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Außenwirtschaftliche Abhängigkeit, Wirtschaftswachstum und Lebenschancen in den Entwicklungsländern: Eine Re-Analyse

Research Paper, 2004, 96 Pages
Authors: Marcus Habermann, Oliver De Capitani
Subject: Sociology - Economy and Industry

Details

Category: Research Paper
Year: 2004
Pages: 96
Grade: Sehr gut
Bibliography: ~ 40  Entries
Language: German
Archive No.: V32236
ISBN (E-book): 978-3-638-33007-7
ISBN (Book): 978-3-638-70379-6
File size: 926 KB
Notes :
In der soziologischen Forschung und insbesondere in der Dependenzforschung wird seit geraumer Zeit auch darüber debattiert, ob die Präsenz transnationaler Konzerne und deren Einfluss auf die Dritten Welt abträglich für eine nachhaltige ökonomische und soziale Entwicklung seien. Je nach Modell und Operationalisierung unterscheiden sich die Forschungsergebnisse beträchtlich. Heutzutage stellt sich die interessante Frage, ob sich die Effekte von damals mit aktuellen Datensätzen reproduzieren ...


Abstract

Einen höheren Lebensstandard für alle Menschen in den unterentwickelten Ländern zu ermöglichen, ist ein herausragendes Anliegen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und –politik. Insbesondere interessiert die Frage, welche ökonomischen und sozialen Faktoren eine nachhaltige Entwicklung begünstigen bzw. hemmen. So überrascht es nicht, dass zu dieser Thematik unzählige Studien verfasst wurden, von Autoren unterschiedlicher akademischer Fachrichtungen. Seit längerem gilt Wirtschaftwachstum als bedeutsame Grösse um die nachholende Entwicklung in der Dritten Welt zu erfassen und zu messen. In der soziologischen Forschung und insbesondere in der Dependenzforschung wird seit geraumer Zeit auch darüber debattiert, ob die Präsenz transnationaler Konzerne und deren Einfluss auf die Dritten Welt abträglich für eine nachhaltige ökonomische und soziale Entwicklung seien. Je nach Modell und Operationalisierung unterscheiden sich die Forschungsergebnisse beträchtlich. Heutzutage stellt sich die interessante Frage, ob sich die Effekte von damals mit aktuellen Datensätzen reproduzieren lassen oder neue Ergebnisse auf eine Änderung der Voraussetzungen für nachholende Entwicklung schliessen lassen. Die vorliegende Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Wirtschaftswachstum einen positiven Effekt auf den Wohlstand der Bevölkerung in den Entwicklungsländern ausübt. Ausserdem interessiert auch, inwiefern dieser Zusammenhang durch aussenwirtschaftliche Abhängigkeit direkt oder indirekt beeinflusst wird.


Excerpt (computer-generated)

 

Außenwirtschaftliche Abhängigkeit,
Wirtschaftswachstum und Lebenschancen in
den Entwicklungsländern:
Eine Re-analyse

Forschungsarbeit

am soziologischen Institut
der Universität Zürich
Philosophische Fakultät

eingereicht von

Marcus Habermann und Oliver de Capitani

Zürich, November 2004

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG ... 3

2 DEFINITIONEN UND FAKTEN ... 6
2.1 Begriffsdefinition „ausländische Direktinvestitionen“ ... 6
2.2 Zahlen und Fakten zu FDI ... 7
2.2.1 FDI Global ... 7
2.2.2 Die Verteilung der FDI nach Herkunft und Empfänger ... 9
2.2.3 Relatives Gewicht der FDI in den Entwicklungsländer, im Verhältnis zum BIP ... 10

3 THEORIETEIL ... 11
3.1 Vorgeschichte der Entwicklungstheorien ... 11
3.2 Frühe entwicklungsökonomische Theorien: Der Entwicklungskeynesianismus ... 14
3.3 Modernisierungstheorie ... 16
3.4 Die Dependenz-Theorie ... 18
3.5 Die Weltsystemtheorien ... 20
3.6 Überblick und aktuelle theoretische Debatte ... 22
3.6.1 Die konventionelle Position ... 23
3.6.2 Die pessimistische Position ... 23
3.6.3 Die skeptische Position ... 24

4 VORLÄUFER DER FIREBAUGH-STUDIE ... 25
4.1 Die BCD-Studie ... 25
4.2 Entwicklung als Befriedigung der Grundbedürfnisse I: Kindersterblichkeit und Lebenserwartung nach einem Jahr ... 26
4.3 Entwicklung als Befriedigung der Grundbedürfnisse II: Kalorienkonsumption ... 28
4.4 Firebaugh und Beck (1994) ... 30
4.4.1 Theoretische Argumentation ... 31
4.4.2 Methodische Argumentation ... 32
4.4.3 Neuerungen ... 34
4.4.4 Abgeleitete Hypothesen für diese Studie ... 35

