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Seminararbeit, 2004, 20 Seiten
Autor: Patrick Wilke
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike
Details
Institution/Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen (Institut für Alte Geschichte FB 04)
Tags: Herodot, Geschichtsschreiber, Proseminar, perser, perserkriege, xerxes, dareius, xenophobie, vorurteil, aristoteles, athen, sparta, ionien, halikarnassos
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-33920-9
Dateigröße: 223 KB
Bewertung: Eine sehr ambitionierte, komplexe Arbeit mit guter Literaturliste, gutem kritischen Apparat und sehr guter Literaturanalyse. Für das Fehlen der Quellenbelege im ersten Hauptkapitel (S.3 f) wollte ich eigentlich eine Eins minus geben, aber die nachfolgenden Ausführungen waren dazu zu überzeugend und erfreulich. Ganz Prima!
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Zusammenfassung / Abstract
Diese Arbeit befasst sich mit Leben und Werk des Herodot von Halikarnassos. Hauptwerk des mediterranen Reiseberichterstatters sind die „Historien“, deren Schwerpunkt die Perserkriege Anfang des fünften Jahrhundert vor Christus sind. Dies macht ihn, als umfangreichste Quelle und eine der wenigen Quellen überhaupt, zu einem exklusiven Berichterstatter dieser Zeit. Um die Historien Herodots als reichhaltige Quelle möglichst umsichtig aber auch ebenso umfassend auszuschöpfen, bedürfen seine Glaubwürdigkeit und seine Intentionen besonderer Prüfung. Schon das Fehlen der biographischen Daten Herodots macht deutlich, auf welch unsicheren Pfaden der Historiker sich dem Leben und Werk dieses Mannes, der „Vater der Geschichte und Vater der Anthropologie“ genannt wird, nähern muss. Nicht nur die Biographie Herodots ist unklar – einige Forscher zweifeln seine Reisetätigkeit ganz oder zumindest teilweise an – auch die Auslegungen seiner Werke gehen weit auseinander. Die zu untersuchenden Objekte dieser Arbeit sind darum die moderne Forschungsliteratur sowie die deutsche Übersetzung der Historien selbst. Problematisch ist die Tatsache, dass aufgrund fehlender biographischer Kenntnisse die Intentionen und die Weltsicht Herodots fast vollständig aus seinem Werk hergeleitet werden müssen. Dadurch wiederum begibt sich derjenige auf den unsicheren Weg der Rückschlüsse, der die gesamten Historien Herodots im Lichte dieser vermuteten Weltsicht und Motive bewertet.
Textauszug (computergeneriert)
Herodot - Geschichtsschreiber der Perserkriege
von: Patrick Wilke
Gliederung
1. EINLEITUNG 1
2. HERODOT ALS PERSON 2
2.1 LEBEN UND WERK 2
2.2 HERODOTS WELTSICHT UND RELIGIOSITÄT 4
3. DIE HISTORIEN 8
3.1 INHALT UND AUFBAU 8
3.2 METHODIK UND INTENTIONEN DER HISTORIEN 9
3.3 URTEIL UND VERLÄSSLICHKEIT DER HISTORIEN 11
4. FAZIT 14
5. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS 17
1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars „Die Perserkriege“ untersucht diese Arbeit das Leben und Werk des Herodot von Halikarnassos. Hauptwerk des mediterranen Reiseberichterstatters sind die „Historien“, deren Schwerpunkt die Perserkriege Anfang des fünften Jahrhundert vor Christus sind. Dies macht ihn, als umfangreichste Quelle und eine der wenigen Quellen überhaupt1, zu einem exklusiven Berichterstatter dieser Zeit. Um die Historien Herodots als reichhaltige Quelle möglichst umsichtig aber auch ebenso umfassend auszuschöpfen, bedürfen seine Glaubwürdigkeit und seine Intentionen besonderer Prüfung. Schon das Fehlen der biographischen Daten Herodots2 macht deutlich, auf welch unsicheren Pfaden der Historiker sich dem Leben und Werk dieses Mannes, der „Vater der Geschichte und Vater der Anthropologie“3 genannt wird, nähern muss. Nicht nur die Biographie Herodots ist unklar – einige Forscher zweifeln seine Reisetätigkeit ganz oder zumindest teilweise an – auch die Auslegungen seiner Werke gehen weit auseinander4. Die zu untersuchenden Objekte dieser Arbeit sind darum die moderne Forschungsliteratur sowie die deutsche Übersetzung der Historien selbst.5 Problematisch ist die Tatsache, dass aufgrund fehlender biographischer Kenntnisse die Intentionen und die Weltsicht Herodots fast vollständig aus seinem Werk hergeleitet werden müssen. Dadurch wiederum begibt sich derjenige auf den unsicheren Weg der Rückschlüsse, der die gesamten Historien Herodots im Lichte dieser vermuteten Weltsicht und Motive bewertet.
