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Die Zweideutigkeit der Wirklicheit in "Der goldene Topf" von E.T.A. Hoffmann

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 15 Pages
Author: Susanne Fass
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V32566
ISBN (E-book): 978-3-638-33252-1
ISBN (Book): 978-3-638-78975-2
File size: 167 KB

Abstract

Eines der beherrschenden Themen E.T.A. Hoffmanns ist die Zweideutigkeit der Wirklichkeit. In fast allen seinen Werken taucht dieses Motiv auf. Die Darstellung der Duplizität ist dem Autor am vollkommensten im goldenen Topf gelungen. Mit fester Überzeugung einer höheren Welt, beschreibt er hier den wiederholten und vollkommen unerwarteten Einbruch des Phantastischen in den gewohnten Alltag der Bürger. Während anfänglich der Hauptperson und dem Leser die eigentümlichen Geschehnisse noch als Sinnestäuschungen erscheinen, erlangen sie mit fortschreitendem Verlauf der Handlung immer mehr Glaubwürdigkeit. Vor allem die Erzähltechnik trägt einen wesentlichen Anteil zu diesem Perspektivwechsel bei. Aber auch die Art der Darstellung der handelnden Personen, des Erzählers und der Anrede des Lesers bewirken dies mit. Diese Arbeit soll sich damit beschäftigen, auf welche Weise genau die beiden Welten dargestellt werden und wie sich deren, damit zusammenhängender, Perspektivwechsel allmählich vollzieht.


Excerpt (computer-generated)

Die Zweideutigkeit der Wirklicheit in
"Der goldne Topf" von E.T.A. Hoffmann

von: Susanne Fass

 


1 Einleitung  2

2 Das serapiontsche Prinzip  2

2.1 Zwei feindliche Prinzipien 2
2.2 Die höhere Welt  3
2.3 Transzendentaler Realismus 4
2.4 Ironie  5

3 Die verschiedenen Realitätsebenen 5

3.1 Das Wunder im Alltag 5
3.2 Die Realität 6
3.3 Das Wunderbare  6
3.4 Verbindung von Realität und Wunderbarem  7

4 Die Personen  7

4.1 Bürger, Geister und Anselmus  7
4.2 Der Leser 8
4.3 Der Erzähler  8

5 Erzähltechnik 9

5.1 Sinnestäuschungen 9
5.2 Übergang zum Glauben 10
5.3 Perspektivwechsel 12
5.4 Bewährung des Glaubens  13

6 Zusammenfassung 14

7 Literaturangabe 15


 

1 Einleitung

Eines der beherrschenden Themen E.T.A. Hoffmanns ist die Zweideutigkeit der Wirklichkeit. In fast allen seinen Werken taucht dieses Motiv auf. Die Darstellung der Duplizität ist dem Autor am vollkommensten im goldenen Topf gelungen. Mit fester Überzeugung einer höheren Welt, beschreibt er hier den wiederholten und vollkommen unerwarteten Einbruch des Phantastischen in den gewohnten Alltag der Bürger. Während anfänglich der Hauptperson und dem Leser die eigentümlichen Geschehnisse noch als Sinnestäuschungen erscheinen, erlangen sie mit fortschreitendem Verlauf der Handlung immer mehr Glaubwürdigkeit. Vor allem die Erzähltechnik trägt einen wesentlichen Anteil zu diesem Perspektivwechsel bei. Aber auch die Art der Darstellung der handelnden Personen, des Erzählers und der Anrede des Lesers bewirken dies mit. Diese Arbeit soll sich damit beschäftigen, auf welche Weise genau die beiden Welten dargestellt werden und wie sich deren, damit zusammenhängender, Perspektivwechsel allmählich vollzieht.

