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Examensarbeit, 2003, 227 Seiten
Autor: Sam Körber
Fach: Pädagogik - Schulpädagogik
Details
Tags: Harry, Potter, Betrachtung, Phänomens, Analysen, Dimensionen, Relevanz, Bestsellers
Jahr: 2003
Seiten: 227
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 133 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-33530-0
Dateigröße: 1856 KB
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Thema:
Harry Potter - Betrachtung eines literarischen Phänomens
und Analysen zu den erfahrungsdokumentierten Dimensionen
zur pädagogischen Relevanz dieses Bestsellers
von
Sam Körber
2003
Gliederung
A. Einleitung
B. Hauptteil
1. Teil 1
1.1. Harry Potter – Das literarische Phänomen
A. Die Autorin J.K. Rowling
B. Publikationsgeschichte der ersten vier Harry Potter-Bücher
C. Pottermania: Eine Leserschaft zwischen Euphorie und Hysterie
1.2. Harry Potter – Gründe für den Erfolg
A. Die Vermarktungsmaschinerie
a. Die Presse
b. Das Internet
c. Der Film
d. Von der Actionfigur bis zum Zauberkostüm
B. Das kultursoziologische Phänomen
C. Das kulturpsychologische Phänomen
1.3. „Harry Potter und der Stein der Weisen“ (Band 1)
A. Der Inhalt
B. Die wichtigsten Charaktere
a. Harry Potter
b. Ronald Weasley
c. Hermine Granger
d. Draco Malfoy
e. Lord Voldemort
f. Albus Dumbledore
g. Minerva McGonagall
h. Severus Snape
i. Rubeus Hagrid
j. Familie Weasley
k. Familie Dursley
C. Die wichtigsten Schauplätze
a. Ligusterweg 4
b. Die Winkelgasse
c. King´s Cross
d. Hogwarts
D. Die literarische Gattung
a. Märchen
b. Detektivroman
c. Internatsroman
d. Entwicklungsroman
e. Fantastischer Roman
f. Parallelen zu anderen literarischen Werken
E. Die sprachlichen Aspekte
a. Form
b. Spannungsaufbau
c. Klingende und sprechende Namen
d. Worterfindungen
e. Humor
f. Hintergründe einiger Wesen und Gegenstände
F. Motive und Symbole
a. Das „Besondere“ Kind
b. Der verbotene Wald
c. Das Duell der Zauberer
d. Der Prüfungsweg und der Gang in die Unterwelt
e. Der Januskopf
f. Orpheus
g. Der Spiegel „Nerhegeb“
G. Themen
a. Entdeckung und Bewährung der eigenen Identität
b. Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse
c. Fantasie und Realität
1.4. Harry Potter, Magie und Religion
1.5. Harry Potter – Die Umfrage
A. Informationen
B. Die Fragebögen
C. Die Auswertung
2. Teil 2
2.1. Das Thema „Harry Potter“ in der Grundschule
2.1.1. Der Streit zw. Warner Brothers und dem Schulbuchverlag „Verlag an der Ruhr“
2.1.2. „Harry Potter“ aus pädagogischer Sicht
2.1.3. Didaktisch-methodische Gedanken, Ideen und Hinweise
2.1.4. Unterrichtsstunden über beziehungsweise mit Harry Potter
A. Unterrichtsstunde in einer ersten Klasse, Grundschule an der …
a. Der Spiegel „Nerhegeb“
B. Projekt zum Thema „Harry Potter“ in einer dritten Klasse
a. „Das Geld der Zauberer“
b. „Ich als Zauberin beziehungsweise Zauberer“
c. „Wir nehmen gemeinsam ein Hörspiel auf / Die Boa constrictor – eine Riesenschlange“
d. Das „Harry Potter“-Quiz
C. Stationenarbeit zum Thema „Harry Potter“ in einer vierten Klasse, Grundschule an der …
D. Ein Tag zum Thema „Harry Potter“ im Schullandheim … mit einer vierten Klasse
a. Spiel: „Der verloren gegangene Zauberstab“
b. Rollenspiel zur Konfliktlösung
c. Spiel: „Petrificus Totalus“
d. Kunst aus dem Wald
e. Das Quidditch-Spiel
f. Lesen am Lagerfeuer
E. Stundenübergreifendes Resümee
F. Ideen für weitere Unterrichtsstunden beziehungsweise
Projekte zum Thema „Harry Potter“
a. Ein Tag in der Schule für Hexerei und Zauberei
b. Internet: „Harry Potter“ auf der Klassenhomepage und in E-Mails
c. Schnitzeljagd durchs Zauberschulhaus
d. Lesenacht
e. Sonstige Ideen
C. Schluss
D. Literaturliste
E. Abbildungsverzeichnis
A. Einleitung
„Er wird berühmt werden - eine Legende - [...] ganze Bücher wird man über Harry schreiben - jedes Kind auf der Welt wird seinen Namen kennen“ 1. Wie schnell sich die Prognose von Prof. McGonagall, der Lehrerin für Verwandlung aus dem Buch „Harry Potter und der Stein der Weisen“ von der Autorin J.K. Rowling, bereits nach Erscheinen des ersten Bandes in eine kaum noch überschaubare Realität verwandelt hat, setzt sogar große Kenner der Kinder- und Jugendliteratur in Staunen. „Harry Potter“, ein Phänomen zwischen märchenhafter Imagination und verträumter Wirklichkeit, ist aber auch bei Erwachsenen aller Kontinente zum Begriff geworden. Er und seine Freunde, stets im nach Gerechtigkeit suchenden Kampf gegen das Böse aktiv, eroberten bisher Sinn und Gemüt von Jung und Alt. Selbst süffisante Rezensoren einschlägiger Literatur, ob kirchlich oder weltlich, konnten sich meist ihrer Begeisterung nicht enthalten, was sich in Windeseile auf viele Millionen Menschen übertrug.
