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Entwurf eines berufsbegleitenden Aufbaustudiengangs für Software-Engineering

Diploma Thesis, 2002, 139 Pages
Author: Andreas Fleischmann
Subject: Computer Science - Didactics

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2002
Pages: 139
Grade: 1.0
Bibliography: ~ 49  Entries
Language: German
Archive No.: V32952
ISBN (E-book): 978-3-638-33539-3
ISBN (Book): 978-3-638-70405-2
File size: 690 KB
Notes :
Die TU Darmstadt möchte ihr Angebot für die berufliche Weiterbildung neu strukturieren und intensivieren. In dieser Arbeit wird am Beispiel des Themenfelds "Software-Engineering" geprüft, welcher Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung besteht und welche Möglichkeiten der Fachbereich Informatik hat, diesen Bedarf zu decken. Im Brennpunkt stehen dabei Einzelangebote, mehrsemestrige Studienpakete mit Zertifikatsabschluss und komplette berufsbegleitende Aufbaustudiengänge.


Abstract

Die Technische Universität Darmstadt möchte ihr Angebot für die berufliche Weiterbildung neu strukturieren und intensivieren. In dieser Arbeit wird am Beispiel des Themenfelds "Software-Engineering" geprüft, welcher Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung besteht und welche Möglichkeiten der Fachbereich Informatik hat, diesen Bedarf zu decken. Im Brennpunkt stehen dabei Einzelangebote, mehrsemestrige Studienpakete mit Zertifikatsabschluss und komplette berufsbegleitende Aufbaustudiengänge. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit lassen sich in den folgenden Punkten zusammenfassen: Es besteht Bedarf an Weiterbildung auf anspruchsvollem Niveau, wie sie Hochschulen anbieten können. Wenn eine Universität in den professionellen Weiterbildungsmarkt einsteigen möchte, muss sie den dortigen Standards entsprechend über die Inhalte hinaus zusätzlichen Service für die Teilnehmer anbieten. Für ein berufsbegleitendes Angebot im größeren Stil (etwa einem komplette Studiengang) müsste sich der Fachbereich über einen erheblichen Zeitraum hinweg für einen beträchtlichen Zusatzaufwand verpflichten; in Anbetracht der bereits bestehenden hohen Belastung des Fachbereichs (durch die hohen Studierendenzahlen) muss ein solcher Zusatzaufwand kritisch abgewogen werden. In dieser Arbeit wird ein normaler Studiengang "Software Construction" entworfen, und beschrieben, wie er als Ausgangsbasis dienen kann, um gezielt einzelne Lehrveranstaltungen und Zertifikate für Software-Ingenieure auf die berufliche Weiterbildung zu übertragen.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Darmstadt
Fachbereich Informatik

Entwurf eines berufsbegleitenden
Aufbaustudiengangs für Software-Engineering

Diplomarbeit

Dezember 2002

von

Andreas Fleischmann

Fachgebiet Praktische Informatik

 

Danksagung

[...]

Abstract

Die Technische Universität Darmstadt möchte ihr Angebot für die berufliche Weiterbildung neu strukturieren und intensivieren. In dieser Arbeit wird am Beispiel des Themenfelds "Software- Engineering" geprüft, welcher Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung besteht und welche Möglichkeiten der Fachbereich Informatik hat, diesen Bedarf zu decken. Im Brennpunkt stehen dabei Einzelangebote, mehrsemestrige Studienpakete mit Zertifikatsabschluss und komplette berufsbegleitende Aufbaustudiengänge. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit lassen sich in den folgenden Punkten zusammenfassen:

  • Es besteht Bedarf an Weiterbildung auf anspruchsvollem Niveau, wie sie Hochschulen anbieten können.
  • Wenn eine Universität in den professionellen Weiterbildungsmarkt einsteigen möchte, muss sie den dortigen Standards entsprechend über die Inhalte hinaus zusätzlichen Service für die Teilnehmer anbieten.
  • Für ein berufsbegleitendes Angebot im größeren Stil (etwa einem komplette Studiengang) müsste sich der Fachbereich über einen erheblichen Zeitraum hinweg für einen beträchtlichen Zusatzaufwand verpflichten; in Anbetracht der bereits bestehenden hohen Belastung des Fachbereichs sollte davon vorerst Abstand genommen werden.
  • Stattdessen wird in dieser Arbeit ein normaler Studiengang entworfen, und beschrieben, wie er als Ausgangsbasis dienen kann, um gezielt einzelne Lehrveranstaltungen und Zertifikate für Software-Ingenieure auf die berufliche Weiterbildung zu übertragen.

