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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 25 Pages
Author: Kei Harasaki
Subject: Politics - International Politics - Region: Africa
Details
Institution/College: University of Mannheim (Lehrstuhl für Politische Wissenschaft II)
Tags: Herrschaftskonflikt, Ruanda, Komponente, Instrumentalisierung, Konzepts, Herrschaftssicherung, Völkermord, Hauptseminar, Konflikte, Konfliktbearbeitung, Afrika
Year: 2001
Pages: 25
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-12025-8
File size: 219 KB
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Excerpt (computer-generated)
Der Herrschaftskonflikt in Ruanda mit ethnischer Komponente - Instrumentalisierung des ethnischen Konzepts zur Herrschaftssicherung bis zum Völkermord -
von Kei Harasaki
Gliederung
1. Einleitung ... 3
2. Hypothesen ... 4
3. Die Bevölkerung Ruandas ... 5
3.1 Die Hutu ... 6
3.2 Die Tutsi ... 7
3.3 Die Twa ... 8
4. Das präkoloniale Ruanda ... 8
4.1 Das präkoloniale Herrschaftssystem ... 9
4.1.1 Das "Ubuhake"-System der Klientele ... 10
4.2 Sozialer Status oder Ethnische Identität? ... 11
5. Ruanda in der Kolonialzeit ... 12
5.1 Einfluß der Kolonialmächte ... 12
5.1.1 Der "hamitische Mythos" ... 14
5.1.2 Die "great chain of being"- Theorie ... 15
5.2 Manifestation des ethnischen Konzepts ... 16
6. Die postkolonialen Regime ... 16
6.1 Die "soziale Revolution" und das Kayibanda - Regime ... 17
6.2 Das Regime von J. Habyarimana ... 18
7. Vorbereitungen zum Genozid ... 18
8. Versuch der Schematisierung der Konfliktbearbeitungsmethodik in Ruanda ... 20
9. Fazit ... 20
10. Literatur ... 23
1. Einleitung
Im April 1994 begann in einem kleinen Land in Zentralafrika das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem Holocaust des zweiten Weltkriegs. Von den Medien nur anfänglich und oberflächlich wahrgenommen, wurden in weniger als 100 Tagen fast eine Millionen Menschen mit, zum Teil, primitivsten Mitteln massakriert. Und obwohl schon frühe Anzeichen einer sich abzeichnenden Krise von der Weltgemeinschaft wahrgenommen worden waren, so wurde die Möglichkeit einer internationalen Hilfe heraus gezögert und verhindert, bis sich der Konflikt selbst gelöst hatte. Was war geschehen? Die bei weitem größere Volksgruppe der Hutu hatte zur kollektiven Hatz auf die Minderheit der Tutsi aufgerufen, mit dem Ergebnis, daß rechnerisch jeder dritte Hutu mindestens einen Mord begangen haben mußte, um in der Kürze der Zeit ein solches Fanal der Grausamkeit zu ermöglichen! Das landesweite Morden hatte erst ein Ende, als die von Norden eindringenden RPF (Rwandan Patriotic Front) - Rebellen, welche Abkömmlinge von vertriebenen Tutsi waren, unaufhaltsam ins Landesinnere vordringen konnten, da der Großteil der regulären Armee und der Milizen mit den Pogromen beschäftigt waren. In Folge dessen begannen große Flüchtlingswellen von Hutus das Land zu verlassen und brachten den Konflikt somit wieder ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Wie konnte dieser Konflikt entstehen? Zu sagen, daß dieser Konflikt eine Art von "tribal animosities" , also ein alter Stammeskonflikt sei, wäre zu simplifiziert und würde der Realität komplexer Einflüsse aus geschichtlichen, ideologischen und politischen Faktoren nicht gerecht werden. Ein augenscheinlicher ethnischer Konflikt, wie er in Ruanda zu nennen sein könnte, entpuppt sich nämlich bei näherer Betrachtung als Konstrukt postkolonialer Instrumentalisierungen des Konzeptes einer Ethnie, die vorkolonial nicht derartig vorhanden war! Wie ließ sich nun ein Volk derartig teilen und wie konnte es gegeneinander aufgewiegelt werden, so daß es zu solch einem kollektiven Blutrausch kommen konnte und wer legte die Saat für diesen Haß? Erkenntnisinteresse meiner Arbeit ist nun, wo und inwiefern Unterschiede zwischen den größten Volksgruppen liegen, wer diese warum verstärkt hat und wie diese Unterscheidung zum Fundament für den Genozid werden konnte. Der zu untersuchende Zeitraum ist schwer einzugrenzen, da auf die nicht schriftlich dokumentierte Geschichte Ruandas eingegangen werden