Napoleon Bonaparte und das Ende der Französischen Revolution

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Details
Autor: Lisa Wünschmann
Fach: Geschichte - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Institution/Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Jahr: 2004
Seiten: 20
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 20 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 248 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-34285-8
Textauszug (computergeneriert)
Albert-Ludwigs-Universität Freibug
Philosophische Fakultät IV
Historisches Seminar
Hauptseminar: Monarchie im 19. Jahrhundert
Napoleon Bonaparte und das Ende der
Französischen Revolution
von: Lisa Wünschmann
Inhalt
Einleitung S. 3
1. Werdegang Napoleons: von Korsika nach Paris S. 4
2. Der Brumaire S. 6
a) Die Brumairianer S. 6
b) Motive für den Staatsstreich S. 7
c) Ein Plan und seine Durchführung S. 8
3. Das Konsulat S. 9
a) Die Verfassung des Jahres VIII S. 9
b) Das Reformwerk S. 11
c) Das Konkordat S. 11
d) Gegner im Inneren und Äußeren S. 12
e) Das Konsulat auf Lebenszeit S. 13
4. Das Kaiserreich S. 14
a) Die Verschwörung des Jahres XII und ihr politischer Nutzen S. 14
b) Der Kaiser der Franzosen S. 15
c) Die Eroberung Europas S. 16
d) Der Untergang S. 17
Fazit S. 19
Literatur S. 20
Einleitung
Die Regierungszeit Napoleon Bonapartes, die insgesamt knapp 16 Jahre französischer und europäischer Geschichte umspannte, kann auf unterschiedliche Weise interpretiert werden. Sie wird im allgemeinen zwischen zwei Blöcken der Geschichte liegend gesehen: der Französischen Revolution und der Restauration. Daraus könnte man auf den ersten Blick meinen, dass Napoleons Regime weder der Republik noch der wiederhergestellten Monarchie ähnele. Und tatsächlich entfernte sich sowohl die bürgerliche als auch die hochadelige Gesellschaft Frankreichs und Europas immer mehr vom französischen Kaiser, der sich und seiner Familie fast ganz Europa zur Herrschaft übergab und aus Europa ein ganz neues Staatengefüge formte, so dass in Deutschland sogar 1806 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu seinem Existenzende kam.
Napoleon sagte in einer Erklärung vom 15. Dezember 1799, also zu Beginn seiner Herrschaft: „Bürger, die Revolution hält an den Grundsätzen fest, die an ihrem Beginn standen. Sie ist beendet.“1 Diese programmatische Ansage provoziert zwei Fragen: 1. Welches waren die Prinzipien, an die die Revolution gebunden war? und 2. Ist sie nun nach der dauerhaften Erfüllung dieser Prinzipen wirklich beendet? Es muss also feste Ziele gegeben haben, die erreicht worden sind. Waren das die Ziele der Ideologen, der Bürger, der Bauern, der Arbeiter, der gemäßigten Royalisten? Oder war das Ziel der Revolution einfach nur ein (manchmal vielleicht diffuses, nicht klar bestimmbares) Gefühl, dass sich die individuellen Lebensumstände bessern? Ein wichtiger Index der revolutionären Ziele war die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789, zu denen Freiheit und Gleichheit, Souveränität der Nation, freie Meinungsäußerung und Schutz des Eigentums gehörten. 2
Die Aussage Napoleons, wenn man sie auf seine Person bezieht, wie es ja in der Fragestellung „Hat Napoleon die Revolution beendet?“ schon begründet liegt, führt zu einem neuen Problem. Man kann schwerlich sagen, dass eine einzelne Person eine Revolution, also einen Volks(!)aufstand, zu ihrem Ende führen kann. Sie kann höchstens als Leit- oder Führungsfigur Wege beschreiten, auf denen ihr das gesamte Volk nachfolgt. Mit der Erklärung zur beendeten Revolution wurde Napoleon zu ihrem Symbol. Aber nur wenn der allgemeine Frieden innerhalb einer Gesellschaft wiederhergestellt ist, kann man von einem Abschluss sprechen. Zuerst soll gefragt werden, wer dieser Napoleon Bonaparte war, woher er kam und wie er in das höchste Amt des Staates gelangte. Danach werde ich kurz einen Blick werfen auf die Französische Revolution in ihrer Endphase und auf die Kräfte, die den Aufstieg des korsischen Generals zum Ersten Konsul der Republik beförderten. Ein dritter Themenblock wird sich mit der Konsulatszeit und dem französischen Kaiserreich beschäftigen. Napoleon Bonaparte und das französische Kaiserreich sind vielbehandelte Themen nicht nur der akademischen Geschichtsschreibung. Die Schriften von Jean Tulard sind unerlässlich für den hier behandelten Themenkomplex, auch Georges Lefebvres Biographie von 1935 bietet immer noch eine exzellente Darstellung dieser widersprüchlichen Epoche. Ausführliche Einblicke in die Entstehung der Herrschaft Bonapartes geben Giesselmann und Wolloch, die Zusammensetzung und Motive der Brumairianer untersucht haben.
