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Psychobilly - eine jugendliche Subkultur
von: Nicolas Widera
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 1
1. Begriffsdefinition 3
1.1 Die Musikrichtung 3
1.1.1 Die Entstehung 3
1.2 Die Bandgeschichte von the Meteors 5
2. Jugendliche Subkultur und ihre Entstehung 8
2.1 Abweichendes Verhalten von Jugendlichen 8
2.1.1 Jugendliche Teilkultur 9
2.2 Jugendkulturen bei der Identitätsbildung 10
2.2.1 Die Peer Groups 11
2.2.2 Alltagsbewältigung mit Hilfe von Musik 12
2.2.3 Jugendkulturen und ihre Gefahren 12
2.3 Die Bedeutung von Stil 13
3. Die Besonderheiten der Subkultur der Psychobilly 14
3.1 Konzerte und Treffen 14
3.1.1 Pogo 15
3.1.2 Fanzines 16
3.2 Dress Code 17
3.3 Haare 17
3.3.1 Kleidung 18
3.3.2 Tätowierungen 18
3.4 Psychobilly im Jahre 2003 19
4 Fazit 21
5 Literaturverzeichnis 22
Anhang 26
0 Einleitung
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges gibt es besonders in der westlichen Welt eine bunte Fülle von jugendlichen Subkulturen, unter denen die zu untersuchenden Psychobilly lediglich eine Gruppierung darstellen. Während zeitlich parallel entstandene Subkulturen inzwischen längst wieder verschwunden sind, haben sich die Psychobilly seit über zwanzig Jahren behauptet und sind darüber hinaus zu einem international expandierten Subkulturstil gewachsen. Angesichts dieser Tatsache ist es verwunderlich, wie wenig diese Subkultur in der wissenschaftlichen Literatur erwähnt wird. Diese Arbeit gibt einen groben Überblick über die Subkultur der Psychobilly. Zuerst wird auf die Entstehung und die historischen Einflüsse dieser Musikrichtung eingegangen, des weiteren stelle ich eine repräsentative Musikgruppe vor. Danach erläutere ich die Entstehung von Subkulturen im Allgemeinen und gebe eine mögliche Antwort auf die Frage, warum Jugendliche diese Art von Jugendkulturen brauchen bzw. sich von ihnen angezogen fühlen. Diese Denkansätze beziehe ich direkt auf die von mir untersuchte Subkultur der Psychobilly. Hier gehe ich noch einmal auf die Besonderheiten dieser Subkultur und ihrer Anhänger ein. Die Arbeit endet mit Auszügen und aktuellen Beispielen dieser Subkultur. Das eigentliche Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser die grobe Konstruktion der Subkultur der Psychobilly transparent zu machen und erste wissenschaftliche Interpretationsansätze und Deutungen zu geben.
1. Begriffsdefinition
Einleitend erläutere ich kurz, was ich mit dem Begriff Subkultur bezeichne und in welchem Zusammenhang ich diesen Begriff gebrauche. Das Bertelsmann Universal- Lexikon definiert Subkultur als „relativ eigenständige und in sich eingeschlossene Kultur einer kleineren Gruppe, die innerhalb einer Gesellschaft lebt, an deren Kultur aber nicht voll teilnimmt“.1
Genauer erklärt der Soziologe Hans Paul Bahrdt dazu: „Von einer Subkultur sollte man nur dort sprechen, wo sich in einem Teilbereich der Gesellschaft nicht nur besondere Wert- und Normstrukturen und besondere kognitive Deutungsmuster und Ausdrucksformen herausbilden ...sondern wo der besondere Charakter der Teilstruktur dadurch geprägt ist, dass ihre Träger sich zur Abschirmung, Abwehr oder sogar zur Opposition gezwungen sehen und dies noch einmal zur Herausbildung spezieller Ausdrucksformen, Deutungsmuster, Wertvorstellungen und Normen führt“.2 Rolf Schwendler schreibt ergänzend dazu, dass man dabei zwischen unfreiwilligen und freiwilligen Subkulturen unterscheiden muss. Demnach sind unfreiwillige Subkulturen „Randgruppen, deren Stigma von vornherein von den Normen der Gesellschaft abweicht. Sie sind von vollständiger sozialer Akzeptanz ausgeschlossen und distanzieren sich unter Umständen erst dadurch von der Kultur der Gesamtgesellschaft. Zu den unfreiwilligen Subkulturen zählen z.B. Körperbehinderte, Heimzöglinge, Obdachlose, Kriminelle usw.“. Freiwillige Subkulturen definiert er dagegen „als stigmatisierte Gruppen, die ihr Stigma auf Grund bewusster Abweichung von der Kultur der Gesamtgesellschaft auf sich genommen haben“.3
1.1 Die Musikrichtung
1.1.1 Die Entstehung
