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Konfliktanalyse nach Giesecke - Theoretische Grundlagen und Beispiel

Hausarbeit, 2004, 32 Seiten
Autor: Lydia Brandl
Fach: Politik - Didaktik, politische Bildung

Details

Veranstaltung: Einführung in die Didaktik der Sozialkunde
Institution/Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Tags: Konfliktanalyse, Giesecke, Theoretische, Grundlagen, Beispiel, Einführung, Didaktik, Sozialkunde
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2004
Seiten: 32
Note: 1-
Literaturverzeichnis: ~ 6  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V32212
ISBN (E-Book): 978-3-638-32989-7

Dateigröße: 464 KB


Textauszug (computergeneriert)

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Politikwissenschaft
Seminar: Einführung in die Didaktik der Sozialkunde
LAG Deutsch/Sozialkunde (4./2.)

Konfliktanalyse nach Giesecke –
Theoretische Grundlagen und Beispiel

von: Lydia Brandl

 


Inhalt

1 Einleitung  2

2 Konfliktorientierung nach Hermann Giesecke – Theoretische Grundlagen  3

2.1 Der Konflikt als Lerngegenstand  3
2.2 Lernziele des politischen Unterrichts  5

2.2.1 „Mitbestimmung“ als oberstes Lernziel  5
2.2.2 Die Teillernziele des politischen Unterrichts  6

2.3 Die Methode „Konfliktanalyse“  9

3 Konfliktanalyse am Beispiel der Sonderabgabe auf Alkopops  13

3.1 Konfrontation 13
3.2 Analyse  13
3.3 Stellungnahme 19
3.4 Kontrovers-Verfahren 19
3.5 Generalisierung  20

4 Fazit 21

5 Anhang  22

5.1 Literatur- und Quellenverzeichnis 22
5.2 Materialien 23


 

1 Einleitung

Als Wolfgang Giesecke seine Theorie des politischen Unterrichts mit dem zu behandelnden Gegenstand „Konflikt“ 1965 erstmalig publizierte, befand sich die deutsche politische Bildung in einem weit reichenden Veränderungsprozess. Gieseckes Konflikttheorie hat sich über die Jahre hinweg als sinnvoll und durchführbar erwiesen und ist bis heute aktuell. Es gilt als eines der wichtigsten Konstrukte in der Didaktik der Politik. Um Gieseckes Konfliktorientierung im Unterricht anwenden zu können, ist es notwendig, seine theoretischen Überlegungen dazu darzulegen. Im ersten Teil der Arbeit soll dies nach einer kurzen historischen Einordnung geschehen. Die Methode der Konfliktanalyse wird erläutert. Anschließend wird eine Konfliktanalyse dargestellt. Ähnlich einem Unterrichtsentwurf sollen Überlegungen zur praktischen Durchführung der Konfliktanalyse in die Arbeit einfließen, wie Organisation der Arbeitsgruppen oder mögliche Präsentationsformen. Ziel der Arbeit soll keine persönliche Bewertung des Ansatzes Gieseckes sein als viel mehr die Betrachtung der Umsetzung im Sozialkundeunterricht.

2 Konfliktorientierung nach Hermann Giesecke – Theoretische Grundlagen

2.1 Der Konflikt als Lerngegenstand

Hermann Giesecke formuliert 1965 in seiner „Didaktik der politischen Bildung“ den Begriff des Konfliktes erstmalig als zentralen Lerngegenstand der politischen Bildung. Vorausgegangen war eine Umorientierung in der politischen Bildung und ihrer Funktion für die gegenwärtigen Industriegesellschaften in den 1960er Jahren. Erste Tendenzen dazu gab es bereits 1957 mit der Erziehungsoffensive in den USA als Reaktion auf den Sputnikstart der Sowjetunion. Erstmals stellte man die Beziehung zwischen Fortschritt und Investitionen der Technologie und Wirtschaft in Beziehung zum Bildungssystem. Die Formel „Wachstum durch Bildung“ wurde umfassend anerkannt, wobei man dabei ursprünglich mehr auf Expansion aus war als auf inhaltliche Auseinanderstetzungen [vgl. Kuhn 1990: 219f.]. Zur Debatte über den Zustand der politischen Bildung kam es schließlich aufgrund einer Reihe von Hakenkreuzschmierereinen von Jugendlichen – nicht nur in Deutschland. Die Kritik am vorherrschenden politischen Unterricht wurde stetig lauter und man fragte nach dem „Wie“.

