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Ökonomische Aspekte im Werk des Aristoteles

Scholary Paper (Seminar), 2001, 17 Pages
Author: Jutta Staudte
Subject: Economics / Business, Miscellaneous

Details

Event: Wirtschaftstheoretisches Seminar: Wirtschaftsphilosophie
Institution/College: University of Heidelberg (Alfred-Weber-Institut)
Tags: Aristoteles, Chrematistik, Praktische Philosophie, Wirtschaftssphäre, Ethik, Tugend, Weltbild
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2001
Pages: 17
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V3310
ISBN (E-book): 978-3-638-12019-7

File size: 186 KB
Notes :
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Betrachtung der Ökonomie als Teil der praktischen Philosophie bei Aristoteles, basierend auf dem Buch I der Politik.



Excerpt (computer-generated)

Ökonomische Aspekte im Werk des Aristoteles


von Jutta Staudte

Inhaltsverzeichnis

Einleitung Seite 2

1 Ethik als Lehre von der Glückseligkeit (‚eudaimonia′) Seite 3

1.1 Theoretischer Teil der Ethik: Die Tugenden Seite 4

1.2 Praktischer Teil der Ethik: Die Staatslehre Seite 5

2 Die Wirtschaftssphäre bei Aristoteles Seite 6

2.1 Ökonomie als Lehre vom ganzen Haus Seite 7

2.1.1 Begründung des Sklavenwesens Seite 8

2.2 Die Unterscheidung von Ökonomie und Chrematistik Seite 9

3 Kritische Anmerkungen Seite 12

Literaturverzeichnis Seite 14


Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Betrachtung der Ökonomie als Teil der praktischen Philosophie bei Aristoteles, basierend auf dem Buch I der Politik.
Um die Ausführungen Aristoteles′ über die Wirtschaft nachvollziehen zu können, behandele ich zunächst dessen Weltbild und stelle seine ethischen Grundgedanken vor. Den Schwerpunkt lege ich dabei auf die Tugenden und die Staatslehre. Im zweiten Teil werde ich die Eigenschaften des Hauswesens (‚oikonomia′) bei Aristoteles näher beleuchten und die Begründung des Sklaventums erörtern sowie den Unterschied zwischen Ökonomie und Chrematistik (‚Kunst des Gelderwerbs′) herausarbeiten. Abschließend gehe ich noch einmal auf einige zentrale Punkte des aristotelischen Werkes kritisch ein.

Der 322 v.Chr. in Makedonien geborene Aristoteles gilt, im Gegensatz zu seinem Lehrer Platon, der einen Idealstaat mit literarischer Qualität beschreibt, als kühler Analytiker. Aristoteles ist der erste Philosoph, der wie ein Professor schreibt; seine Abhandlungen sind systematisch in Kapitel eingeteilt. Ein echter Lehrer ist er auch während seiner zwölfjährigen Wanderzeit - sogar der Alexanders des Großen. Da ihn die Leiden der Menschheit scheinbar unberührt lassen, wird ihm Nüchternheit und Gefühlsarmut vorgeworfen.
Aristoteles ist in erster Linie Universalwissenschaftler, der die Vielfalt der Welt ergründen möchte. Neben der umfangreichen empirischen Forschung - im rein deskriptiven Teil seines Gesamtwerkes untersucht er 158 Verfassungen - erkennt er auch im philosophischen Denken, dass sich alles Bestehende unter einheitliche Prinzipien ordnet. Anstoß für Aristoteles′ philosophische Überlegungen ist die Frage nach dem ‚Warum′ der Dinge und des menschlichen Verhaltens.
Zu Aristoteles′ Geistesschöpfungen zählen zahlreiche Werke philosophischer und einzelwissenschaftlicher Disziplinen: über die Metaphysik und die Logik , ebenso wie über die Naturwissenschaften und Psychologie, über die praktische Philosophie (Schriften zur Politik samt Rhetorik, Ethik und Ökonomik), sowie historische und poetische Arbeiten. Die Abhandlungen, welche Aristoteles′ Ansehen begründen, stützen sich hauptsächlich auf Unterrichtsnotizen, die von späteren Herausgebern gesammelt und geordnet wurden.

