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Identifikation und Analyse der wichtigsten Quellen des Romans Moby-Dick

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 23 Pages
Author: Jenny Richter
Subject: American Studies - Linguistics

Details

Event: Herman Melville: Moby-Dick
Institution/College: University of Duisburg-Essen
Tags: Identifikation, Analyse, Quellen, Romans, Moby-Dick, Herman, Melville, Moby-Dick
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 23
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V33285
ISBN (E-book): 978-3-638-33804-2

File size: 455 KB


Excerpt (computer-generated)

Identifikation und Analyse der wichtigsten
Quellen des Romans Moby-Dick

von: Jenny Richter

 


Inhalt

1. Einleitung

2. Melvilles wichtigste Quellenarten

3. Der biblische Hintergrund des Ich-Erzählers Ishmael

3.1 Die Einbeziehung Melvilles persönlicher Lebensgeschichte bei der Erschaffung Ishmaels
3.2 Die Verarbeitung Alan Melvilles Tod in Moby-Dick

4. Der biblische Hintergrund der Figur Ahabs

4.1 Shakespeares Einfluss auf die Konzeption Ahabs

5. Die Geschichte des Walfangschiffs Essex

5.1 Moby Dick und Mocha Dick

6. Die naturwissenschaftlichen Quellen im Roman

7. Fazit

8. Bibliographie


 

1. Einleitung

Herman Melvilles Roman Moby-Dick ist in heutiger Zeit eines der bekanntesten Hauptwerke der amerikanischen Literatur. Der Roman wurde nicht nur mehrmals sowohl als Spielfilm als auch als Zeichentrickfilm und Kinderserie verfilmt, sondern man findet den legendären weißen Wal und den einbeinigen Captain Ahab auch auf unzähligen Illustrationen, Karikaturen in Zeitungen und Zeitschriften und sogar als Spielzeugfigur. Diesen späten und teilweise zweifelhaften Ruhm konnte Herman Melville (1819-1891) nicht mehr selbst erleben. Zu seinen Lebzeiten war sein Roman nämlich höchst umstritten und wurde von vielen Lesern nicht verstanden. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Werken, wie die Abenteurergeschichten Redburn und White Jacket, blieb der kommerzielle Erfolg lange Zeit aus. Doch damit hatte Melville gerechnet, wie er seinem Schriftstellerkollegen und guten Freund Nathaniel Hawthorne in einem Brief mitteilte: „What I feel most moved to write that is banned --it will not pay. Yet altogether write the othe r way, I cannot."1 Trotzdem trafen ihn die negativen Reaktionen – besonders die der britischen Kritiker – sehr hart, denn als er sich gegen einen kommerziellen Erfolg entschied (den er gut hätte gebrauchen können), hoffte er auf Anerkennung aus Literaturkreisen und war von der Ablehnung zutiefst enttäuscht. Allen voran verdross ihn der am 25. Oktober 1851 erschienene Artikel im Athenaeum von Henry Fothergill Chorley, in dem es heißt: "An ill-compounded mixture of romance and matter of fact [¼], Mr. Melville has to thank himself only if his horrors and heroics are flung aside by the general reader as so much trash belonging to the worst school of Bedlam literature,--since he seems not so much unable to learn as disdainful of learning the craft of an artist."2 Diese Kritik und eine weitere negative Bewertung am selben Tage im Spectator setzen Melvilles Selbstbewusstsein stark zu. „From these terrific blows the supersensitive Melville may never have completely recovered.”3 Dabei gab es vor allem in Amerika auch eine sehr positive Resonanz. Besonders hervorzuheben ist die Kritik von James Watson Webb, dem Editor und Inhaber des Courier and New York Enquirer, welcher Moby-Dick als Melvilles besten Roman und einflussreiches Werk der amerikanischen Literaturlandschaft einstufte. „His purity and freshness of style and exquisite tact in imparting vividness and lifelikeness to his sketches long since gained him hosts of admirers on both sides of the water. The book has all the attractiveness of any of its predecessors; in truth it possesses more of a witching interest, since the author′s fancy has taken in it a wilder play than ever before. It is ostensibly taken up with whales and whalers, but a vast variety of characters and subjects figure in it, all set off with an artistic effect that irresistibly captivates the attention. The author writes with the gusto of true genius, and it must be a torpid spirit indeed that is not enlivened with the raciness of his humor and the redolence of his imagination.”4

