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"Immer rein in die gute Stube" - Die Entwicklung des Wohnzimmers vom 19. Jahrhundert bis heute

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 18 Pages
Author: Sara Walden
Subject: Sociology - Habitation, Urban Sociology

Details

Event: Wohnsoziologisches Seminar: Wohnverhältnisse und Wohnkulturen
Institution/College: University of Duisburg-Essen
Tags: Immer, Stube, Entwicklung, Wohnzimmers, Jahrhundert, Wohnsoziologisches, Seminar, Wohnverhältnisse, Wohnkulturen
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 18
Grade: gut
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V31880
ISBN (E-book): 978-3-638-32762-6

File size: 181 KB


Excerpt (computer-generated)

"Immer rein in die gute Stube" - Die Entwicklung des
Wohnzimmers vom 19. Jahrhundert bis heute

von: Sara Walden

7. Semester

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

1. Definition des Wohnzimmers 4

1.1 Größe 4
1.2 Einrichtung 6
1.3 Funktion 8

2. Historische Wohnformen 9

2.1 Bäuerliche Lebensweise 10
2.2 Lebensweise der Handwerker 11
2.3 Heimarbeiterhaushalt 12
2.4 Bürgerlicher Haushalt 12
2.5 Proletarierhaushalt 13

3. Von der guten Stube zum Wohnzimmer 14

Fazit 16

Literaturverzeichnis 18




Einleitung

Der Mensch verbringt die meiste Zeit seines Lebens im Arbeits- und Wohnbereich (vgl. Deutscher Werkbund 1979: 5). Unter Wohnung wird „die Summe von Räumen, welche die Führung eines Haushaltes ermöglichen soll“ verstanden, dabei ist das bedeutendste Kennzeichen einer Wohnung die „Abgeschlossenheit“ (Rughöft 1992: 20). So sind Wohnungen immer baulich getrennt und separat zugänglich von anderen Wohnungen (vgl. ebd.). Seit jeher hat sich der Mensch Behausungen geschaffen, um sich vor klimatischen Einflüssen zu schützen (Flade/Roth 1987: 14). Er kann dort ungestört schlafen, essen, Kinder aufziehen usw. Gleichzeitig ermöglicht die Wohnung aber auch eine Abgrenzung. Das heißt, der Mensch kann sich jederzeit zurückziehen und vor zuviel Nähe zu anderen bewahren (vgl. ebd.). Dieses Bedürfnis nach Privatsphäre hat sich erst im Laufe des letzten Jahrhunderts herausgebildet, da man früher mit viel mehr Menschen unter einem Dach gelebt hat und die Bautechniken noch nicht so ausgereift waren. Heutige Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten wie Telefon, Internet, Kino und Fernsehen gab es damals noch nicht und aus diesem Grund besuchten sich die Leute einfach öfter, vor allem auch ohne Vorankündigung und waren gezwungen war, sich gegenseitig selbst zu unterhalten.
Durch die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz wurde es dem Menschen er-möglicht, sich abseits von seinem Beruf einen Ort zur Selbstdarstellung zu schaffen. So kann er sich in seiner Wohnung selbst verwirklichen, wie es im Beruf nicht immer möglich ist (vgl. Deutscher Werkbund 1979: 5). Das Wohnzimmer spielt dabei eine besondere Rolle, da es der Raum ist, in dem man Besuch empfängt und sich somit dort am besten darstellen kann. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung des Wohnzimmers seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert bis heute. Es wird untersucht, ob es sich bei unserem heutigen Wohnzimmer tatsächlich um ein Gemeinschaftszimmer handelt, dass von der ganzen Familie genutzt wird oder ob es sich zur „Guten Stube“ von früher entwickelt hat, die für Kinder verboten ist und nur zu „besonderen Anlässen“ genutzt wird. Dabei werde ich zunächst definieren, was in der Wohnsoziologie unter dem Begriff Wohnzimmer verstanden wird (1.) und auf die Größe (1.1), die Einrichtung (1.2) und die Funktion (1.3) dieses Raumes eingehen. Im zweiten Punkt beschreibe ich historische Wohnformen von Bauern (2.1), Handwerkern (2.2), dem Bürgertum (2.3) und dem Proletariat (2.4), aus denen sich unsere heutige Wohnweise entwickelt hat. Danach werde ich untersuchen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es zwischen der „Guten Stube“ von damals und dem heutigen Wohnzimmer gibt (3.). Zum Schluss werde ich ein Fazit ziehen, inwieweit sich die Entwicklung des Wohnzimmers auf seine Bewohner auswirkt und was zukünftig noch geändert werden sollte.

1. Definition des Wohnzimmers

Das Wohnzimmer ist zusammen mit dem Essplatz der Raum in der Wohnung, der der Gemeinschaft, also hauptsächlich Familienaktivitäten, dienen soll. Im Gegensatz zum Kinderzimmer und Elternschlafzimmer, die als Individualräume bezeichnet werden und in denen sich selten die ganze Familie aufhält und die man auch Besuchern größtenteils vorenthält (vgl. Flade/Roth 1987: 58). All die Dinge, die an Arbeit erinnern oder Lärm und Schmutz hervorrufen, versucht man deshalb, draußen zu halten, damit der Geselligkeit, aber auch der Selbstdarstellung vor Gästen nichts im Wege steht (vgl. Häußermann/Siebel 1996: 16). Aus diesem Grund ist das Wohnzimmer nach Ausstattung, Größe und Lage meist der beste Raum in der ganzen Wohnung. Leider spiegelt er aber auch die Rangfolge der Familienmitglieder und die Nutzungen in der modernen Wohnung von heute wider (vgl. ebd.). Denn oftmals ist das Wohnzimmer nur theoretisch ein Familienzimmer, das den ganzen Tag über leer steht, weil es für die Kinder allein verboten ist (Sack 1980: 15). Nur abends hält sich die ganze Familie dort auf, aber auch nur, um gemeinsam fernzusehen, statt sich wirklich miteinander zu beschäftigen. Besuch bekommen Familien oder ältere Menschen heutzutage immer seltener im Vergleich zu früher. Höchstens nachmittags kommen andere Eltern mit ihren Kindern zum Spielen vorbei und in Wohngemeinschaften herrscht teilweise auch ein ständiges Kommen und Gehen.

1.1 Größe

Gewöhnlich ist das Wohnzimmer der größte Raum der ganzen Wohnung. In Mietwohnungen und Eigenheimen nimmt das Wohnzimmer bis zu einem Drittel der Gesamtwohnfläche ein (vgl. Häußermann/Siebel 1996: 51). Generell schwankt die Größe zwischen 20 und 50 Quadratmetern (vgl. Peel 1980: 11). Das Wohnzimmer ist auch „der einzige Raum, für den die DIN 18011 ‚Stellflächen, Abstände und Bewegungsflächen im Wohnungsbau’ nur eine Mindestgröße“ von 20 Quadratmetern, bei einem zusätzlichen Essplatz 18 Quadratmeter, aber keine Höchstgröße festlegt (Häußermann/Siebel 1996: 16).
In den letzten Jahren wurden die Wohnungen vom Grundriss her immer größer, meistens zugunsten des Wohnzimmers (vgl. Häußermann/Siebel 1996: 51). Da es, wie oben bereits erwähnt, tagsüber vorwiegend völlig leer steht, ist diese Entwicklung, besonders Kindern gegenüber sehr schade. Denn für das Kinderzimmer wird nach wie vor eine Größe von acht bis zwölf Quadratmetern bei teilweise doppelter Belegung des Raumes als ausreichend angesehen (vgl. Deutscher Werkbund 1979: 84).

[...]


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