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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 19 Pages
Author: Thomas Wittmann
Subject: History - Didactics
Details
Institution/College: University of Kassel
Tags: Frontalunterricht, Gelenktes, Unterrichtsgespräch, Leitfossilien, Unterricht, Seminar, Probleme, Geschichtsunterrichtes, Sekundarstufe
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 2,1
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33519-5
File size: 190 KB
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Excerpt (computer-generated)
Frontalunterricht und Gelenktes Unterrichtsgespräch
als Leitfossilien von Unterricht?
von: Thomas Wittmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Geschichte der Methode 4
3. Frontalunterricht im Urteil der Didaktiker und Pädagogen 6
3.1. Argumente gegen Frontalunterricht 6
3.2. Vorteile des Frontalunterrichtes 8
4. Unterrichtsformen und didaktische Funktionen des Frontalunterrichtes 10
5. Frontalunterricht am Beispiel 13
5.1. Der Lehrvortrag 13
5.2. Das gelenkte Unterrichtsgespräch 15
6. Schlussbemerkungen 17
7. Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Mit dem Ton merklicher Herabsetzung wird in unserer heutigen Zeit der Begriff Frontalunterricht von Studenten, Pädagogen und Didaktikern gebraucht. Er gilt vielerorts als antiquiert und unangemessen gegenüber den Zielvorstellungen einer modernen Schule und besonders stellt er für viele das Beispiel schlechten Unterrichts dar. Trotzdem wird Frontalunterricht in den deutschen Schulen noch ungebrochen häufig als Unterrichtsmethode verwendet. Durch statistische Erhebungen konnte belegt werden, dass mit bis zu 90 Prozent Unterrichtsanteil gegenüber der vielfach geforderten und angepriesenen Gruppenarbeit mit nur 5 bis 8 Prozent, der Frontalunterricht in der Praxis die dominierende Sozialform darstellt.1 Wie kann es zu so einem Ungleichgewicht trotz immer weiter andauernder Appelle der Didaktiker kommen? Sollte man sich nicht gerade auf dem Hintergrund der Statistik mit dieser Methode näher befassen anstatt sie gleich von Anfang an aus der Betrachtung auszugrenzen?
Zum Frontalunterricht gibt es im Gegensatz zu offenen und schüleraktiven Unterrichtsformen kaum wissenschaftliche Literatur. Jahrzehntelang ist dieses Thema recht stiefmütterlich behandelt worden. Erst ab ca. 1980 beschäftigten sich wieder mehr Didaktiker und Pädagogen mit dieser in der Praxis dominierenden Unterrichtsform. Neben Arbeiten von Ernst Meyer (1983) und dem Bielefelder Schulpädagogen Karl Aschersleben (1985 / 1999) sind vor allem noch Hilbert Meyer (1990) und Meinert Meyer (1997) zu nennen, welche Veröffentlichungen zu diesem Thema herausbrachten. Auch die Zeitschrift Pädagogik hat sich in zwei Heften (H. 11/1990 u. H. 5/1998) mit diesem Thema ausführlich auseinandergesetzt.2 In dieser Arbeit möchte ich mich zunächst mit den theoretischen Grundlagen des Frontalunterrichtes beschäftigen. Hierzu gebe ich zu Beginn eine kurze Geschichte des Frontalunterrichtes zum besseren Verständnis der weiten Verbreitung und seines Charakters. Danach werde ich auf die Urteile der Didaktiker und Pädagogen zu sprechen kommen und deren Argumente gegen diese Methode aufführen, aber auch Vorteile des Frontalunterrichtes aufzeigen. In einem nächsten Schritt widme ich mich dann den verschiedenen Unterrichtsverfahren sowie den didaktischen Funktionen des Frontalunterrichtes um in einem letzten Punkt auf praktische Beispiele, hier speziell den Lehrvortrag und das gelenkte Unterrichtsgespräch, für gelingenden und nützlichen Frontalunterricht hinzuweisen. Durch diese Vorgehensweise wird es mir erlaubt die didaktische Methode Frontunterricht kritisch zu untersuchen und zu hinterfragen, gleichzeitig aber auch ihre notwendige Integration in andere, schüleraktivierendere Methoden zu untersuchen.
2. Geschichte der Methode
Frontalunterricht ist zwar eine der ältesten Unterrichtsmethoden überhaupt, aber trotzdem angesichts der langen Geschichte von Schule und Unterricht seit der Antike eine vergleichsweise junge Unterrichtsform, „nur“ 300 Jahre alt.3 In der Antike spielte vor allem der philosophische Dialog zwischen Lehrer und fragendem Schüler die Hauptrolle. Der Frontalunterricht oder Elemente daraus waren überhaupt nicht bekannt. Im Mittelalter verlor sich diese Tradition und man ging dazu über, in „Haufen“, d.h. Gruppen von Schülern mit vergleichbarem Lernstand zu unterrichten. Dieses war in gewissem Sinn eine Art Einzelunterricht da verschiedene Gruppen spezifische Lernaufgaben erhielten, die vom „Lehrer“ abgefragt wurden. 4 Erster Pädagoge der Teile des heutigen Frontalunterrichtes entwickelte war Johann Amos Comenius. Er entwarf ein großes philosophisches und erziehungsprogrammatisches Gedankengebäude in dem er das Postulat aufstellte, allen alles umfassend lehren zu wollen. Er dachte dabei vor allem an den Lehrvortrag, ein Bestandteil des heutigen Frontalunterrichtes, in dem dieses Postulat verwirklicht werden sollte. Durch diese geistigen Grundlagen ist die Geburtsstunde des Frontalunterrichtes markiert.5
Aber erst mit der Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht seit dem Ende des 17. Jahrhunderts und einem damit verbundenen sehr starken Bevölkerungszuwachs wurde es notwendig Unterrichtsformen zu entwickeln, mit denen eine sehr große Anzahl von Schülern effektiv unterrichtet werden konnte. Neue unterrichtsorganisatorische Formen entwickelten sich, so die Jahres- und Jahrgangsklassen, der Kollektivunterricht und eine straffere methodische Disziplinierung usw. Hierin eröffneten sich auch wieder Chancen zur Umsetzung der Gedanken von Rousseau und Pestalozzi über ein verständnisorientiertes Lehrgespräch, das methodisch erstmals im 18. Jahrhundert von Friedrich Eberhard von Rochow im fragend-entwickelnden Unterricht verwirklicht wurden. 6
[...]
1 Vgl.: Elisabeth Fuhrmann: Unterrichtsverfahren im Frontalunterricht. Vom gelenkten Gespräch bis zum darbietenden Unterricht, in: Herbert Gudjons u.a. (Hrsg.): Pädagogik 5/1998, S. 19.
2 Vgl.: Herbert Gudjons: Frontalunterricht-neu entdeckt. Integration in offene Unterrichtsformen, Bad Heilbrunn 2003, S. 7.
3 Vgl.: Herbert Gudjons: Frontalunterricht-neu entdeckt. Integration in offene Unterrichtsformen, Bad Heilbrunn 2003, S. 13.
4 Vgl.: Ebd. S. 11.
5 Vgl.: Ebd. S. 11ff.
6 Vgl.: Herbert Gudjons: Frontalunterricht-neu entdeckt. Integration in offene Unterrichtsformen, Bad Heilbrunn 2003, S. 13-16.
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