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E.T.A. Hoffmann: Meister Floh - Die optischen Phänomene im Text als Verbindung zwischen Liebes- und Wissensthematik

Hauptseminararbeit, 2004, 28 Seiten
Autor: Julia Kurz
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 28
Note: 2,5
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V33849
ISBN (E-Book): 978-3-638-34226-1

Dateigröße: 335 KB


Textauszug (computergeneriert)

E.T.A. Hoffmann: Meister Floh - Die optischen Phänomene im
Text als Verbindung zwischen Liebes- und Wissensthematik

von: Julia Kurz

Studiensemester: 8

 


Inhalt

I. EINLEITUNG  4

1. DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE  4
2. AUSBLICK  5

II. DIE OPTISCHEN PHÄNOMENE IM TEXT  5

III. DIE WISSENSTHEMATIK 11

IV. LIEBESTHEMATIK 15

1. LIEBESVARIANTEN  15
2. WAHRE UND FALSCHE LIEBE 17

V. DIE MENSCHWERDUNG DES PEREGRINUS  19

VI. DIE AUFLÖSUNG DES MÄRCHENGESCHEHENS  22

VII. EINORDNUNG DES „MEISTER FLOH“ IN DAS GESAMTWERK 25

VIII. SCHLUSSWORT 27

IX. BIBLIOGRAPHIE 28

X. BILDNACHWEIS 29


 

I. Einleitung

1. Die Entstehungsgeschichte

Anhand von Briefen E.T.A. Hoffmanns an seinen Frankfurter Verleger Friedrich Wilmans, kann der Entstehungsprozess des „Meister Floh“ sehr genau nachvollzogen werden. Bereits im August 1821 plante Hoffmann ein Märchen zu schreiben, welches im kommenden Winter fertig sein und als Weihnachtsgeschenk dienen sollte. Bedingt durch mehrere Krankheiten wurde das Märchen jedoch nicht in einem Stück, sondern in mehreren, über ein halbes Jahr verteilten Phasen, niedergeschrieben. Erst Anfang November schickte Hoffmann seinem Verleger die erste Lieferung, die restlichen Kapitel sandte er in vier Lieferungen bis zum März des folgenden Jahres. Aus Zeitmangel verzichtete er auf Abschriften, was dazu führte, dass ihm bei der Fertigstellung des Märchens die ersten Abenteuer nicht mehr vorlagen und er darauf angewiesen war, sich daran zu erinnern, wie er seine Geschichte begonnen hatte. Dies wurde, neben diversen Krankheiten, zusätzlich durch die gleichzeitige Arbeit am zweiten Teil des „Kater Murr“ erschwert. Laut vielfacher Meinung1 sei es daher im „Meister Floh“ zu mehreren Unstimmigkeiten gekommen und es Hoffmann nicht gelungen, der Erzählung inhaltliche Geschlossenheit und deutliche Zielsetzung zu geben.2 Wegen dem problematischen Inhalt, der sogenannten Knarrpanti-Passagen, erschien der „Meister Floh“ erst zwei Monate vor Hoffmanns Tod, im April 1822 in zensierter Form. Der vollständige Text wurde erst im Jahre 1908 von Hans von Müller herausgegeben.

2. Ausblick

Aufgabe dieser Arbeit soll es unter anderem sein, trotz unterstellter Zusammenhanglosigkeit, eine mögliche Textkohärenz in der verwendeten Darstellung und Bedeutung der optischen Phänomene aufzuzeigen. Die sinnliche Wahrnehmung im „Meister Floh“ ist bereits zu Beginn des Märchens besonders auffällig. Es ist jedoch fraglich, ob dem Leser bei der erstmaligen Lektüre die Separation der einzelnen Wahrnehmungsformen auffällt. Die Isolierung der Sinne führt zu einer Herauslösung der visue llen Empfindlichkeit und zu einer wachsenden Bedeutung von optischen Phänomenen, welche durchaus verbindende Funktion der zentralen Handlungsbereiche hat: der Thematik des Wissens, des „rechten Sehens“ und der Thematik der Liebe. Jene Bereiche laufen in der Entwicklung, die Peregrin im Verlauf des Märchens absolviert, zusammen und bilden - wie gezeigt werden soll - durchaus eine Art „roten Faden“, der das Werk, indem Peregrin zu weltumfassender Erkenntnis gelangt, mehr oder weniger deutlich durchzieht. Um diese, durch die Motivik hergestellte Einheit nachzuweisen, sollen die verwendeten Darstellungsmittel zunächst erläutert und aufgezeigt werden, anschließend in Zusammenhang mit den zentralen Themenbereichen gestellt und durch die Betrachtung des siebten Abenteuers aufgelöst werden.

