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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 20 Pages
Author: Anne Camilla Kutzner
Subject: Musicology
Details
Institution/College: Free University of Berlin
Tags: Jazz, Dance, Zwanziger, Jahren, Kunstmusik, Zwanziger, Jahre
Year: 2004
Pages: 20
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33882-0
File size: 320 KB
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Excerpt (computer-generated)
„Jazz Dance“: Tap Dance in den Zwanziger Jahren
von: Anne Camilla Kutzner
12. Semester
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 4
0.1 Zum Begriff „tap dance“ 4
0.2 Quellenprobleme 5
0.3 Aufbau der Arbeit 5
1 Die Wurzeln des tap dance 6
1.1 Afrikanische und afro-amerikanische Wurzeln 6
1.2 Englische und irische Wurzeln 7
1.3 Von der Jig zum Buck and Wing 7
2 Orte und Medien in den 20er Jahren 9
2.1 Aufführungsorte 9
2.2 Vaudeville-„circuits“ 9
2.3 Das schwarze Musical 9
2.4 Film und der akustische Teil des tap dance 11
2.5 Schwarzes Entertainment - weißes Entertainment 12
3 Ausbildung und Standardisierung 14
3.1 Orte des Lernens 14
3.2 The Hoofers Club 15
3.3 „Stealing Steps“ 16
3.4 Standardisierung 17
4 Schwarz und Weiß 18
4.1 Tap Dance: eine „schwarze Erfindung“? 18
5 Literatur 21
0 Einleitung
Die zwanziger Jahre waren, wie im Seminar immer wieder angeklungen ist, eine „tanzverrückte“ Zeit. Daher mag es lohnend sein, einen Blick auf ein Phänomen zu werfen, das damals als „jazz dance“ bezeichnet wurde – ein Begriff, der heute etwas vollkommen anderes meint, damals aber deckungsgleich mit „tap dance“ war, den wir heute als Steptanz kennen. (Zur Begriffsverschiebung seit den Zwanzigern siehe unten.) Drei Aspekte stehen im Zentrum meiner Aufmerksamkeit: Die Geschichte des tap dance, die Prozesse des Lernens und der Standardisierung und die rassistischen Diskurse im amerikanischen Showbiz.
In meiner Arbeit konzentriere ich mich auf die USA, da die Quellen, die mir zugänglich waren, keine Auskunft darüber geben, ob und (wenn ja) wie tap dance außerhalb Nordamerikas rezipiert oder gar praktiziert worden ist. Rusty E. FRANK zufolge waren tap acts – Solokünstler, Ensembles und Showproduktionen – auch in Rußland, Japan, Kuba und Australien unterwegs1, ein Publikum dafür hat es anscheinend weltweit gegeben; auf welches Echo tap dance stieß und ob es zum Beispiel in London, Paris oder Wien tap dance außer gastierenden amerikanischen acts gab, wird nicht erwähnt. Dieses Schweigen über tap dance außerhalb der USA könnte auch in der USAzentrierten Perspektive der Literatur begründet sein.
Etwas spezifisch Amerikanisches ist tap dance auf jeden Fall: Wie Jazz ist er eine originär amerikanische Kunstform, von Marshall und Jean STEARNS als „vernacular in the sense of native and homegrown“2 beansprucht. FRANK attestiert dem tap dance einen „[...] spirit, which was drawn from America itself, from the tempo, the excitement of the Machine Age.”3 Daß zwischen Jazz und tap dance ein Verhältnis gegenseitiger Inspiration bestand, ist anzunehmen. Zumindest die Richtung von der Musik in den Tanz legt FRANK nahe: „... In the years to come, the great music revolutions of ragtime, jazz, swing, bebop and avant-garde all played a tremendous role in the evolution of tap dancing.“4 Und nach Helmut GÜNTHER sind Jazz und tap dance verwandt: „Auf alle Fälle steht fest, daß Jazzmusik und Tap Dance den gleichen Gesetzen gehorchen.“5
0.1 Zum Begriff „tap dance“
Der Begriff „tap dance“ ist eine Schöpfung des 20. Jahrhunderts. Über die Herkunft des Begriffs ist nichts bekannt; wahrscheinlich ist jedoch, daß er von „tap“, also dem Klang, den ein Schritt beim tap dance erzeugt, abgeleitet ist.6 Erstmals dokumentiert ist der Begriff Ende der Zwanziger/ Anfang der Dreißiger Jahre als Titel eines Lehrbuches.7 Vorher waren die Begriffe „Buck“, „Buck and Wing“ oder „hoofing“ gebräuchlich. Die gleiche Bedeutung wie „tap dance“ hatte bis in die zwanziger/dreißiger Jahre hinein „jazz dance“. Hier hat jedoch eine Verschiebung des Begriffs stattgefunden: Ab 1917, so GÜNTHER, nahm der Begriff neue Bedeutungen auf, nämlich einen Tanzstil, der von zentralafrikanischen Ursprüngen geprägt ist.8 Anscheinend dauerte es jedoch lange, bis diese Bedeutung für „jazz dance“ sich durchsetzte; in den zwanziger Jahren existierten wahrscheinlich noch beide Bedeutungen parallel. Noch STEARNS/STEARNS meinen mit „jazz dance“ schlicht „dancing to jazz“, wie der Untertitel ihrer Monographie andeutet; es kann sich hierbei aber auch um ein bewußtes Inanspruchnehmen der alten Bedeutung, also einen gewollten Anachronismus, handeln.