2. Herodot als Person
2.1 Leben und Werk
Das byzantinische Lexikon Suda enthält eine Passage über Herodot, derzufolge Herodot als Sohn der vornehmen Eltern Lyxes und der Dryo oder Rhoio im karischen Halikarnassos geboren wurde6, einer ehemals griechischen Handelskolonie am Dorischen Golf, der heutigen Südwestküste der Türkei. Über die Forschung zu den biographischen Daten Herodots schreibt Robert Rollinger: „Allerdings ist eine `kritische´ Biographie Herodots noch nicht geschrieben worden. Die Masse der existierenden biographischen Rekonstruktionen fußt auf der Prämisse einer positiven Einschätzung sowohl der herodoteischen Quellenangaben als auch der Informationen, die die Antike bereithält“.7 Zeitpunkt und Ort von Herodots Geburt sind also unbekannt. Das Fehlen einer genauen Altersangabe hat jedoch keinen wesentlichen Einfluss auf seine Glaubwürdigkeit als Geschichtsschreiber. Die von vielen heutigen Wissenschaftlern8 angenommenen biografischen Daten – Geburt zwischen 490 und 480 in Halikarnassos9, Tod um 425 vor unserer Zeitrechnung in Thurioi, einer griechischen Kolonie in Unteritalien – sind für diese Untersuchung ausreichend exakt.10 Von Bedeutung ist weiterhin der Terminus post quem respektive ante quem, demzufolge Herodot zur Zeit der Perserkriege (480/79 vor Christus), geboren wurde und seine Werke vor oder zu Beginn der Auseinandersetzungen Athens mit Sparta verfasst hat.11 Konsequenz daraus ist, dass er einerseits die Perserkriege nicht oder nur als Kind miterlebt hat und andererseits die aktuellen Spannungen zwischen Athen und Sparta sein Werk beeinflusst haben könnten.
Laut Robert Rollinger deuten „die Personennamen“ der Eltern „und die geographische Lage“ des Geburtsortes darauf hin, dass sie Karier waren. 12 Da Karien während seiner Jugend unter der Herrschaft des persischen Tyrannen Lygdamis stand, ist anzunehmen, dass Herodot schon früh sowohl mit der griechischen als auch der persischen Kultur in Berührung gekommen ist13. Vor allem der Umstand, dass seine Familie in politischen Streit mit Lygdamis geriet, trug dazu bei, dass Herodot zuerst ins Exil nach Samos und daraufhin auf Reisen ging. 14 Ursprünglich also Konflikten mit einem Alleinherrscher ausweichend, kam Herodot schließlich nach Athen, von wo aus er seinen Interessen, Literatur, Reisen und Völkerkunde nachging. Aufgrund der vornehmen Herkunft, der vermögenden Eltern und einer damit einhergehenden umfassenden Bildung, erhielt er die Fähigkeit und Möglichkeit, sein Interesse an den Völkern der Welt in literarisches Arbeiten umzusetzen. Herodot gilt weithin als athenophil, es sind ein athenisches „Ehrendekret und finanzielle Zuwendungen überliefert“. 15
Die Objektivität seiner Urteile bezüglich Herrschaftsformen, Sitten und Gerechtigkeitsgedanken kann bereits aufgrund seiner jugendlichen Erfahrungen mit dem persischen Despoten Lygdamis - und der dazu im Kontrast stehenden Freundschaft zu Athen, Sophokles und Perikles16 - infrage gestellt werden. Herodot hatte in diesem persischen Tyrannen vielleicht seinen ersten großen Gegner gefunden; zumindest ist es leicht vorstellbar, dass Herodots Sympathie für die Griechen in der Hinsicht größer war als für die Perser. Thurioi als der Ort seines Todes und seines Grabes ist nicht bewiesen, gilt aber als anzunehmen.17
[...]
1 Stefan Schmal, Feindbilder der frühen Griechen, Europäische Hochschulschriften Reihe 3. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Frankfurt a.M. 1995, S. 89.
2 Reinhold Bichler / Robert Rollinger, Herodot, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, S.111.
3 James Redfield, Herodotus the Tourist, in: Greeks and Barbarians, Hrsg. Thomas Harrison, Edinburgh 2002, S. 24.
4 Reinhold Bichler / Robert Rollinger, S. 113.
5 Herodot, Historien I und II, Sammlung Tusculum, griechisch-deutsch, herausgegeben von Josef Feix, Düsseldorf/Zürich, Artemis und Winkler, 2000.
6 Herodot, Historien, Buch 2, Seite 1273.
7 Robert Rollinger / Reinhold Bichler, S. 113.
8 Zu Herodots Biografie siehe auch: Herodot, Historien I und II, Sammlung Tusculum, griechisch-deutsch, herausgegeben von Josef Feix, 6. überarbeitete Auflage, Artemis und Winkler, Düsseldorf/Zürich 2000, S. 1273 ff.
9 Herodot, Historien, S. 1290.
10 Siehe hierzu: Robert Rollinger / Reinhold Bichler, S. 111.
11 Stefan Schmal, S. 89.
12 Ebd. S. 111.
13 „Sie sind nicht hellenisch und damit Zeugen der generationenalten Völkermischung an den Randgebieten der kleinasiatischen Küste“. Herodot Historien, S. 1290.
14 Herodot reiste innerhalb Griechenlands nach Athen, Theben, Olympia und Korinth und darüberhinaus „ins Schwarzmeergebiet und Skythenland, nach Kleinasien, Thrakien und Makedonien, in die Magna Graecia sowie auf Sizilien [...]“ und nach „Tyros und Babylon“. Robert Rollinger weist jedoch auf „extreme Gegenpositionen“ zu diesen Annahmen hin, siehe dazu: Reinhold Bichler / Robert Rollinger, S. 112/113. Nicht persönlich lernte er offenbar den Iran, Indien, Arabien, Äthiopien und auch nicht Italien, Spanien, überhaupt West- und Mitteleuropa und den Westen der Nordküste Afrikas kennen; soweit er über diese Länder berichtet, hat er sich daher auf Gewährsleute berufen müssen. Zur Problematik seiner Quellen siehe Herodot Historien, S. 1295.
15 Reinhold Bichler / Robert Rollinger, S. 112.
16 Ebd., S. 112.
17 Es kommen weiterhin Athen und Pella infrage. Siehe dazu: Herodot, Historien, Hrsg. Joseph Feix, S. 1290.
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