II. Die optischen Phänomene im Text

Mit allen Sinnen nimmt Peregrin die weihnachtliche Atmosphäre in der ersten Szene wahr: „Dort schlich er bald leise auf und ab, lauschte auch wohl ein wenig an der Türe, bald setzte er sich still hin in den Winkel und zog mit geschlossenen Augen die mystischen Düfte des Marzipans, der Pfefferkuchen ein, die aus dem Zimmer strömten. Dann durchbebten ihn süße heimliche Schauer, wenn, indem er schnell wieder die Augen öffnete, ihn die hellen Lichtstrahlen blendeten, die, durch die Ritzen der Türe hineinfallend, an der Wand hin und her hüpften.“3 Peregrin fühlt, riecht, hört und sieht die Magie des Heiligen Abends um sich herum. Dabei erfolgt die Wahrnehmung des Ganzen jedoch nicht durch eine Addition der zur Verfügung stehenden Sinnesorgane, der junge Mann scheint sich vielmehr immer nur auf einen Sinneseindruck konzentrieren zu können. Dadurch scheint es keinen Gesamteindruck des Ganzen zu geben, sondern jede einzelne Wahrnehmung erfasst nur einen Teil der Wirklichkeit, so dass die Realität, wie das Bild einer Camera obscura4, etwas entrückt und unwirklich erscheint.

Im weiteren Verlauf der Handlung wird das Visuelle immer bedeutungsvoller. Zunehmend wird das Sehen aus den anderen Wahrnehmungskontexten herausgelöst und zum zentralen Darstellungsmittel von phantastischen und realen Ereignissen. E.T.A. Hoffmann schildert die erste Szene, indem er das Bild eines Weihnachtsabends entwirft, welches - nach Art einer Camera obscura - durch ein kleines Loch in einen dunklen Raum projiziert wird. In ähnlicher Weise nutzt Hoffmann den Ein- und Ausblendeffekt einer Laterna magica, mit dessen Hilfe er immer wieder die Auftritte der Aline/Dörtje Elverdink/Prinzessin Gamaheh gestaltet. Hinter geschlossenen Türen erscheint sie plötzlich, als „würde im selben Moment ein Projektor in Gang gesetzt, und so“5

„[...], wurde die Türe weit geöffnet, und Peregrinus wusste selbst gar nicht, wie es geschah, dass er plötzlich [...] mitten im Zimmer dicht vor Dörtje Elverdink stand.“ 6

Besonders deutlich wird die Darstellungskraft der Laterna magica, „wenn sie unter den schwarzen seidnen Wimpern den schmachtenden Blick wie feuchte Mondesstrahlen hineinleuchten ließ unter die Zuhörer, [...]“7

[...]


1 vgl.: Hoffmann, E.T.A: „Meister Floh – ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde“; Hrsg. von Wulf Segebrecht; Universal-Bibliothek Nr. 365; Stuttgart: Reclam 1998; S. 217: „Heinrich Heine war enttäuscht, als er den Meister Floh gelesen hatte: »Das Buch hat keine Haltung, keinen großen Mittelpunkt, keinen inneren Kitt. Wenn der Buchbinder die Blätter desselben willkürlich durcheinandergeschossen hätte, würde man es sicher nicht bemerkt haben. «“

2 vgl.: Loecker, Armand de: „Zwischen Atlantis und Frankfurt: Märchendichtung und goldenes Zeitalter bei E.T.A. Hoffmann“; Frankfurt a. Main, Bern: Lang, 1983; S. 208

3 Hoffmann, E.T.A: „Meister Floh – ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde“; Hrsg. von Wulf Segebrecht; Universal-Bibliothek Nr. 365; Stuttgart: Reclam 1998; Seite 6

4 vgl.: Müller, Maik M.: „Phantasmagorien und bewaffnete Blicke. Zur Funktion optischer Apparate in E.T.A. Hoffmanns Meister Floh“, in „E.T.A. Hoffmann Jahrbuch“, Bd. 11, Hrsg. von H. Steinecke, D. Kremer, F. Loquai u. S. P. Scher, Erich Schmidt Verlag 2003, Seite 104 ff.

5 siehe: Müller, Maik M.: „Phantasmagorien und bewaffnete Blicke. Zur Funktion optischer Apparate in E.T.A. Hoffmanns Meister Floh“, in „E.T.A. Hoffmann Jahrbuch“, Bd. 11, Hrsg. von H. Steinecke, D. Kremer, F. Loquai u. S. P. Scher, Erich Schmidt Verlag 2003, S. 113

6 Hoffmann, E.T.A.: „Meister Floh – ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde“; Hrsg. von Wulf Segebrecht; Universal-Bibliothek Nr. 365; Stuttgart: Reclam 1998; Seite 157

7 Hoffmann, E.T.A.: „Meister Floh – ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde“; Hrsg. von Wulf Segebrecht; Universal-Bibliothek Nr. 365; Stuttgart: Reclam 1998; Seite 49


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