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Hausarbeit, 2003, 35 Seiten
Autor: Birgit Brenncke
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Tags: Phantastische, Groteske, Hoffmanns, Nachtstücken
Jahr: 2003
Seiten: 35
Literaturverzeichnis: ~ 25 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-33268-2
ISBN (Buch): 978-3-638-71960-5
Dateigröße: 305 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Fasziniert von dem Geheimnisvollen macht E.T.A Hoffmann in seinen Nachtstücken die düstere Seite der Natur, den Schauer der Nacht und dunkle Seelenvorgänge zur Kulisse des Unheimlichen. Die Lebzeit von Ernst Theodor Amadeus Hoffmann fällt mit dem Geburtsjahr 1776 und dem frühen Todesjahr 1822 in eine wichtige Umbruchzeit in der Geistes- und Kulturgeschichte Europas. Die Romantik, die am Anschluss an den Sturm und Drang und der geistigen Auseinandersetzung mit den Klassikern und der Aufklärung begann, ist eine Zeitströmung, in der der verborgene Sinn der Natur, das Geheimnisvolle und der Traum thematisiert werden. Um seinen tristen Alltag zu entfliehen und biographische Themen zu verarbeiten, wurde Hoffmanns Phantasie durch Träume und Visionen angeregt, die in seinen Erzählungen aus der Alltäglichkeit hervorgehen und eine unheilvolle Wirkung auf die betroffene Figur auszuüben scheinen. Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, die phantastischen und grotesken Seiten in E.T.A. Hoffmanns schriftstellerischen Werk näher zu beleuchten. Ausgewählt wurden hierfür die drei Erzählungen "Der Sandmann", "Das Sanctus" und "Das öde Haus", die in den "Nachtstücken" veröffentlicht wurden und an Hand derer gezeigt werden soll, auf welche Art und Weise er seine düstere Gedankenwelt literarisch verarbeitet. Des Weiteren wird auf die Theorie des Phantastischen eingegangen und dann weiterführend die phantastischen und grotesken Elemente in seinen drei Erzählungen im Kontext analysiert.
Textauszug (computergeneriert)
Das Phantastische und Groteske in
E.T.A. Hoffmanns Nachtstücken
von: Birgit Brenncke
Gliederung
1. Einleitung S. 3
2. Die Theorie des Phantastischen S. 5
2.1. Die kritische Reflexion der Aufklärung mittels der Phantastik S. 7
3. Phantastische und groteske Elemente in den Erzählungen Der Sandmann, Das Sanctus und Das öde Haus S. 8
3.1. Der Sandmann S. 8
3.1.1. Die drei einleitenden Briefe S. 8
3.1.2. Entwicklung der zwanghaften Kindheitsverstrickungen S. 9
3.1.3. Die Personenkonstellation S. 10
3.1.4. Motivik des Schwarzen und Düsteren S. 11
3.1.5. Leitmotive der Phantastik S. 13
3.1.6. Die Einbettung phantastischer Elemente in die Fugen der Realität S.15
3.1.7. Die Rolle des Automaten `Olimpia` S. 17
3.1.8. Entwicklung in die Katastrophe S. 19
3.2. Das Sanctus S. 20
3.2.1. Die Polarität der drei Hauptfiguren S. 20
3.2.2. Der Stimmverlust der Sängerin als eine phantastische Begebenheit S. 22
3.2.3. Der Einfluss der Psyche bei nicht erklärbaren Umständen S. 23
3.2.4. Zusammenhang der Binnenerzählung mit dem Schicksal der Sängerin S. 24
3.3. Das öde Haus S. 25
3.3.1. Die Unterhaltung der Freunde über das Wunderbare S. 25
3.3.2. Das Mysteriöse des öden Hauses S. 26
3.3.3. Die Veränderung Theodors durch die Wirkung des Hauses S. 27
3.3.4. Die gespenstischen Besitzer des öden Hauses S. 29
3.3.5. Die Leitmotive S. 30
3.3.6. Theodors Genesung S. 31
4. Schlusswort S. 32
5. Literaturverzeichnis S. 34
1. Einleitung
In der literarischen Epoche der Romantik wurde vieles wieder aufgegriffen, was während des Sturm und Drangs zuvor artikuliert wurde. Es wurden gleichsam aber auch neue Schwerpunkte gesetzt. Die jungen Dichter dieser Zeit rieben sich vor allem an den Spätaufklärern und bald auch an den Klassikern. Der Begriff Romantik kann jedoch im Gegensatz zu dem Sturm und Drang, dem Naturalismus, dem Expressionismus und dem Surrealismus zweideutig verstanden werden. Insofern, dass darunter zwar auf der einen Seite die Epoche zwischen 1796 bis 1830 zu verstehen ist, aber auf der anderen Seite auch sämtliche Erscheinungen, die durch den Begriff beschrieben werden. So hat schon seinerzeit Ludwig Tiek, der auch als König der Romantik bezeichnet wurde, gesagt: „Ich weiss zwischen poetisch und romantisch keinen Unterschied zu machen.“ Heinrich Heine bezeichnete die romantische Schule in Deutschland als eine „...Wiedererweckung der Poesie des Mittelalters“.1
