächste Analyseaspekt gilt den Gedanken von Roland Barthes und Walter Benjamin zur Rezeption von Fotografien durch den Betrachter. Daran anknüpfend soll der von Roland Barthes entwickelte Begriff des „punctums“ mit dem von Walter Benjamin geprägten Begriff der „Aura“ eines Fotos verglichen werden. Dabei soll herausgestellt werden, ob es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Begriffen gibt und welche wesentlichen Unterschiede bestehen. Der letzte Untersuchungsaspekt widmet sich den Erkenntnissen von Roland Barthes und Walter Benjamin zum Wesen der Fotografie. Es soll herausgearbeitet werden, durch welche entscheidenden Merkmale sich die Fotografie nach Auffassung der beiden Autoren von anderen bildhaften Darstellungen abgrenzt. Walter Benjamin führt in seinen beiden Aufsätzen über die Fotografie, vor allem jedoch im „Kunstwerkaufsatz“, auch Thesen über das Medium Film aus. Da es sich bei dieser Arbeit aber um eine rein fototheoretische Betrachtung handelt, wird auf diese Gedanken nicht eingegangen werden.

2. Vergleich ausgewählter Aspekte des Essays „Die helle Kammer“ von Roland Barthes mit Aspekten der Essays „Kleine Geschichte der Photographie“ und „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit“ von Walter Benjamin

2.1. Die unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven der Fotografie bei Roland Barthes und Walter Benjamin

Die Ausgangsbasis der Untersuchung des Mediums Fotografie in Roland Barthes´ Buch „Die helle Kammer“ bilden einige wenige, willkürlich ausgewählte Fotografien, die für ihn existieren. Er betrachtet diese Fotografien und versucht zu analysieren, welche persönlichen Gefühle er mit ihnen assoziieren kann. Er geht somit bei der Betrachtung der Fotografien von sich selbst als Subjekt aus und untersucht, wie die einzelnen Fotos auf ihn wirken und warum sie gerade diese Wirkung besitzen. Roland Barthes stützt sich dabei auf die Methode der Phänomenologie, welche die Lehre von den Erscheinungen bezeichnet. Mit Hilfe dieser Methode versucht er herauszufinden, was sein Bewusstsein beim Betrachten der Fotos ihm über das Wesen der Fotografie mitteilt. Indem er das Individuum „Roland Barthes“ als Erkenntnispunkt seiner Theorie einsetzt, grenzt er sich klar und deutlich sowohl zur soziologischen Sichtweise von Pierre Bourdieu als auch zur historischen und technischen Sichtweise von Walter Benjamin ab. Roland Barthes benutzt eine ahistorische Betrachtungsmethode. Er untersucht die Fotografie in der Gegenwart und aus der Sache selbst heraus.

Sein Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil versucht Barthes, das Wesen der Fotografie im Referenten des Fotos zu finden. Dabei nimmt er seine Betroffenheit von einigen Fotografien als Leitfaden für seine Analyse und versucht daraus eine allgemeinverbindliche Theorie zu entwickeln. Ausgangspunkt ist somit das, was ihn im Foto berührt. Bei seiner Betrachtung verschränkt Barthes das „Bildwerden“ und „Bildbetrachten“ miteinander, d.h. er kombiniert die beiden Sichtweisen des „eidolons“ und des „spectators“. Er geht von sich als Subjekt und Objekt der Erfahrung aus und untersucht das Wesen der Fotografie aus dieser Perspektive. Somit schließt Barthes die Sichtweise des „operators“, also des Fotografen aus, weil er als solcher keine Erfahrungen gesammelt hat.

Im zweiten Teil stellt Roland Barthes´ Mutter die zentrale Figur dar. Er reduziert seine Untersuchung auf das eine Bild seiner Mutter als fünfjährige im Wintergarten, das er uns nicht zeigt. Barthes nimmt nun nur noch die Rolle des „spectators“ ein, um in dieser Fotografie das Wesen seiner Mutter zu suchen. Walter Benjamin dagegen betrachtet die Fotografie in erster Linie in ihrem historischen und technischen Kontext. Er geht zunächst bei seiner Analyse der Fotografie in der „Kleinen Geschichte der Photographie“, ähnlich wie Roland Barthes, von einigen ausgewählten Fotografien aus, die er zu interpretieren versucht. Dabei lässt sich feststellen, dass das Essay „Kleine Geschichte der Photographie“ grundsätzlich aus zwei Teilen besteht. Im ersten Teil untersucht Benjamin die historische und technische Entwicklung der Fotografie anhand der alten Porträtfotografie, welche für ihn die Daguerreotypie darstellt. Er entwickelt seine Theorie über die Entstehung, die Blütezeit und den Verfall der Fotografie aus seiner Erfahrung bei der Betrachtung der ihm vorliegenden Bildbände und der Interpretation ausgewählter Fotografien heraus. Die Grundlage des zweiten Teils bilden zeitgenössische Fotografien, wie z.B. die Fotografien von August Sander. Sander stellt für Benjamin ein Beispiel für eine Art neuer Porträtfotografie dar. Bindeglied zwischen der alten und der neuen Porträtfotografie und somit auch zwischen den beiden Teilen ist der Fotograf Atget, der nur menschenleere Straßen im Paris um 1900 fotografiert hat. Anhand der Fotografien von Atget beschreibt Benjamin den Wiederaufstieg der Fotografie. Auf einer 3. Ebene benutzt er die Fotografie, um „zu Einsichten zu gelangen, die über die Photographie hinausreichen“1. Dabei hat Benjamin in erster Linie die Gesellschaft und deren Veränderung im Blick. Er setzt die Fotografie zu anderen kulturellen Erscheinungen, wie z.B. die Psychoanalyse, in Beziehung. Die in der „Kleinen Geschichte der Photographie“ entwickelten Begriffe, wie z.B. Aura und Reproduktion, sind Ausgangspunkte für den „Kunstwerkaufsatz“ und werden dort weiterentwickelt. Im „Kunstwerkaufsatz“ wird die Fotografie weniger als eigenständiges produktives Medium angesehen, sondern sie wird in ihrer Eigenschaft als unselbständiges Medium der technischen Reproduktion, vor allem von Kunstwerken, untersucht. In der „Kleinen Geschichte der Photographie“ war die Fotografie noch Hauptgegenstand der Untersuchung, während sie im „Kunstwerkaufsatz“ nur eine dienende Rolle einnimmt.

[...]


1 Rolf H. Kraus: „Walter Benjamin und der neue Blick auf die Photographie“, S. 27


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