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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 12 Pages
Author: Jörg Wunderlich
Subject: Art - Installation / Action/Performance Art / Modern Art
Details
Institution/College: University of Art and Design Halle
Tags: Weltall, Erde, Kunst, Annäherungen, Joseph, Beuys´Universalismus, Kunst, Politik
Year: 2004
Pages: 12
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-32695-7
File size: 212 KB
Einzeiliger Zeilenabstand
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Excerpt (computer-generated)
Weltall.Erde.Kunst. Annäherungen an
Joseph Beuys´Universalismus
von: Jörg Wunderlich
Gliederung
1. Einleitung
2. Zum Politikbegriff bei Beuys
3. Erweiterter Kunstbegriff und daraus abgeleitete politische Forderungen
3.1. Der grundlegende Topos des Erweiterten Kunstbegriffs
3.2. Plastische Theorie – soziale Skulptur
3.3. Soziale 3Gliederung
3.4. Veränderung der Gesellschaft – Basisdemokratie - Dritter Weg
4. Schlußbetrachtungen: Utopia und Evolution
5. Literaturverzeichnis
„Solange wir über unter dem Begriff ´Kunst und Politik´ etwas diskutieren, sprechen wir schizophren“1
1. Einleitung
Beim übergreifenden Semesterthema „Kunst und Politik“ lag es nahe, sich dem ´Planet Beuys´ über die von ihm in den Gesprächen und Vorträgen permanent entwickelte und vorgetragene Programmatik anzunähern. Sehr schnell wurde dann beim Lesen klar, daß man einen politischen Terminus von Beuys niemals als solchen belassen kann, ohne ihn nicht gleichzeitig in den mitzudenkenden Parallelebenen Evolution, Anthropologie, Kosmologie zu verankern. Egal von welchem Aspekt aus man in das komplexe Beuys-Oevre einzutauchen versucht, man sieht sich stets einer Art assoziativer Baumstruktur-artiger Universalverzweigung gegenüber, innerhalb der Beuys seine Begriffe verwendet bzw. entwickelt. Von jedem Beuys-Satz, Beuys-Gespräch, Beuys-Werk scheint ein universalistischer Sog auszugehen, der den Rezipienten auf das dahinterliegende große Ganze, die zu schaffende „soziale Skulptur“ verweist. Joseph Beuys´ Gesamtwerk besteht nach Ansicht von Peter Schata in der „ausdrücklichen Darlegung seines Welt und Menschenbildes.“2 Es ist trotz oder gerade wegen seiner vielen scheinbar auseinanderliegenden Denk- und Handlungsfelder als Einheit zu verstehen im Sinne eines großangelegten Syntheseversuchs.Dementsprechend wurde notwendigerweise auch die Person Beuys „als Einheit aus Person und Werk, aus Politiker und Künstler“ 3 betrachtet.
Hiltrud Oman mahnte auf der Beuys-Tagung 1991 in Basel mit Blick auf den kommerziellen Kunstbetrieb an, daß durch die Atomisierung des Beuysschen Werks die in ihm enthaltenen universalistischen Intentionen ihrer Schlagkraft beraubt und „ins Ästhetische Eck zurückgedrängt“ 4 würden. Gerade gegen diese „Nischenexistenz“ 5 der Kunst bzw. die unvermeidliche Praxis der „Dekoration der Systeme“ 6 mit ursprünglich transformatorisch-spirituell intendierten Kunstwerken aber kämpfte Beuys an. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die politische Dimension von Beuys´ erweitertem Kunstbegriff anhand einiger wichtiger Elemente und Herleitungen herauszuarbeiten, möglichst ohne dabei die Gesamtzusammenhänge reduzieren zu müssen.