Schon die literarischen Vorströmungen, die einen Einfluss auf die Romantik ausübten, kündigten an, dass nicht nur naive und märchenhafte Themen zum Ausdruck kommen werden, sondern vor allem auch das Dunkle, Rätselhafte, Metaphysische, das sich in den Schattenseiten der Natur zeigt: Einen wichtigen Einfluss auf die Lyrik der vorromantischen Literatur hatten die Dichtungen Ossians. Es zeigt sich deutlich ein Geschmackswandel in der Literatur, da die empfindsam-melancholischen Liebesklagen des einfachen Mannes, der in düsterer, nordischer Landschaft beheimatet ist, thematisiert werden.2 Die Gesänge des schottischen Barden Ossian, die u.a. von der tugendhaften Pamela und dem Helden Dermid handeln, wurden von 1760 von Macpherson umgearbeitet und in einem schmalen Band veröffentlicht. Der überragende Erfolg bewog Macpherson in den folgenden Jahren weitere Bände herauszugeben. Paul van Tieghem verwies auf den romant ischen Charakter der Ossian-Dichtung: „Nie zuvor sah man so tugendhafte Helden. Ein noch lebhafteres Interesse riefen die Landschaften und die Gefühle hervor. 3
Diese Landschaft war für Europa völlig neu, mit ihren grünen düstren Meer, ihren Seen, ihrem Ödland, ihren Bergen, ihrer kahlen Heide, ihrer Eichen und Tannen, dies alles von grauen tief hängenden Wolken bedeckt, durch welche kaum die melancholische Sonne dringt, oder in uferlosen Nebel eingehüllt....“. Die Herausgabe alter schottischer Balladen durch den Bischof Thomas Percy hatte zusätzlich zur Folge, dass die wilde Kraft alter Volkspoesie über die gesittete Gesellschaft hereinbrach. Dies war auch der Beginn eines neuen Genres, dem Schauerroman (Tale of Terror), der als erstes durch Horace Walprore´s „The Castle of Otranto (1764) repräsentiert wurde. 3
Die Romantik, die am Anschluss an den Sturm und Drang und der geistigen Auseinandersetzung mit den Klassikern und der Aufklärung begann, ist dadurch charakterisiert, dass die Romantiker nach dem verborgenen Sinn der Natur suchten und fasziniert von dem Geheimnisvollen waren. Sie liebten mehr als den lichten Tag die Schauer der Nacht. Dunkle Seelenvorgänge, Traum und Nachtwandel werden in der romantischen Literatur thematisiert. Besonders zeigen sich die düsteren Seiten der Natur, das Phantastische und Groteske in den Erzählungen von E.T.A. Hoffmann, von denen drei in dieser Hausarbeit vorgestellt und diesbezüglich untersucht werden. Die Lebenszeit Ernst Theodor Amadeus Hoffmanns fällt mit dem Geburtsjahr 1776 und dem frühen Todesjahr 1822 in eine wichtige Umbruchzeit der Geistes- und Kulturgeschichte Europas. Das erste Werk, das unter Hoffmanns eigenen Namen erschien, heisst Die Serapions-Brüder (1819-21). Die dämonische Kraft der Phantasie zeigt sich vor allem in den Elixieren des Teufels (1815/16), in den Nachtstücken (1817) und in Klein Zaches, genannt Zinnober“ (1819).4/ 5
Hoffmann hat am 25.10.1795 folgendes an seinen Freund Hippel geschrieben: „Wenn ich dann des Abends sitze, mein Werk vor mir, und wenn meine Fantasie tausend Ideen vervielfältigt, die sich in mein[em] Gehirn erzeugen – dann verliere ich mich so ganz in diese neu erschaffene Welt, und vergesse darüber alles bittre der Gegenwart.“.6 Um den Alltag zu entfliehen und biographische Themen zu verarbeiten, wurde Hoffmanns Phantasie vor allem durch die künstlerische Darstellung dunkler Vorahnungen, Träume und Visionen angeregt, die in seinen Erzählungen aus der Alltäglichkeit hervorgehen und eine unheilvolle Wirkung auf die betroffene Figur auszuüben scheinen. Die Wirklichkeit erscheint somit immer in ihrer Vieldeutigkeit und Vielschichtigkeit. Der Wechsel der Perspektiven wird oftmals verschleiert durch die scheinbar logisch fortschreitende Erzählung.7
Als Kulisse des Unheimlichen bietet sich hierfür die Nacht an, da in diesem Zeitabschnitt die Schatten, das Zwielicht und das Geheimnis regieren. Die Nacht und die Nachtseiten der Natur sind eine der Entdeckungen der Romantik, die schon von Novalis („Hymnen an die Nacht“) zum Ausdruck gebracht wurden. Auch Hoffmann beleuchtet in seinen Phantasie – und Nachtstücken die Wirkung der Natur auf den Menschen, die im zerstörerischen Sinne Wahnsinn, Doppelgängertum und Selbstmord hervorbringen kann. Der verzweifelte Mensch kann keinen Trost in der Natur finden, sondern wird mit dem Nichts konfrontiert. So tätigte Novalis den Ausspruch „Wo keine Götter sind, da walten Gespenster.“ 8 Die vorliegende Hausarbeit hat das Ziel, die phantastischen und grotesken Seiten von E.T.A. Hoffmanns schriftstellerischen Werk näher zu beleuchten. Ausgewählt wurden hierfür die drei Erzählungen Der Sandmann, Das Sanctus und Das öde Haus, die in den Nachtstücken veröffentlicht wurden und anhand derer gezeigt werden soll, auf welche Art und Weise die Nachtseiten dieser romantischen Lektüren zum Vorschein kommen. Nachdem der Begriff Phantastik näher erläutert worden ist, werden die drei Erzählungen einzeln bearbeitet und untersucht, worauf ein zusammenfassender Vergleich im Schlusswort mündet.
2. Die Theorie des Phantastischen
[...]
1 Sommerhage, S. 12 – 22;
2 Hoffmeister, S. 28;
3 Fischer, S. 76 f.
3 Fischer, S. 76 f.
4 Ellinger, S. 77-79
5 Feldges/ Stadler, S. 35 f.
6 Schnapp, S. 12
7 Magris, S. 10
8 Hoffmeister, S. 188/ 189
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