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Thesis (M.A.), 2004, 90 Pages
Author: Stefan Rein
Subject: Film Science
Details
Tags: Being, Male, Straight, Queer, Konstruktion, Männlichkeit, Film, Fernsehen
Year: 2004
Pages: 90
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 31 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33313-9
File size: 360 KB
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Excerpt (computer-generated)
Being Male – Straight or Queer
Zur Konstruktion von Männlichkeit
in Film und Fernsehen
Schriftliche Hausarbeit
für die Magisterprüfung der Fakultät Philologie
an der Ruhr-Universität Bochum
(Magisterprüfungsordnung vom 08. Dezember 1998)
vorgelegt von
Rein, Stefan
23.09.2004
Inhalt
1. Vorwort – Zum Ursprung der thematischen Idee ... Seite 3
2. Einleitung ... Seite 5
3. Die Problematisierung des Begriffs ‚Männlichkeit’ ... Seite 7
4. Schwule Figuren in Film und Fernsehen ... Seite 18
4.1. Passive Feminisierung ... Seite 21
4.2. Aktive Feminisierung & Abgrenzung von Männlichkeit ... Seite 34
4.3. Feminisierungs- & Abgrenzungstaktiken im Fernsehen ... Seite 47
5. Männlichkeit ausgeblendet? - Freundschaft zwischen schwulen und heterosexuellen Männern ... Seite 52
6. Die Problematisierung von Männlichkeit im Kontext von männlicher Homosexualität ... Seite 61
7. Genre einer unproblematischen Männlichkeitsinszenierung: Schwuler Pornofilm ... Seite 67
8. Zu den Wechselwirkungen medialer Männlichkeitskonstrukte & sozialer Männlichkeitsbilder ... Seite 71
9. Schlussbemerkungen ... Seite 78
10. Literaturverzeichnis ... Seite 84
11. Filmografie / Fernsehsendungen ... Seite 88
1. Vorwort – Zum Ursprung der thematischen Idee
Als ich in meinem Studium so weit voran gekommen war, dass es Zeit wurde sich Gedanken zu einem thematischen Feld zu machen, welches in Hinblick auf die Abschlussprüfungen fruchtbar gemacht werden kann, gab es an der Ruhr-Universität Bochum ein Seminar zum Pornografischen Film. Wenn ich festlegen müsste, zu welchem Zeitpunkt sich die ersten Grundideen zu dieser Arbeit in meinem Kopf verankert haben, muss ich dies auf besagtes Seminar zurückführen. Durch die Beschäftigung mit schwuler Pornografie hat sich für mich ein Blickwinkel auf die Repräsentation schwuler Figuren in den Medien eröffnet, welchen ich mit regem Interesse weiter ausbauen wollte.
In der direkten Vorbereitung dieser Arbeit hatte ich jedoch zunächst mit etwas anderen thematischen Zusammenhängen geliebäugelt. Es interessierte mich, warum es in bestimmten Filmgenres, vornehmlich des Hollywood-Mainstreams, keine Einbindung von schwulen und lesbischen Figuren gibt. Exemplarisch hierfür ist das Science-Fiction- Genre. Eines, welches gerade durch seine eigene zeitliche Verortung zumeist ein Auge auf die Zukunft der Menschheit wirft und dementsprechend prädestiniert dafür wäre, einen weiterentwickelten neutralen Blick auf homosexuelles Leben zu werfen. Stattdessen blendet Science-Fiction gleichgeschlechtliche Lebensformen gänzlich aus.1 Darstellungen von schwulen Figuren fallen hingegen in so genannten weibliche Genres besonders auf, beispielsweise in der Soap-Opera und der Sit-Com (im Fernsehen) oder der Komödie und dem Melodram (im Film). Durch diese ausgeprägte Vernetzung von Homosexualität und den weiblichen Genres lässt sich eine erste Annahme dahingehend machen, dass schwule Figuren in der Verbindung mit diesen Genres weiblich kontextuiert werden.
Wenn eine schwule oder auch lesbische Figur dann doch einmal den Weg heraus aus diesen Genres findet, dann oftmals in ganz bestimmten anderen klischeehaften Zusammenhängen.
„Films, and especially those from Hollywood, were criticized for reproducing dominant stereotypes of homosexuals – such as the sissy, the sad young man, the gay psychopath […] – and failing to represent ‚real’ gays […]“ (Smelik 1998, 136).2
Im Actionfilm oder Thriller gab der Schwule häufig sein Stelldichein als brutaler Massenmörder, wodurch Schwule einen noch fragwürdigeren Status übergestülpt bekamen oder sie wurden als das hilflose bedauernswerte Opfer inszeniert, womit Schwulsein wieder in einen Zusammenhang mit Weiblichkeit gebracht wurde.
