Der Wertewandel von 1950 bis heute - Begriffsdefinition und Problematik der Werterziehung

Autor: Sabine Heil
Fach: Pädagogik - Geschichte der Päd.

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Details

Veranstaltung: Mittelseminar
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2002
Seiten: 19
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 211 KB
Archivnummer: V32239
ISBN (E-Book): 978-3-638-33010-7
Anmerkungen :
Chronologisch in Jahrzehnte aufgegliederte Geschichte des Wertbegriffs und der Werterziehung, Erläuterungen zur aktuellen Diskussion über Schlagworte wie "Wertewandel" und "Werteverfall" und ein kleiner Zukunftsausblick

Textauszug (computergeneriert)

Der Wertewandel von 1950 bis heute - Begriffsdefinition und
Problematik der Werterziehung

von: Sabine Heil

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite 3

2.1. Moralerziehungsmodelle Seite 4

3.1. Der Wertbegriff Seite 5

3.2.1. Ziel - Definition Seite 6
3.2.2. Norm - Definition Seite 6
3.2.3. Wert - Definition und Geschichte Seite 6

3.3. Werterziehung Seite 8

4.1. Der Wertewandel Seite 10
4.2. Werte in den 50er- und 60er-Jahren Seite 10
4.3. Die 68er-Bewegung und ihre Folgen Seite 11
4.4. Werte in den 70er- und 80er-Jahren Seite 12
4.5. Werte in den 90ern und 2000ern Seite 13

5. Werteverfall? Werte und ihre Tradierung in der Zukunft Seite 15

6. Zusammenfassung Seite 18

7.1. Quellenverzeichnis Seite 19
7.2. Internet-Adressen Seite 19
7.3. Forschungsliteratur Seite 19


 

1. Einleitung

Die Menschheit orientiert sich seit ihrem Beginn an Normen und Zielen, die auf Werten beruhten. Aber mit dem Wandel der Zeit ändern sich auch die Wertvorstellungen. Ist es richtig, heute sogar von einem Werteverfall zu sprechen? In meiner Seminararbeit befasse ich mich mit der Definition des Wertbegriffs, dem Wertewandel und der aktuellen Diskussion darüber. Im ersten Teil meiner Arbeit erkläre ich ansatzweise (da wir im Seminar ausführlich darüber sprachen) die zwei Erziehungsmodelle von Kant und Kohlberg, um zu verdeutlichen wie wichtig Moralerziehung und damit die Vermittlung von Werten früher war und heute noch ist. Dann definiere ich den Wertbegriff, wozu ich größtenteils klassische Literatur aus der Pädagogik, spezifische zum Thema Sozialisation, sowie Lexika zur Hilfe genommen habe. Anschließend gehe ich näher auf die Problematik der Werterziehung ein und erkläre die Bezeichnungen Wertrelativismus und Wertneutralität. Das Hauptthema meiner Seminararbeit, der Wertewandel seit der Nachkriegszeit, ist unterteilt in Abschnitte, die jeweils eine Zeitspanne von etwa 20 Jahren umfassen. Meine Ausarbeitung beschränkt sich auf die westlichen Industriegesellschaften, dabei vorwiegend auf Deutschland. Ich gebe partiell einen kurzen Einblick in die Geschichte, da sie oft (in-)direkten Einfluss auf die Werteverschiebung hatte. Schlagwörter wie Wertpluralismus und Globalisierung erläutere ich vor dem Hintergrund des aktuellen Wertewandels. Anschließend versuche ich zu beantworten, ob die Betonung eines momentanen Werteverfalls gerechtfertigt ist. Für Informatione n bezüglich dieses Themas habe ich mich u.a. an aktuelleren Medien wie Internet und Zeitschriften orientiert, um die größtmögliche Aktualität zu erlangen. Für einen spekulativen Blick in die Werte-Zukunft habe ich Literatur des Zukunftforschers H.W.Opaschowski verwendet.

2.1. Moralerziehungsmodelle

Aus sozial, kulturell und wirtschaftlich bedingten unterschiedlichen Wertorientierungen resultieren kontroverse Zielvorstellungen über die Wertevermittlung in der Erziehung. Sinn einer Moralerziehung ist es, sowohl Werte als auch Normen reflektieren zu lernen und sich so „mit den Grundlagen“ des „eigenen und des gesellschaftlichen Daseins überhaupt zu befassen“1. Immanuel Kant und Lawrence Kohlberg entwickelten zwei Moralerziehungsmodelle, die ich hier kurz vorstellen möchte. Kant, ein Verfechter der Aufklärung, beschäftigte sich mit der Erziehung zur Sittlichkeit und stellte dazu Maximen auf (Kategorischer Imperativ). Demnach ist der Mensch sowohl Verstandswesen, das ihn zum vernünftigen Handeln treibt, als auch Sinneswesen, weil er Naturgesetzen unterliegt. Aufgabe einer Moralerziehung ist nach Kant, den Willen vernunftgemäß auszurichten, dann erst sei sittliches und moralisches Handeln möglich. Schwer nachvollziehbar bei seiner Theorie ist die Vorstellung, dass dieser Wille zum moralischen, guten Handeln aus eigenem Antrieb erfolgen solle – allerdings sei das erst möglich, wenn die Erziehung zur Disziplinierung, Kultivierung und Zivilisierung bereits erfolgt ist. Die Moralisierung stellt – da nicht erziehbar – die schwierigste seiner Erziehungsstufen dar und ist nur durch Selbstbestimmung und autonomes Handeln möglich.

Kohlberg hat - in Anlehnung an Piagets Analysen - ein „Stufenmodell der moralischen Entwicklung“ entworfen, indem er der Fragestellung nachging, wie Menschen „gesellschaftlich akzeptierte moralische Wertvorstellungen zu eigenen persönlichen Wertvorstellung machen“2. Nach Kohlbergs Beobachtungen von Heranwachsenden wird Moralentwicklung möglich durch das Sammeln von Erfahrungen, durch aktives Lernen, Erleben und Aneignen. Der Wille nach Gerechtigkeit, das Gute im Menschen, muss aber auch schon grundsätzlich vorhanden sein und kann nicht erst anerzogen werden. Die Kinder und Jugendlichen bzw. später Erwachsenen durchlaufen maximal sechs verschiedene Entwicklungsstufen, die vom sogenannten vorkonventionellen Stadium über das konventionelle Stadium zum postkonventionellen Stadium führen. Der Übergang erfolgt der Reihe nach, erst wenn eine Stufe abgeschlossen wurde, kann die nächste erlernt werden. Die höchste, am Schwersten erreichbare Stufe, die „Orientierung an universellen ethischen Prinzipien oder am Gewissen“ (a.a.O.), ist wie die vorletzte Stufe grundsätzlich nicht erziehbar – ähnlich wie bei Kant.

[...]


1 Kron 2001, S.57/58

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