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Utopien bei Walter Moers - Überlegungen zu ausgewählten Städten des Romans 'Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär' - Eine Untersuchung

Scholary Paper (Seminar), 2004, 26 Pages
Author: Erik Fischer
Subject: Greek / Old Greek

Details

Event: Von Atlantis nach Utopia. Antike und andere Texte zur Utopie
Institution/College: Ernst Moritz Arndt University of Greifswald (Institut für Altertumswissenschaft)
Tags: Utopien, Walter, Moers, Städten, Romans, Leben, Käpt, Blaubär, Eine, Untersuchung, Atlantis, Utopia, Antike, Texte, Utopie
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 26
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V33162
ISBN (E-book): 978-3-638-33703-8

File size: 2808 KB
Notes :
Über antike Texte zur Utopie entstand die Idee auch in anderen Texten nach Spuren von Utopien zu suchen. Fokus sollten dabei Werke sein, die nicht sofort in das Blickfeld einer Untersuchung geraten würden. Als lohnenswert erschien mir die fiktive Welt Zamonien, die Walter Moers geschaffen hatte, und hier vor allem die zahlreichen Städte.



Excerpt (computer-generated)

Utopien bei Walter Moers. Überlegungen zu ausgewählten
Städten des Romans Die 13 1/2 Leben des
Käpt′n Blaubär. Eine Untersuchung

von: Erik Fischer
 


 

Einleitung

Dieser Essay will sich mit einem sicherlich merkwürdig anmutenden Thema auseinandersetzen: Die Suche nach Utopien in den Romanen von Walter Moers. Des weiteren sollen diese Utopien auf mögliche Anknüpfungspunkte zur Antike hin untersucht werden. Wie kommt man auf eine solche Idee im Werk von Walther Moers nach Utopien und ihren möglichen Anknüpfungen zur antiken Tradition zu suchen? Ich bin mir sicher, dass dies als Gegenstand einer Arbeit Erstaunen auslöst, so wie die unzähligen Geschichten von Walter Moers selbst. Meinem Erkenntnisstand nach hat sich auch bis jetzt noch niemand eingehend damit beschäftigt. Der Grund dafür ist wohl, dass die „ernsthafte Forschung“ - wenn wir sie so nennen wollen - Walter Moers als einen Autoren nicht ernst nimmt. Das Problem ist wohl, dass sein Werk als das eines Kinderbuchautors verstanden wird. Diese einseitige Klassifizierung ist meiner Meinung nach jedoch nicht tragbar. Auch wenn mir eine eindeutige Einordnung in eine bestimmte Sparte nicht gelingen will, so vereinen seine Bücher doch eindeutig Elemente von Kinder- und Erwachsenenliteratur. So hält es auch Tilmann Gangloff in einem Beitrag fest: „Die Zwischenzeit vertreibt sich Walter Moers literarisch: Käpt’n Blaubär wird Romanfigur. Das Buch soll sich [...] wieder an Jugendliche und Erwachsene richten.“1

Die Suche begann schließlich mit einer Beschäftigung mit antiken Texten zur Utopie. Da las man von wundersamen Reisen in ferne und unwirkliche Länder, von Abenteuern und vor allem von großartigen und legendären Städten. Schaut man sich allein diese Aufzählung an fühlt man sich an Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär, an Rumo & Die Wunder im Dunklen und die Wilde Reise durch die Nacht erinnert. Mit diesem Gedanken war die Idee geboren, der Weg bzw. die Frage war klar: Für mich sind viele der in den Romanen beschriebenen Städte von utopischen Charakter. Eine Utopie bezeichnet nach der Auffassung von Thomas Morus einen ‚Nicht-Ort’. Kombiniert man dies mit dem Gedanken der Antike ist der ‚Nicht-Ort’ auch ein ‚guter Ort’. Für uns bezeichnet die Utopie also einen Ort, der den Menschen entrückt ist – nur wenige Auserwählte haben ihn erreicht und berichten uns davon – und der phantastisch und perfekt ist. All diese Elemente bündeln sich meiner Meinung nach geradezu auffällig in den Romanen Walter Moers’ und sind somit auf dem von ihm geschaffenen Kontinent Zamonien präsent. Ich werde Atlantis, Anagrom Ataf und die Tornadostadt aus den 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär untersuchen. Das Ziel ist es die Orte darzustellen, um damit ihren utopischen Charakter freizulegen. Ein sekundäres Ziel soll es sein bei der Untersuchung mögliche Anknüpfungspunkte zur Antike zu finden, wobei es wahrscheinlich ist, dass sich dies auf einem unterschiedlichen Niveau realisieren wird. Es ist daher sinnvoll eine Abstufung bei dem Problem der Rezeption zu beachten, manche Motive erinnern stärker, andere weniger an die Antike. Die Eingrenzung auf die Untersuchung des Motivs Utopie bei den Moers’schen Städten dient vor allem der Übersichtlichkeit des Essay. Vollständigkeit definiert sich hier sowieso schwer und so gibt es sicherlich auch noch andere Zugänge zu den Romanen, indem man z.B. die Antikenrezeption an sich in den Mittelpunkt rückt und so mehr die Geschichten hinter den Utopien untersucht. Z.B. erinnert die ganze Reise, die Käpt’n Blaubär in seinen 13 ½ Leben zu bestehen hat, an die wunderliche Fahrt die Lukian in seinen Wahre Geschichten beschreibt, oder auch an die abenteuerliche Heimkehr des Odysseus. Wie in Lukians Wahre Geschichten wird auch der junge Gustave Doré in der Wilden Reise durch die Nacht auf den Mond geschickt. Ansonsten begegnen uns in den Moers’schen Romanen jede Menge Gestalten2, die in unterschiedlichster Art und Weise an die Antike erinnern: So heißt der Rettungssaurier, der Blaubär aus den Fängen einer gefräßigen Insel befreit Deus X. Machina3. Ein weiteres Beispiel sind die Teufelsfelszyklopen, die den kleinen Rumo verschleppen, einäugige Wesen, die in einer auf dem Meer treibenden Insel wohnen. Doch die verschiedenen Städte Zamoniens sind ein übersichtlicher Gegenstand für einen solchen Essay, der sicherlich auch ausbaufähig ist. Bei dieser Arbeit habe ich mich rein äußerlich für die etwas zwanglosere Form des Essays entschieden, da ich denke, dass eine allzu strenge Gliederung, wie sie eine Hausarbeit erfordert, dem Thema nicht gerecht wird. Diese Arbeit ist, wie bereits angedeutet sehr individuell und damit subjektiv, so dass ein persönlicher Bezug stets den Mittelpunkt der Ausführung bestimmen wird. Dies ist in einem Essay viel leichter zu realisieren. Und nirgends ist das Postulat, dass auch Wissenschaft Kunst sei, so zutreffend wie hier.