0.2 Quellenprobleme
Das Theater, das Medium, über das der tap dance in den 20er Jahren noch hauptsächlich vermittelt wurde, ist nicht wiederholbar, allenfalls noch in Form von Kritiken und Berichten zugänglich. Vaudeville und die minstrel shows des 19. Jh. sind als Kunstformen untergegangen. Dokumente in Form von Tonkonserven und Filmen sind erst ab den späten Zwanziger Jahren, in größerer Menge (und mit vertretbarem Aufwand erhältlich) ab den frühen Dreißigern zu finden. Im Ganzen ergeben sich also dieselben Probleme, die sich für die Dokumentation des Jazz in den 20ern im Seminar auch aufgetan haben: eine Kunstform, in der die Schrift einen geringen Stellenwert hat und in der es wenig Aufgeschriebenes gibt, wenig Tonträger- oder audiovisuelles Material von teilweise sehr schlechter Tonqualität und eine spärliche wissenschaftliche Literatur zum Thema. Zudem entfalten sich am tap in vieler Hinsicht dieselben Rassismen, die auch die Entwicklung des Jazz beeinflußt haben: Die Geschichte des tap ist aufs engste mit der Geschichte der Schwarzen in den USA verbunden, deshalb müssen Äußerungen über tap immer mit einem Auge auf mögliche rassistische Implikationen oder Voreingenommenheiten gelesen werden.
0.3 Aufbau der Arbeit
Im ersten Kapitel, „Die Wurzeln des tap dance“, werde ich einen Überblick über die Herkunft und die Geschichte des tap dance geben. Daran anschließend steht im Zentrum des zweiten Kapitels, „Orte und Medien in den zwanziger Jahren“, die Frage, wie und wo tap im „Berichtszeitraum“ des Seminars, den Zwanzigern, praktiziert worden ist und durch welche Medien er vermittelt, transportiert, dem Publikum zugänglich gemacht wurde.
Im dritten Kapitel, „Ausbildung und Standardisierung“, geht es darum, wie der einzelne Tänzer tanzen lernte und wie sich der Tanz als solcher entwickelte. Hatte der Tanz in den Zwanzigern bereits eine Standardisierung erfahren, gab es bereits ein verbindliches Schrittrepertoire und wie viel Raum gab es für Individualität? Das letzte Kapitel, „Schwarz und Weiß“, beschäftigt sich mit einem Thema, an dem bei Jazz wie bei tap dance nicht vorbeizukommen ist: der Diskriminierung der Schwarzen in Amerika; wie die Unterhaltungsbranche mit schwarzen Künstlern (und Themen) umging, steht im Zentrum dieses Kapitels.
1 Die Wurzeln des tap dance
1.1 Afrikanische und afro-amerikanische Wurzeln
Die Mehrzahl der Sklaven, die in die USA importiert wurden, stammte aus dem Sudan, Westafrika und Zentralafrika.9 Unter diesen haben nach GÜNTHER zwei besondere Bedeutung für den tap dance: Der Sudan10 und Westafrika.
1.1.1 Sudan
[...]
1 FRANK, S. 21: „Hoofers brought their artistry to such exotic places as Russia, Japan, Cuba, Australia, and the world was thrilled to see them – and hear them.“
2 STEARNS/STEARNS, S. xiv
3 FRANK, S. 21
4 FRANK, S. 21
5 GÜNTHER (1973), S. 53
6 Siehe Günther (1937), S. 45
7 Günther (1973), S. 66
8 Günther (1977), S. 117
9 Günther (1977), S. 111
10 Mit „Sudan“ meint Günther anscheinend nicht das Staatsgebiet des heutigen Sudan, sondern eine wesentlich größere Region: „ein breiter Gürtel vom oberen Nil bis zum Atlantischen Oz ean“. Siehe Günther (1973), S. 57
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