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Diploma Thesis, 2004, 142 Pages
Author: Christof Weingärtner
Subject: Communications: Media and Politics, Politic Communications
Details
Tags: Propaganda, Unterhaltung, Instrumentalisierung, Muster, Rhetorik, US-Regierung, September
Year: 2004
Pages: 142
Grade: 1,8
Bibliography: ~ 96 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-33992-6
File size: 549 KB
In der Arbeit werden verblüffende Parallelen zwischen der Theorie des American Monomyth von Jewett/ Lawrence und der politischen Propaganda aufgezeigt.
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Excerpt (computer-generated)
Diplomarbeit
Propaganda als Unterhaltung:
Zur Instrumentalisierung hollywoodesker Muster in der
politischen Rhetorik der US-Regierung nach dem 11. September
von
Christof Weingärtner
2004
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 1
2. Hollywoodeske Muster ... 4
2.1 Archetypische Vorboten ... 4
2.1.1 Der klassische Monomythos ... 4
2.1.1.1 Funktionen des klassischen Mythos –für das Individuum ... 5
2.1.1.2 - für eine Gemeinschaft ... 6
2.1.2 Das Ritual ... 7
2.2 Der Amerikanische Monomythos ... 9
2.2.1 Der Aufbau ... 9
2.2.2 Die Darstellung des Helden ... 10
2.2.3 Funktionen ... 11
2.2.4 Entstehungsgeschichte ... 12
2.2.4.1 Paradiesische Zustände ... 12
2.2.4.2 Bedrohung des Paradieses ... 13
2.2.4.3 Selbstjustiz ... 14
2.2.4.4 Weitere Entwicklungen ... 15
2.2.5 Moralverständnis ... 16
2.2.6 Politikvermittlung im American Monomyth ... 17
2.2.6.1 Die politischen Traditionen der USA ... 17
2.2.6.1.1 Die vier Traditionslinien ... 17
2.2.6.1.2 Die politischen Traditionen der USA als Bestandteil des American Monomyth ... 18
2.2.6.2 Popfaschismus vs. Demokratieverteidigung ... 20
2.3 Zwischenresumée ... 22
3. Politikvermittlung und Unterhaltung ... 24
3.1 Unterhaltung vs. Information ... 24
3.2 Politische Verortung ... 26
3.2.1 Politische Kultur ... 26
3.2.2 Politische Identität ... 27
3.3 Politikvermittlung ... 28
3.3.1 Politische Rhetorik ... 29
3.3.2 Politische Inszenierung ... 31
3.3.2.1 Theatralisierung des Politischen ... 32
3.3.2.2 Von der Korporalität zur Personifizierung ... 33
3.3.2.3 Performance und politische Events ... 34
3.3.2.4 Wahrnehmung ... 34
3.3.3 Die politische Rhetorik des US-amerikanischen Präsidenten ... 35
3.4 Entertainisierung von Politik ... 37
3.4.1 Visualisierung ... 37
3.4.2 Komplexitätsreduzierende Politikvermittlung ... 37
3.4.3 Scheinwelt/ Illusionen/ Als-ob-Welten ... 39
3.4.4 Politischer Mainstream ... 40
3.4.5 Politainment ... 41
3.4.6 Medien-Metaphern ... 42
3.4.7 Douglas Kellner ... 43
3.4.8 Krieg als Massenkultur? ... 46
3.4.9 Beispiele aus Hollywood ... 48
3.5 Zwischenresumée ... 50
4. Propaganda ... 51
4.1 Begriffsbestimmung ... 51
4.2 Massenpsychologische Verortung ... 52
4.3 Abgrenzung zu Nachbardisziplinen ... 54
4.3.1 Funktionen der Nachbardisziplinen ... 54
4.3.2 Propaganda vs. politische PR ... 54
4.3.3 Propaganda vs. Persuasion ... 56
4.4 Propaganda in pluralistischen Systemen ... 57
4.4.1 Die Organisation der Medien ... 58
4.4.2 Merkmale effektiver Propaganda ... 60
4.4.2.1 Informative Propaganda ... 60
4.4.2.2 Ethnozentristische Orientierung ... 61
4.4.2.3 Moralvermittlung ... 62
4.4.2.3.1 Begriffsbestimmung Moral ... 62
4.4.2.3.2 Moralisieren ... 63
4.4.2.3.2.1 Verwendung von Dichotomien ... 64
4.4.2.3.2.2 Verkündung „großer Werte“ ... 65
4.4.2.3.2.3 Oppositionspaar „wertvolle/ wertlose“ Opfer ... 65
4.5 Analyse von Propaganda ... 66
4.6 Legitimierungsstrategien für militärische Interventionen ... 68
5. Chronologie der Ereignisse nach dem 11. September ... 71
5.1 Der 11. September und Afghanistan ... 71
5.2 Irakkonflikt ... 73
5.3 Chronologie und hollywoodeske Muster ... 78
6. Methoden/ Untersuchungsdesign ... 80
