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Scholary Paper (Seminar), 2003, 22 Pages
Author: Joanna Jaritz
Subject: Romance Languages - French Literature
Details
Institution/College: University of Heidelberg
Tags: Struktur, Handelsführung, Molières, Tartuffe, Molière
Year: 2003
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33316-0
File size: 102 KB
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Excerpt (computer-generated)
Struktur und Handelsführung in Molières "Tartuffe"
von: Joanna Jaritz
Einleitung 3
Struktur und Handlungsführung der einzelnen Akte 4
Akt 1: Exposition 4
Die Spaltung der Familie 4
Berichte (Geschehenes/Vorausdeutungen) 4
Orgon tritt auf 5
Besonderheiten des ersten Aktes 5
Akt 2: Die Heiratskonflikte 6
Dorine 7
Besonderheiten des zweiten Aktes 7
Akt III: der erste „coup de théâtre » 8
Einführung der zentralen Szene 8
Die zentrale Szene/“coup de théâtre » 9
Damis 9
„Coup de théâtre“2 10
Besonderheiten des dritten Aktes 10
Akt IV 11
Versuche der Tartuffe-Gegner 11
Besonderheiten des vierten Aktes 13
Akt V 13
Cléante 13
Scènes de groupes 14
Besonderheiten des letzten Aktes 16
Besonderheiten der Gesamtstruktur 17
Die Exposition 17
Der Verlauf der Spannungskurven/Frage nach der Einheit der Handlung. 17
Die Auflösung 19
Zusammenfassung 20
Bibliografie: 21
Einleitung
„La comédie est en cinq actes lorsqu’elle est ambitieuse: elle emprunte chaque fois qu’elle le peut la coupe du „grand genre“, la tragédie“ (Scherer, 1970:197). Molières Komödie „Tartuffe“ ist eine solche Komödie „mit Ambitionen“ - sie umfasst 5 Akte und hält sich auch an weitere Regeln des „grand genre“:
• Die Länge der einzelnen Akte ist ausgeglichen: (Akt I: 426 Verse; Akt II:396; Akt III:362; Akt IV:387; Akt V:391).
• Spannung und Tempo der einzelnen Akte steigen bis zur Auflösung an, was hier u.a. durch die Anzahl der Szenen erreicht wurde: Je mehr Szenen ein Akt zählt, desto schneller ist er (Akt I: 5 Szenen, Akt II: 4 Szenen, Akt III: 7 Szenen, Akt IV: 8 Szenen, Akt V: 7 Szenen.).
• Von den drei Einheiten des Aristoteles kann zunächst gesagt werden, dass die Einheit des Ortes und der Zeit eingehalten werden. (Das Problem der Einheit der Handlung wird nach der Untersuchung der Struktur behandelt werden.)
Das Stück spielt in Paris, in Orgons Haus (Einheit des Ortes ). Die Zeit wird nicht genau eingegrenzt. Man weiß nur, dass der 4. Akt gegen 15:30 beginnt (V.1266) und der letzte Akt am selben Abend spielt, die 24 Stunden werden also nicht überschritten. Im Laufe des Referats soll aber deutlich gemacht werden, dass Molières Stück nicht in allen Punkten den klassischen Regeln entspricht. Im ersten Teil werden Struktur und Handlungsführung mit den Besonderheiten der jeweiligen Akte dargestellt und im zweiten Teil vor diesem Hintergrund die Anwendung des klassischen Musters auf dieses Stück diskutiert werden.