muß, doch beende Ich den Zeitraum mit dem 6.4.94, dem Tag an dem das Morden begann. Betrachten werde Ich hauptsächlich die Ebene der Akteure, welche meines Erachtens nach die Ethnisierung als Instrument benutzten, um ihre Herrschaft zu sichern. Einschränkend sei gesagt, daß ich nur den Aspekt der Ethnifizierung betrachte und andere Einflußfaktoren wie ökonomische oder ausländische Faktoren möglichst außer Acht lassen will. Eine monokausale Erklärung umfaßt natürlich nicht alle Gründe für einen Konflikt, doch gilt dies einzugrenzen, um den Rahmen nicht zu sprengen. Ich möchte im folgenden einen Überblick über die Herkunft der Gruppen der Tutsi und der Hutu liefern, aufzeigen wie das Zusammenleben in der Zeit vor dem Eintreffen der Kolonialmächte in Ruanda geregelt war, welchen Einfluß diese auf das soziale Gefüge und damit auf die Politik des postkolonialen Systems hatten und wie diese Voraussetzungen den, meines Erachtens nach grundlegenden Punkt für den Genozid im Jahre 1994 darstellen konnte. Dieses jedoch nicht im Sinne einer Deskription des historischen Verlaufes, doch muß zum Verständnis diese historische Linie aufgezeigt werden, um wichtige Meilensteine in der Vorbereitung des Völkermordes nachzeichnen zu können. Zunächst einmal meine Hypothesen:
2. Hypothesen
1. Die Gruppen der Hutu und Tutsi sind keine eigenständigen Ethnien.
2. Die Unterscheidung und damit die Polarisierung der beiden größten Volksgruppen wurde von außen angeleitet.
3. Diese Instrumentalisierung diente der Herrschaftssicherung und zur Durchsetzung der indirekten Herrschaft der Kolonialmächte.
4. Durch fortwährenden Mißbrauch des Konzeptes zweier verschiedener Ethnien für ein ehemals in Frieden lebendes Volk, konnte diese Differenzierung sich manifestieren und wurde zum Teil des Selbstverständnisses der Gruppen.
5. Durch den Mißbrauch der ethnischen Zuordnung und der damit verbundenen Gewaltanwendung, entwickelte sich eine Eigendynamik der Gewalt gegenüber der Minderheit und schaffte damit die breite Basis an Zustimmung, welche für den Genozid im Jahre 1994 vonnöten war.
Um zur Untersuchung der ersten Hypothese zu kommen, muß zunächst geklärt werden, wer die Hutu und die Tutsi sind, wie sie sich definieren und möglicherweise unterscheiden:
3. Die Bevölkerung Ruandas
Die Quellen zu den Ursprüngen des ruandischen Volkes sind leider nur aus mündlichen Überlieferungen zusammengestellt, so lassen sich einige wichtige Aspekte der ruandischen Gesellschaft nur unzulänglich betrachten. Die für die Eingangsthese wichtige Frage nach den Ursprüngen der verschiedenen Volksgruppen läßt sich somit nicht klar beantworten, ohne sich zu sehr auf die ersten pseudo- wissenschaftlichen Untersuchungen des 19 Jahrhunderts stützen zu müssen. Wobei diese Unklarheit den Boden gibt für Spekulationen über die ursprüngliche Herkunft der größten Volksgruppen im Gebiet der Großen Seen in Zentralafrika, den Hutu, den Tutsi und der Twa . Es gibt verschiedene Ansätze über die Herkunft der Volksgruppen Ruandas und um das Feld der Spekulationen und der wahrscheinlichsten Antwort darzubieten, möchte Ich einige vorstellen. Zunächst einmal gibt es den "single origin" - Ansatz, der davon ausgeht, daß sich die Gruppen der Hutu und Tutsi als verschiedene Ausprägungen eines Volkes darstellen und die phänotypischen Unterschiede sich erst durch die verschiedenen Produktionsweisen ergaben . So haben die Tutsi ihr Wissen über Viehzucht an ihrem eigenen Nachwuchs angewandt und sorgten dafür, daß ihresgleichen ein hochgewachsenes Volk wurden . Die Hutu seien demnach durch die körperlichen Anforderungen die der Ackerbau mit sich bringe, eher stämmig gewachsen. Unter anderem sollten auch ihre Ernährungsgrundlagen demnach zu verschiedenen phänotypischen Ausprägungen geführt haben, denn Hutu ernährten sich hauptsächlich von ihren Agrarprodukten und Tutsi von ihren Rindern und deren Erzeugnisse. Wie dieser Ansatz zu bewerten ist, liegt im eigenen Ermessen, doch ist er meines Erachtens nach nicht ausreichend und erscheint wenig seriös.
[...]
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