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Subtitle: Das Verhältnis des Schriftstellers zur Sprache an der Jahrhundert- und Jahrtausendwende
Essay, 2004, 15 Pages
Author: Nicole Streich
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Tags: Sprachkrise, Sprachkritik, Schwerpunkt, Sprachentwicklung, Seminar, Schreibstrategien, Verstummen, Sprachkrise
Year: 2004
Pages: 15
Grade: 2
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34381-7
ISBN (Book): 978-3-638-76163-5
File size: 205 KB
Das Verhältnis des Schriftstellers zur Sprache an der Jahrhundert- und Jahrtausendwende
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Abstract
„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ sagte einst Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951)1. Inwieweit diese Behauptung besonderes auf Schriftsteller zutrifft, wird in dieser Arbeit näher untersucht. Dabei geht es weniger um das Zutreffen des genauen Wortlautes dieser Aussage, als darum, zu veranschaulichen, wie sehr die Sprache den Schriftsteller bestimmt. Die Sprache ist ein Grundbaustein der Existenz aller Menschen und doch wissen nur wenige ihre Bedeutung wirklich zu schätzen. Autoren hingegen setzten sich meist ganz explizit mit der Sprache auseinander und so entstand bereits vor Jahrhunderten die sogenannte Sprachkritik. Interessant an diesem Thema ist vor allem, inwieweit sich diese Kritik an der Sprache zwischen 1900 und 2000 entwickelt hat.
Excerpt (computer-generated)
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Abteilung für Neuere Germanistik
Seminar: TPS Schreibstrategien gegen das Verstummen –
Die Sprachkrise um 1900
4.Semester
Sprachkrise und Sprachkritik
von: Nicole Streich
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Schriftsteller und ihre Sprache 3-4
2.1 Sprachkritik
2.2 Die Unterscheidung von Sprachkrise und Sprachkritik
3. Die Sprachkrise um 1900 5-9
3.1 Hugo von Hofmannsthals Chandos- Brief
3.2 Aktuelle Reaktionen auf den Chandos- Brief
4. Die Sprache um 2000 9-13
4.1 Die allgemeine Tendenz zur Sprachkritik
4.2 Die Sprachkritik
4.3 Die Sprachkrise
5. Fazit 13
6. Literaturliste 14
1. Einleitung
„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ sagte einst Ludwig Wittgenstein (1889 – 1951)1. Inwieweit diese Behauptung besonderes auf Schriftsteller zutrifft, wird in dieser Arbeit näher untersucht. Dabei geht es weniger um das Zutreffen des genauen Wortlautes dieser Aussage, als darum, zu veranschaulichen, wie sehr die Sprache den Schriftsteller bestimmt. Die Sprache ist ein Grundbaustein der Existenz aller Menschen und doch wissen nur wenige ihre Bedeutung wirklich zu schätzen. Autoren hingegen setzten sich meist ganz explizit mit der Sprache auseinander und so entstand bereits vor Jahrhunderten die sogenannte Sprachkritik. Interessant an diesem Thema ist vor allem, inwieweit sich diese Kritik an der Sprache zwischen 1900 und 2000 entwickelt hat. Beschäftigt man sich mit den Diskussionen um Sprache in den letzten hundert Jahren, so stellt man fest, dass um 1900 das Thema Sprachkrise einen hohen Stellenwert hatte und dass wir es um 2000 praktisch nur noch mit der Sprachkritik zu tun haben. Zur Jahrhundertwende schien es, als gehöre ein Maß an sprachskeptischen Wendungen zum guten Ton, heutzutage will kaum noch ein Schriftsteller ein sprachliches Kunstwerk schaffen, um den möglichen Zerfall der Worte kümmert man sich nicht mehr.