5 METHODISCHES UND STATISTISCHES VORGEHEN ... 37
5.1 Der Ländervergleich ... 37
5.1.1 Bivariate lineare Regression und Korrelation ... 38
5.1.2 Multiple lineare Regression und multiple Korrelation ... 40
5.1.2.1 Voraussetzungen für die Anwendung einer multiplen Regressionsanalyse ... 41
5.1.2.2 Die multiple Regression: additives Modell ... 42
5.1.2.3 Die multiple Regression: interaktives Modell ... 44
5.2 Das Wachstumsraten-Modell von Firebaugh/Beck (difference of logs) ... 45
5.2.1 Semi-Differenzmodelle versus Differenzmodelle ... 46

6 ANALYSE ... 48
6.1 Variablen, Sample und Daten ... 48
6.1.1 Indikatoren und Variablen ... 48
6.1.2 Datenquellen ... 50
6.1.3 Das Sample ... 52
6.2 Die Regressionsmodelle von Firebaugh und Beck ... 54
6.2.1 Additive Modelle ... 54
6.2.2 Interaktives Modell ... 56
6.3 Empirische Ergebnisse und Interpretation ... 57
6.3.1 Bivariate Analyse ... 57
6.3.2 Multivariate Regression ... 59
6.3.2.1 Überprüfung der Voraussetzungen der multiplen Regression ... 59
6.3.2.2 Ergebnisse und Interpretation der additiven Wachstumsraten-Modelle ... 60
6.3.2.3 Ergebnisse und Interpretation des interaktiven Wachstumsraten-Modells ... 64

7 ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION ... 66
7.1 Empirische Ergebnisse ... 66
7.2 Theoretische Implikationen ... 67

8 LITERATURVERZEICHNIS ... 69

9 ANNEX ... 72

 

1 Einleitung
Einen höheren Lebensstandard für alle Menschen in den unterentwickelten Ländern zu ermöglichen, ist ein herausragendes Anliegen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und –politik. Insbesondere interessiert die Frage, welche ökonomischen und sozialen Faktoren eine nachhaltige Entwicklung begünstigen bzw. hemmen. So überrascht es nicht, dass zu dieser Thematik unzählige Studien verfasst wurden, von Autoren unterschiedlicher akademischer Fachrichtungen. Seit längerem gilt Wirtschaftwachstum als bedeutsame Grösse um die nachholende Entwicklung in der Dritten Welt zu erfassen und zu messen. In der soziologischen Forschung und insbesondere in der Dependenzforschung wird seit geraumer Zeit auch darüber debattiert, ob die Präsenz transnationaler Konzerne und deren Einfluss auf die Dritten Welt abträglich für eine nachhaltige ökonomische und soziale Entwicklung seien. Je nach Modell und Operationalisierung unterscheiden sich die Forschungsergebnisse beträchtlich. Heutzutage stellt sich die interessante Frage, ob sich die Effekte von damals mit aktuellen Datensätzen reproduzieren lassen oder neue Ergebnisse auf eine Änderung der Voraussetzungen für nachholende Entwicklung schliessen lassen.
Die vorliegende Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Wirtschaftswachstum einen positiven Effekt auf den Wohlstand der Bevölkerung in den Entwicklungsländern ausübt. Ausserdem interessiert auch, inwiefern dieser Zusammenhang durch aussenwirtschaftliche Abhängigkeit direkt oder indirekt beeinflusst wird.
Oftmals wird in der Entwicklungsforschung das Wirtschaftswachstum als zentraler Indikator für die nachholende Entwicklung in der Dritten Welt herangezogen. In theoretischer Hinsicht stellt sich jedoch die Frage, ob ökonomisches Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum überhaupt eine Aussage darüber zulässt, ob die breite Masse eines Landes gleichmässig von diesem Anstieg profitieren kann. Im Extremfall konzentrieren sich die Wohlstandsgewinne hauptsächlich bei einer kleinen Elite und der Grossteil der Bevölkerung wird kaum bessergestellt. Aus diesem Grund verwenden wir in dieser Studie Kriteriumsvariablen, welche sich nur begrenzt durch die Elite eines Staates monopolisieren lassen.
Im Bezug auf die aussenwirtschaftliche Abhängigkeit ist es fraglich, ob die breite Bevölkerung in den Entwicklungsländern von den Aktivitäten transnationaler Unternehmen aus dem Ausland überhaupt profitieren kann? - oder ob die Wirtschaft der Industriestaaten die armen Länder dieser Welt nicht vielmehr nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnützt? Dieser Fragekomplex beschäftigt die Sozialwissenschaften seit langem, und die Diskussion wird aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge und unterschiedlicher ideologischer Vorstellungen sehr kontrovers geführt. Dabei sind zwei grundsätzlich verschiedene Perspektiven entstanden, welche an späterer Stelle in dieser Arbeit als konventionelle und kritische Position vorgestellt werden. Die konventionelle Position wird hauptsächlich von Anhängern der neo-liberalen Ökonomie vertreten. Sie sehen nachholende Entwicklung in erster Linie als Funktion von Kapitalangebotserhöhung und der Übernahme hochentwickelter Technologien, moderner Werthaltungen und Verhaltensmustern. Exakt diese Ingredienzien, nämlich zusätzliches Kapital, Innovationen und moderne Werte, würden die transnationalen Konzerne durch ihre Tätigkeit in Entwicklungsländer einbringen und unterstützen so das Aufschliessen an die westlichen, entwickelten Länder. Die kritische Position rückt die transnationalen Konzerne und ihr Wirken in den Staaten der Dritten Welt in ein weit weniger positives Licht. Vertreter der im Verlauf dieser Studie vorzustellenden Dependenz- und Weltsystemtheorien sehen in der aussenwirtschaftlichen Abhängigkeit den Hauptgrund für die enttäuschenden Resultate in der Dritten Welt im Bezug auf nachholende Entwicklung. Oftmals wird die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Abkoppelung vom Weltmarkt erwähnt, um die abträglichen und verzerrenden Einflüsse von aussenwirtschaftlichen Abhängigkeitsstrukturen zu eliminieren.
Die Überprüfung der Hypothesen der konventionellen und der kritischen Position ist Gegenstand mehrerer empirischer Studien in den letzten Jahrzehnten. Volker Bornschier und Christopher Chase-Dunn haben im Jahre 1985, mit ihrer unter dem Namen BCD-Studie bekannt gewordenen Untersuchung, die Forschungsdebatte entscheidend geprägt. Es folgten mehrere anschliessende Arbeiten, welche sich in theoretischer und methodischer Hinsicht mit der obgenannten Untersuchung auseinander setzten und die Debatte weiterführten. Im Jahre 1994 veröffentlichten Glenn Firebaugh und Frank D. Beck eine Untersuchung, in welcher sie die Auswirkungen von ökonomischem Wachstum auf die Lebenschancen in den Entwicklungsländern unter Einbezug von aussenwirtschaftlicher Abhängigkeit analysierten. Methodische Mängel in den Regressionsmodellen früherer Studien wurden ausnehmend diskutiert und die Erkenntnisse führten zu einem weiterentwickelten Regressionsmodell, das sogenannte „logarithmierte Differenzmodell“. Unsere Forschungsfrage wird mit ebendiesem Modell einer erneuten empirischen Überprüfung unterzogen. Dabei werden die Hypothesen von Firebaugh und Beck im Sinne einer Replikationsstudie mit neueren Datensätzen für die Zeitspanne 1980 – 2000 getestet. Es handelt sich hierbei um einen quantitativen Ländervergleich, wobei Modelle der multiplen Regression zur Anwendung kommen.