Inhaltsverzeichnis

Abstract ...  iii
Inhaltsverzeichnis  ...  iv
Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen  ...  viii

1. Einleitung  ...  1
1.1 Zielsetzung dieser Arbeit  ...  1
1.2 Zum Aufbau dieser Arbeit  ...  2

2. Warum überhaupt Weiterbildung an der Hochschule?  ...  4
2.1 Gesetzlicher Auftrag  ...  4
2.2 Gesellschaftlicher Auftrag  ...  5
2.3 Weiterbildung als Einnahmequelle  ...  7
2.4 Industriekooperation  ...  8
2.5 Gegenargumente  ...  9

Teil I: Marktanalyse

3. Bedarfsanalyse  ...  11
3.1 Auswahl der Gesprächspartner  ...  11
3.2 Gesprächsführung  ...  12
3.3 Ergebnisse der Interviews  ...  13
3.3.1 Bundeskriminalamt
3.3.2 danet
3.3.3 Debis Systemhaus
3.3.4 Dregis
3.3.5 Dresdner Bank
3.3.6 Lufthansa Systems Airline Services
3.3.7 Robert Bosch
3.3.8 sd&m
3.4 Ergebnisse anderer Studien  ...  30
3.4.1 Studie zum IT-Fachkräftebedarf in der Rhein-Main-Region
3.4.2 Empfehlung der Gesellschaft für Informatik
3.4.3 Lünendonk Marktanalyse

4. Konkurrenzanalyse  ...  35
4.1 Professionelle Weiterbildungsanbieter  ...  35
4.2 Ausbildungsberufe  ...  36
4.3 Hochschulangebote  ...  38
4.3.1 Studiengänge
4.3.2 Einzelangebote

5. Ergebnisse der Marktanalyse  ...  43
5.1 Zielgruppe  ...  43
5.2 Inhalte  ...  45
5.3 Organisatorisches  ...  46

Teil II: Möglichkeiten universitärer Weiterbildung

6. Rahmenbedingungen  ...  49
6.1 Zugangsvoraussetzungen  ...  49
6.1.1 Rechtliche Mindestvoraussetzungen
6.1.2 Fachliche Zugangsvoraussetzungen
6.2 Service  ...  53
6.3 Lehrformate für Berufstätige  ...  54
6.4 Didaktik für Berufstätige  ...  55
6.5 Kostenmodelle  ...  56
6.5.1 Teilnahmegebühren
6.5.2 Angebotsmodelle
6.5.3 Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben
6.6 Platzierung und Arrangement der Lehrangebote  ...  61
6.7 Umfang  ...  63
6.8 Auslastung des Fachbereichs  ...  67

7. Möglichkeiten und Perspektiven  ...  69
7.1 Berufsbegleitender Studiengang  ...  69
7.2 Anbieten einzelner Veranstaltungen  ...  70
7.3 Anbieten überschaubarer Zertifikate  ...  72
7.4 Projektbegleitung  ...  73

Teil III: Software-Engineering Lehrangebote

8. Software-Engineering: Die Inhalte  ...  75
8.1 Inhalte aus der Berufspraxis  ...  75
8.2 Invarianten  ...  79
8.3 Software Engineering Body of Knowledge  ...  80
8.3.1 Software Engineering Education Curriculum Framework, Schweiz
8.3.2 Software Engineering Body of Knowledge, IEEE und ACM
8.3.3 Guidelines for Software Engineering Education, CMU
8.4 Verhältnis zwischen Informatik und Software Engineering  ...  82
8.5 Die Bedeutung von Softskills  ...  83
8.6 Die Bedeutung von Projekten  ...  84
8.7 Profil des Fachbereichs Informatik  ...  87

9. Entwurf des Studiengangs Software-Construction  ...  88
9.1 Gegenstand und Ziel  ...  88
9.2 Zugangsvoraussetzungen  ...  88
9.3 Umfang und Struktur  ...  90
9.4 Lehrinhalte  ...  92
9.4.1 Software-Engineering
9.4.2 Datenbanken und Middleware
9.4.3 Trusted Systems
9.4.4 Netzwerke
9.4.5 Wahlpflichtvereich
9.4.6 Softskills
9.4.7 Master-Thesis
9.5 Fördermöglichkeiten für Berufstätige  ...  95

Ausblick

10. Aufbau einer Weiterbildungsinfrastruktur  ...  96
10.1 Aufgaben  ...  96
10.2 Hochschulweite Infrastruktur  ...  97
10.3 Infrastruktur am Fachbereich  ...  98
10.4 Checkliste für neue Angebote  ...  99