2 Das serapiontsche Prinzip

2.1 Zwei feindliche Prinzipien

Die romantische Dichtung sieht die Befangenheit des menschlichen Geistes an dem Festhalten des Interesses an der Welt und der Vernunft. Ihre Forderung besteht deshalb in einer vollkommenen Inhaltsleere. Dies und der feste Glaube an das Phantastische ist eine nötige Vorbedingung, um „Zugang zum Reich wahrer Freiheit“1 zu erhalten. Dieser Idealismus soll nach Auffassung der Romantik ohne eine Hinterfragung angenommen werden. Da diese abstrakten Vorstellungen dem Leser schwer verständlich sind, versucht sie der Autor durch Allegorien näher zu bringen. Im goldenen Topf werden aus diesem Grund zwei sich feindlich gegenüberstehende Prinzipen entworfen, wobei es sich in der Hauptsache um zwei Figuren handelt, einen Bösewicht (das Apfelweib) und eine Symbolfigur des Wunderbaren (Serpentina), die stets dazu auffordert, an die höhere Welt zu glauben. Diese Methode soll der poetischen Phantasie die „Stellung zur Realität als das einzig objektive Urteil“2 verleihen.

2.2 Die höhere Welt

Hoffmann war fest von der Existenz einer höheren Welt überzeugt. Diese, so meinte er, zeigte sich aufmerksamen Menschen bei bestimmten Ereignissen des alltäglichen Lebens. Jene phantastischen Erlebnisse erscheinen dem Autor genauso real wie die Wirklichkeit selbst. Für Hoffmann stellte das serapiontsche Prinzip ein oberstes Gebot in seinen Werken dar. Er selbst glaubte fest daran, denn der Künstler müsse ja daran glauben, woran er die anderen glauben machen möchte3. Allerdings besaß er in dem gleichem Maße auch eine Auffassungsgabe für die Realität. Denn nur wer über die Erkenntnis beider Welten verfügt, kann auch die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten des gleichen Sachverhalts wahrnehmen. Wem dagegen nur die Sicht einer Welt zukommt, der ist entweder ein Wahnsinniger, der nur das Phantastische sieht oder ein Philister, der lediglich das Offensichtliche wahrnimmt. Beides bedeutet für Hoffmann einen schwerwiegenden Mangel. „Eine Bereitschaft dafür muss freilich als Anlage im Menschen vorhanden sein, nämlich die Empfänglichkeit für die Schönheit in Natur und Kunst.“4 Diese Gabe besitzt die Hauptperson des goldenen Topfes, Anselmus. Er lebt in der alltäglichen Welt, gewinnt allerdings im Verlauf der Handlung auch die Erkenntnis der höheren Welt. Für Hoffmann existiert das Wunder im Alltag. In seinen Werken versucht er eine „Doppelrealität im Erleben des Menschen“5 aufzeigen. Durch diese Darstellungsweise wird die Natürlichkeit des Wunders, das sich in allen möglichen gewöhnlichen Gegebenheiten finden lässt, ersichtlich.

Demzufolge erweisen sich auch Geschehnisse im goldenen Topf im Nachhinein als sehr viel bedeutender als sie anfangs erschienen. Dies weist auf ein Einwirken der jenseitigen Welt hin. Erkenntlich wird das an den zeichenhaften Vordeutungen. Jene Zeichen werden allerdings immer erst im Nachhinein als diese erkenntlich. Sobald diese Vorboten in den Alltag einbrechen, wirken sie befremdlich. Die Wirklichkeit ist nie eindeutig. Sie erscheint lediglich den unpoetisch gestimmten Menschen des Philistertums auf diese Weise. Diese sind in ihrer Sichtweise beschränkt und können in den Erscheinungen nur das ihnen Offensichtliche, das Gewohnte, erkennen. Versucht man jedoch sich auf die phantastische Seite der Realität einzulassen, so kann man auch die „Doppelbödigkeit der Wirklichkeit“6 erfassen. Hinter jeder offensichtlichen Auffassung einer Begebenheit verbirgt sich somit auch eine phantastische Anschauungsweise des selben Gegenstands. Um dies zu ermöglichen, muss man sich jedoch zuerst seiner Zweifel entledigen.

2.3 Transzendentaler Realismus

[...]


1 Wellenberger, Georg: Der Unernst des Unendlichen. Die Poetologie der Romantik und ihre Umsetzung durch durch E.T.A. Hoffmann, Marburg 1986, S.159

2 Ebd.

3 Vgl. Cohn, Hilde: Realismus und Transzendenz in der Romantik, insbesondere bei E.T.A. Hoffmann, Heidel- berg 1933, S. 47

4 Cohn: a.a.O., S. 47

5 Ebd., S. 48

6 Wellenberger: a.a.O., S. 141


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