Scholary Paper (Seminar), 2003, 25 Pages
Author: Diane Schmidt
Subject: Psychology - Developmental Psychology
Details
Tags: Bindungstheorie
Year: 2003
Pages: 25
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 9 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33457-0
File size: 253 KB
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Excerpt (computer-generated)
Die Bindungstheorie
von: Diane Schmidt
1. Einleitung 3
2. Die Bindungstheorie 4
2.1 Die drei Bindungstypen 7
3. Die Bindungstypen und ihre Emotionen 8
3.1 Entwicklung individueller Unterschiede in der Bindungsqualität 10
3.2 Kontinuität der Bindungsmuster 13
3.3 Das kognitive Verhalten der Kinder 15
3.4 Ergebnisse der Bindungsforschung 17
4. Emotionen und ihre Rolle im kindlichen Verhalten 17
4.1 Was ist emotionale Kompetenz? 19
4.2 Emotionale Kompetenz in der Schule 22
5. Zusammenfassung 23
6. Literaturverzeichnis 25
1. Einleitung
Der Mensch ist ein soziales Wesen und kann ohne zwischenmenschliche Kontakte nicht leben. Solche Bindungen entstehen schon in der Schwangerschaft und werden hier durch die Gefühle der Mutter entscheidend geprägt. Die Einstellung der Mutter gegenüber dem im Mutterleib heranwachsenden Kind ist ausschlaggebend für die späteren Verhaltensweisen. Die Art und Weise der frühkindlichen emotional- affektiven Erlebnisse entscheiden darüber, ob es bei einem Kind zur Ausprägung des Urvertrauens oder Urmisstrauens kommt.1 Das Neugeborene kann seine Bezugsperson nur über den Geruchs- und Tastsinn (Körperkontakt) wahrnehmen, also durch Riechen, Schmecken und Fühlen. Die emotionale Zuwendung erzeugt beim Kind eine Atmosphäre der Geborgenheit. Diese Atmosphäre beinhaltet das erzeugte Selbstvertrauen, das Vertrauen zu seinen Mitmenschen und zur Umwelt. Dieses ist auch nötig, um Mut dafür aufzubringen, sich auf neue unbekannte Dinge einzulassen. Das Urvertrauen ist also eine positive Einstellung zu sich selbst, basierend auf früheren Erfahrungen - auch im Mutterleib – und sie ermöglicht es den Menschen, sich mit ihrer Umwelt und sich selbst auseinander zu setzen. Nicht nur Umweltfaktoren sondern auch genetische Einflüsse spielen eine große Rolle bei der Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen. Der psychische Zustand eines Menschen ist stark davon abhängig,, wie seine zwischenmenschlichen Beziehungen sind. Verlaufen sie harmonisch, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Person ausgeglichen und glücklich ist und in der Lage, mit auftretenden Problemen fertig zu werden.
Die emotionale Fundierung entsteht durch ausreichende emotionale Zuwendung . Durch sie wird der soziale Lebensmut geprägt, der für die geistige, soziale und emotionale Entwicklung des Kindes von hoher Bedeutung ist. Wenn man sich nicht auf seine Bezugspersonen verlassen kann, wird der soziale Pessimismus erzeugt, der sich auf die emotionale Entwicklung des Kindes hemmend auswirken kann. Ein Gegenstand der Bindungsforschung ist der Aufbau und die Veränderung enger Beziehungen im Verlauf des Lebens. In meiner Hausarbeit möchte ich auf die starke Bindung zwischen Mutter und Kind eingehen und versuchen, das diese Bindung anhand der Bindungstheorie von John Bowlby näher zu erläutern. Des weiteren möchte ich auf die emotionale Kompetenz von Kindern eingehen, wo sie herkommt und was sie bewirkt. Es gibt natürlich Unterschiede in der Art und Weise, wie sich solche Bindungen zwischen Mutter und Kind entwickeln. Auf diese Unterschiede möchte ich im Folgenden eingehen und diese anhand der Bindungstheorie erklären.
