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Gottfried Benn - Der Mensch zwischen Welt und Leere

Scholary Paper (Seminar), 2004, 19 Pages
Author: Christian Stein
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Proseminar: Lyrik des 20. Jahrhunderts
Institution/College: Technical University of Braunschweig
Tags: Gottfried, Benn, Mensch, Welt, Leere, Proseminar, Lyrik, Jahrhunderts
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V34011
ISBN (E-book): 978-3-638-34341-1

File size: 266 KB

Abstract

Zu den Werken moderner Literatur, die es geschafft haben, das Bewusstsein der Zeit auf prägnante und eindrucksvolle Weise zu artikulieren, gehört sicherlich das Gottfried Benns. Seine stilistische Feinsinnigkeit, die Auswahl der Themen und der anklingende philosophische Hintergrund verhalfen ihm zu einer bedeutenden Position innerhalb der expressionistischen Avantgarde- Bewegung. Aber auch aus heutiger Sicht hat seine Lyrik nicht an Faszination, Kraft und Aktualität verloren. Im Rahmen dieser Arbeit soll nun zunächst der Versuch unternommen werden, Gottfried Benns lyrische Entwicklung zu gliedern und in den Kontext seiner Biographie zu setzen. Darauf aufbauend wird eine These entwickelt, die Ausschnitte aus Benns Werk in Bezug setzt zu den Begriffen Welt und Leere, sowie Mensch und Kunst. Im Anschluss an Erläuterungen zur Bedeutung der einzelnen Begriffe und ihren Zusammenhängen werden drei Einzelinterpretationen vorgenommen, um die These konkret belegen zu können. Auf diese Weise hoffe ich, sowohl dem zeitgeschichtlichen Zusammenhang des Gesamtwerks als auch der Individualfigur Gottfried Benn gerecht zu werden.


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Carolo- Wilhelmina zu Braunschweig
Seminar für deutsche Sprache und Literatur Proseminar: Lyrik des 20. Jahrhunderts

Sommersemester 2004

Gottfried Benn – Der Mensch zwischen Welt und Leere

von
Christian Stein

Germanistik/Informatik (MA)

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Biographie und lyrische Entwicklung  3

3. These  7
3.1. Die Welt  8
3.2. Die Leere  9
3.3. Der Mensch  11
3.4. Die Kunst  12

4. Interpretationen  13
4.1. Gesänge (1.)  13
4.2. Nur zwei Dinge  15
4.3. Ein Wort  16

5. Zusammenfassung  17

6. Schlusswort  18

7. Literaturverzeichnis  19

 

 

1. Einleitung

Zu den Werken moderner Literatur, die es geschafft haben, das Bewusstsein der Zeit auf prägnante und eindrucksvolle Weise zu artikulieren, gehört sicherlich das Gottfried Benns. Seine stilistische Feinsinnigkeit, die Auswahl der Themen und der anklingende philosophische Hintergrund verhalfen ihm zu einer bedeutenden Position innerhalb der expressionistischen Avantgarde- Bewegung. Aber auch aus heutiger Sicht hat seine Lyrik nicht an Faszination, Kraft und Aktualität verloren. Im Rahmen dieser Arbeit soll nun zunächst der Versuch unternommen werden, Gottfried Benns lyrische Entwicklung zu gliedern und in den Kontext seiner Biographie zu setzen. Darauf aufbauend wird eine These entwickelt, die Ausschnitte aus Benns Werk in Bezug setzt zu den Begriffen Welt und Leere, sowie Mensch und Kunst. Im Anschluss an Erläuterungen zur Bedeutung der einzelnen Begriffe und ihren Zusammenhängen werden drei Einzelinterpretationen vorgenommen, um die These konkret belegen zu können. Auf diese Weise hoffe ich, sowohl dem zeitgeschichtlichen Zusammenhang des Gesamtwerks als auch der Individualfigur Gottfried Benn gerecht zu werden.

2. Biographie und lyrische Entwicklung

Gottfried Benn beginnt seine dichterische Tätigkeit in einer Zeit, die von der Erschütterung aufklärerischer Ideale, dem Verlust transparenter Wirklichkeitsmodelle und der Subjektivitätskrise des modernen Menschen geprägt ist. Das Selbstverständnis als autonomes, weisungskompetentes Vernunftwesen gerät zusehends ins Wanken. Seit Nietzsche beginnen die idealisierten Wertordnungen zu verfallen, Positivismus und Materialismus werden als zu einseitig und ungenügend empfunden. Diese Problematik ist auch für Benn zentral und immer wieder Thema seiner Lyrik.

