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Scholary Paper (Seminar), 2003, 10 Pages
Author: Frank Christian Petersen
Subject: Philosophy - Philosophy of the Present
Details
Institution/College: University of Flensburg (Soziologie)
Tags: Semantik, Alteuropas, Gesellschaft, Luhmann, Seminar, Systemtheorie, Luhmanns
Year: 2003
Pages: 10
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 3 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33000-8
File size: 205 KB
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Excerpt (computer-generated)
Semantik Alteuropas in
"Die Gesellschaft der Gesellschaft" von Luhmann
von: Frank Christian Petersen
4. Semester
Gliederung
1. Semantik Alteuropas: Ontologie
2. Semantik Alteuropas: Das Ganze und seine Teile
3. Systemtheoretische Denkansätze
(oder: Vom „Oben nach Unten“ zum „Innen und Außen“)
1. Semantik Alteuropas: Ontologie
Niklas Luhmann definiert in seiner Abhandlung über die Semantik Alteuropas aus „Die Gesellschaft der Gesellschaft“ das Gedankengut Alteuropas als römisch, griechisch und christlich geprägt, eine alteuropäische Tradition, die sich bis in unsere moderne Gesellschaft erhalten hat und in ihr weiter wirkt. Aber, so Luhmann, „die alteuropäische Tradition ist in einer Gesellschaft entstanden, die heute nicht mehr existiert“. Die Geschlossenheit mit ihrer religiösen Kontrolle und der Reichtum der Begrifflichkeiten der alteuropäischen Tradition, so Luhmann, resultiert primär aus einer stratifikatorischen Differenzierung als auch einer Differenzierung in Zentrum/Peripherie, wobei die stratifikatorische Einteilung etwa der Systematik -von oben nach unten- Adel , Klerus, Bürger, Bauern und Arbeiter etc. entspricht, während die Unterscheidung Zentrum /Peripherie sich auf das Verhältnis Stadt/Land bezieht, also eine machtzentrierte, hierarchische Beschreibung darstellt. „Die Differenzierungsform sah jeweils eine konkurrenzfreie Position für die richtige Beschreibung der Welt und der Gesellschaft vor, nämlich die Spitze der Hierarchie, den Geburtsadel, und das Zentrum der Gesellschaft, die Stadt.“
Nach Luhmann ist aufgrund der vorgenannten Differenzierungsformen Alteuropas und der römisch-griechisch-christlichen Einflüsse die dominierende Welteinstellung der vormodernen Gesellschaft ontologisch geprägt. Ontologie beschreibt Luhmann als Resultat einer Beobachtungsweise, nämlich der Unterscheidung zwischen Sein und Nichtsein; alles andere resultiere aus dieser Primärdifferenzierung und wird ihr so nachgeordnet. „Diese Unterscheidung hat ihre unnachahmliche Plausibilität in der Annahme, daß nur das Sein ist und das Nichtsein nicht ist.“ Da das Nichtsein nichts ist, kann es erstens nicht von etwas unterschieden werden, ebensowenig wie das Sein von „nichts“ unterschieden werden kann, es kommt also zu einer Paradoxie, zweitens aber bestimmt diese Denkart das Sein als singulär und somit einzig im Sinne von einzigartig und damit beherrschend, stützt und belegt die Allmacht des Schöpfers und damit der menschlichen Elite von Gottes Gnaden. „Die Ontologie garantiert mithin die Einheit der Welt als Einheit des Seins“, schreibt Luhmann.
Diese Ontologie generiert eine zweiwertige Logik in der Art eines binären Codes, also etwa Sein/Nichtsein, Wahr/Unwahr, Richtig/Falsch, Macht /Ohnmacht usw., wobei eine Seite des binären Codes immer für das Sein, das Richtige, das Wahre steht, und die andere Seite die Negation der ersten ist. Das passt zum gesellschaftlichen Differenzierungsmodus Alteuropas, wo das einzig wahre Sein aus der göttlichen Allmacht resultiert, repräsentiert auf Erden durch den Geburtsadel und den Klerus, welche die Lehre vom wahren Sein verkünden und die Abweichungen davon als falsch und unwahr klassifizieren können. Etwas anderes lässt diese ontologische Denkart nicht zu. Es gibt nur das Positive, und zur Differenzierung des Positiven gibt es dessen Negation, das Negative, das Falsche und Unwahre, welches nicht sein darf , es sei denn zur Unterscheidung, und tritt es darüber hinaus auf, so ist das Falsche und Unwahre auszumerzen, zu konvertieren zum wahren Sein. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
[...]
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