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Väter und Söhne in Storms Novellen 'Carsten Curator' und 'Hans und Heinz Kirch'

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 27 Pages
Author: Antje Dietz
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 27
Grade: 2+
Bibliography: ~ 32  Entries
Language: German
Archive No.: V32306
ISBN (E-book): 978-3-638-33057-2
ISBN (Book): 978-3-638-68723-2
File size: 251 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Darstellung von Vätern und Söhnen in Storms Novellen „Carsten Curator“ (1878) und „Hans und Heinz Kirch“ (1881/1882). Anhand des in beiden Novellen vorkommenden Vater-Sohn-Konfliktes sollen einerseits die autobiografischen Züge beider Novellen näher betrachtet werden, anderseits die Leitmotivik und die Aufnahme der Novellen. Im Folgenden wird Storms Verhältnis zu seiner eigenen Familie dargestellt, um darzustellen wie es zur Motivation kam, sich mit dem Thema „Väter und Söhne“ zu befassen. Bei der Besprechung der einzelnen Novelle wird auf die autobiografischen Einflüsse jedoch detaillierter eingegangen. Storm stellt in beiden Novellen die Väter und Söhne und die Konflikte unterschiedlich dar. Dies und die Frage nach der Schuld wird im Kontext der eigenen Lebenssituation Storms erläutert. Wie in jeder anderen Epoche auch stellte sich auch im 19. Jh. die Frage, wie man Wirklichkeit in der Literatur angemessen darstellen kann. Auf Grund von sich rasch verändernden Lebensbedingungen kamen immer mehr und mehr Zweifel auf, was die Wirklichkeit denn überhaupt sei. Hier soll nun untersucht werden, wie die Wirklichkeit in beiden Novellen dargestellt wird. Des weiteren soll die Dokumentation der Tragik der Novellen nicht unbeachtet bleiben. Zum Schluss soll untersucht werden ob und inwiefern man in beiden Novellen von einer Gesellschaftskritik an der Gründerzeit sprechen kann.


Excerpt (computer-generated)

Institut für deutsche Sprache und Literatur II
Hauptseminar: Theodor Storm: Novellen
WS 2003/2004

Väter und Söhne in Storms Novellen „Carsten Curator“ 
und „Hans und Heinz Kirch“

Autorin:

Antje Dietz

1.HF: Germanistik
2.HF: Pädagogik
8. Fachsemester

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 1

1. Storms Familie und sein Familienbild 2

2. Carsten Curator (1878) 5
2.1. Autobiografische Hintergründe 6
2.2. Culpa Patris - Culpa Sanguinis 8
2.3. Rezeption 9

3. Hans und Heinz Kirch (1881/1882) 10
3.1. Autobiografische Hintergründe 10
3.2. Rezeption 12

4. Darstellung des Vater-Sohn-Konflikts 13
4.1. Die unterschiedlichen Rollen der Väter 13
4.2. Die Darstellung der Söhne 15
4.3. Die Frage nach der Schuld 16

5. Novellistik 18
5.1. Darstellung der Wirklichkeit 18
5.2. Tragik 19

6. Gesellschaftskritik 20

Schlussbetrachtung 22

Literaturverzeichnis 23

 

Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Darstellung des Verhältnisses von Vätern und Söhnen in Storms Novellen „Carsten Curator“ (1878) und „Hans und Heinz Kirch“ (1881/1882). Anhand des in beiden Novellen vorkommenden Vater-Sohn-Konfliktes sollen einerseits die autobiografischen Züge beider Novellen näher betrachtet werden, anderseits die Rezeption der Novellen in der zeitgenössischen Kritik. Im Folgenden wird Storms Verhältnis zu seiner eigenen Familie dargestellt, um die Motivation aufzuzeigen sich mit dem Thema „Väter und Söhne“ zu befassen. Bei der Besprechung der einzelnen Novelle wird auf die autobiografischen Einflüsse jedoch detaillierter eingegangen.

Storm stellt in beiden Novellen Väter und Söhne und ihre Konflikte unterschiedlich dar. Dies und die Frage nach der Schuld wird im Kontext der eigenen Lebenssituation Storms erläutert.

Auch im 19. Jahrhundert stellte sich die Frage, wie man Wirklichkeit in der Literatur angemessen präsentieren kann. Auf Grund von sich rasch verändernden Lebensbedingungen kamen immer mehr und mehr Zweifel darüber auf, von welcher Art die Wirklichkeit denn überhaupt sei. Hier soll nun untersucht werden, wie die Wirklichkeit in beiden Novellen gesehen wird.