Quellen- und Literaturverzeichnis
Anhang A: Zusammenhänge zwischen den relevanten Hochschulgesetzen
Anhang B: Frageleitfaden
Anhang C: Hochschulangebote für Software-Ingenieure
Anhang D: Angebote auf dem professionellen Weiterbildungsmarkt

Verwendete Abkürzungen
ACM Association for Computing Machinery
BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung
BSc Bachelor of Science
BTU Brandenburgische Technische Universität Cottbus
CASE Computer-Aided Software Engineering
CAST Competence Center for Applied Security Technology
CMU Carnegie Mellon University, USA
DIA Deutsche Informatik Akademie
DV Datenverarbeitung
ECTS Europäisches Credit-Point Transfer System
FB Fachbereich
FH Fachhochschule
GI Gesellschaft für Informatik e.V.
GUI Graphical User Interface
HDA Hochschuldidaktische Arbeitsstelle, TU Darmstadt
HHG Hessisches Hochschulgesetz
HMWK Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
HPI Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik, Universität Potsdam
HRG Hochschulrahmengesetz
HRK Hochschulrektorenkonferenz
HTTC Hessisches Telemedia Technologie Kompetenz-Center e.V.
I3L3 International Institute in LifeLong Learning, TU Darmstadt
IEEE Institute of Electrical and Electronics Engineers
IESE Fraunhofer Institut für Experimentelles Software-Engineering Kaiserslautern
IHK Industrie- und Handelskammer
IT Informationstechnik
ITO Information Technology Transfer Office, TU Darmstadt
KI Künstliche Intelligenz
KMK Kulturministerkonferenz
LMU Ludwig-Maximilian Universität München
MSc Master of Science
NC Numerus Clausus
OO Objektorientierung
QS Qualitätssicherung
RMV Rhein-Main Verkehrsverbund
SE Software-Engineering
SEUH Software Engineering im Unterricht der Hochschulen, jährliche Konferenz
SWECC Software Engineering Coordination Committee von IEEE und ACM
SWEED Software Engineering Education Projekt, Schweiz
SWS Semesterwochenstunde
TU Technische Universität
TUD Technische Universität Darmstadt
TUM Technische Universität München
UML Unified Modelling Language
ViSEK Virtuelles Software-Engineering Kompetenzzentrum
XP Extreme Programming
ZeVA Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover

 

1. Einleitung

"Lebenslanges Lernen" - das ist das Motto für die Wissensgesellschaft der Zukunft. Mit diesem Schlagwort wird deutlich gemacht, dass Qualifizierung nicht mit dem Studium abgeschlossen ist, sondern eine erfolgreiche Berufstätigkeit lebenslanges Lernen notwendig macht. Das Hochschulgesetz sieht vor, dass die Hochschulen auch in diesem Bereich gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, indem sie sich durch ein wissenschaftliches Weiterbildungsangebot an der lebenslangen Fortbildung beteiligen. Vor diesem Hintergrund möchte die Technische Universität Darmstadt ihr bereits bestehendes Angebot für die berufliche Weiterbildung besser organisieren und weiter ausbauen. Diese Arbeit soll am Beispiel des Themenfelds "Software-Engineering" die Perspektiven des Fachbereichs Informatik in der beruflichen Weiterbildung beleuchten; im Brennpunkt stehen dabei drei sich ergänzende Angebote: Einzelveranstaltungen, mehrsemestrige Studienpakete mit Zertifikatsabschluss und komplette berufsbegleitende Aufbaustudiengänge.

1.1. Zielsetzung dieser Arbeit

Diese Arbeit verfolgt zwei Ziele: Zum einen wird am Beispiel "Software-Engineering" geprüft, welcher Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung besteht, zum anderen wird untersucht, welche Möglichkeiten der Fachbereich Informatik hat, diesen Bedarf zu decken.

Erstes Hauptziel: Ermitteln des Bedarfs

Um den Bedarf seitens der Industrie an universitärer Weiterbildung auf dem Gebiet "Software-Engineering" zu ermitteln, werden Interviews mit einer repräsentativen Auswahl von Firmen aus dem Rhein-Main-Gebiet geführt. Die Ergebnisse werden durch verschiedene andere Studien ergänzt. Ziel ist dabei, zum einen eine Liste von Themen zu erhalten, für die Weiterbildungsbedarf besteht, zum anderen Einblick in die organisatorischen Rahmenbe- dingungen (zum Beispiel Seminardauer, Kostenrahmen, Lehrformen) zu bekommen, innerhalb derer Weiterbildung in den Firmen stattfindet.

