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Antigone, Tragödie von Sophokles - Die Inszenierung und Umsetzung von Peter Mussbach am Schauspielhaus Bochum für das Fernsehen

Termpaper, 2004, 17 Pages
Author: Michael Sturmberg
Subject: Theater Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 17
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V32531
ISBN (E-book): 978-3-638-33229-3
ISBN (Book): 978-3-638-76130-7
File size: 217 KB

Abstract

Die Tragödie „Antigone“ von Sophokles wurde vor über 2400 Jahren (vermutlich im Jahr 442 oder 441 v. Chr.) in Athen zum ersten Mal aufgeführt. Heute ist das Stück eine der sieben erhaltenen Tragödien von Sophokles (insgesamt hatte er 123 geschrieben), die überliefert worden sind. Zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen hat es seitdem zur Antigone gegeben. Und auch in den letzten Jahrzehnten wurde der Mythos durch verschiedene Inszenierungen immer wieder unterschiedlich behandelt und aufgegriffen. Bedeutende Aufführungen hat es z. B. 1978 in Frankfurt, Bremen und Berlin gegeben, die vor allem durch einen politischen Kontext bestimmt waren. Spätere Aufführungen lösten sich jedoch von einem politisch motivierten Hintergrund und setzten andere Schwerpunkte, wie z. B. den Geschlechterkampf zwischen Mann (Kreon) und Frau (Antigone) . Auf der einen Seite haben wir es dabei mit Inszenierungen zu tun, die sich um eine möglichst originalgetreue Wiedergabe bemühen, d. h. denen der Aufführungsstil der Antike zu Grunde liegt. Demgegenüber stehen auf der anderen Seite bewusst modernisierte Inszenierungen, die z. B. durch die Art der Bühnengestaltung, der Figuren und deren schauspielerische Leistung den religiös-kultisch bestimmten Gehalt der griechischen Tragödie auf andere Weise vermitteln . Zur letztgenannten Gruppe zählt u. a. die Inszenierung von Peter Mussbach, die 1988 im Schauspielhaus Bochum aufgeführt und – eigens für das Fernsehen produziert – 1989 im ZDF ausgestrahlt worden ist und in dieser Arbeit näher betrachtet werden soll. Signifikant ist bei Peter Mussbachs Antigone vor allem die sehr zeitlose Gestaltung, die ihm durch seine Modernisierung gelang. Neben der Inszenierung wird deshalb auch auf ihre Adaption für das Fernsehen eingegangen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Siegen
Medien-Geschichte (A2)
„Mediengeschichte des Theaters“
7. Semester

Antigone, Tragödie von Sophokles - Die Inszenierung und
Umsetzung von Peter Mussbach am Schauspielhaus
Bochum für das Fernsehen

von: Michael Sturmberg

 


1. Inhalt

2. Einleitung  4

3. Die Inszenierung 5

3.1 Übersetzung nach Schadewaldt und Hölderlin 5
3.2 Bühnengestaltung und Licht 6
3.3 Darstellung, Einsatz und Wirkung der Figuren  8

4. Die Umsetzung für das Fernsehen 12

5. Literaturverzeichnis  18


 