Die überraschende Wirksamkeit Harry Potters liegt wohl in dessen verzaubertem, aber gleichzeitig menschlichem Verhalten. Die Leserinnen und Leser identifizieren sich schnell mit ihm und seinen spannenden Aktivitäten und vitalisieren damit ihre Wunschvorstellungen. Der Spuk wird symbolisch in die selbst durchlebte Wirklichkeit übertragen, fantasievoll erscheinen die von dem Zauberlehrling durchgemachten Taten und Erlebnisse als eigene Abenteuer. Die Kinder zaubern mit, steigen aus der oft harten eigenen Umwelt in das Reich von Illusionen und fiebern als große Gemeinschaft von Fans über alle Grenzen hinweg für Harry. Kaum eine andere literarische Figur hat Mädchen und Jungen in den vergangenen Jahren weltweit derart beschäftigt wie Harry. Hexerei und Zauberei gerieten international in aller Munde, wobei sogar die Frage auftauchte, ob die „Pottermania“ eine Zeiterscheinung der Esoterikwelle wiedergibt.
Trotz zunächst mäßigen Umsatzes löste die Kinderbuchreihe bereits nach dem Erscheinen des ersten Bandes, welcher Ende 2001 als Realverfilmung in die Kinos kam, in England Beifall aus. In kurzer Zeit wurde das Werk mit mehreren Preisen ausgezeichnet, die Übersetzungswelle rollte an und bei Kindern wie bei Erwachsenen entwickelte sich ein neuer Kult. Durch „Harry Potter“ wurde die junge Autorin zu einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen aller Zeiten. Das Potterfieber machte den literarischen Markt zum Schauplatz von Superlativen des Kultkommerzes, wie sie sonst nur beim Marketing für Filme, Popmusik oder Computerspiele zu erleben sind. Lange Zeit führte Harry die Bestsellerlisten des Buchhandels an - eine einmalige Situation für ein Kinderbuch und ein Signal für Verleger und Autoren. Gar mancher sah sich bereits zu „Entfernungszauberwünschen“ animiert.2 Aber das PR-Management wirkte sich erfolgreich auf den sensationellen Erfolg der Buchreihe aus. Virtuelle Händler im Internet wie in ganz realen Einkaufszentren beschworen Surfer wochenlang, sich ein Exemplar der Neuerscheinung reservieren zu lassen, sonst geschehe Unvorstellbares: Interessenten gingen leer aus und auf Partys und in Supermarktschlangen würde das Gesprächsthema zur Überbrückung peinlicher Pausen fehlen, wie Kirsten Boie in dem Buch „Harry Potter in der Schule“ anführt.3
Für Popularität sorgten nicht zuletzt die Medien, vor allem das Internet und die Tageszeitungen, die in Lobeshymnen schwelgten: „Harry Potter“ sei in Großbritannien inzwischen bekannter als jede andere literarische Figur einschließlich Sherlock Holmes, James Bond und Miss Marple, hieß es im November 2001 in der „Süddeutschen Zeitung“.4 Das „Königreich stand Kopf, wie zuletzt in Beatles-Zeiten“, schwärmte die „Welt am Sonntag“ über eine „Potter“-Nacht, in der Band vier der Romanserie veröffentlicht wurde und die in die Buchgeschichte eingehen werde.5 In Berlin vergaßen schon vorher „hoch motivierte Angestellte“, aus der S-Bahn auszusteigen, um ein Kapitel zu Ende zu lesen. Potter-Bücher lagen in Chef-Etagen, selbst im Management häuften sich die Krankmeldungen, schilderte die „Berliner Zeitung“ über die Pottermanie.6
Für die Autorin der Bestseller liegt die Erklärung für das immense Interesse an den Büchern in der Mischung aus Normalität und Magie, mit der sich viele Menschen identifizieren könnten. Harry Potter sei weder besonders klug noch schön und stark. „So fühlen sich viele, und vielleicht träumen sie alle davon, einmal […] eine Einladung zur Zauberschule zu bekommen.“7 Denn jeder würde gerne mal die Erfahrung machen, dass mehr in ihm steckt, als er ahnt, äußerte Rowling im „Spiegel online“.8
Das Buch an sich war als Zeitvertreib für Kinder und Jugendliche schon längst weitgehend totgesagt, da erschien Harry Potter wie ein Geist in den Kinderzimmern und trat dort von Kontinent zu Kontinent seinen Siegeszug an. Eltern und Großeltern noch nicht lesefähiger Mädchen und Jungen lasen nicht nur vor, sondern wurden selbst zu Fans und schwelgten mit ihnen in der ungewöhnlichen und vielschichtigen Erzählungsmixtur aus Märchen, sagenhafter Fantasie, Entwicklungsroman, Internatsgeschichten und spannendem Krimi mit unheimlichen Gestalten. Was vereinzelt Wissenschaftler auf den Plan rief. Sie bemängeln eine überzogene Popularität des länder- und generationsübergreifenden Leseereignisses und sahen in der massenhaft produzierten Unterhaltungsware eine anrüchige Trivialisierung der Kultur.