Es lässt sich also nicht einfach behaupten, schwule Figuren seien in den Medien nicht vorhanden, jedoch gibt es anscheinend bestimmte Grundsätze nach denen sie medial eingebunden werden. Christina Nord hat ebenfalls festgestellt, dass man nicht behaupten kann, es habe Schwule und auch Lesben nicht im Film gegeben. Sie macht jedoch deutlich, dass sie „an den dunklen Rändern der Sichtbarkeit [...] ein oft trauriges, bisweilen lustvolles Dasein [fristeten].“ (2000, 160)
Schnell ist mir klar geworden, dass es generell schwierig sein dürfte, etwas zu untersuchen, das in bestimmten Zusammenhängen nicht auftaucht. Wie soll das fehlende Auftreten homosexueller Figuren in Science-Fiction untersucht werden? Überdies dürfte auch die Frage, warum es schwule Figuren in Actionfilmen und Thrillern nicht außerhalb klischeehafter Darstellungen gibt, schwer zu beantworten sein. Eine geeignete Vorgehensweise, hat sich für mich nicht erschließen können. Ich wollte mich von diesem Themenbereich aber nicht trennen, da mir der Grundgedanke weiterhin fruchtbar erschien. Schließlich kam eine weitere Idee auf, welche auf der Frage nach den genauen Funktionen von schwulen Figuren in Film und Fernsehen basierte. Gibt es eine allgemeine Rolle, welche schwule Figuren in filmischer Narration spielen? Haben schwule Charaktere bestimmte Aufgaben und Funktionen, sind sie in bestimmte Kontexte gebettet, wenn sie in Erscheinung treten? Über meine eigene Arbeit zur Inszenierung von Männern als erotische Objekte in Kenneth Angers SCORPIO RISING (1963) hat sich mein Interesse dann nochmals modifiziert.
Über die Verbindung der Frage nach bestimmten narrativen Funktionen schwuler Figuren und der Inszenierung von Männern unter der Dominanz eines erotischen Zuschauerblicks habe ich die Fragestellung nach der Inszenierung von Männlichkeit entwickelt, welche nun hier auf den kommenden Seiten verhandelt werden soll.
2. Einleitung
Um sich dem Thema der Konstruktion von heterosexueller und homosexueller Männlichkeit in Film und Fernsehen anzunähern, bedarf es zunächst einer genauen Definition. Daher werde ich damit beginnen, den Begriff ‚Männlichkeit’ genauer zu betrachten und dessen Begriffsdefinitionen problematisieren. Wie sich im weiteren Verlauf zeigen wird, ist dies notwendig, um meine Ausgangsthese zu verfolgen, in welcher ich davon ausgehe, dass die Darstellung von schwulen Figuren im Mainstream von Film und Fernsehen dazu dienen, die Vormachtstellung des heterosexuellen Mannes zu rechtfertigen und zu stabilisieren.
Um Männlichkeit zunächst definieren zu können, verwende ich Ausführungen von Michael S. Kimmel, Siegfried Kaltenecker und Anthony Easthope, aus welchen ich eine Basis für das bilde, was in Zusammenhang mit ‚Männlichkeit’ allgemeine Gültigkeit zu haben scheint. Ich werde aus diesen drei Perspektiven eine Definition von Männlichkeit entwickeln, um an Hand derer die Darstellung von Schwulen in konkreten Beispielen aus Film und Fernsehen zu untersuchen.
[....]
1 Ich möchte nicht behaupten, dass es nicht irgendwann in der Geschichte des Films schwule oder lesbische Figuren innerhalb der Science-Fiction gegeben haben mag. Dennoch fällt es äußerst schwer, ein Beispiel hierfür zu finden, so dass die Tendenz einer fehlenden Einbindung homosexueller Bezüge innerhalb dieses Genres festgehalten werden kann.
2 Anneke Smelik bezieht sich hier auf Stereotypen, welche Richard Dyer (1993a) bereits ausführlich in medialen Zusammenhängen betrachtet hat. Ich habe mich entschlossen, auf diese Stereotypisierung in meinen Filmbeispielen zu verzichten, da es mir letztlich nicht darum geht, verschiedene Typen festzulegen, sondern generelle Mechanismen aufzuzeigen, welche auf nahezu jeden im Mainstream inszenierten schwulen Charakter angewendet werden.
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