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Shakespeares Frauenfiguren in Komödie und Tragödie - Merchant of Venice und Othello

Termpaper, 2001, 34 Pages
Author: Eric Johannsen
Subject: English Language and Literature Studies - Literature

Details

Category: Termpaper
Year: 2001
Pages: 34
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V3287
ISBN (E-book): 978-3-638-12000-5

File size: 258 KB


Excerpt (computer-generated)

 

Shakespeares Frauenfiguren in Komödie und Tragödie - Merchant of Venice und Othello

 


Autor: Eric Johannsen




1. Einleitung 1

2. Einteilung nach gattungstypischen Merkmalen 2

3. Frauenfiguren in "The Merchant of Venice" und "Othello" 4
3.1 Portia und Nerissa in "The Merchant of Venice" 4
3.2 Die Ring-Episode 10
3.3 Desdemona und Emilia in "Othello" 13
3.4 Die Willow-Szene 22

4. Vergleich der Figuren nach Gattungen 24

5. Schlussbetrachtung 28

6. Literatur 31

 

1. Einleitung

In Shakespeares Stücken spielen Frauenfiguren oft eine entscheidende Rolle für den dramatischen Verlauf. Genau wie in der Realität der Zeit Shakespeares sind die meisten seiner weiblichen Charaktere der Dramen auch an die Regeln und Konventionen der elisabethanischen Zeit gebunden. So war zum Beispiel im damaligen England der Austausch von Frauen durch erzwungene Heirat, um Macht, Erbe, Mitgift oder Land zu erhalten, durchaus üblich. Frauen wurden von ihren Vätern besessen und durch die Hochzeit nach patriarchalischen Prinzipien an ihre Ehemänner weitergegeben, um sich deren harten Regeln zu unterwerfen. Nach außen hin galten Frauen in der Gesellschaft als verdächtig, da ihr Geschlecht und ihre Sexualität als mystische Kraftquelle galten, die den Männern offensichtlich Angst bereitete. Innerhalb dieser engen und von außen vorgegebenen Handlungsspielräume werden die Frauen in Shakespeares Dramen allerdings sehr unterschiedlich dargestellt.
Diese Arbeit geht an den exemplarischen Beispielen der Figuren Portia aus "The Merchant of Venice" und Desdemona aus "Othello" den Entwicklungen der Frauencahraktere vor dem Hintergrund nach, dass die jeweilige Gattung des Stückes, hier Komödie und Tragödie, spezifische Auswirkungen hat. Zunächst geht es um die Frage der Einteilung beider Stücke nach ihren gattungstypischen Merkmalen und ihrem zentralen Thema. Danach wird auf die Figuren im Einzelnen und ihre jeweilige Entwicklung im Kontext der Form des Stückes eingegangen. Beachtung finden hier auch die Nebenfiguren Nerissa aus "The Merchant of Venice" und Emilia aus "Othello", die als Zofen für die Hauptfiguren wirken, und je ein Motiv aus der Handlung, das für den Handlungsverlauf entscheidend ist. Zentral in diesem Abschnitt ist, wie der Autor die gängigen Rollenvorstellungen der Frauen aus seiner Zeit einarbeitet und inwieweit er in dabei den Unterschied zwischen seinen Heldinnen der Komödie und der Tragödie herausstellt. Anschließend werden Komödie und Tragödie direkt anhand der Beispiele gegenüber gestellt, wobei im Vordergrund die Frage nach einer Shakespeare-typischen Verteilung der Figuren innerhalb der Gattungen steht.