Des weiteren wird die Dokumentation auch auf die Tragik der Novellen eingehen.
Zum Schluss soll untersucht werden, ob beziehungsweise inwiefern man in beiden Novellen von einer Gesellschaftskritik an der Gründerzeit sprechen kann.

1. Storms Familie und sein Familienbild

Geboren am 14. September 1817 in Husum, wuchs Hans Theodor Woldsen Storm als „ein froher, fast übermütiger Junge, im Spiel mit anderen Knaben einer der tollsten“1 auf. Er selbst gab zu, dass „wenig an ihm erzogen wurde“2. Von seinen Eltern Johann Casimir und Lucie Storm wurden ihm nur wenige Grenzen gesetzt, er führte als Kind ein ungezwungenes Leben. 

1846 heiratete Theodor Storm seine Cousine Constanze Esmarch. Das Paar bekam 7 Kinder (1848 Hans, 1851 Ernst, 1853 Karl, 1855 Lisbeth, 1860 Lucie, 1863 Elsabe, 1865 Gertrud). Constanze starb nur drei Wochen nach der Geburt von Gertrud. Storm litt stark unter diesem Schicksalsschlag, war doch für ihn die Familie nun unvollständig geworden. Er versuchte sich durch längere Reisen abzulenken und heiratete 1866 seine Jugendliebe Dorothea Jensen. 1868 kommt das einzige gemeinsame Kind Friederike zur Welt.3

Als Vater erzog Storm seine Kinder frei, ja sogar antiautoritär. Im Gegensatz zur damals üblichen Erziehung bemühte sich Storm um eine emotionale Bindung an seine Kinder und stellte sich nicht als autoritärer Vater dar. 4 „Storm sieht die Autorität des Vaters nur als akzeptabel, wenn sie einhergeht mit dem Vertrauen bei den Kindern, gerecht behandelt zu werden“.5 Er war sehr stolz auf seine unkonventionellen Erziehungsmethoden. Seine Kinder waren für ihn enge Vertraute, denen gegenüber er seine Ängste und Nöte aussprechen konnte. Storms Briefwechsel mit seinen Kindern (über 1000 Briefe sind bekannt)6 zeugt davon. Die Briefe waren aber auch geprägt von väterlichen Ratschlägen und Verhaltensmaßregeln. So zum Beispiel ermahnt er seinen Lieblings- Sohn Hans des öfteren zu Sparsamkeit und Fleiß, bittet ihn an seine Familie, vor allem an den Vater, zu denken und regelmäßig zu schreiben Er nennt ihn liebevoll „meinen alten Jungen“ und ist nachgiebig, wenn Hans eine alte Uhr versetzt“.7

Storm erkannte früh, dass eine fundierte Ausbildung und standesgemäße Bildung für den Status der Nachkommenschaft wichtig war, auch wenn die Ausbildung seiner Söhne nicht wie erhofft verlief. Sein ältester Sohn Hans erwies sich als besonders existenzunfähig. Nach elf Jahren Medizinstudium an acht verschiedenen Studienorten und diversen nicht angetretenen beziehungsweise nicht bestandenen Prüfungen, schaffte er es 1877 (mit massiver Unterstützung seines Vaters, der eigens nach Würzburg gereist kam) sein medizinisches Examen zu bestehen, aber auch Vater Storms Hilfe bei der Beschaffung von Anstellungen hilft ihm nicht sich eine eigene Existenz aufzubauen. Er häuft Schulden an, ist zeitweilig verschollen und 1886 stirbt er lungenkrank an den Folgen seiner jahrelangen Trunksucht. 

[....]


1 Vgl. Laage, K.E.: Theodor Storm. Leben und Werk. A.a.O.: 1999. S. 8

2 ebenda. S. 8

3 ebenda. S. 53

4 Vgl. Laage, K.E.: Theodor Storm. Eine Biographie. A.a.O.: 1999. S. 32

5 Tschorn, Wolfgang: Idylle und Verfall. Die Realität der Familie im Werk Theodor Storms. A.a.O.:, 1978. S. 69

6 Vgl. Laage, K.E.: Theodor Storm. Eine Biographie. A.a.O.:. 1999. S. 87

7 Vgl Bollenbeck, Georg: Theodor Storm - Eine Biographie. Frankfurt: Insel 1988. S. 283


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