2. Einleitung

Die Tragödie „Antigone“ von Sophokles wurde vor über 2400 Jahren (vermutlich im Jahr 442 oder 441 v. Chr.) in Athen zum ersten Mal aufgeführt. Heute ist das Stück eine der sieben erhaltenen Tragödien von Sophokles (insgesamt hatte er 123 geschrieben), die überliefert worden sind. Zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen hat es seitdem zur Antigone gegeben. Und auch in den letzten Jahrzehnten wurde der Mythos durch verschiedene Inszenierungen immer wieder unterschiedlich behandelt und aufgegriffen. Bedeutende Aufführungen hat es z. B. 1978 in Frankfurt, Bremen und Berlin gegeben, die vor allem durch einen politischen Kontext bestimmt waren. Spätere Aufführungen lösten sich jedoch von einem politisch motivierten Hintergrund und setzten andere Schwerpunkte, wie z. B. den Geschlechterkampf zwischen Mann (Kreon) und Frau (Antigone)1. Auf der einen Seite haben wir es dabei mit Inszenierungen zu tun, die sich um eine möglichst originalgetreue Wiedergabe bemühen, d. h. denen der Aufführungsstil der Antike zu Grunde liegt. Demgegenüber stehen auf der anderen Seite bewusst modernisierte Inszenierungen, die z. B. durch die Art der Bühnengestaltung, der Figuren und deren schauspielerische Leistung den religiös-kultisch bestimmten Gehalt der griechischen Tragödie auf andere Weise vermitteln2. Zur letztgenannten Gruppe zählt u. a. die Inszenierung von Peter Mussbach, die 1988 im Schauspielhaus Bochum aufgeführt und – eigens für das Fernsehen produziert – 1989 im ZDF ausgestrahlt worden ist und in dieser Arbeit näher betrachtet werden soll. Signifikant ist bei Peter Mussbachs Antigone vor allem die sehr zeitlose Gestaltung, die ihm durch seine Modernisierung gelang. Neben der Inszenierung wird deshalb auch auf ihre Adaption für das Fernsehen eingegangen.

3. Die Inszenierung

3.1 Übersetzung nach Schadewaldt und Hölderlin

Peter Mussbach hat als Grundlage seiner eigenen Bearbeitung, die von den Originaltexten allerdings nur in verhältnismäßig geringem Umfang abweicht, für die Inszenierung der Antigone zwei bekannte Übersetzungen herangezogen. Bei den Figuren Antigone, Ismene, Kreon, dem Wächter, Haimon und dem Boten stützt er sich dabei auf die Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt (1900 – 1974) von 19643. Ausschließlich für die Rede des Sehers Teiresias hat er die ältere Übersetzung von Friedrich Hölderlin (1770 – 1843) von 1804 zu Grunde gelegt.

Eine Erklärung, warum Mussbach gerade die Übersetzung von Schadewaldt ausgewählt hat, kann dabei ein Blick auf die grundsätzlichen Eigenschaften der für die Bühne konzipierten Übersetzungen von Schadewaldt liefern. Sie sind nach dem Prinzip der sogenannten dokumentarischen Übersetzungen des Textes gestaltet, […]. [Schadewaldt] versteht darunter eine vollständige Übersetzung des Textes ohne Verkürzungen und Hinzufügungen unter Beibehaltung der originalen Vorstellungen, Begriffe und Bilder, ja, sofern möglich, ein Bewahren der Abfolge der einzelnen Wörter in Satz und Vers, geleitet von der Grundüberzeugung, daß das Dichtwerk sich nicht ohne Schaden in andere Konventionen transportieren läßt. Dieser Übersetzungsstil ist gleich weit entfernt sowohl von der antiquarischen Übersetzungsart <<im Versmaß des Originals>> […] wie vor allem von jeder Art transponierender Übersetzung oder Bearbeitung in der Reduktion des Wortes auf die Wiedergabe der bloßen Begebenheit. […]. [Schadewaldt vertraut] auf die Kraft der inneren Aussage auch von heute nicht mehr voll verstandenen Mythologemen und hält im Unterschied zu nahezu allen Übersetzungen an den vielfach gestuften Äußerungen der elementaren Emotionen (pheu, oi, oimoi, ai, otototoi usw.) wörtlich fest, um im Bewahren des rituellen Momentes die unmittelbare Manifestation des Tragischen zum Ausdruck zu bringen. (Flashar 1991, S. 199) Trotz der damit einhergehenden großen Nähe zu den griechischen Originaltexten leidet bei der Tragödie Antigone darunter nicht die Verständlichkeit der Übersetzung. Im Vergleich mit der 1988 in Freiburg von Lore Stefanek verwendeten Übersetzung von Hölderlin sieht Gerhard Jörder dabei das „Verständlichere“ und „Eingängigere“ jedoch nicht nur in der Diktion Schadewaldts, sondern auch in der besonderen Sprechkunst der Protagonisten der Bochumer Antigone4.

[...]


1 Vgl. Geisenhanslüke 1999, S. 90f.

2 Vgl. Geisenhanslüke 1999, S. 90

3 Vgl. Jörder 1988, S. 45

4 Jörder 1988, S. 45


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