2. Der Politikbegriff bei Beuys
Zunächst ist anzumerken, daß Beuys trotz seines temporären Auftretens als Politiker den herkömmlichen Politikbegriff ablehnte, weil dieser für ihn im modernen Sinne lediglich ein „Synonym“ für die „Verfilzung“ der „Macht des Staates mit der Macht des Geldes“ 7 darstelle: „Mir wird der Begriff des Politischen ein immer unmöglicherer.“ 8 Der bestehende westliche Parlamentarismus und sein Parteiensystem waren für Beuys „fragwürdige Gebilde“ 9 , Instanzen einer „Scheindemokratie zur Verschleierung der Macht des Geldes“10. Was sich hinter dem Politikbegriff verberge, habe „immer wieder zu großen Mißständen geführt“ 11. Etymologisch begründete Beuys die Ablehnung des Politikbegriffs mit dem Argument, daß er im Sinne der antiken Rechtskultur der Polis seinen Platz hatte, sich in der modernen „Wirtschaftskultur“12 aber aufgrund von offensichtlichem Demokratiemangel jedoch als unzeitgemäß herausstellen muß: „Die Großfinanz bestimmt heute die Politik einzelner Länder....Politiker fesseln sich selbst“13. Deshalb urteilt Beuys über den antiken, normativ-ontologischen Politikbegriff : „Politik gibt es schon lange nicht mehr“14. Als „Feind der Politik“15 ( im Sinne des realistischen Politikbegriffes nach Hobbes ) favorisierte Beuys ,wenn es um Prozesse der gesellschaftlichen Organisation geht, den Gestaltungsbegriff: „Ich bin gegen jede Politik und für das Gestaltungsprinzip“16. Der (jetzige) Politikbegriff disqualifiziere sich als unsinnig, „weil er total unorganisch ist“17.
Die institutionellen Gründungen, die Joseph Beuys initiiert bzw. an denen er mitgewirkt hat ( Deutsche Studentenpartei, Aktion Dritter Weg, FIU, GAL u.a. ) sind somit immer als Aktivitäten zu verstehen, die den Rahmen dieses Politikbegriffs zu sprengen bzw. zu erweitern suchten. Formen direkter Demokratie, politische Aktion und Intervention sind als logische emanzipatorische Schritte im Sinne der Anwendung des Gestaltungsbegriffs auf das Soziale Ganze zu verstehen. Gerade im Hinblick auf die „Realo“-Entwicklung der von ihm mitbegründeten Grünen hin bemerkte Beuys im November 1985 , daß die sogenannte „Politikfähigkeit“ alternativer Strömungen „das Schlimmste“ wäre , weil sie automatisch „Verzicht auf zukünftiges Ideenpotential“18 , also Utopieverlust bedeute. Der zeitgenössische Politikbegriff stellte sich für Beuys als diametraler Gegensatz zum zentralen Begriff der Freiheit und Selbstbestimmung dar, aus deren Verwirklichung allein eine Neugestaltung der Gesellschaft möglich sei.
3. Erweiterter Kunstbegriff und daraus resultierende politische Forderungen
3.1. Der grundlegende Topos des Erweiterten Kunstbegriffs
[...]
1) Beuys/Ende, Kunst und Politik, S.110
2) Rappmann, Schata, Harlan, Soziale Plastik, S.73
3) Jürgen Kolbe, in: Joseph Beuys: Sprechen über Deutschland, S.5
4) Hiltrud Oman, in: Harlan,Koepplin,Velhagen: Joseph-Beuys Tagung, S.273
5) Beuys, Aktive Neutralität, S.17
6) ebd.
7) Beuys/Ende, Kunst und Politik, S.14
8) Joseph Beuys, Sprechen über Deutschland, S.15
9) a.a.O., S.16
10) a.a.O., S.23
11) Beuys im Gespräch mit Friedhelm Mennekes, in: Beuys zu Christus, S.126
12) Beuys/Ende, Kunst und Politik, S.34
13) a.a.O., S. 41
14) Beuys, in: Friedhelm Mennekes, Beuys zu Christus , S.126
15) ( ebd. )
16) ( ebd. )
17) Beuys/Ende, Kunst und Politik, S.33
18) Joseph Beuys, Sprechen über Deutschland, S.21
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