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Die ägyptische Neo-Muslimbruderschaft - Legalisten wider Willen? close

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Die ägyptische Neo-Muslimbruderschaft - Legalisten wider Willen?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 32 Pages
Author: Cornelia Weinberger
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 32
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17  Entries
Language: German
Archive No.: V31752
ISBN (E-book): 978-3-638-32661-2
ISBN (Book): 978-3-640-36061-1
File size: 279 KB
Notes :
Ich habe mich in der Arbeit grundsätzlich mit dem Phänomen des islamischen Fundamentalismus, seiner Entstehung und Entwicklung, auseinandergesetzt. Die ägyptische Muslimbruderschaft bot sich dabei als islamistische Ursprungsorganisation als empirisches Beispiel an. Ich habe den derzeitigen Aufbau und die politische Orientierung der Gruppe untersucht und mich vor allem mit der Frage befasst, wie deren legalistisch-moderate Ausrichtung einzuschätzen ist.


Abstract

Das Wappen zeigt „al-qur`ān al-karīm“ - den erhabenen, den heiligen Koran umschlosssen von zwei gekreuzten Schwertern. Darunter sind die arabischen Worte „wa a´iddū“ zu lesen: „und bereitet euch vor“. Auch dies ein Verweis auf den Koran, den Teil einer Sure , der in deutscher Übersetzung lautet: „So rüstet wider sie, was ihr vermögt an Kräften und Rossehaufen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euern Feind und andre außer ihnen, die ihr nicht kennt, Allah aber kennt.“ Nun haben Wappen allegorischen Charakter. Sie vermitteln also bildhaft eine Aussage, die zumeist den Kern, die Maxime einer Gemeinschaft darstellt. Im Fall der Muslimbruderschaft nun scheint diese Maxime klar zu lauten: „Mit Schwert und Koran gegen die Ungläubigen, die Feinde Allahs!“. Ein Zeitsprung. Es ist März 2004. In einem Raum des ägyptischen Journalistenverbands stellt die Führung der Bruderschaft ihre Vorstellungen zur Reform der ägyptischen Gesellschaft vor. Soziale Ungerechtigkeit, ineffektive Politik und technologische Rückschrittlichkeit werden als die Schwachpunkte des Systems bezichtigt, in 13 Artikeln wird die Liberalisierung und Pluralisierung des politischen Systems gefordert sowie die Schaffung einer unabhängigen Justiz und die Trennung von Militär und Staatsapparat. Die Religionsfrage taucht lediglich in Zusammenhang mit der angestrebten Wirtschaftsordnung auf, die auf islamischem Recht gründen soll, darüber hinaus in einem Artikel, der Glaubensfreiheit innerhalb der Gesellschaft postuliert. Zwei Monate später. Dieselbe Führung ruft auf einer Großdemonstration zu Ehren des ermordeten Hamas-Führers Yassin zum ğihād gegen Israel auf. Daraufhin werden die Muslimbrüder in Kommentaren als „Opportunisten“ bezeichnet, deren liberale Gesinnung nur Fassade sei, die dazu diene ihr eigentliches Ziel – die Übernahme der absoluten Macht und die Reislamisierung der Gesellschaft – zu verschleiern. Liberaler Modernismus gepaart mit militantem Fundamentalismus? Lassen sich solche scheinbar offensichtlichen Widersprüche tatsächlich miteinander vereinbaren? Dieser Frage gehe in der folgenden Arbeit auf den Grund.


Excerpt (computer-generated)

Die ägyptische Neo-Muslimbruderschaft -
„Legalisten wider Willen“?

Seminararbeit
von Cornelia Weinberger

PS: „Religion und Moderne“
EUV-Frankfurt/Oder, 2004

 

[Sonderschriftzeichen werden in dieser Online-Vorschau möglicherweise nicht korrekt angezeigt!]

