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'Weltfernsehen' - die internationale Vermarktung der Quizshow 'Wer wird Millionär?'

Seminararbeit, 2001, 28 Seiten
Autor: Teresa Hochmuth
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Details

Veranstaltung: Fernsehspiele – internationale Spielkonzepte im deutschen Fernsehen
Institution/Hochschule: Universität Potsdam
Tags: Weltfernsehen, Vermarktung, Quizshow, Millionär, Fernsehspiele, Spielkonzepte, Fernsehen, WWM, Who wants to be a millionaire, Spielshow, Game Show
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 28
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 54  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V34089
ISBN (E-Book): 978-3-638-34405-0
ISBN (Buch): 978-3-638-92169-5
Dateigröße: 390 KB

Zusammenfassung / Abstract

„In puncto Unterhaltung fällt dem Fernsehen nichts mehr ein. Es wird weiter gequizt.“ - und das überall auf der Welt und so viel wie nie zuvor. Was die ’HörZu’ 1959 als langweilige Massenunterhaltung kritisierte, zieht heute die Massen erneut in seinen Bann. Die Sendung ‘Wer wird Millionär?’ ist das Zugpferd eines neuen Quizshowbooms. Ein früher Vorgänger des ‘Wer wird Millionär?’-Konzeptes ist in der 1940 eingeführten Show ’Take It or Leave It’ zu sehen, bei der sich der Kandidat von der „2-Dollar-Frage“ bis zur „64- Dollar-Frage“ hocharbeiten konnte6. Dieses Quiz wurde 1955 als ’The $64,000 Question’ vom Radio ins Fernsehen übernommen und löste mit Einschaltquoten bis zu 85% den ersten Quizboom und die Produktion zahlreicher Nachahmersendungen aus 7. Eine weitere Parallele zu ‘Wer wird Millionär?’ besteht darin, dass dieses Format auch bald erfolgreich international lizenziert wurde, in Deutschland 1956 unter dem Namen ’Alles oder Nichts’ 8. Umso erstaunlicher ist es, dass fast fünfzig Jahre danach ein Vertreter dieses auf den ersten Blick eher altmodischen, wenig innovativen Genres plötzlich unerreichte Einschaltquoten einfährt, in 102 Ländern lizenziert wird und den Geschmack verschiedenster Menschen aller Altersgruppen, sozialen Schichten und Kulturkreise trifft. Warum ‘Wer wird Millionär?’ einen so außergewöhnlichen internationalen Erfolg verbuchen kann, möchte ich im Folgenden genauer darlegen. Was eine Quizshow zu einer guten Quizshow macht, haben Spielshowtheoretiker und Fernsehexperten bereits oft diskutiert. Demzufolge werde ich die am häufigsten genannten Erfolgsfaktoren referieren und jeweils anschließend darlegen, wie bei ‘Wer wird Millionär?’ das spieltheoretische Prinzip angewendet und eventuell noch weiter ausgebaut oder perfektioniert wurde. Im abschließenden Teil gehe ich auf einige spezielle Länderbeispiele ein und zeige auf, weshalb dort die Vermarktung des Formats mit Problemen verbunden war.


Textauszug (computergeneriert)

„Weltfernsehen“ – die internationale Vermarktung
der Quizshow ‘Wer wird Millionär?’

von: Teresa Hochmuth

1. Semester

 


Inhalt

1. Einführung zur Geschichte der internationalen Vermarktung von Quizshows 2

2. Spieltheoretische Erfolgsprinzipien und ihre Anwendung bei ‘Wer wird Millionär?’ 3

2.1. Anforderungen an das Spielkonzept 3

2.1.1. Durchschaubarkeit und Ausgewogenheit 3
2.1.2. Innovation 5

2.2. Internationale Vermarktungsstrategien 6

2.2.1. Lizenzierung 6
2.2.2. Finanzierung 7

2.3. Anspruch der Wissensvermittlung und Unterhaltungswert 8
2.4. Auswahl der Moderationspersönlichkeit 9
2.5. Vielfältige Formen der Zuschauerbeteiligung und –einbindung 11

2.5.1. Mitraten als fiktiver Kandidat 12
2.5.2. Identifikation mit den Kandidaten 13
2.5.3. Interaktive Mitspielmöglichkeiten 15

3. Fallbeispiele problematischer Vermarktungsversuche 16

3.1. Ägypten und Mittlerer Osten – Religiöse Dogmen als kulturelles Hindernis 16
3.2. Japan – kulturelle Differenzen als Scheiterungsgrund 17
3.3. USA – Fehleinschätzungen der Programmdirektion 17

4. Abschließende Gedanken 18

Anhang 20

Literaturverzeichnis 20

E- mail-Korrespondenz mit Goss, Melissa vom 7.1.2002 23
E-mail-Korrespondenz mit Krolikowski, Nick vom 29.1.2002 24
E- mail-Korrespondenz mit Praetorius, Barbara vom 15.2.2002 25
E- mail-Korrespondenz mit Willox, Andrew vom 16.2.2002 26



 