Die vorliegende Forschungsarbeit gliedert sich in 6 Teile.
In Kapitel 2 wird auf das Konzept der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) eingegangen. Wie werden sie definiert und welche theoretische Argumente sprechen für und gegen eine Verwendung dieser Grösse? Ausserdem erhält der Leser eine Übersicht der empirischen Verteilung von FDI in der Welt und einen kurzen historischen Abriss über die Entwicklungen im letzten Jahrzehnt.
Das dritte Kapitel befasst sich mit den Entwicklungstheorien und der aktuellen theoretischen Debatte. In einem ersten Schritt werden die gängigen Entwicklungstheorien in chronologischer Reihenfolge vorgestellt und die zentralen Argumentationsstränge diskutiert. Dies soll dazu beitragen, die späteren Analysen und deren Ergebnisse in einen möglichst breiten theoretischen Rahmen einzubetten. In einem zweiten Schritt wird die aktuelle Debatte aufgearbeitet, welche sich im wesentlichen auf drei Positionen - die konventionelle, die kritische und die skeptische - reduzieren lässt.
Im nächsten Teil der vorliegenden Arbeit sind die wichtigsten Untersuchungen aufgeführt, welche noch vor der Studie von Firebaugh und Beck (1994) veröffentlicht wurden und letztere entscheidend geprägt haben. Besonderes ausführlich ist freilich die genannte Arbeit von Firebaugh und Beck beschrieben, auf welcher unsere Replikationstudie aufbaut.
Das fünfte Kapitel widmet sich den zentralen statistischen Konzepten und deren Herleitung in ihren Grundzügen. Dazu gehört auch die Beschreibung des logarithmierten Differenzmodells, welches in unseren statistischen Berechnungen Verwendung findet.
In Kapitel 6 geht es schliesslich um die eigentliche statistische Analyse. Es werden das Sample und die Variablen im Detail vorgestellt, sowie die Datenquellen offengelegt. Im weiteren sind die Ergebnisse der additiven und interaktiven Modelle aufgeführt, interpretiert und kommentiert.
Im letzten Teil werden schlussendlich die resultierenden Erkenntnisse dieser Studie diskutiert. Es werden theoretische Implikationen der statistischen Ergebnisse vorgestellt und auf weiterführende Forschungsfragen hingewiesen.

2 Definitionen und Fakten
2.1 Begriffsdefinition „ausländische Direktinvestitionen“
In diesem Kapitel soll die von Firebaugh und Beck für ihre empirische Untersuchung aus dem Jahre 1994 verwendete zentrale Grösse „ausländische Direktinvestitionen“ theoretisch durchleuchtet werden. Informationen über die exakten Operationalisierung- und Transformationsprozesse sowie eine regressionsanalytische und methodische Diskussion ist ab Kapitel 4 dieser Studie nachzulesen.

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