2. Die Bindungstheorie
Es liegt in der menschlichen Natur, eine besonders starke Bindung zu speziellen Individuen aufzubauen. Das beginnt bereits im Säuglingsalter und reicht oftmals ins hohe Erwachsenenalter hinein. Jedes Kind entwickelt eine Bindung zu seinen Bezugspersonen (Familie), vorausgesetzt, es sind Bezugspersonen vorhanden. In den meisten Fällen ist dieses Gefühlsband sehr spezifisch und keine der Personen kann in der Regel ausgetauscht werden. Die Bindungstheorie ist eine motivationa l- emotionale Theorie der menschlichen Entwicklung, die biologische, soziale, kognitive und emotionale Elemente miteinander verbindet. 2 Sie geht von den biologisch vorgegebenen Verhaltensweisen aus und versucht, anhand dieser Elemente das Verhalten von Menschen zu erklären. Der britische Psychologe John Bowlby wies darauf hin, dass sowohl die konkreten Erfahrungen für die Entwicklung eines Menschen von Bedeutung wären und auch dem Aufbau von internalen Arbeitsmodellen dienten. Diese verhelfen einer Person dazu, Wirklichkeit zu konstruieren und zu interpretieren. 3
In der Kindheit besteht eine besondere Bindung zu den Eltern, da sie die ersten Kontaktpersonen sind – sie vermitteln Wärme, Geborgenheit und Liebe, spenden Trost und Schutz - es besteht ein Urvertrauen. Die Bindung ist also ein starkes emotionales Band zwischen zwei Personen. Wenn sich diese Bindungen normal entwickeln, bestehen sie bis ins hohe Erwachsenenalter, jedoch werden die Funktionen der elterlichen Bindung durch den späteren Partner abgelöst und bestehen sekundär weiter. Meist suchen die Personen (gerade Kinder) Schutz und Trost bei jemandem, der erfahrener und weiser ist. So wird die bindungssuchende Person immer versuchen, sich so nah wie möglich bei der Bezugsperson aufzuhalten. Doch auch diese Bindung führt eine Gegenreaktion mit sich. Obwohl der Schutzsuchende sich bei seiner Bindungsperson sicher fühlt wird er sich wieder von ihr wegbegeben, um die Welt zu erkunden, um eigene Erfahrungen zu sammeln und um neue, ähnlich tiefe Bindungen herzustellen. Fühlt sich dieses Kind dann dabei unwohl, ist ängstlich oder müde, sucht es sofort wieder die Nähe zur Bindungsperson. Dieses Verhaltensmuster beschreibt John Bowlby als „Erkundung von einer sicheren Basis aus.“ 4
Dieses Phänomen ist bei Kindern ungefähr ab dem zweiten Lebensjahr zu erkennen, weil sie dann körperlich in der Lage sind und ihre geistige Entwicklung auf sprachlichem Gebiet fortgeschritten ist. Ein Beispiel dafür ist , dass das Kind immer wieder von der Mutter weggeht, um die im Raum oder in der Umgebung befindlichen Dinge zu erkunden. Nach ein paar Minuten kommt es wieder zu seiner Mutter, zeigt ihr, was es entdeckt hat oder schmiegt sich einfach nur an sie. Das System des Bindungsverhaltens ist also folgendes: Trotz der physiologischen Abwesenheit wird ein Kind die Beziehung zu seiner Bindungsperson immer aufrechterhalten, zumindest im Normalfall- das heißt: wenn die Bindung zur Bezugsperson sicher und harmonisch verläuft und das Urvertrauen ausgeprägt ist. Das Bindungsverhaltenssystem wird durch erschreckende oder angsteinflößende Ereignisse aktiviert und durch die Trost- oder Schutzspende durch die Bezugsperson deaktiviert. 5 Die Bindung des Kindes zu seinen Bezugspersonen entsteht also im Laufe des ersten Lebensjahres und ist durch vier Phasen gekennzeichnet: Phase eins geht von der Geburt bis hin zum dritten Monat. Das Kind zeigt hier schon deutliches Orientierungsverhalten, kann aber den Unterschied zwischen zwei Personen noch nicht richtig erkennen. Es unterscheidet zuerst Stimme, Gerüche und Gesichtsausdrücke.
[...]
1 vgl. Sluckin, Wladyslaw/ Herbert, Martin/ Sluckin, Alice: Mutterliebe- auf den ersten Blick, S. 28
2 Vgl. Spangler; Gottfried: Frühkindliche Bindungserfahrungen und Emotionsregulation. In: Friedlmeier, Wolfgang/ Holodynski, Manfred (Hrsg.): Emotionale Entwicklung, S. 177
3 vgl. Bowlby, John: Bindung- Historische Wurzeln, theoretische Konzepte und klinische Relevanz. In: Spangler, Gottfried/ Zimmermann, Peter: Die Bindungstheorie- Grundlagen, Forschung und Anwendung, S. 20
4 Bowlby, John: Bindung- Historische Wurzeln, theoretische Konzepte und klinische Relevanz. In: Spangler, Gottfried/ Zimmermann, Peter: Die Bindungstheorie- Grundlagen, Forschung und Anwendung, S. 21
5 vgl. Bowlby, John: Bindung- Historische Wurzeln, theoretische Konzepte und klinische Relevanz. In: Spangler, Gottfried/ Zimmermann, Peter: Die Bindungstheorie- Grundlagen, Forschung und Anwendung, S. 22
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