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Hausarbeit, 1996, 45 Seiten
Autor: Kerstin Walter
Fach: Soziologie - Klassiker, Grundlagen und Theorierichtungen
Details
Institution/Hochschule: Ruhr-Universität Bochum (Institut für Soziologie)
Tags: Simone, Beauvoir, Entwicklung, Anliegen, Gesellschaftskritik, Kolloquium, Gesellschaftskritik, Jahrhundert, Sicht
Jahr: 1996
Seiten: 45
Note: sehr gut
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-12001-2
ISBN (Buch): 978-3-638-71893-6
Dateigröße: 282 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Simone de Beauvoir begann 1946 mit dem Schreiben ihres Buches „Das andere Geschlecht“ („Le Deuxième Sexe“), das 1949 in Paris veröffentlich wurde. In diesem berühmten Standardwerk überprüft sie „die subjektiven und objektiven Einschränkungen und Belastungen, denen Frauen ausgesetzt waren und sind“. Michael Walzer hat in seinem Buch über die Gesellschaftskritik, die kritische Position von Simone de Beauvoir ( neben zehn weiteren Autoren ) unter bestimmten Gesichtspunkten untersucht. Sein Anliegen dabei war, herauszufinden, was Gesellschaftskritiker tun und wie sie ihre Tätigkeit begreifen, was die Grundlagen ihrer Kritik sind, wo sie stehen, wenn sie kritisieren, ob sie sich den Menschen verbunden oder nicht verbunden fühlen, deren Gesellschaft sie kritisieren. Dabei geht es Walzer in erster Linie darum, den Standort des Kritikers und die Motive seiner Kritik zu untersuchen. Der Standort und die Motive des Kritikers sind meistens von seinem Lebens- und Erfahrungsbereich nicht trennbar und begründen ein Anliegen seiner Kritik. Deshalb soll im Mittelpunkt der folgenden Analyse die Darstellung der Person Simone de Beauvoir stehen. Der biographische Hintergrund soll verdeutlichen, wie sich ihre kritische Position entwickelt hat und worauf sich ihr Anliegen in ihrer Gesellschaftskritik gründet. Die Ausführungen zu ihrer Biographie sollen ein besseres Verständnis für die wesentlichsten Aspekte ihrer Kritik ermöglichen, die im Anschluß erläutert und durch Walzers Betrachtungsweise ergänzt werden. Die Grundproblematik einer konstruktiven Gesellschaftskritik und deren Erfolg scheint mit dem Standpunkt und dem Status des Kritikers eng verbunden zu sein. Die biographischen Daten und Fakten sollen darüber Aufschluß geben, inwieweit de Beauvoirs kritische Betrachtung zur Situation der Frauen in der Gesellschaft auf ihre persönliche Entwicklung zurückzuführen ist. Mit Hilfe der folgenden Fragestellungen: wie sieht die Form und die Sprache ihrer Kritik aus, welche Autorität begründet ihre kritische Position, was sind die Maßstäbe und Motive ihrer Kritik - sollen die wesentlichen Punkte ihrer Gesellschaftskritik unter Einbeziehung der Ausführungen von Walzer erörtert werden.
Textauszug (computergeneriert)
Kolloquium: ,,Gesellschaftskritik im 20. Jahrhundert aus sozialpsychologischer Sicht"
WS 1995/96
,,Simone de Beauvoir"
Kerstin Walter
Theater-, Film- und
Fernsehwissenschaft, Geschichte und
Sozialwissenschaft
5.Semester
Inhalt
I. Einleitung Seite
1. Ausgangspunkt, Bestandsaufnahme .............. 3
2. Problematisierung / Fragestellungen ......... 5
II. Darstellung der Person Simone de Beauvoir
und ihrer Gesellschaftskritik
1. Biographische Daten / Fakten ................ 7
2. Zu der Gesellschaftskritik von
Simone de Beauvoir ......................... 26
3. Michael Walzer - Zur Gesellschaftskritik von
Simone de Beauvoir ......................... 40
III. Schlußbetrachtung ........................ 42
Anhang
Literaturverzeichnis .......................... 44
I. Einleitung
1. Ausgangspunkt, Bestandsaufnahme
Simone de Beauvoir begann 1946 mit dem Schreiben ihres Buches ,,Das andere Geschlecht" (,,Le Deuxième Sexe"), das 1949 in Paris veröffentlich wurde.1)
In diesem berühmten Standardwerk überprüft sie ,,die subjektiven und objektiven Einschränkungen und Belastungen, denen Frauen ausgesetzt waren und sind". Es ist ein Kultbuch und Grundlagentext der Frauenbewegung, da es eine grundlegende Analyse vom weiblichen Status und Selbstverständnis in Geschichte und Gegenwart darstellt.2)
Michael Walzer hat in seinem Buch über die Gesellschaftskritik, die kritische Position von Simone de Beauvoir3) neben zehn weiteren Autoren4) unter bestimmten Gesichtspunkten untersucht. Sein Anliegen dabei war, herauszufinden, was Gesellschaftskritiker tun und wie sie ihre Tätigkeit begreifen, was die Grundlagen ihrer Kritik sind, wo sie stehen, wenn sie kritisieren, ob sie sich den Menschen verbunden oder nicht verbunden fühlen, deren Gesellschaft sie kritisieren5) Dabei geht es Walzer in erster Linie darum, den Standort des
Kritikers und die Motive seiner Kritik zu untersuchen.