6.1 Qualitative Inhaltsanalyse ... 80
6.2 Untersuchungsgegenstand ... 81
6.3 Kategoriensystem ... 83
6.4 Verwendete qualitative Techniken ... 85
7. Interpretation ... 87
7.1 Eine paradiesische Gemeinschaft... (Darstellung der eigenen Gemeinschaft) ... 87
7.1.1 Berücksichtigung konstituierender Werte der eigenen Gemeinschaft ... 87
7.1.2 Deklarierung des eigenen Wertesystems zum Maßstab ... 88
7.1.3 Betonung christlicher Werte ... 89
7.1.4 Verwendung von Symbolen ... 90
7.2 ...unterliegt einer Bedrohung.... (Darstellung von Bedrohungen) ... 91
7.2.1 Formen der Bedrohung ... 91
7.2.2 Reaktion der Gemeinschaft auf die Bedrohung ... 93
7.2.2.1 Opferrolle ... 93
7.2.2.2 Schwellenphase ... 93
7.2.2.3 Indizien für Communitas ... 94
7.2.2.4 Zusammenhalt in der Gruppe ... 95
7.2.3 Konstatieren eigener moralischer Verfehlungen ... 96
7.3 ...eines Feindes... (Darstellung der Feinde) ... 97
7.3.1 Feindbestimmung ... 97
7.3.2 Werte des Feindes ... 99
7.4 ...gesellschaftliche Institutionen, die üblicherweise mit der Behebung von Unregelmäßigkeiten betraut sind... (Darstellung von Institutionen) ... 99
7.5 ...versagen... . (Darstellung des Versagens von Institutionen) ... 100
7.6 ...Ein selbstloser Held tritt hervor... (Darstellung von Helden) ... 101
7.6.1 Bestimmung der Helden ... 101
7.6.2 Präsident als rituelle Autorität ... 103
7.6.2.1 Gemeinschaft auf einen einheitlichen Stand unterwerfen ... 103
7.6.2.2 Mit Kraft ausstatten ... 104
7.6.2.3 Aufruf zur Partizipation ... 105
7.7 ...und bekämpft den Feind... (Darstellung der Feindbekämpfung) ... 106
7.7.1 Drohungen und Forderungen ... 106
7.7.2 Aussagen über Bekämpfung ... 108
7.7.3 Zeit- und Handlungsdruck ... 110
7.7.4 Legitimation von Gewaltanwendung ... 111
7.7.5 Opferbeschreibung ... 112
7.8 ...Ein entscheidender Sieg wird erlangt... . (Darstellung von Siegen) ... 114
7.8.1 Art des Sieges ... 114
7.8.2 Wiederherstellung paradiesartiger Zustände ... 114
7.9 ...Der Held macht aufgrund der Ereignisse eine entscheidende Entwicklung durch ... 115
7.10 Zur Instrumentalisierung hollywoodesker Muster ... 117
8. Fazit ... 121
9. Literaturverzeichnis ... 124
10. Anhang ... 137
1. Einleitung
Die US-amerikanische Intervention im Irak im März 2003 und deren vorangegangene Versuche einer Legitimierung, stießen in weiten Teilen der Weltbevölkerung auf Unverständnis. Wie konnte es sein, dass eine demokratische Nation einen Angriffskrieg vorbereitete und schließlich auch vollzog, was zwar jeglicher völkerrechtlichen Grundlage entbehrte, aber von einem Großteil der eigenen Bevölkerung akzeptiert wurde? Für viele Nicht-Amerikaner zeugten die lancierten Entscheidungen hingegen von Unvernunft und von einem nicht nachvollziehbaren Unilateralismus. Dabei stellt sich die Frage, wie es den Verantwortlichen wohl gelungen war, den Großteil der eigenen Bevölkerung von der Notwendigkeit eines militärischen Eingriffs zu überzeugen.
Im Herbst 2002, gerade zu der Zeit, in der sich die Krise um den Irak konstituierte, hielt ich im Rahmen meines Studiums ein Referat über ein von Jewett und Lawrence als American Monomyth bezeichnetes Genre, welches eine Grundstruktur inhäriert, auf der die meisten Hollywoodfilme basieren sollen. Mit der weiteren Zuspitzung der Ereignisse um den Irak in den folgenden Monaten fielen mir frappierende Parallelen hinsichtlich deren Entwicklung unter Berücksichtigung der Terroranschläge des 11. September 2001 zu eben jenen „hollywoodesken“ Mustern auf: Die USA reagierte auf diese Attentate mit zwei Angriffskriegen, die Vereinigten Nationen wurden dabei übergangen, Feinde eindeutig als Inkarnation des Bösen identifiziert und benannt. Um insbesondere die Intervention im Irak zu legitimieren wurde eine gewaltige Propagandamaschinerie in Gang gesetzt.
