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Examination Thesis, 2003, 126 Pages
Author: Claire Bäcker
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Tags: Verfilmte, Kinderliteratur, Medienpädagogische, Analyse, Wigands, Adaption, Klassenzimmer
Year: 2003
Pages: 126
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 48 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33119-7
File size: 945 KB
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Excerpt (computer-generated)
Justus-Liebig Universität Gießen
Verfilmte Kinderliteratur: Medienpädagogische Analyse von T. Wigands Adaption Das fliegende Klassenzimmer (2003)
Examensarbeit
eingereicht von
Claire Bäcker
2003
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3 - 7
1. Zum Autor Erich Kästner ... 8 - 15
1.1 Über seine Kindheit ... 8 - 10
1.2 Über die Entstehung und die Entstehungszeit des Kinderromans „Das fliegende Klassenzimmer“ ... 10 - 11
1.3 Weitere Werke ... 12 - 15
2. Der Film ... 15 - 77
2.1 Sequenzplan ... 19 - 32
2.2 Strukturelemente ... 32 - 52
2.2.1 Kameraführung ... 32 - 33
2.2.2 Filmische Erzählweise und Erzählerfunktion ... 33 - 35
2.2.3 Spannung ... 35 - 47
2.2.4 Sprache ... 47 - 50
2.2.5 Musik ... 50 - 52
2.3 Personen und Personenkonstellation ... 52 - 77
2.3.1 Kinder ... 53 - 66
2.3.2 Erwachsene ... 67 - 77
3. Buch und Film ... 78 - 93
3.1 Das Buch zum Film ... 78 - 79
3.2 Vergleich von Buch und Film (Buch - Film - Synopse) ... 80 - 91
3.2.1 Handlungsverlauf ... 91 - 93
4. Detailanalyse ... 93 - 113
4.1 Die Darstellung des Jonathan Trotz ... 95 - 103
4.1.1 Johnny als Erzähler: Sequenz 1.2 – 1.3 ... 95 - 97
4.1.2 Johnny als Vertrauensperson: Sequenz 10.3 ... 97 - 98
4.1.3 Johnny im Umgang mit Konflikten: Sequenz 11.0 ... 99 - 101
4.1.4 Johnny als Freund: Sequenz 14.2 ... 101 - 103
4.2 Abweichungen von der Romanvorlage ... 104 - 113
4.2.1 Johnny, der Neuankömmling: Sequenz 4.2 ... 104 - 105
4.2.2 Monas Geburtstagsfeier: Sequenz 10.2 – 10.2.1 ... 105 - 108
4.2.3 Justus und der Nichtraucher: Sequenz 11.3 – 11.3.1 ... 108 - 110
4.2.4 „Das fliegende Klassenzimmer“: Sequenz 14.0 ... 110 - 113
5. Abschließende Betrachtung ... 114 - 120
6. Literatur
7. Anhang
7.1 Filmographie
7.2 Produktions- und Rezeptionsaspekte
7.3 Rezensionen und Pressenotizen
EINLEITUNG
Medien bestimmen unseren Alltag, unser Leben – und natürlich auch das der Kinder. Fernsehen, Video und Computer gehören ebenso dazu wie das Buch, die Zeitung oder die Zeitschrift. Hier ist vor allem der Bereich der Kinder- und Jugendliteratur (KJL) von Interesse, ihre besondere Wichtigkeit und herausgehobene Stellung ist unumstritten. Zum einen wird die Kinder- und Jugendliteratur als eine Art Sozialisationsmittel verstanden. Dabei sollen Kinder über Literatur dahingehend „erzogen“ werden, dass sie ihre eigenen Wahrnehmungsmöglichkeiten weiterentwickeln, indem sie an Erlebnissen, emotionalen Einstellungen und Erkenntnissen literarischer „Helden“ teilhaben und diese verarbeiten.1 Zum anderen wird Kinder- und Jugendliteratur als kindgemäße Literatur definiert. „Dazu gehört dann, dass solche Stoffe und Themen eine Rolle spielen, die jeweils aktuelle kindliche Bedürfnisse, Wünsche erfüllen: Spiel, Abenteuer, Tierfreundschaften, erste Liebe.“2 Es gilt in diesem Bereich, die Freude und das Interesse der Schüler an Kinder- und Jugendliteratur zu bewahren bzw. zunächst zu wecken.3 „Kinder zum Lesen und zur Literatur hinzuführen gehört zu den zentralen Aufgaben des Deutschunterrichts. Angesichts einer sich rapide verändernden Medienumwelt steht die Schule heute vor einer schwer zu bewältigenden Aufgabe.“4 Diese besteht darin, die Lesesozialisation von Kindern zu übernehmen, und das macht die Einbeziehung umfangreicher Texte, (insbesondere von Kinder- und Jugendliteratur) in den Grundschulunterricht erforderlich. Im häuslichen Bereich wie auch in der Schule hat sich mittlerweile allerdings ein spezielles Medium durchgesetzt, das die Kindheit in besonderer Weise begleitet: das Fernsehen. Es fasziniert durch eine Vielzahl von bewegten Bildern, eine Gleichzeitigkeit von Ereignis und Affekt, faszinierende Rasanz in der Präsentation und eine Vielzahl visueller Effekte. 5
Aufgrund dieser Tatsache stellt sich die Frage: Wie leitet man Kinder - in einer zunehmend visuell bestimmten Welt - zum richtigen Umgang mit solchen Bildern an?