Bis 1912 experimentiert Gottfried Benn mit den Verfahrensweisen herkömmlicher Dichtung, die Ergebnisse bleiben aber zunächst unzufriedenstellend. Er sucht nach einer Form, die frei von subjektivem und historischem Ballast ist, die ohne emotionale Attribute und traditionellen Symbolgehalt auskommen kann. Kitsch und Klischee der gutbürgerlichen Erbauungslyrik erweisen sich als völlig ungeeignet für das, was er zum Ausdruck bringen will. Erlebnisse aus seinem Medizin- Studium sowie seiner Tätigkeit als Pathologe in Berlin hinterlassen zu dieser Zeit einen tiefen Eindruck bei Benn und bereiten seinen Durchbruch vor. Dieser gelingt ihm dann 1912 mit der Morgue, die gleichzeitig den Beginn seiner avantgardistisch- expressionistischen Phase einleitet.

Benn selbst identifiziert rückblickend den Beginn seines Schaffens mit der Morgue. Er wendet sich damit radikal von der herkömmlichen Dichtung und ihren Traditionen ab, um endlich seinen ganz eigenen Stil zu finden, der ihm die so lange gesuchte Ausdruckskraft ermöglicht. Der dominierende Ton ist bestimmt vom Zynismus und Sarkasmus eines von Vergänglichkeit und Weltlichkeit geprägten Selbstverständnisses, das den Tod als finale Konsequenz der Fleischlichkeit des Seins versteht.

Neben dieser Zerschmetterung mystifizierender Todesvorstellungen klingen etwas später regressive Töne an. Das Gehirn als Ort des Bewusstseins und kognitiven Vermögens wird als Ursprung des menschlichen Leids angesehen, die Rückkehr in eine vorbewusste Existenzform idealisiert. Eine zunehmende Vergeistigung als Stufe der menschlichen Evolution erscheint als antinaturalistisch und existenzfeindlich.

Nach weiteren Veröffentlichungen, u.a. des Gedichtzyklus „Söhne“ (1913) und der Lyriksammlung „Fleisch“ (1917), gerät Benn in eine schwere Schaffenskrise. Er stößt an die Grenzen des mit der Morgue gefundenen Stils und kämpft mit Ausdruck, Stil und Form, um sich vor leeren Widerholungen bereits erprobter Themen und Ausdrucksformen zu schützen. In den Jahren 1921/22 ist dann der Höhepunkt der Krise erreicht. Benn schreibt rückblickend:


„Wenn ich an die Jahre 1918 – 23 denke, die letzten „Expressionistischen Jahre“, - mein Gott, was habe ich mich gepresst u. massakriert u. erniedrigt u. gepeitscht, um Kunst zu machen, um zum letzten erfüllbaren Ausdruck zu kommen.“1

Er erkennt, dass sein Weg nur über strengere Form und Beschränkung führen kann. Im Zyklus „Schutt“ findet er dann endlich die Form, die ihn aus seiner expressionistischen Dichtung herausführt, nämlich die achtzeilige, kreuzweise gereimte Strophe, der er sich in den folgenden Jahren fast ausschließlich bedient. Es erscheinen u. a. die Bände „Schutt“, „Betäubung“ und „Spaltung“. Die Themen der Lyrik dieser Phase vermischen die Beschreibungen von Tod und Fleischlichkeit, die die frühen Gedichte noch ausschließlich dominieren, bereits mit einer außerweltlichen Sehnsucht und dem Begriff der Leere (s.u.). Besonders die Verlorenheit des metaphysisch heimatlos gewordenen Ichs im Zusammenhang mit dem Wirklichkeit dekonstruierenden Nihilismus wird hier thematisiert. In den Jahren zwischen 1928 und 1933 bringt Benn sein lyrisches Schaffen zu einem vorläufigen Abschluss und widmet sich hauptsächlich theoretischen Arbeiten, u. a. auch zu den Themen Nihilismus und Irrationalismus sowie dem Expressionismus. Lyrisch herausragend in dieser Phase ist fast ausschließlich das umfangreiche Oratorium „Das Unaufhörliche“, dessen Musik von Paul Hindemith stammt.

[....]


1 Brief an Ellinor Büller-Klinkowström vom 22. Februar 1936,
BENN 1966: Den Traum alleine tragen, Neue Texte, Briefe, Dokumente S. 180.


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