Dabei entstehen Mutmaßungen darüber, ob die Anschläge, die von den Attentätern nach Actionfilmmanier inszeniert wurden, die US-Regierung dazu inspirierten, derartige Muster auch in ihrer Reaktion und deren medialer Darstellung umzusetzen. Um eine solche These zu unterstützen, muss die Einbettung der Unterhaltungskultur in die USamerikanische Gesellschaft sowie die Tendenz der Politik zur Unterhaltungsorientierung berücksichtigt werden:
Die zunehmende Komplexität politischer Prozesse macht es notwendig, die oft langwierigen und schwer zu hinterblickenden Prozesse politischen Handelns in vereinfachter Weise zu kommunizieren, um diese zu legitimieren, Mehrheiten zu finden und Vertrauen aufzubauen. Im kommunikativen Handeln bedient sich der Mensch Konventionen, Codes und Routinen, die er im Laufe seines Sozialisationsprozesses erlernt hat. Dazu gehören freilich auch die Bildwelten und Narrationen, die durch die Medien auf ihn einwirken. Antworten auf Sinnfragen entnimmt er schon seit Jahrtausenden Symbolen, Mythen und Ritualen. Dabei stellt insbesondere eine bestimmte Form des Mythos, der Monomythos, den Entwicklungsprozess eines jeden Menschen in einer codierten Version dar. Mythen haben sich weiterentwickelt, und aufgrund kulturgeschichtlicher Ereignisse bildeten sich neue Formen heraus: So vermittelt u. a. das o. g. Genre des American Monomyth die Normen- und Wertewelten nach denen sich gegenwärtig der US-amerikanische Bürger orientieren kann.
Aufgrund der zunehmenden Marktorientierung auch in der Unterhaltungsindustrie werden zur Risikominimierung meist diejenigen Produkte dargeboten, die den größten kommerziellen Erfolg versprechen. Deren Strukturen erscheinen, obschon sie ohnehin im Laufe des Sozialisationsprozesses in der eigenen Gesellschaft entstanden und deshalb bereits allgegenwärtig sind, aufgrund dieser Tatsache noch präsenter. Um nun dem Bürger Politik vermitteln zu können, bietet es sich an, Muster von Unterhaltungsformaten zu adaptieren, um einen größtmöglichen Konsens herstellen zu können. Dies kann sowohl mit inszenatorischen Mitteln, aber auch über den Rückgriff auf gelernte Abläufe, Inhalte und Personenkonstellationen geschehen: Politik gestaltet sich so begreif- bzw. erlebbarer. Probleme und deren Lösungsansätze werden für den Adressaten transparenter und anschaulicher, wenn sich diese auf Bilder, Erzählungen und/ oder Mythen beziehen lassen.
In dieser Arbeit soll diese Verknüpfung von Politik und Unterhaltung anhand der Propaganda der US-Regierung nach dem 11. September unter Berücksichtigung der Instrumentalisierung gelernter Strukturen der Bevölkerung zur Durchsetzung von Interessen veranschaulicht werden. Der erste Teil widmet sich dabei den Spezifika und Funktionen des amerikanisch-monomythischen Genres, seiner Entstehungsgeschichte unter Berücksichtigung archetypischer Bestandteile sowie dessen Verortung in der Gesellschaft. Ferner soll theoretisch erörtert werden, ob das Genre grundsätzlich für eine Instrumentalisierung geeignet ist.
Im darauf folgenden Kapitel sollen soziokulturelle Hintergründe wie das Zusammenwirken von Politik und Unterhaltung mit der Klärung von Grundbegriffen sowie mit der Darlegung diverser Ansätze, die dieses Phänomen explizieren, spezifiziert werden. Im Erkenntnisinteresse steht zudem die Politikvermittlung und hierbei insbesondere der Begriff der politischen Rhetorik sowie die besondere symbolische Beziehung der US-amerikanischen Gesellschaft zu ihrem Präsidenten.
In Kapitel vier erfolgt eine Definition des Propagandabegriffs sowie eine Abgrenzung zu den Nachbardisziplinen. Des weiteren sollen unter Bezugnahme verschiedener Modelle die diversen Instrumentarien aufgezeigt werden, die zur Beeinflussung von Rezipienten dienen.
Zur Veranschaulichung folgt im fünften Kapitel eine Aufstellung der wichtigsten Ereignisse nach dem 11. September. In den weiteren Kapiteln wird schließlich eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, mit deren Hilfe die gestellten Thesen unter Berücksichtigung der zuvor theoretisch erarbeiteten Grundlagen auf ihre Konsistenz hin analysiert werden sollen. Gegenstand dieser Analyse sind dabei Reden des USPräsidenten George W. Bush, die zwischen dem 11. September 2001 und dem 20. Januar 2004 gehalten wurden. Dabei soll letztendlich erörtert werden, ob tatsächlich unterhaltungskulturelle Muster in der politischen Rhetorik verwendet und für eine Herstellung von Konsens beim Rezipienten instrumentalisiert wurden.
2. Hollywoodeske Muster
2.1 Archetypische Vorboten
2.1.1 Der klassische Monomythos
Es existiert freilich eine Vielfalt von Theorien über Mythen und deren Muster bzw. deren Verortung im alltäglichen Leben, dennoch soll im folgenden der Ansatz von Joseph Campbell fokussiert werden. Dieser prägte den Begriff des Monomythos, auf den sich Jewett/ Lawrence (1988) beziehen. Deren Überlegungen sollen an späterer Stelle explizit aufgeführt werden und sind eminenter Bestandteil dieser Arbeit.
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