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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 25 Pages
Author: Janine Hertlein
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Institut für Deutsche Sprache und Literatur I)
Tags: Kontroverse, Literaturunterricht, Hauptseminar
Year: 2003
Pages: 25
Grade: 1
Bibliography: ~ 19 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33139-5
File size: 272 KB
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Excerpt (computer-generated)
Johann Wolfgang Goethe – Universität Frankfurt am Main
Institut für Deutsche Sprache und Literatur I
Fachdidaktisches Hauptseminar:
Literaturdidaktische Konzepte der Gegenwart
4. Semester
Die Kontroverse um den handlungs- und
produktionsorientierten Literaturunterricht
von: Janine Hertlein
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 2
2. Begriffsklärungen
2.1 Der Begriff„Handlungsorientierung“ Seite 2
2.2 Der Begriff „Produktionsorientierung“ Seite 3
3. Historische Hintergründe des handlungs- und produktionsorientierten (Literatur-) Unterrichts Seite 3
3.1 Wegbereiter des handlungsorientierten Unterrichts Seite 3
3.2 Die Entwicklung des handlungs- und produktionsorientierten (Literatur-) Unterrichts bis heute Seite 4
4. Überblick über wichtige Vertreter der produktionsorientierten Literaturdidaktik Seite 5
5. Die Kontroverse um den handlungs - und produktionsorientierten Literaturunterricht Seite 6
5.1 Karlheinz Fingerhut Seite 9
5.2 Günter Waldmann Seite 10
5.3 Kaspar Spinner Seite 11
5.4 Gerhard Haas Seite 14
6. Begründungen für handlungs- und produktionsorientierte Verfahren Seite 15
7. Argumente gegen handlungs - und produktionsorientierte Verfahren Seite 17
8. Bedeutungen für die Praxis (mit einem Unterrichtsbeispiel) Seite 19
9. Persönliche Stellungnahme Seite 22
10. Literaturverzeichnis Seite 23
1. Einleitung
In der nachfolgenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit handlungs- und produktio nsorientiertem (Literatur-)Unterricht und der damit verbundenen Diskussion um den „richtigen“ Ansatz. Ich beginne mit einer Begriffsklärung und leite dann zu einem geschichtlichen Abriss über, um den Leser mit der Thematik vertraut zu machen. Das 4. Kapitel bietet einen Überblick über die wichtigsten Vertreter der produktionsorientierten Literaturdidaktik. Im 5. Kapitel stelle ich diese Vertreter und ihre Ansätze einzeln vor, um die einzelnen Positionen und die Vielschichtigkeit des Themas offen zu legen. Im Anschluss folgen zwei Kapitel mit Argumenten für und wider produktionsorientierte Verfahren. Ich ende mit der Bedeutung von handlungs- und produktionsorientiertem Unterricht für die Praxis und erläutere die Umsetzung anhand eines Unterrichtsbeispiels für ein 3. /4. Schuljahr.
2. Begriffsklärungen
2.1 Der Begriff „Handlungsorientierung“
Der Begriff „Handeln“ hat in der kurzen Geschichte der Deutschdidaktik viele Bedeutungen erfahren. In den 70er Jahren grenzte sich die Fachdidaktik mit dem Handlungsbegriff von Hermeneutik und Interpretation ab. Handlungsorientierung bedeutete Emanzipation der Fachdidaktik von der Sprach- und Literaturwissenschaft. „Handeln“= verändernd, normsetzend in (Unterrichts-)Praxis eingreifen. Dabei ist die Unterscheidung wichtig, ob man von Schüler- oder Lehrerseite aus „Handeln“ betrachtet. Handlungsorientierung auf Seiten der Lehrer zielt auf dessen Professionalität ab. Unterrichtsrituale, aber auch die traditionelle Kanonwahl werden wissenschaftlich in Frage gestellt. Verbesserungen des Lehrerverhaltens sowie Verbesserung und Erweiterung der Gegenstands- und Methodenwahl erweitern die Handlungskompetenz des Lehrers (vgl. Fingerhut 1987, S. 584). Handeln bezieht sich aber auch auf die Tätigkeiten des Schülers als Leser und Lernender: Die Bedeutung der Literatur für die kognitive Entwicklung, die Ausbildung von Ich-Identität, die Lesemotivation, aber auch die Phantasie oder die Fähigkeit der Schüler, mit Fiktionen und Ironie umzugehen, wird untersucht. „Exaktere Vorstellungen über das, was Schüler tun, wenn sie Texte verstehen, sollen Lehrern helfen, Unterricht effektiver zu planen und zu gestalten“ (vgl. Fingerhut 1987, S. 587). Handeln bedeutet das Produzieren von eigenen Texten und korreliert dabei mit „produktiv sein“, „die eigene Phantasie benutzen“ Der Gegenbegriff dazu wäre „bloßes Rezipieren“, „passives Aufnehmen eines Textes“. Hinzu kommt die Opposition fremd- versus selbstbestimmt. Handlungsorientierter Literaturunterricht umfasst nicht nur schreibende Arbeitsformen, sondern auch szenische, graphisch-bildliche, musikalische, pantomimische sowie spielerische Inszenierungen. Affektive Lernziele wie Freude und Spaß an der Sache sowie Erhalt der Motivation stehen dabei im Vordergrund. Der Unterricht erhält eine sinnliche Komponente, wenn die Sinne aktiv im Umgang mit Texten eingesetzt werden. Literarische Texte werden zwar im Unterricht als Ausgangspunkt für gestaltende Schüleraktivitäten genommen, müssen aber nicht unbedingt auf Inhalt und Form untersucht werden (vgl. Paefgen, S.127).