Im Rahmen des Seminars „Die Sprachkrise um 1900“ wurden einige der zahlreichen Dokumente behandelt, die die Sprachkrise zur Jahrhundertwende ausdrückten. Knapp hundert Jahre später ist jedoch zum Thema Sprachkrise kaum noch etwas aktuelles zu finden. So stellt sich die Frage, ob die Sprachkrise in Annäherung an die Jahrtausendwende tatsächlich überwunden ist und warum dies der Fall sein könnte. Hat sich das Verhältnis der Schriftsteller zur Sprache so sehr verändert oder ist es einfach der Wandel der Zeit, der die Sprachkrise aufgelöst hat? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, werden im Folgenden erst einmal die Begriffe Sprachkrise und Sprachkritik in Bezug auf die Jahrhundert- und Jahrtausendwende geklärt. Anschließend sind sowohl die Sprachkrise um 1900 anhand des prominenten „Chandos Briefes“ als auch die heutigen Reaktionen darauf Themen des 3. Kapitels. Als Gegensatz dazu werden die Sprachkritik und Ansätze einer Sprachkrise um 2000 dargestellt. Anhand dieses Aufbaus lässt sich besonders gut erkennen, wie sich die Beziehung der Schriftsteller zur Sprache im Laufe eines Jahrhunderts geändert hat und wie auch die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung darauf Einfluss nimmt.
2. Schriftsteller und ihre Sprache
2.1 Sprachkritik
Die Sprache macht es den Menschen möglich, eine chaotische Menge an Wahrnehmungsdaten in eine geordnete Welt zu überführen. Inwiefern diese Überführung ausreichend und anschaulich genug ist, bleibt subjektiv. Einige interessiert diese Frage mehr, andere weniger. Selbstverständlich gehören Schriftsteller zu jenen, die die Sprache besonders genau begutachten, gerade weil diese ihr Handwerkszeug ist. So gibt es zwei hauptsächliche ’Kritikpunkte’ an der Sprache, die Autoren im Laufe der Zeit geäußert haben. Hans-Joachim Mähl beispielsweise sieht das problematische Verhältnis des Dichters zur Sprache darin begründet, dass das dichterische Handwerkszeug Sprache zu vorbestimmt ist:
Eben diese beiden Sprachsphären aber, die Umgangssprache und die Sprache der literarischen Tradition, mit allem, was sie an Interpretation der Welt und an Aussage über sie enthalten, sind das vorgeprägte Material, mit dem der Dichter arbeitet – und es ist in viel stärkerem Maße vorgeprägt, als es etwa die Farben, mit denen der Maler, oder die Töne, mit denen der Musiker arbeitet, sind.2 Hugo von Hofmannsthal beschrieb das Verhältnis des Menschen zur Sprache mit dem Satz: “Für gewöhnlich stehen nicht die Worte in der Gewalt der Menschen, sondern die Menschen in der Gewalt der Worte.“3 Neben der Kritik an dem in der Sprache bereits enthaltenen Verständnis über die Welt, wurde auch die Unzulänglichkeit der Sprache häufig behandelt. Gemeint ist der Zweifel an der Möglichkeit, durch das Medium Sprache genau das in angemessener Form ausdrücken zu können, was das Innere des Individuums oder die äußere Realität darstellt. Aufgrund dessen kam langsam der Verlust des Sprachvertrauens auf und die daraus resultierende Angst vor der Leere hinter den Worten.
2.2 Die Unterscheidung von Sprachkrise und Sprachkritik
Das Sprachproblem um 1900 lag darin, dass exakte wissenschaftliche Erkenntnisse nicht durch eine Sprache ausgedrückt werden konnten, die zu vorbestimmt, ungenau, banal und phrasenhaft war, um eine angemessene Kommunikation zu ermöglichen. Unter dem Begriff Sprachkritik versteht man die an sprachlichen und kulturellen Normen orientierte Auseinandersetzung mit dem Sprachgebrauch einer Zeit und den Tendenzen des Sprachwandels. Doch worin liegt nun genau der Unterschied zwischen Sprachkrise und Sprachkritik? Jemand befasst sich mit dem Sprachgebrauch seiner Zeit, der auf irgendeine Art und Weise nicht den Anforderungen entspricht, er übt also Kritik an der Sprache. An diesem Punkt befand man sich damals und befindet sich auch heute noch. Mit dem Unterschied, dass man um 1900 aus dieser Sprachkritik in eine Sprachkrise verfiel. Diese ist somit aus der Sprachkritik entstanden und hat einfach größere Ausmaße angenommen. Die Sprachkrise ist also eine Steigerung der Sprachkritik.
[...]
1 Ludwig Wittgenstein: „Tractatus logico-philosophicus.“ S.89
2 H.-J. Mähl: Die Mystik der Worte S.289
3 Hugo von Hofmannsthal. Prosa I. S. 267
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