1 Ethik als Lehre von der Glückseligkeit

Das Weltbild des Aristoteles verortet den Raum des Menschen zwischen Tier und Gott. Einerseits unterwirft ihn die Abhängigkeit von materiellen Bedingungen dem "Kreislauf von Geburt, Fortpflanzung und Tod" ; als vernunft- und sprach-begabtes (mit ‚logos′ ausgestattetes) Lebewesen, grenzt sich der Mensch jedoch vom Tierischen ab.
Aristoteles vertritt eine teleologische Weltauffassung: Er geht davon aus, dass der Sinn allen Daseins im Erstreben eines umfassenden Zieles bzw. eines Zwecks liegt. Dabei verwendet er den allgemeinen Begriff des ‚Gutes′: alles, was Gegenstand des Strebens - also ein Handlungsziel - ist, stellt ein Gut dar.
Das spezifisch menschliche höchste Ziel besteht in der Glückseligkeit (‚eudaimonia′). Die Grundlage des Glücks ist die Ausübung der wertvollsten Anlagen und Vorzüge; eine Betätigung der Seele, wie es ihrem Wesen entspricht. Die Hauptaufgabe des Menschen ist demnach seine sittliche Vollkommenheit. Um diese zu erreichen, soll er alle seine Fähigkeiten und Möglichkeiten entfalten und in sich die entsprechende Eigenschaft - die Tugend - entwickeln. Bei diesem Prozess handelt es sich um einen immanenten Bewegungsdrang, der den "Charakter der Selbstverwirklichung" aufweist. Wahrhaft glückselig ist der tugendhaft Handelnde, der gleichzeitig mit einem Mindestmaß an äußeren Gütern (körperliche Gesundheit, Besitz, Ansehen und anderen Lebensbequemlichkeiten) versehen ist. Die Frage, warum Menschen nach ‚eudaimonia′ suchen, stellt sich für Aristoteles erst gar nicht.
Ethik beschäftigt sich mit dem Nachdenken über das Verhältnis des Menschen zu seiner Lebensführung. Die Absicht jeder ethischen Überlegung ist praktischer Natur: Die Menschen sollen das ‚Gute′ in den Lebenssituationen auf verschiedene Weise realisieren können.
Aristoteles betrachtet die Ethik aus einer theoretischen Perspektive, indem er auf die Tugenden eingeht sowie aus einer praktischen, d. h. auf eine Handlung zielende, Sicht: die Staatslehre.

1.1 Theoretischer Teil der Ethik: Die Tugenden

Da der Mensch nach Aristoteles nicht nur Sozial-, sondern auch Vernunftwesen ist, ist Vollkommenheit für ihn die höchste Ausbildung seines Naturells. Diese Vollendung findet der Mensch im tugendhaften Handeln. Tugend ist eine Charaktereigenschaft bzw. eine Disposition/Haltung auf eine bestimmte Art frei zu handeln.
Allen Tugenden ist gemeinsam, dass sie die vernunftmäßige Mitte zwischen zwei extremen praktischen Verhaltensweisen darstellen (Prinzip der "Goldenen Mitte" ). Dabei ist das Mittlere ein sittlich hoher Wert und keineswegs nur mittelmäßig. Denn nur durch Gleichgewicht und Mäßigung kann der Mensch glücklich und harmonisch leben. In der Tugend sieht Aristoteles die Fähigkeit, sich in den Lebenszuständen zurechtzufinden und in jeder Situation die richtige Handlungsalternative zu wählen bzw. das Gute dem Üblen vorzuziehen. Extreme führen zu einer verfehlten Lebensführung.
Aristoteles beschreibt verschiedene Schlüsseltugenden, wie z. B. die Tapferkeit als die Mitte in Bezug auf die beiden Extreme Feigheit und Tollkühnheit. Während die Empfindungslosigkeit ein Zuwenig ist, ist die Zügellosigkeit ein Zuviel, Mäßigkeit hingegen ist das Ideal. Geiz und Verschwendung erregen Empörung, Großzügigkeit hingegen gilt als lobenswert.

2 Die Wirtschaftssphäre bei Aristoteles

Aristoteles hat - wenn auch nicht in einer speziellen Abhandlung erörtert - deutlich die Hauptzüge einer theoretischen Ökonomie gezeichnet. Bevor sich Aristoteles in der Politik dem idealen Staat zuwendet, beschäftigt er sich mit der Klärung ökonomischer Grundbegriffe.
Die Gedanken über ökonomische Fragen sind mit seiner allgemeinen philosophischen Weltanschauung eng verbunden. So zielt "die aristotelische Ökonomik als Teil der praktischen Philosophie nicht auf die Erkenntnis konstanter wirtschaftlicher Gesetze, sondern auf eine vernünftige Praxis der Wirtschaftenden um des guten Lebens willen."
Aristoteles sieht die wirtschaftende Tätigkeit als unentbehrlichen Bestandteil des gesellschaftlichen und individuellen Lebens und behandelt sie als untergeordneten bzw. dienenden Bereich: Die Notwendigkeit, Güter herzustellen, auszutauschen und zu beschaffen ist ein unvermeidliches Erfordernis.
Die Wirtschaftssphäre verbindet den Menschen mit den Tieren (vgl. 1.1). Solange Sorge um die Befriedigung von alltäglichen Bedürfnissen besteht, können sich die eigentlich menschlichen Anlagen nicht entfalten. Je weniger Menschen mit Wirtschaft beschäftigt sind, desto besser geht es ihnen. "Frei ist der Mensch nur da, wo er sich über das Wirtschaftliche erheben kann, als homo politicus." Die Annahme des egoistischen rationalen Nutzenmaximierens erfasst lediglich Teilaspekte des Menschen und reicht nicht aus, um die verschiedenen Sphären des Lebens hinreichend zu verstehen. Aus diesem Grund kann es bei Aristoteles keinen Menschen geben, der nur ‚homo oeconomicus′ wäre.
Als Hilfsmittel zur Untersuchung von ökonomischen Verflechtungen benutzt Aristoteles die Konstruktion von Idealtypen , d. h. logisch reinen Begriffskategorien. So grenzt er den "positiven" Wirtschaftstypus, die Ökonomie, von dem "negativen" Typus, der Chrematisik, ab (vgl. 2.2). Aristoteles wendet diese analytische Methode auf das Ideal eines besseren Wirtschaftslebens an.

[...]


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