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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 42 Pages
Author: Stefan Dettl
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Augsburg
Tags: Nichts, Wirklichkeit, Lyriktheorie, Käte, Hamburgers, Logik, Dichtung, Hauptseminar, Gedicht, Lyriktheorie
Year: 2004
Pages: 42
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33178-4
File size: 354 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Augsburg
Hauptseminar: Was ist ein Gedicht – Lyriktheorie?
5. Semester
Nichts als die Wirklichkeit - Die Lyriktheorie in
Käte Hamburgers "Logik der Dichtung"
von: Stefan Dettl
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Die Metaphysik der Sprache? 5
2.1 Die philosophische Hintertreppe 5
2.2 Das Aussagesystem der Sprache 6
2.3 Exkurs: Sprachwissenschaft ade? 10
2.4 Das System der Dichtung 13
3. Die Lyrik 15
3.1 Die lyrische Aussage 16
3.2 Der Dichter – seine Erlebnisse, sein Leser 20
3.3 An den Grenzen einer Theorie 24
3.4 Käte Hamburger – ein Schlussplädoyer 27
4. Kritische Würdigung 29
4.1 Kurze Rezeptionsgeschichte 29
4.2 Die Logik der Dichtung für „Gestresste“ 30
4.3 Käte Hamburger die Psychologin? 31
4.4 Die lyrische Ich-Erzähler? 32
4.5 Wie logisch ist die Logik der Dichtung? 34
4.6 Das Rätsel um das lyrische Ich 36
5. Schlusswort 39
6. Literaturverzeichnis 42
1. Vorwort
Was ist ein Gedicht? An dieser Fragestellung haben sich schon Generationen von Dichtern und Theoretikern die Zähne ausgebissen. Bis heute liegt wohl keine Antwort vor, die allgemeine Zustimmung finden würde. Aber vielleicht sollte man anders fragen, etwa: Was zeichnet ein Gedicht aus? Woran erkennt man ein Gedicht? Oder wie steht es mit dem notwendigen Gegenstück, dem Dichter? Und nicht zuletzt: Wo endet (schöne) Kunst und wo fängt „Trash“ an? Schon hier wird ersichtlich, dass die Antwort sehr unterschiedlich ausfallen wird, je nachdem wie man die Frage formuliert. Strebt man eine otologisch-philosophische Begründung an? Oder entscheidet man sich für eine weniger deduktive Methode und tastet sich eher üb er Abgrenzungen und unterscheidende Merkmale heran? Vielleicht aber nimmt man dieses „Ding“ einfach so, wie es uns vorliegt, als ein Artefakt, hinter dem ein tätiger Mensch steht, und geht von diesem, seinen Intentionen, seiner gesellschaftlichen Rolle bzw. Funktion aus. Aber ist ein Gedicht nicht schön? Soll es nicht schön sein? Dann käme man doch über den Begriff des „Schönen“ an eine Definition?
Man wird einwenden: Ein wenig viele Fragen für eine strukturierte Hausarbeit, oder? Der Grund für die etwas naiv anmutende Aufzählung zu Beginn ist, dass Käte Hamburger in den 50er Jahren den Versuch unternommen hat, gleich ein ganzes Bündel dieser Fragen zu beantworten. Die Formulierung „Versuch“ wird dem Ganzen aber wohl nicht gerecht, denn sie hat eine komplette Theorie der Dichtungsgattungen entworfen, die sehr kontrovers diskutiert wurde. Ihre Die Logik der Dichtung ist Thema dieser Arbeit. Ein kurzer Nachtrag. Noch nicht zum Zuge kam das ganze mühsam erworbene germanistische Begriffs-Instrumentarium: Vers, Reim, Schweifreim, Metrum, Rhythmus, Jambus, Metapher, ect. Könnte man nicht damit arbeiten? Was fängt man aber dann mit dem vor kurzem durch alle Zeitungen gegangenen Text „Die Sonne scheint zum Fenster rein / Hak` ab, es wird schon richtig sein“ an? Zwei Verse mit 4-hebigem Trochäus, Auftakt, Paarreim und stumpfer Kadenz. Die literaturwissenschaftlichen Kategorien greifen – aber was halten sie in ihren Fängen? Wohl kein Gedicht. Noch heute würde Käte Hamburger sagen, dass sich prinzipiell alles in lyrische Form bringen lässt, ohne dass es deswegen schon Lyrik ist. Man kann aber die Kategorien nicht für „schöne Künste“ reservieren und sie der sog. „Alltagsprosa“ vorenthalten. Es fehlt also ein schlagkräftiges Kriterium.
Nach Käte Hamburger waren wir der Sache aber schon viel näher, als wir glaubten. Das ausschlaggebende Kriterium ist tatsächlich die Sprache. Aber eben nicht ihre lautmalerische Seite, sondern die dahinter liegende Struktur. Daher ist ihrer Theorie der Dichtung zunächst eine spezielle Sprachtheorie vorangestellt. Sodann wird auf dieser Grundlage das System der Dichtung entfaltet. Dabei erwarten den Leser einige Überraschungen, die enorm provoziert haben und heftig kritisiert wurden. Zum Schluss stellt sich Frau Hamburger ihren Kritikern. So sieht die grobe inhaltliche Gliederung ihrer Logik der Dichtung aus, und die vorliegende Arbeit schließt sich zweckmäßig daran an.