Der Standort und die Motive des Kritikers sind meistens von seinem Lebens- und Erfahrungsbereich nicht trennbar und begründen ein Anliegen seiner Kritik. Deshalb soll im Mittelpunkt der folgenden Analyse die Darstellung der Person Simone de Beauvoir stehen. Der biographische Hintergrund soll verdeutlichen, wie sich ihre kritische Position entwickelt hat und worauf sich ihr Anliegen in ihrer Gesellschaftskritik gründet. Die Ausführungen zu ihrer Biographie sollen ein besseres Verständnis für die wesentlichsten Aspekte ihrer Kritik ermöglichen, die im Anschluß erläutert und durch Walzers Betrachtungsweise ergänzt werden.
Doch zunächst müssen noch einige wesentlichen Punkte genannt werden, die Walzers Auswahl der Gesellschaftskritiker bestimmt haben. Diese Punkte sind wesentlich, da sie den Blickwinkel bestimmen, mit dem die Person Simone de Beauvoir und ihre Kritik hier gesehen und erläutert wird.
Walzers Gesellschaftskritiker sind ,,allesamt Intellektuelle, Publizisten, politische Aktivisten, die scharf und erbittert über ihre eigene Gesellschaft geschrieben haben".6) Gleichzeitig sind alle Protagonisten Linke; dieses Dilemma, wie Walzer es selbst bezeichnet, ergab sich daraus, weil er keine konservative Klageliteratur zitieren wollte.7) Er hat Kritiker ausgewählt, ,,deren Arbeit durch Triumphe und Katastrophen unserer Zeit beeinflußt wurde: die zwei Weltkriege, den Kampf der Arbeiterklasse, nationale Befreiung, Feminismus, totalitäre Politik". Sein Anliegen war, über Gesellschaftskritiker zu schreiben und nicht über Philosophen der Kritik; eher über professionelle Kritiker als über politische Aktivisten.8) Es ging ihm um Kritiker, deren Gesellschaftskritik den ,,Hauptstrom" betrifft. ,,Sie sind alle ´allgemeine Intellektuelle´. Sie haben alle etwas über die Gesellschaft insgesamt zu sagen und auch über das Projekt der Kritik selbst. Sie nehmen neue Probleme mit einer neuen Dringlichkeit auf."9)
Für Walzer ist entscheidend, daß die Gesellschaftskritik einerseits aus dem Standort der Verbundenheit, andererseits aus der ,,kritischen Distanz" des Kritikers erfolgt. Die Verbundenheit und der Abstand des Kritikers gegenüber der zu kritisierenden Gesellschaft zugleich sind die wesentlichsten Voraussetzungen bzw. Bedingungen zu einer wirklichen Kritik, nach Walzers Ansicht. Nur solch eine Kritik ist wirksam und wird gehört. Dieser Aspekt wird in seinen Schlußfolgerungen am Ende seines Buches deutlich und verweist auf den Untersuchungsschwerpunkt der Standortbestimmung des Kritikers.10)
2. Problematisierung / Fragestellungen
Die Grundproblematik einer konstruktiven Gesellschaftskritik und deren Erfolg scheint mit dem Standpunkt und dem Status des Kritikers eng verbunden zu sein.
Deshalb soll hier der Versuch gemacht werden, über den Weg der Biographie von Simone de Beauvoir, wie bereits erwähnt, Anhaltspunkte zu finden, die ihren kritischen Standort mitbestimmt haben könnten. Die biographischen Daten und Fakten sollen darüber Aufschluß geben, inwieweit de Beauvoirs kritische Betrachtung zur Situation der Frauen in der Gesellschaft auf ihre persönliche Entwicklung zurückzuführen ist. Mit Hilfe der folgenden Fragestellungen: wie sieht die Form und die Sprache ihrer Kritik aus, welche Autorität begründet ihre kritische Position, was sind die Maßstäbe und Motive ihrer Kritik - sollen die wesentlichen Punkte ihrer Gesellschaftskritik unter Einbeziehung der Ausführungen von Walzer erörtert werden. Dabei werden die Fragestellungen nicht getrennt beantwortet, sondern ihre Beantwortung fließt in die einzelnen Analyseschritte mit ein.
In den folgenden Untersuchungen soll versucht werden, ein umfassendes Bild der Person Simone de Beauvoir und ihrer Gesellschaftskritik zu ermitteln. Dabei sollen die wesentlichsten Aspekte aus ihrem Leben und ihrer Gesellschaftskritik aufgezeigt und ausgewertet werden.
Die folgende Analyse stützt sich dabei in erster Linie auf die Ausführungen von Christiane Zehl Romeros Darstellugnen biographischer Sachverhalte11), Simone de Beauvoirs Darstellung einer Kritik gegen die Unfreiheit der Frauen12) und Michael Walzers Darstellung zu einer Gesellschaftskritik im zwanzigsten Jahrhundert13)
[...]
1 ) De Beauvoir, Simone: Das Andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau (Neuübersetzung), Reinbeck bei Hamburg 1992.
2 ) So schreibt der Rowohlt Taschenbuch Verlag über dieses Buch auf der Innenseite des Buchdeckels des genannten Werkes.
3 ) Walzer, Michael: Zweifel und Einmischung. Gesellschaftskritik im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1991, S.210-231.
4 ) Julien Benda, Randolph Bourne, Martin Buber, Antonio Gramsci, Ignazio Silone, George Orwell, Albert Camus, Herbert Marcuses, Michel Foucault, Breyten Breitenbach
5 ) ebenda, S.7.
6 ) ebenda, S.8.
7 ) vgl. Walzer, S.44.
8 ) ebenda, S.45.
9 ) ebenda, S.46.
10 ) vgl. Walzer, S.307-326.
11 ) Zehl Romero, Christiane: Simone de Beauvoir in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbeck bei Hamburg 1978.
12 ) De Beauvoir, Simone: Das Andere Geschlecht ... .
13 ) Walzer, Michael: Zweifel und Einmischung. Gesellschaftskritik im 20. Jahrhundert ... .
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