Die Spaltung der Familie
Durch die Regel, nach der die Spannung und Dichte bis zum Höhepunkt kurz vor der Auflösung zunehmen soll, ergibt sich die Gefahr, die Einführung langsam und langatmig zu gestalten1. „Le Tartuffe“ beginnt allerdings mit einer sehr bewegten Szene (nach Goethe eine Exposition « „unique au monde“ »2. Die Familie Orgons wird (mit Ausnahme von ihm selbst) vorgestellt und durch Mme Pernelles Moralpredigten charakterisiert. Der Zuschauer/Leser erhält auch gleich zwei Porträts von Tartuffe (noch nicht anwesend): Eins von Mme Pernelle, die ihn als Vorbild betrachtet, und eins von Damis und Dorine, die ihn als „cagot de critique“ (Damis,V.45) und „critique zélé“ (Dorine, V.51) bezeichnen, der der Familie ihre mondäne Lebensweise verbieten will: Die Spaltung der Familie in zwei Lager wird also gleich in der ersten Szene als Hauptkonflikt eingeführt. Das Lager der Tartuffianer wird allerdings bisher allein von Mme Pernelle vertreten, die sich mit ihren scharfen Kritiken selbst charakterisiert (expressive Funktion) und der Kritik der Zuschauer aussetzt. Durch ihre grobe Ausdrucksweise („Hé! Merci de ma vie!“(Vers 67) und ihr hektisches Auftreten disqualifiziert sie sich von Anfang an.
Berichte (Geschehenes/Vorausdeutungen)
In den folgenden beiden Szenen lässt Molière die Gegner Tartuffes unter sich auftreten. Sie können also vertraute Gespräche führen, und ermöglichen durch ihre Berichte, die Einheit der Zeit zu wahren und dem Zuschauer einen Einblick in Vergangenheit und Zukunft zu geben: So berichtet Dorine in Szene 2 Cléante gegenüber von dem Geschehenen: Orgon, der Familienvater, habe eine Entwicklung zum Tyrann durchgemacht, seit er Tartuffe bei sich aufgenommen und zu seinem Ein und Alles gemacht habe. (V.195) In Szene 3, in der Elmire, Mariane, Damis, Cléante und Dorine auftreten, deutet Damis voraus, dass Tartuffe sich der Liebesheirat zwischen Mariane und Valère und seiner Liebe zu dessen Schwester in den Weg stellen könnte (V.217-223). Orgon tritt auf Orgon tritt erst in den Szenen 4 und 5 auf. Er erweitert das Lager der Tartuffianer, und bestätigt tatsächlich alle Vorurteile, die der Zuschauer durch die Berichte gewonnen hat:
Dorine berichtet Orgon, von der Migräne seiner Frau am Vorabend (Szene 4). Orgon überhört aber sowohl die referentielle Funktion dieses Berichtes (seine Frau war krank), als auch seine appellative Funktion (er soll sich um seine Frau sorgen). Stattdessen stellt er nur Nachfragen, die Tartuffe betreffen. Die Komik seines völlig unpassenden Verhaltens wird noch verstärkt durch seine formelhaften Fragen und Antworten, die sich ständig wiederholen (Sprachkomik): „Et Tartuffe?“(233, 238, 245 251), und, nachdem er sich vergewissert hat, dass der sein Leben in vollen Zügen genießt: „Le pauvre homme!“ (V.235, 241, 249,256). Szene 4 geht nahtlos in die folgende Szene über: Cléante, der mit Orgon auf der Bühne bleibt, führt den Versuch fort, Orgon zur Einsicht zu bringen. Seinem Wesen entsprechend ist der Ton allerdings weniger komisch. Orgon bestätigt aber auch hier sowohl seine mangelnde Ausdrucksfähigkeit (V.272), als auch seine engstirnige völlige Hingabe zu Tartuffe. Einmal mehr wirft das Lob seiner Fürsprecher ein eher negatives Licht auf Tartuffe: Parallel zu Szene 1 disqualifiziert sich Orgon, wie Mme Pernelle, durch seinen Sprachstil und seine Verbohrtheit. Mit dieser Klammer endet der erste Akt. Die große Klammer, die von der ersten Szene als „scène de groupe“ geöffnet wurde 3, wird sich erst mit der letzten Szene des Stückes schließen.
Besonderheiten des ersten Aktes
[...]
1 Jacques Scherer, La dramaturgie classique en France, A.G.Nizet, editeur, Paris, S.198.
2 Nouveaux Classiques Larousse : Molière, Tartuffe, 1971 : 157
3 Nouveaux Classiques Larousse, 1971:157
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