2. Einteilung nach gattungstypischen Merkmalen

Die in dieser Arbeit betrachteten Gattungen Komödie und Tragödie gelten als langlebigste literarische Gattungen überhaupt, etabliert sind sie bereits seit der Antike. Interessant wird die Betrachtung von Shakespeares Frauenfiguren anhand dieser Gattungen wegen ihrer polaren Gegensätze.
"Komödie" stammt von "komos" (griechisch), was "nächtlicher Umzug, fröhliches Gelage unter Musikbegleitung" bedeutet. Komik als Gattungsmerkmal der Komödie reizt zum Lachen durch kleine Ungereimtheiten, durch eine Abweichung von Normen, durch menschliche Schwächen und einem Missverhältnis zwischen Schein und Sein, auch durch Ironie. Oft gilt es auch, ein Rätsel zu lösen. Komik ist nicht immer für jeden verständlich, zum Teil wird ein Vorwissen und Verständnis besonderer Begebenheiten vorausgesetzt. Shakespeares literarische Komik ist größtenteils allgemein menschlich, beruhend auf Wortspielen, Verwechslungen und verbalen Anzüglichkeiten, und ist deshalb meist allgemein verständlich. Im Falle von "The Merchant of Venice" allerdings handelt es sich nicht um eine "typische" Komödie, wo das Lustige und die Komik im Vordergrund stehen, sondern das Stück beinhaltet viele Merkmale, die eine Zuordnung in eine andere Gattung andeuten. Als eher kritisches Thema hat diese Komödie die gegenseitige Abhängigkeit von Menschen, sei es zum Beispiel im wirtschaftlichen Bereich durch Verträge besiegelt oder auf familiärer Ebene durch ein Testament, das Portia in ihrer Partnerwahl abhängig von ihrem Vater macht. Als tragisches Merkmal steht der Vertrag um ein Pfund Fleisch zwischen Antonio und Shylock, der später einem Todesurteil für Antonio gleichkommt. Antonio ist anfangs ein Beispiel für den typischen Helden der Tragödie, dem der totale Untergang nach eigenem Verschulden droht. Bevor es aber schließlich im "Merchant of Venice" zu einem komödientypischen Ende kommt, in dem es keinen Schaden für die guten Charaktere gibt und nur die schlechten Figuren beeinträchtigt enden, sowie verschiedene Vermählungen stattgefunden haben, zeigen kleine Episoden bereits den komödienhaften Status des Stückes. Hier gibt es als Beispiel die "Casket-Szene", in der Bassanio sich der Prüfung zur Tauglichkeit als Portias Ehegatte unterziehen muss, die er erst durch eine Täuschung antreten darf und mit Hilfe von Portia besteht. So ist dann auch eine Einordnung von "The Merchant of Venice" als Komödie gerechtfertigt.
Als ein der Komik entgegengesetzt stehendes Erleben der Welt steht die Tragik, das Gattungsmerkmal der Tragödie. Frei definiert nach Aristoteles´ "Poetik" ist die Tragödie die dramatische Darstellung eines Geschehens, in dem der Held - weder Verbrecher noch Heiliger- durch eine schuldhafte Verfehlung zuerst in Gefahr gerät und dann ins unausweichliche Verderben stürzt. Die tragischen Personen werden unausweichlich in Leid und Vernichtung geführt, unter Umständen auch in den Tod, wie z.B. Othello und Desdemona. Die Tragödie rührt an der grundsätzlichen Frage nach der Ursache des Leidens, nach der Natur des Bösen im Menschen, sie erweckt Mitleid und Trauer durch den erfolglosen Kampf gegen das Verhängnis. "Othello", eingeordnet als eine der "großen" Tragödien Shakespeares neben "Hamlet", "King Lear" und "Macbeth", gilt als "subjektive" oder "Charaktertragik". Das Leiden erwächst aus den Eigenschaften der Person, zum Beispiel ihrem inneren Konflikt zwischen Passion und Rationalität. Daraus ergibt sich ein äußerer Konflikt, der für das Publikum fassbar ist. Dem Zuschauer bleibt es, die Tragödie und ihre Charaktere zu bewerten und zu interpretieren, kleine Unklarheiten bleiben im Stück offen. So sind auch die allgemeinen Konflikte die das Thema von "Othello" sind - das Verhältnis zwischen Frauen und Männern, Liebe und falsch verstandene Ehre - ungelöst. Allerdings weist "Othello" auch Merkmale auf, die eher dem entgegengesetzten Genre der Komödie entsprechen, wie "The Merchant of Venice" als Komödie tragische Elemente aufweist. Als Beispiel ist hier der Beginn des Stückes zu nennen, wenn Othello den Vater von Desdemona trickreich hintergeht, um an die Hand der Tochter zu gelangen. Das führt am Ende des ersten Aktes fast zum Happy-End einer Liebeskomödie, der Vermählung. Desdemonas Vater Brabantio ist hierbei die traditionelle Komödienfigur, die dem glücklichen Lauf der Dinge im Wege steht und auf deren Kosten sich dann aber doch alles zum Guten wendet. Die sich aus dieser Konstellation aber schon abzeichnenden Konflikte, die sich später zur Katastrophe ausweiten und der von Iago ausgelöste und genährte Zwiespalt in Othello, der schließlich zu Mord und Verderben führt, sind die Merkmale, die "Othello" dann zur Tragödie machen.

[...]


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