Giesecke und so genannten die hessischen Didaktiker versuchen daraufhin, ihre vorhandene Konzeption zu etablieren. 1965 veröffentlicht Giesecke seine „Didaktik der politischen Bildung“ erstmalig, „Erziehung zum Konflikt und zum Konfliktverhalten“ [ebd.: 222] wird als Mittelpunkt der Diskussion benannt. Angelehnt an Dahrendorfs soziologische Konflikttheorie sei ein Konflikt ein normaler Vorgang, der Oppositionen bildet und legitimiert. Mit dieser Konzeption behandelt Giesecke die gestellte Wie-Frage eingehend: Der „Konflikt“ soll nicht nur zur Inhaltsauswahl dienen, sondern definiert auch das Politische als obersten Lerngegenstand. Nach Giesecke ist Politik das „noch nicht Entschiedene“, „etwas offenes, umstrittenes“. Der politische Unterricht dient damit der „Analyse aktueller politischer Konflikte“ [Kuhn 1990: 223], die nicht nur auf institutioneller, sondern besonders auf gesellschaftlicher Ebene stattfindet. Damit Jugendlichen Politik „schmackhaft“ gemacht werden kann, muss sie in ihrer Bearbeitung für den politischen Unterricht beim Alltäglichen beginnen [vgl. Gagel 1991: 8]. Walter Gagel begründet die Auswahl des Konfliktes als Lerngegenstand damit, dass „die Schüler dadurch eine realitätsnahe Vorstellung von politischer Wirklichkeit erhalten.“ [ebd.: 11ff.]. Er fasst dies mit drei Stichworten zusammen [ebd.]1, die als mentale Voraussetzung für die Behandlung von Konflikten dienen:

Konfliktfähigkeit: Den Schülern soll die Konfrontation mit Kontroversen als „[…] Normalfall des politischen Lebens […]“ begegnen. Das im Mensch vorhandene Harmoniebedürfnis muss abgebaut und die Lernenden müssen mit der „Pluralität und Widersprüchlichkeit“ vertraut gemacht werden. Abbau des ideologischen Denkens: Die im Schüler etablierten dichotomen Gesellschaftsbilder sollen mittels Konfliktorientierung aufgebrochen werden. Dabei geht es nicht darum, dem Schüler das „richtige“ oder „falsche“ Gesellschaftsbild aufzuzeigen, als vielmehr die vorhandenen politischen Gesamtvorstellungen als Teilwahrheiten anzusehen. So wird ihm der Blick auf „ein Denken in Differenzierungen, in Alternativen“ ermöglicht und wird somit „realitätsnäher“. Entzauberung des Staates: Werden dem Schüler die politischen Institutionen in Form von Lehrgängen inhaltslos beschrieben, kann sich der Eindruck von Autorität und Macht festsetzen. Stellt man dagegen den Konflikt in den Vordergrund, wird sichtbar, dass auch diese „staatlichen Autoritäten Niederlagen erleiden oder […] in Kompromissen zurückstecken [müssen].“

2.2 Lernziele des politischen Unterrichts

2.2.1 „Mitbestimmung“ als oberstes Lernziel

[...]


1 Alle folgenden Zitate in den Punkten 1. bis 3. stammen, sofern nicht anders gekennzeichnet, aus diesem Textabschnitt.


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