2.2 Der Begriff „Produktionsorientierung“
Mit produktiven Verfahren sind schreibende Arbeitsformen gemeint. Dabei dienen literarische Texte als Ausgangs- oder Zielpunkt der ästhetischen Schüleraktivität. Texte sollen nicht mehr nur gelesen, interpretiert und analysiert werden, sondern als Anlass für eigenes literarisches Schreiben dienen. Damit wird die traditionelle Trennung zwischen Autor und Leser aufgehoben. Beispiele literarischer Gestaltungsmöglichkeiten sind: Nachahmen, Weiterschreiben, Umschreiben, Verfremden, Antizipieren usw. Die Herstellung eigener Texte intensiviert das literarische Verstehen und beansprucht stärker kognitive Fähigkeiten als bloßes passives Aufnehmen eines Textes. Literarische Analyse und Produktion eigener Texte können, müssen aber nicht zwangsläufig miteinander verbunden werden (vgl. Paefgen, S.126). Um den Ansatz des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts zu verstehen, ist es wichtig, seine geschichtlichen Hintergründe zu kennen.
3. Historische Hintergründe des handlungs- und produktionsorientierten (Literatur-) Unterrichts
3.1 Wegbereiter des handlungsorientierten Unterrichts
Das Konzept des handlungsorientierten Unterrichts basiert auf einer theoretischen Tradition, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Im Laufe der Entwicklung sind wohl Comenius, Rousseau, Pestalozzi und Schleiermacher als bedeutendste Vertreter des handlungsorientierten Unterrichts zu nennen. Zum ersten Mal benutzte Comenius den Begriff der Handlungsorientierung. Er war der Ansicht, man müsse Abschied von einer elitären Bildung nehmen. Menschen aller sozialen Klassen und Begabungen sollten mit allen Sinnen alles lernen dürfen. (vgl. Meyer, Band I, S.163). Auf Comenius´ Prinzip des ganzheitlichen Lernens stützt sich später Rousseau, wenn er vom ganzheitlichen Bildungsideal spricht. Pestalozzi plädierte für ein Lernen mit ,,Kopf, Herz und Hand". (vgl. Meyer, Band I, S.34). Wichtige Vorläufer des handlungsorientierten Unterrichts kommen auch aus der Reform- Pädagogik. Zu nennen sind hier Maria Montessori, Célestin Freinet und Kerschensteiner. Impulse für produktionsorientierten Literaturunterricht stammen aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten, Anregungen kamen z. B. vom Konzept der Kreativität, der Rezeptionsästhetik, der Freinet-Pädagogik sowie dem Projektunterricht.
3.2 Die Entwicklung des handlungs- und produktionsorientierten (Literatur-) Unterrichts bis heute
Mit der von Alfred Lichtwark ins Leben gerufene Kunsterziehungsbewegung und mit der neuen Schreibdidaktik zu Beginn des 20. Jahrhunderts beginnt die neuere Geschichte eines handelnden Umgangs mit Texten. Ziel der Kunsterziehungsbewegung war es, neben praktisch-künstlerischen Fertigkeiten auch das theoretische Verständnis für das Schöne zu fördern (vgl. Microsoft® Encarta® 99 Enzyklopädie). Im Literaturunterricht der 70er Jahre versuchte man verstärkt ein "emanzipierendes Verhalten" aufzubauen und eine "kritischen Lesehaltung" bei den Schülern zu entwickeln. Die Frage nach der gesellschaftlichen Funktion von Literatur stand im Vordergrund (vgl. Haas 1997, S. 24).
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