Denn Bilder im Fernsehen erscheinen in besonderer Weise unmittelbar, sinnlich, überzeugend und wahr, aber sie können auch manipulieren.
Da das Fernsehen jedoch nicht mehr aus der Realität zu verbannen ist – und das soll es auch gar nicht –, ist es besonders wichtig, Schülern und Schülerinnen schon in der Grundschule Anleitungsmuster zu geben, die sie zum kritischen Umgang mit Medien befähigen. Diese „Fähigkeit, Medien selbst aktiv für eigene Zwecke zu nutzen, setzt das Verständnis über die Machart, Wirkungsweisen und Aussagen der Medien voraus.“6 Deshalb fordert der Rahmenplan für die Grundschule Hessen, dass „in Anbetracht der wachsenden Komplexität der Medienlandschaft und ihrer zunehmenden Bedeutung auch für die Kinder […] es Aufgabe der Medienerziehung [ist], zu einem bewussten Gebrauch der Medien zu führen und eine kritische Einstellung ihnen gegenüber zu entwickeln.“7 Gefordert ist also eine Medienerziehung, die verhindert, dass Kinder der suggestiven Macht der Bilder ausgeliefert sind.
Die Liste der Vorwürfe gegen das Fernsehen und die Liste der TV-bedingten Schäden ist umfangreich: „Literaturwissenschaftler befürchten einen Sprachverfall, Soziologen entsetzen sich über die zunehmende Gewaltbereitschaft, Psychologen beklagen die Verkümmerung sozialer Kontakte, Lehrer registrieren Konzentrationsschwächen, Wahrnehmungsverzerrungen und Fantasielosigkeit bei den Schülern, Kinderärzte monieren Haltungsschäden, Bewegungsarmut und Schlafstörungen – und für all das wird das Fernsehen verantwortlich gemacht.“8
Einerseits können Mediendarbietungen auf Kinder negative Wirkungen haben, andererseits „brauchen Kinder Fernsehen“9 (Bruno Bettelheim), weil viele Filme Situationen beschreiben, die Kinder in ihrer eigenen Realität nicht ausleben können. Tulodziecki beschreibt die Mediennutzung von Kindern als „bedürfnisbezogene Handlung“, die der jeweiligen Lebenssituation der Kinder entspricht – nicht aber immer den Wünschen der Eltern oder der Pädagogen. Kindliche Mediennutzung geschieht nicht nur im Schutzraum der elterlichen Zuwendung beim gemeinsamen Sehen, denn so bliebe den Kindern kein „Geheimnisraum“10 eines eigenständigen Lebens mehr. „Kinder brauchen diesen Raum zur Subjektkonstitution und Identitätsbildung.“ 11
Für die Orientierungssuche der Kinder spielen Helden und Heldinnen des Fernsehens – wie die der Kinder- und Jugendliteratur - eine entscheidende Rolle. Sie beobachten deren Charakter, deren Verhaltensweisen und deren Umgang mit anderen und mit Konflikten. Die Kinder prüfen an ihnen ihr Selbstkonzept oder projizieren auf sie ihre Wünsche.
Deshalb ist es wichtig, Kindern bereits in der Grundschule Anleitungen zum Umgang mit den Medien zu geben. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher eingehend mit dem Thema „Filmanalyse“. Es wurde dafür die Neuverfilmung des Klassikers „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner ausgewählt. Helga Theunert hat in ihrem Bericht „Kinder und Medien“ erkannt, dass die Identifikation mit Fernsehfiguren und das Ausprobieren von deren Handlungsweisen in Spiel, Fantasie und Tagträumen ein wichtiger Weg für Kinder ist, die vom Fernsehen angebotenen Orientierungen auf ihre Brauchbarkeit hin „abzuklopfen“.12 Daher erscheint der ausgewählte Film besonders geeignet; denn auf der einen Seite hat er einen Bezug zur Lebenswelt der Schüler (sonst ist keine Auseinandersetzung möglich), auf der anderen Seite vermittelt dieser Film Werte wie Freundschaft, Respekt und Loyalität: Werte und Ideale also, an denen sich die Kinder orientieren können und die sie auf ihrer Identitätssuche ein Stück weiter bringen.