Ende der 70er Jahre gab es einer Vielzahl von Subkulturen in Europa. Die meisten davon musikalischer Herkunft wie Rockabilly, Teddy Boys, Anhänger des Glam-Rock, Mods, Psychedelics, Punks, Skinheads, um nur die Bekannteren zu nennen.4 Besonders wild trat damals die englische Jugend in Erscheinung, die geprägt war durch die Rebellion, die mit der Punk-Bewegung ausgelöst wurde.5 Es ist also nicht verwunderlich, dass auch das Phänomen Psychobilly ebenfalls seinen Ursprung in Großbritannien fand. Ted Polhemus, renommierter Autor und Trend Guru,6 beschreibt in seinem Buch Street Style die Subkultur der Psychobilly als eine Mischung aus zwei verschiedenen Gangre - 70er Jahre britisch Punk mit amerikanischem Rockabilly der fünfziger Jahre. Verbunden durch den typischen Rhythmus Rock ′n′ Roll in seiner reinsten Form.7 Die erste wirkliche Psychoband benennt er mit the Meteors, gegründet 1980 in London. Die Band begann in einer Konstellation aus einem Rockabilly, einem Punk und einem Psychedelic Horror Enthusiasten. In kürzester Zeit schafften es the Meteors, einen subkulturellen Microkosmos um sich herum aufzubauen, dem sich immer mehr Bands anschlossen. Da the Meteors dadurch eine Sonderstellung in der Subkultur der Psychobilly besetzen, werde ich später genauer auf ihre Entstehung und ihre weitere Entwicklung eingehen. Als 1982 der Klub Food in Clarendon, Hammersmith West London, seine Tore öffnete, waren die Psychobilly mehr als nur die Anhänger einer Kultband. Hier kam das erste mal eine neue Subkultur zusammen.8 Es gab große Konzerte mit verschiedenen Bands, die jeweils ihre ganz eigene Interpretation von dem damals sogenannten Mutant-Rockabilly hatte. So tendierten einige mehr zum Rockabilly als zum Punk Rock und umgekehrt. Zusätzlich war der Kreativität bei der Auswahl der Instrumente keine Grenzen gesetzt. Neben den klassischen Instrumenten wie Gitarre, Schlagzeug und natürlich dem Kontrabass verwendeten z.B. Bands wie King Kurt Saxophon und Trompete, Demented are Go spielte wiederum auf einer Platte mit einer elektrischen Geige und eine schottische Band sogar mit Dudelsack. Das musikalische Repertoire reichte von Rockabilly und Rock´n´Roll Klassikern bis hin zu Adaption russischer oder griechischer Volkslieder. Diese Offenheit, neuen Einflüssen gegenüber, trug vielleicht auch dazu bei, dass sich dieser Musikstil rasch in Europa, Skandinavien bis hin nach Japan verbreitete. Die Mischung aus Punk und Rockabilly zeichnete sich auch im Aussehen dieser neuen Subkultur wieder. Die ursprüngliche Tolle der Rockabilly blieb zwar erhalten, wurde aber mit Stilelementen des Punks, wie abrasierte Haarseiten und das Färben der Haare in grellen Farben, erweitert.
„People crossed the road when a psychobilly approached – multi-colourd quiffs, bleached jeans, Dr. Martens half way up their legs and multitude of tattoos prevailed“.9 Zu berücksichtigen ist, dass die Arbeiterklasse in Großbritannien damals viel größer und dominanter war als in Deutschland. Dieser „hard time Look“ ist auch als Ausdruck der damaligen wirtschaftlichen Repression zu werten, die mit dem Ende der Wilson Ära eintrat. Lederjacken und T-Shirts wurden mit Horror und B-Movie-Szenarien bemalt, basierend auf den dazu gehörigen Liedertexten, die von Monster, Mutanten und anderen Schreckgestalten handelten.
[...]
1 http://www.zitate.de/index.php3?stichwort=Jugend&ex=1&pos=20, 01.05.2003
1 Bertelsmann Universal-Lexikon, hrsg. Lexikon-Institut Bertelsmann, Gütersloh 1991, S.932
2 Bahrdt, Hans Paul, Schlüsselbegriffe der Soziologie, München 1984, S.93
3 Schwendter, Rolf: Theorie der Subkultur, Hamburg 1993, S. 137
4 vgl. Flow chart, in Ted Polhemus, Street Style – from Siedewalk to Catwalk, London 1994, S. 136 -137
5 http://www.drmartenss.com/Subculture_PhycoBilly.asp, 27.03.2003
6 http://www.wdr.de/tv/kultur/kultursz/promitipp/schroth.html, 25.03.2003
7 Polhemus, Ted: Street Style – from Siedewalk to Catwalk, London 1994, S. 102
8 Polhemus, Ted: Street Style – from Siedewalk to Catwalk, London 1994, S. 102
9 http://www.drmartenss.com/Subculture_PhycoBilly.asp, 27.03.2003
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1 Comments - Add comment
Meike
TOP !!!. Ja, Nicolas, stimmt genau! Psychobilly ist eine seit Jahren und weltweit verbreitete Jugendkultur! Let`s Rock`n`Roll!!! Umso besser finde ich die Idee, dieses Thema auch mal von der wissenschaftlichen Perspektive anzugehen! Damit hast du viel Mut bewiesen, denn es existiert kaum Literatur hierzu, und welcher Prof. kennt schon Demented are go! Alles in allem große Klasse! Doch mit dem Begriff der Subkultur wäre ich etwas vorsichtiger, denn Rolf Schwendter`s Theorie der Subkultur gilt als längst überholt. Diskussionen und Kritik an Subkulturtheorie haben in den vergangen Jahrzehnten dazu beigetragen, dass dieser Begriff kaum mehr in der Wissenschaft verwendet wird. Vielmehr steht die Frage im Vordergrund: Welche Anforderungen muss eine Theorie der Subkultur heute erfüllen? Nichts desto trotz,finde deine Arbeit klasse, vorallem, wie du die Lebenswelt der Psychobillys vor einem sozialgeschichlichen Hintergrund beschreibst!14.06.2007 10:56:10