Dabei offenbaren sich die Charaktere der Hauptfiguren nicht als Schablonen und Abziehbilder. Ihre Individualität spielt bei ihrer pubertären Entwicklung eine tragende Rolle, ihr Verhalten und ihre Handlungen wie Eifersüchteleien, Streitigkeiten und Versöhnungen, aber auch Freudenfeste zeigen ungeheuere Dynamik und verlässliche Konstanz. Die Verwandtschaft der Aktionen in der Zauberburg mit Realitäten des täglichen Lebens ist unverkennbar. Die dargestellten Motive und die daraus resultierenden Vorkommnisse und gefährlichen Unterfangen in der Burg gehen mit magischen Ritualen und trockenem Humor Verbindungen ein, die zwar eine fremde Eigenart zeigen, aber immer wieder die reale Szene wiedergeben und deuten.
„Harry Potter“ erobert und bewegt mit seiner Vielfältigkeit die Interessen im privaten Bereich der Kinder und weckt Initiativen. Nicht zuletzt mit Blick auf die Aktualität des Gesprächsstoffes, den Anspruch auf Lebensnähe bei der Wahl von Themen und die Kreativität hat der vielseitige Roman sicherlich einen Platz im zeitgemäßen und gegenwartsorientierten Bildungsprogramm verschiedener Klassenstufen der Grundschulen. Die Erzählungen von dem kleinen Zauberer regen durch ihre Popularität und ihren Reichtum an Geschehnissen enorm viele Themen an, die im Unterricht ausgearbeitet, besprochen und umgesetzt werden können, womit sich den Kindern ein weiteres Spektrum an Animationen bietet. Ob man die Abenteuer in Form eines Theaterstücks nachspielt, ein Hörspiel aufnimmt, „Zaubertränke“ braut, magische Tiere im Wald sucht, Bilder zu einzelnen Szenen malt, Gegenstände wie Zauberhut oder -besen bastelt oder Konfliktsituationen aus den Büchern bespricht - die aus den Büchern resultierenden Motive für eine erfindungsreiche und handwerkliche Aus- oder Weitergestaltung der Welt Harry Potters erscheinen unüberschaubar. Dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten eines praxis- und handlungsorientierten Unterrichts unter Einbeziehung der geforderten Inhalte des Lehrplans.
[....]
1 Rowling, Harry Potter und der Stein der Weisen, S. 19, Z. 3-7
2 Vgl. Mammel, Beißner, Zauberhafte Zeiten, in: Knobloch (Hrsg.), „Harry Potter“ in der Schule – Didaktische Annäherungen an ein Phänomen, S. 102
3 Vgl. Boie, Anmerkungen zum Phänomen „Harry Potter“, in: Knobloch (Hrsg.), „Harry Potter“ in der Schule – Didaktische Annäherungen an ein Phänomen, S. 83
4 Vgl. Internet: Anonymus, Pressestimmen – Süddeutsche Zeitung vom 11.7.2001, Carlsen Verlag Homepage
5 Vgl. Internet: Anonymus, Pressestimmen – Welt am Sonntag vom 9.7.2000, Carlsen Verlag Homepage
6 Vgl. Internet: Anonymus, Pressestimmen – Meike Bruhns, Süddeutsche Zeitung vom 24.3.2000, Carlsen Verlag Homepage
7 Internet: Dallach, „Ich komme mir vor wie ein Spice Girl“, Der Spiegel online
8 Vgl. Internet: Dallach, „Ich komme mir vor wie ein Spice Girl“, Der Spiegel online
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