2. Die Metaphysik der Sprache?
Zunächst stolpert man ein wenig über den Titel des Buches. Was ist denn mit „Logik der Dichtung“ gemeint? Diese Frage – so naiv sie auch klingt – ist entscheidend für das Verständnis der Theorie. Das Buch bietet zwei eher versteckte Antworten. Zum einen bemerkt Käte Hamburger, dass der Terminus Logik hier im sprachtheoretischen Sinne verwendet wird. Im Verlaufe der Argumentation wird er durch den Terminus „Sprachtheorie“ bzw. „Aussagesystem“ ersetzt (Hamburger 1980, S.10f.). Die Logik der Dichtung erhellt sich also als eine „Sprachtheorie der Dichtung“. Warum aber hat die Autorin dann den ohne diese Erläuterung wohl eher verwirrenden Terminus „Logik“ beibehalten? Es scheint, dass Hamburger den Terminus „Sprachtheorie“ bewusst vermieden hat, weil sie sich von der herkömmlichen1 Sprachtheorie abgrenzen wollte. Zugleich aber hat Hamburger die Konnotationen des Lexems „Logik“ wohl gezielt eingesetzt . Der Terminus „Logik“ verweist den Leser auf das Gebiet, von dem aus die Argumentation ihren Anfang nimmt: die Philosophie.
2.1 Die philosophische Hintertreppe
Käte Hamburger scheint um die im Titel angelegten möglichen Missverständnisse gewusst zu haben, wenn sie zu Beginn schreibt, dass Kunst eigentlich Gegenstand der Ästhetik und nicht der Logik sei. Aber die Dichtung besteht als einziges Mitglied der Kunstfamilie aus Sprache. Die Sprache wiederum – sie rekurriert auf Ludwig Wittgenstein – sei Gegenstand der Logik, im Sinne einer Sprachlogik (ebd. S.9). Und zwar insofern sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass eine Untersuchung unseres Denkens nicht um eine Untersuchung unserer Sprache herumkommt. Unser Denken kann sich also in Form von Sprache manifestieren bzw. über das Medium Sprache (anderen) mitteilen. Zugleich aber besteht Hamburger darauf, dass Sprache zugleich Gestaltungsmittel2 ist. In Anlehnung an Hegel ist Dichtung also Teil des allgemeinen Vorstellungs- und Sprachsystems (ebd. S.23).
Käte Hamburger greift aber noch in Bezug auf einen weiteren Punkt auf Hegel zurück: Die Dichtung sei diejenige besondere Kunst, bei der sich zugleich die Kunst aufzulösen beginne bzw. Gefahr laufe in Alltagsprosa oder wissenschaftliches Denken überzugehen – gerade weil ja Dichtung als Sprachkunst und der Alltag bzw. die Nicht-Kunst beide aus Sprache bestehen (Hamburger 1980, S.21). Man geht wohl nicht zu weit, wenn man diese Einschätzung als das leitende Erkenntnisinteresse der Logik der Dichtung hinstellt. Es geht weniger darum, eine Autorität in ihre Argumentation einzubringen. Vielmehr ist es ein Warnschuss an alle, die eine nahezu ontologische Zweiteilung zwischen (hoher) Kunst und der Realität bzw. dem Alltag aufbauen. So einfach darf man es sich nach Käte Hamburger nicht machen. Vielmehr bestehen beide aus Sprache und somit müssten sich fließende Übergänge finden lassen, sodass eine einfache Zweiteilung – hier die Kunst dort der prüde Alltag - wohl nicht standhalten kann. Wenn es also eher fließende Übergänge sind, man aber gleichzeitig ein System bzw. eine Ordnung hineinbringen will, muss man unweigerlich Grenzen setzten. Um die Kriterien für die Grenzziehung wird es dann natürlich Streit geben. Könnte man dem Dilemma der Grenzendefinition nicht doch entkommen? Wie, wenn es gelänge, hinter all den willkürlichen Grenzen eine verborgene Struktur zu erkennen, die allgemein zustimmungsfähig wäre? Die Frage nach dem „Dahinter“ ist jedoch eine klassisch philosophische, womit wir Käte Hamburger auf ihrer „philosophischen Hintertreppe“ gefolgt wären. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass Hamburger beide Varianten wählt. Sie zieht Grenzen und erkennt eine latente Struktur. Stellt sie damit die Frage nach einer Metaphysik der Sprache?
2.2 Das Aussagesystem der Sprache
Im Folgenden soll die Sprachtheorie von Käte Hamburger kurz dargestellt werden. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass sie diese Theorie aufstellt, um auf dieser Grundlage ihre Logik der Dichtung zu entfalten. Im Wesentlichen geht es dabei um zwei Fragestellungen: 1. Dichtung steht in Opposition zu Wirklichkeit, wie wohl die meisten zustimmen würden (ebd. S.15). Wenn wir ein Drama oder einen Roman lesen, wissen wir, dass wir uns nicht in einem Wirklichkeitszusammenhang befinden (ebd. S.27). Das Verhältnis von Dichtung und Wirklichkeit kann also als ein allgemein akzeptiertes, aber daher auch etwas unscharfes, latentes Vorwissen gelten. Wie kann man dieses nun erhellen? 2. Wie erläutert besteht sowohl die Dichtung, als auch unser Alltag aus Sprache. Wird Dichtung nun sprachtheoretisch bestimmt, so müssen die Unterschiede zwischen der dichtenden und der nicht-dichtenden Sprache, sowie deren jeweilige Besonderheiten gezeigt werden. Dieser Vergleich ist die Methode , mit der Hamburger die Struktur der Dichtung erkennen möchte (Hamburger 1980, S.30).
[...]
1 Wie gezeigt werden soll, grenzt sich Hamburger von einer strukturalistischen Sprachbetrachtung ab.
2 Diese Funktion der Sprache wird noch an ihrem Mimesis - und Fiktionsverständnis erläutert vgl. dazu Punkt 2.4
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