Daher kann die hä ufige Annahme, Melvilles Roman sei zu seinen Lebzeiten ausschließlich auf Kritik und Ablehnung gestoßen, wiederlegt werden. Trotzdem gibt es Strukturen, Elemente und Charaktere in Moby-Dick, die besonders dem damaligen Leser, der Melvilles vorherige Werke schätzte und einen klassischen Abenteuerroman erwartete, durchaus merkwürdig vorkommen konnten. Melville füllt endlos viele Seiten mit Beobachtungen und Gedanken seines Erzählers Ishmael, sowie Erklärungen und Definitionen, die der Thematik des Walfangs zwar zugeordnet werden können, teilweise aber für einen Roman sehr langatmig und belehrend wirken. So zum Beispiel sein ‚Buch im Buch’ im Kapitel Cetology über die verschiedenen Walarten, das wie ein Lexikonauszug klingt und dadurch die Struktur und den Flus s der Erzählung aufbricht und unterbricht.5 Schon die Überschrift lässt auf eine wissenschaftliche Abhandlung und nicht auf ein Kapitel in einem Roman schließen. Doch vielleicht macht auch diese Vielfältigkeit und Tiefgründigkeit die von James Watson Webb beschriebene Genialität aus. Melville überlässt nichts dem Zufall. „Moby-Dick is rich and complex above any other novel in American literature.”6 Diese Komplexität beruht besonders auf der Vielzahl von Quellen, derer sich Melville in Moby-Dick bedient. In dieser Arbeit sollen die wichtigsten Quellen aufgespürt und analysiert werden. Dabei soll ergründet werden, wie Melville diese Quellen einsetzt und warum er das tut. Am Ende dieser Arbeit kann dann hoffentlich geklärt werden, welche Kritiker nun Recht hatten. Ist Moby-Dick nun ill-compounded und trash oder true genius?

2. Melvilles wichtigste Quellenarten

In ihrem Buch Melville`s Sources zählt Mary K. Bercaw über 160 Quellen, derer sich Melville bedient hat und die man in Moby-Dick textlich nachweisen und nachvollziehen kann. Das wäre mehr als eine Quelle für jedes Kapitel, und wenn diese Aussage stimmt, hat Melville wahrscheinlich in jahrelanger Vorarbeit Hunderte von Büchern und Texten gesammelt und gelesen und jeden kleinsten Fakt für sein Buch eigenhä ndig recherchiert oder nachgeschlagen. Ob Melville wirklich so gearbeitet hat und 160 verschiedene Quellen als Grundlage für sein Werk dienten, kann in dieser Arbeit nicht nachvollzogen werden. Vielmehr werden die wichtigsten Quellenarten benannt und zu jeder Art ein paar Beispiele gegeben, die dann wiederum textlich belegt und analysiert werden. Für die Bestimmung der Quellenarten dient Hershel Parkers Artikel Sources of Moby-Dick als Grundlage. Parker unterscheidet in seinem Text zwischen drei verschiedenen Quellenarten, nämlich Melvilles eigener Lebenserfahrung, Bücher und Texte anderer Autoren, sowie Melvilles Phantasie und Ideenreichtum. Melvilles eigene Erfahrung zeigt sich besonders in seinem Ich-Erzähler Ishmael, der viele Parallelen zu Melvilles eigenem Leben und seinen Charakterzügen aufweist, sowie seine eigenen Erfahrungen auf einem Walfangschiff. Die zweite Quellenart, also Werke anderer Autoren, kann wiederum in mehrere Subkategorien unterteilt werden. Als wichtigstes Werk ist die Bibel zu nenne n. Melville bedient sich biblischer Symbole und benennt seine Charaktere nach biblischen Figuren. „ [Moby-Dick] was pervasively influenced by the Bible, in particular by the Book of Job, and the book of Jonah [...]“7.

[...]


1 Jay Leyda, The Melville Log, 1951, New York: Harcourt , Brace, S.142.

2 Hugh W. Hetherington , Melville′s Reviewers: British and American, 1846-1891, 1961, Chapel Hill: University of North Carolina Press, S. 192.

3 Hugh W. Hetherington, S. 193

4 Hugh W. Hetherington, S. 204

5 vgl. Herman Melville in Charles Child Walcutt, Moby-Dick, 2003, New York: Bantam Dell, S.146-159.

6 Howard P. Vincent , The Trying-Out of Moby-Dick, 1949, Boston: The Riverside Press, S.8

7 Hershel Parker, Sources of Mob-Dick. In: Brian Higgings, Parker Hershel, Critical Essays on Herman Melville`s Moby-Dick, 1992, New York, S.389


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