 

Gliederung

A) Einleitung

B) Hauptteil

I) Entstehung der Neomuslimbruderschaft

i. „ğamāca al-iĥwān al-muslimīn“ - die Gemeinschaft der Muslimbrüder
ii. Die Spaltung der islamistischen Bewegung
a) Sayyid Quţb und der islamische Radikalismus
b) Der Konservativismus der Neomuslimbrüder – Wiederaufnahme des Missionskonzepts

II) Empirische Daten und interner Aufbau

i. Mitgliedschaft und Trägerschaft
ii. Organisationsstruktur und Führung
iii. Fraktionen

III) Die Muslimbruderschaft als sozio-politischer Akteur

i. Das legalistische Konzept
ii. Engagement innerhalb der Zivilgesellschaft
iii. Die Muslimbrüder als parlamentarische Opposition

IV) Das ğihād-Konzept

V) Die Politik des Staates

i. Die 70er Jahre
ii. Das Mubarak-Regime

C) Schlussbetrachtung: Die Neomuslimbrüder - „Legalisten wider Willen“?

 


Zur Transkription arabischer Eigenwörter

Da die Schreibweisen arabischer Namen je nach Autor teilweise extrem variieren, habe ich mich soweit wie möglich an die Transkription von Gudrun Krämer (Krämer, G.: „Gottes Staat als Republik“) gehalten, die der orientalistischen Normierung folgt. Aus technischen Gründen musste ich einige Zeichen anders umschreiben, als es dem wissenschaftlichen Standard entsprochen hätte. In der folgenden Tabelle sind jedoch sämtliche Transkriptionsformen angegeben, wobei von mir vorgenommene Änderungen schattiert unterlegt sind. Bei aktuellen Namen, bei denen es oft nicht möglich ist, eine wissenschaftlich normierte Transkriptionsversion ausfindig zu machen, habe ich aus den vorhandenen Dialekttranskriptionen einen „hocharabischen Durchschnitt“ gebildet.


Einleitung

Das Wappen zeigt „al-qur`ān al-karīm“, den erhabenen, den heiligen Koran umschlosssen von zwei gekreuzten Schwertern. Darunter sind die arabischen Worte „wa aciddū“ zu lesen: „und bereitet euch vor“. Auch dies ein Verweis auf den Koran, den Teil einer Sure1, der in deutscher Übersetzung lautet: „So rüstet wider sie, was ihr vermögt an Kräften und Rossehaufen, damit in Schrecken zu setzen Allahs Feind und euern Feind und andre außer ihnen, die ihr nicht kennt, Allah aber kennt.“2 Nun haben Wappen allegorischen Charakter. Sie vermitteln also bildhaft eine Aussage, die zumeist den Kern, die Maxime einer Gemeinschaft darstellt. Im Fall der Muslimbruderschaft nun scheint diese Maxime klar zu lauten: „Mit Schwert und Koran gegen die Ungläubigen, die Feinde Allahs!“.

Zeitsprung, es ist März 2004. In einem Raum des ägyptischen Journalistenverbands stellt die Führung der Bruderschaft ihre Vorstellungen zur Reform der ägyptischen Gesellschaft vor. Soziale Ungerechtigkeit, ineffektive Politik und technologische Rückschrittlichkeit werden als die Schwachpunkte des Systems bezichtigt, in 13 Artikeln wird die Liberalisierung und Pluralisierung des politischen Systems gefordert sowie die Schaffung einer unabhängigen Justiz und die Trennung von Militär und Staatsapparat. Die Religionsfrage taucht lediglich in Zusammenhang mit der angestrebten Wirtschaftsordnung auf, die auf islamischem Recht gründen soll, darüber hinaus in einem Artikel, der Glaubensfreiheit innerhalb der Gesellschaft postuliert.

Zwei Monate später. Dieselbe Führung ruft auf einer Großdemonstration zu Ehren des ermordeten Ħamas-Führers Yassin zum ğihād gegen Israel auf. Daraufhin werden die Muslimbrüder in Kommentaren als „Opportunisten“ bezeichnet, deren liberale Gesinnung nur Fassade sei, die dazu diene ihr eigentliches Ziel – die Übernahme der absoluten Macht und die Reislamisierung der Gesellschaft – zu verschleiern. Liberaler Modernismus gepaart mit militantem Fundamentalismus? Lassen sich solche scheinbar offensichtlichen Widersprüche tatsächlich miteinander vereinbaren? In der folgenden Arbeit werde ich versuchen, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

[...]


1 Sure 8 („al-anfāl“ – „Die Beute“), Vers 60.

2 Übersetzung nach Max Henning.


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