Um das Thema „Verfilmte Kinderliteratur: Medienpädagogische Analyse von T. Wigands Adaption „Das fliegende Klassenzimmer“ (2003)“ angemessen zu bearbeiten, gliedere ich es in vier zentrale Schwerpunkte auf, die gleichermaßen die literarische Vorlage Kästners sowie die neueste filmische Adaption von T. Wigand untersuchen und auswerten. Im Einzelnen lauten die vier Schwerpunkte:
- Zum Autor Erich Kästner
- Der Film
- Buch und Film
- Detailanalyse
Das methodische Vorgehen bei der vorliegenden Arbeit stellt sich demnach folgendermaßen dar:
Damit ein Bezug zur literarischen Vorlage, einem Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, hergestellt werden kann, scheint es mir notwendig, sich mit dem Autor, seinem Lebens- und Schaffensweg sowie der Entstehung seines Werkes eingehend zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang ist es von besonderem Interesse, zu untersuchen, ob und in wie weit biographische Züge des Autors sowie historische Hintergründe seiner Zeit in die Werke, speziell in seinen Kinderroman „Das fliegende Klassenzimmer“ einfließen.
Aufbauend auf einem ausführlichen Sequenzplan untersuche ich im zweiten Schwerpunkt der Filmbetrachtung die zentralen Strukturelemente (Kamera, Filmische Erzählweise und Erzählerfunktion, Spannung, Sprache und Musik) sowie die Personen und die Personenkonstellation. Bei dieser Untersuchung habe ich mich von der Frage leiten lassen, welche Absicht die Filmemacher mit dem gezielten Einsatz einiger filmsprachlicher Mittel verfolgen.
Nachdem an dieser Stelle die literarische Vorlage „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner sowie der Film selbst umfassend untersucht wurden, vergleiche ich in einem dritten Schwerpunkt Buch und Film miteinander. Diese Buch - Film – Synopse habe ich mit dem Ziel durchgeführt, Abweichungen von der Romanvorlage festzustellen. Interessant ist hierbei, herauszuarbeiten, wie der 1933 entstandene Roman ins Jahr 2003 transformiert werden konnte.
Dieser Vergleich mündet im vierten Schwerpunkt in einer Analyse, die sich nun ausschließlich auf Detailbetrachtungen konzentriert. Zum einen wird die anfangs aufgestellte These, dass sowohl literarische als auch Filmhelden Kindern als Identifikationsfiguren dienen, aufgegriffen. Dementsprechend werden im ersten Teil der Detailanalyse ausschließlich Sequenzen um Jonathan Trotz (Johnny) gezielt ausgewählt und analysiert. Zum anderen ist es von besonderer Wichtigkeit, sich dem in Punkt 3 erkannten Abweichungen / Aktualisierungen des Films gesondert zu widmen, diese filmsprachlich zu analysieren und zu hinterfragen. Demnach besteht der zweite Teil der Detailanalyse aus Szenen, die im Buch entweder gar nicht oder in abgewandelter Fassung vorkommen.
Das letzte Kapitel „Abschließende Betrachtung“ unterlegt die gewonnenen Erkenntnisse mit zusätzlichen Hintergrundinformationen und ordnet diese ein, um sie letztlich wertend vor dem Hintergrund der Aktualisierungen zu betrachten.
Die ausführliche Filmografie, Rezensionen und Pressenotizen finden sich gesondert im Anhang.
1. Zum Autor Erich Kästner
Aufgrund meiner Vorkenntnisse über Kästners Biographie lassen sich schon jetzt einige Parallelen zum Buch „Das fliegende Klassenzimmer“ erkennen. Aus diesem Grund werden im Folgenden Kindheit und Schulzeit Kästners skizziert. Um den Blick auf die Person des Autors zu vervollständigen, wird ebenso Bezug auf sein literarisches Schaffen, besonders auf die Entstehung des „Fliegenden Klassenzimmers“ genommen.
[...]
1 vgl. Hessische Rahmenrichtlinien, Wiesbaden: 1979, S. 113.
2 Carsten Gansel: Moderne Kinder- und Jugendliteratur, Berlin: Cornelsen Scriptor, 1999, S. 13.
3 vgl. Hessisches Kultusministerium: Rahmenplan für die Grundschule Hessen, Frankfurt/Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1995, S. 106.
4 ebd.
5 vgl. Bettina Hurrelmann: Kinderkultur: Produktiver Umgang mit Büchern, in: Grundschulzeitschrift, Sonderdruck Deutsch, S. 90-95.
6 Hessisches Kultusministerium: Rahmenplan für die Grundschule Hessen, Frankfurt/Main: Verlag Moritz Diesterweg, 1995, S. 270.
7 ebd. S. 270.
8 Michael Sahr: Kinder – Bücher – Verfilmungen – Der literarische Kinderfilm im Unterricht, Kallmünz: Verlag Michael Lassleben, 1997, S. 10.
9 ebd.
10 vgl. Gerhard Tulodziecki: Erziehung und Bildung im Medienzusammenhang – Ziele, Bedingungen, Aufgaben und Kompetenzen, in: Joachim von Gottberg / Lothar Mikos / Dieter Weidemann: Kinder an die Fernbedienung – Konzepte und Kontroversen zum Kinderfilm und Kinderfernsehen, Berlin: VISTAS Verlag GmbH, 1997, S. 175 188.
11 ebd., S. 61.
12 vgl. Helga Theunert: Kinder und Medien, in: Jürgen Hüther / Bernd Schorb / Christiane Brehm-Klotz: Grundbegriffe Medienpädagogik, München: KoPäd Verlag, 1997, S. 189.
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