Fragt man nach all diesen einleitenden Ausführungen nach einem Sinn dieser Arbeit, so wird dies schwer zu erklären bleiben. Meiner Meinung nach leistet dieser Essay einen Beitrag zur Literatur- und Rezeptionsgeschichte. Es ist interessant zu beobachten, wie das überwiegend literarisch interpretierte Motiv der Utopie sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat. Von Platons Atlantis ausgehend, über Augustinus’ Civitate Dei bis hin zu Thomas Morus und seiner Utopia, ebenso wie Hobbes mit seinem Leviathan war die Utopie stets ein Mittel der politischen Meinungsäußerung. Sie stand für den Versuch, literarisch ein Programm für eine bessere Politik, an der man sich orientieren sollte, zu schaffen. Die Utopie war damit ein ideelles Vorbild, was die Herrscher anleiten sollte. Jedoch wurde diese strenge Auslegung der Utopie schon immer durchbrochen. Beispiele dafür sind wohl Theopomps Meropis, was nach der Meinung von Heinz-Günther Nesselrath4 als Parodie auf Platons Atlantis-Mythos verstanden werden kann, vor allem aber Lukian mit seinen Wahre Geschichten, welche eine Parodie sämtlicher utopisch angehauchter Literatur bis zu seiner Zeit sind. Utopie wurde so schon immer zweiseitig betrachtet und oft auch zum Spielball für immer phantastischere Erzählungen, die völlig den Zusammenhang zur Realität verlieren. Walter Moers ist auf keinen Fall mit einem politischen Hintergrund zu betrachten, die Lektüre von Walter Moers dient der Unterhaltung, genau wie es Lukian in der Vorrede zu seinen Wahre Geschichten forderte: „Ich glaube, dass auch diejenigen, die sich mit Literatur befassen, nach ausgiebigem Studium ernster Werke Entspannung suchen und ihren Geist auf künftige Anstrengungen vorbereiten sollten.

[...]


1 Gangloff, Tilmann P., Von Murmelmöhren und Ekelburgern - die Welt des Walter Moers: den Blaubär wieder lügen lassen, in: Medien + Erziehung 40 (1996), 2, S. 109-110, hier: 110.

2 Ich möchte hier nur hinweisen auf eine den Lebensbeschreibungen vorangestellte Liste sämtlicher Abenteuer und Kreaturen die Käpt’n Blaubär auf seiner Reise begegnen. Vgl. Blaubär, S. 6-7.

3 Ein „Deus ex machina“ ist ein „Gott aus der Maschine“. In der griechischen Tragödie eingesetztes Mittel um einen scheinbar unlösbaren Konflikt doch noch zu einer Lösung zu führen. Dabei erscheint ein Gott und gibt die unantastbare Weisung sich zu fügen, so z.b. bei Sophokles und seinem Philoktet. Der Schauspieler wird dabei in einer Art Kran auf die Bühne gehoben, deshalb der Bezug zur Maschine. Vgl. Lamer, Hans, Wörterbuch der Antike. Mit Berücksichtigung ihres Fortwirkens, Stuttgart 61963, S. 116. Diese Lösung im letzten Moment ist sicherlich eine Anspielung auf die Tätigkeit der Rettungssaurier.

4 Vgl. dazu Nesselrath, Heinz-Günther, Theopomps Meropis und Platon: Nachahmung oder Parodie, Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 1 (1998), 1-8, entnommen: www.gfa-d-r.de/1-98/nesselrath.pdf


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