Zweites Hauptziel: Konzeption eines Aufbaustudiengangs

Im zweiten Teil dieser Arbeit werden die gesetzlichen, pädagogischen und strukturellen Rahmenbedingungen, innerhalb derer sich die berufsbegleitende Weiterbildung an der Hochschule bewegt, beleuchtet und den Bedürfnissen der Industrie gegenübergestellt. Auf der Grundlage dieser Gegenüberstellung wird anschließende ein Aufbaustudiengang für Software-Engineering entwickelt.

Wahl des Themenfelds "Software-Engineering"

Diese Arbeit konzentriert sich auf ein Themenfeld innerhalb der Informatik: Software- Engineering. Dabei handelt es sich um einen einerseits fest umgrenzten und überschaubaren, andererseits sehr vielfältigen Teilbereich der Informatik, der einen Großteil der praktischen und angewandten Informatik unter dem Gesichtspunkt der Software-Erstellung vereint.

1.2. Übersicht über die Arbeit

Diese Arbeit besteht aus drei Teilen. Der erste Teil beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Bedarf an Weiterbildung. Der zweite beleuchtet die universitären Rahmenbedingungen. Der dritte Teil schließlich entwickelt ein konkretes Lehrangebot.

Im anschließenden Kapitel 2 wird zunächst anhand einiger Argumenten aufgezeigt, welche Argumente es für eine universitäre Weiterbildung gibt. Das Kapitel 3 stellt die Ergebnisse der Interviews dar, die mit Firmen geführt wurden; die Interviews werden ergänzt und verglichen mit den Ergebnisse einer Reihe von anderen Studien. Im Kapitel 4 wird ein Blick auf die Konkurrenz im Weiterbildungssektor geworfen, da auf diese Weise Rückschlüsse über die gewünschten Unterrichtsthemen und -formen gewonnen werden können. Im Kapitel 5 werden die Ergebnisse der beiden vorangegangenen Kapitel noch einmal kurz zusammengefasst und ausgewertet. Kapitel 6 beleuchtet die gesetzlichen, strukturellen und pädagogischen Rahmenbedingungen, innerhalb derer universitäre Weiterbildung angeboten werden kann. Im anschließenden Kapitel 7 werden die sich daraus ergebenden Perspektiven vorgestellt. Die nächsten zwei Kapitel entwerfen ein konkretes Angebot: Zunächst werden im Kapitel 8 die für Software-Engineering wesentlichen Lehrinhalte identifiziert; im anschließenden Kapitel 9 wird ein kompletter Aufbaustudiengang für Software-Ingenieure entwickelt. Im abschließenden Kapitel 10 wird die konkrete Umsetzung der entwickelten Angebote umrissen.

Um eiligen Lesern das schnelle Sichten der Arbeit zu erleichtern, findet sich am Beginn jedes Abschnittes ein fett gedruckter Absatz, der den gesamten Abschnitt in aller Kürze zusammenfasst.

2. Warum überhaupt Weiterbildung an der Hochschule?

In diesem Kapitel werden die vier Hauptargumente vorgestellt, die für ein Engagement des Fachbereichs Informatik in der beruflichen Weiterbildung sprechen:


• Gesetzlicher Auftrag,
• Gesellschaftliche Verantwortung,
• Finanzielle Anreize und
• Industriekontakte.

Allerdings darf Weiterbildung am Fachbereich nicht auf Kosten der Forschung oder der grundständigen Lehre stattfinden. Deshalb werden im letzten Abschnitt dieses Kapitels Gegenargumente aufgezählt und es wird aufgezeigt, welche Forderungen sich daraus ergeben.

2.1. Gesetzlicher Auftrag 

Der gesetzliche Auftrag zur Weiterbildung wird im bundesweiten und im hessischen Hochschulgesetz, sowie in Vereinbarungen zwischen dem Land Hessen und der Technischen Universität Darmstadt formuliert.

Im Paragraph §2, "Aufgaben", des bundesweit geltenden Hochschulrahmengesetz (HRG) wird neben der Forschung und Lehre auch ausdrücklich die Weiterbildung als Aufgabe der Hochschulen verankert1. Das Hessische Hochschulgesetz (HHG) nimmt diese Aufgabe auf und fordert im ersten Abschnitt des Paragraphen §21 "Weiterbildung":

[....]


1 [HRG02], §2, Abschnitte (1) und (7)


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