1. Werdegang Napoleons: von Korsika nach Paris
Napoleon Bonaparte wird als Sohn von Letizia und Charles Buonaparte am 15. August 1769 in Ajaccio auf der Insel Korsika geboren. Die Familie stammte ursprünglich aus Norditalien und im 17. und 18. Jahrhundert finden sich mehrere Mitglieder der Familie im Rat der Alten von Ajaccio. Nach der französischen Annexion der Insel im Vertrag von Versailles vom 15. Mai 1768 schloss sich Charles Buonaparte der französischen Partei an, wohl mehr aus existenziellen denn aus ideologischen Gründen; seine Ehe mit Letizia brachte zwölf Kinder hervor, von denen acht überlebten. Der Vater, Charles, wurde Anwalt im Conseil supérieur vom Korsika und 1777 Abgeordneter des Adels. Auf Reisen nach Versailles, auf die er seine zwei ältesten Söhne, Joseph und Napoleon, mitna hm, wurden ihm für diese Schulplätze in Frankreich vermittelt. Napoleon, der jüngere, sollte die Militärlaufbahn einschlagen und wurde auf entsprechende Schulen in Brienne (1799-84) und Paris geschickt. Diese Ausbildungszeit war für Napoleon keine leichte: die Integration fiel ihm schwer, er fühlte sich als Außenseiter. Nach seiner Ausbildungszeit diente er als Sekondeleutnant im Artillerieregiment La Fère in Valence, verbrachte aber viele Urlaubsmonate in der Heimat Korsika, um dort zusammen mit seinem Bruder Joseph zu versuchen, dem Clan der Buonapartes mehr Einfluss zu verschaffen. Es ist bezeugt, dass er in dieser Zeit während seines Garnisonlebens viel las. Überhaupt war der junge Bonaparte durchaus intelligent, im Selbststudium beschäftigte er sich mit Geographie, Geschichte, Politik und Wirtschaft.
Der Ausbruch der Revolution veränderte auch in Korsika die Machtverhältnisse und die Familie Buonaparte musste nach erfolglosen Versuchen, an der Macht teilzuhaben, auf das französische Festland emigrieren. Als Haupternährer der Familie (sein Vater war im Jahr 1785 verstorben) nahm Napoleon wieder ohne Unterbrechungen an den Kampfhandlungen der jungen Republik teil. Ein Plan zur Befreiung von Toulon von englischen Truppen brachte ihm die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten. Diese konnten junge, gut ausgebildete und ideologisch unbelastete Militärs gut gebrauchen Überhaupt gehörte das Militär zu den Gewinnern der Revolution, denn zum ersten Mal konnten auch die Nichtadligen Offizierskarieren absolvieren3. Napoleon wurde nach dem Erfolg seiner Taktik (nach der Kapitulation Toulons am 20. Dezember 1793) zum Brigadegeneral ernannt, auf Vorschlag des jüngeren Bruders von Maximilien Robespierre, dem Kommissar Augustin Robespierre. Diese Verbindung sollte ihm bald darauf, nach dem Sturz der Jakobiner am 9. Thermidor (27. Juli 1794) eine zehntägige Gefangennahme einbringen. Da aber keiner der gegen ihn vorgebrachten Anklagepunkte bestätigt werden konnte, wurde er wieder freigelassen. Spätestens jetzt musste dem 25jährigen Brigadegeneral Bonaparte klar sein, wie leicht man sich durch die Wahl eines politischen Lagers im revolutionären Frankreich kompromittieren konnte. Für das Direktorium, das mit der Verfassung des Jahres III als neues Regime eingesetzt wurde, schlug Napoleon unter dem Kommando von Barras einen royalistischen Aufstand in Paris am 13. Vendémiaire (5. Oktober 1795) nieder. Unter dem Patronat von Barras, einem der fünf Direktoren, wurde der „General Vendémiaire“ zum General der Armee des Innern und später, am 2. März 1796 zum Oberbefehlshaber der Armee in Italien ernannt. Ein paar Tage später heiratete er Josephine de Beauharnais, eine Mätresse von Barras. An einer Liebesheirat soll nicht gezweifelt werden, jedoch bleibt es Fakt, dass er mit dieser Heirat auch die Bindung an die Partei, die Frankreich beherrschte, festigte.4
[...]
1 Proklamation der Konsuln über die Beendigung der Revolution (15. Dezember 1799), in: Grab: Die Französische Revolution, S. 300f.
2 Grab: Die Französische Revolution, S. 37ff.
3 Vgl. Tulard: Frankreich im Zeitalter der Revolutionen, S. 177f.; dort gibt er für den 1. Juni 1795 107 Adlige gegen 290 Nichtadlige in den höheren militärischen Rängen an.
4 Tulard: Napoleon oder Der Mythos des Retters, S. 90.
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