1. Einführung zur Geschichte der internationalen Vermarktung von Quizshows

„In puncto Unterhaltung fällt dem Fernsehen nichts mehr ein. Es wird weiter gequizt.“1- und das überall auf der Welt und so viel wie nie zuvor. Was die ’HörZu’ 1959 als langweilige Massenunterhaltung kritisierte, zieht heute die Massen erneut in seinen Bann. Die Sendung ‘Wer wird Millionär?’ ist das Zugpferd eines neuen Quizshowbooms. Trotz aller kritischen Stimmen erfreuen sich Ratespiele bereits seit vielen Jahren großer Popularität auf dem internationalen Fernsehmarkt und prägen das Programm der unterschiedlichsten Sender. Im Jahr 1999, also noch vor ‘Wer wird Millionär?’, nahmen Spiel- und Quizshows2 beispielsweise 26% der Prime Time im spanischen Fernsehen ein 3 und 53% des Abendprogramms des italienischen Senders CAN54. Ursprünglich stammt die Unterhaltungsform des Quiz aus den USA, wo es 1936 durch die Radiosendereihe ’Professor Quiz’ erstmals eine breite Öffentlichkeit erreichte 5. Ein früher Vorgänger des ‘Wer wird Millionär?’-Konzeptes ist in der 1940 eingeführten Show ’Take It or Leave It’ zu sehen, bei der sich der Kandidat von der „2-Dollar-Frage“ bis zur „64- Dollar-Frage“ hocharbeiten konnte6. Dieses Quiz wurde 1955 als ’The $64,000 Question’ vom Radio ins Fernsehen übernommen und löste mit Einschaltquoten bis zu 85% den ersten Quizboom und die Produktion zahlreicher Nachahmersendungen aus 7. Eine weitere Parallele zu ‘Wer wird Millionär?’ besteht darin, dass dieses Format auch bald erfolgreich international lizenziert wurde, in Deutschland 1956 unter dem Namen ’Alles oder Nichts’ 8. Umso erstaunlicher ist es, dass fast fünfzig Jahre danach ein Vertreter dieses auf den ersten Blick eher altmodischen, wenig innovativen Genres plötzlich unerreichte Einschaltquoten einfährt, in 102 Ländern lizenziert wird und den Geschmack verschiedenster Menschen aller Altersgruppen, sozialen Schichten und Kulturkreise trifft. Warum ‘Wer wird Millionär?’ einen so außergewöhnlichen internationalen Erfolg verbuchen kann, möchte ich im Folgenden genauer darlegen.

Was eine Quizshow zu einer guten Quizshow macht, haben Spielshowtheoretiker und Fernsehexperten bereits oft diskutiert. Demzufolge werde ich die am häufigsten genannten Erfolgsfaktoren referieren und jeweils anschließend darlegen, wie bei ‘Wer wird Millionär?’ das spieltheoretische Prinzip angewendet und eventuell noch weiter ausgebaut oder perfektioniert wurde. Im abschließenden Teil gehe ich auf einige spezielle Länderbeispiele ein und zeige auf, weshalb dort die Vermarktung des Formats mit Problemen verbunden war.

2. Spieltheoretische Erfolgsprinzipien und ihre Anwendung bei ‘Wer wird Millionär?’

2.1. Anforderungen an das Spielkonzept

Schon mit der Erstellung des Spielkonzeptes kann sich entscheiden, ob eine Quizshow vom internationalen Fernsehpublikum angenommen oder abgelehnt wird. „Spielshows [...] müssen zwar einerseits Besonderes, Überraschendes, Neues bieten, bestehen aber andererseits aus so bekannten und vertrauten Mustern, dass sie praktisch jedem Spieler auf der Welt unmittelbaren Zugang erlauben.“9 umreißt Petra Dorsch-Jungsberger Anforderungen, die an ein Spielkonzept gestellt werden.

2.1.1. Durchschaubarkeit und Ausgewogenheit

Zum einen müssen die Spielregeln so klar und einfach konzipiert sein, dass der Zuschauer beim ersten Einschalten versteht, worum es in diesem Spiel primär geht und wie es abläuft. Das Regelmuster sollte unbedingt beibehalten werden, denn wären „derartige Sendungen strukturell abwechslungsreicher, müssten die Zuschauer mehr rezeptive Vorleistungen erbringen, indem sie zunächst neue Spielregeln erlernen müssten“10. Eigene Erfahrungen beispielsweise bei Brettspielen spiegeln wieder, dass sich der Spieler erst dann zum Mitspielen animiert fühlt, wenn er das Spielprinzip verstanden hat. Bei Quizs hows nimmt der Rezipient zwar nur auf imaginäre Weise teil (s.u.), doch auch hier gilt, dass erst „die Serialität [und Standardisierung] der Quizsendungen [...] dem Zuschauer ermöglicht, das komplexe System von Mitspielangeboten vielseitig wahrzunehmen.“11 Zum anderen muss durch diese einfachen Spielregeln eine komplexe „innere Balance von Risiko, Leistung und Gewinn“12 hergestellt werden, wie das Adolf-Grimme-Institut anlässlich der 13. Marler Tage der Medienkultur betont. Der Kandidat erbringt eine Leistung, indem er die Quizfragen möglichst richtig beantwortet. Der Zuschauer darf weder das Gefühl haben, dass dem Kandidaten der Gewinn hinterhergeworfen wird, noch dass die Entlohnung der Leistung des Kandidaten nicht gerecht wird. Zwar können Glück und Risikobereitschaft dem Spieler zum Sieg verhelfen, aber im Gegensatz zum reinen Glücksspiel darf nicht allein die Fähigkeit zum „Zocken“, sondern ein breit gefächertes Allgemeinwissen spielentscheidend sein.

Das Regelkonzept zu ‘Wer wird Millionär?’ ist an Klarheit und Durchsichtigkeit nicht leicht zu überbieten. Die einfache Idee, mit der richtigen Beantwortung von fünfzehn Multiple-Choice-Fragen eine Million zu gewinnen, wird vom Zuschauer sofort durchschaut und kann problemlos in allen Kulturräumen angewendet werden. Dem ansteigenden Schwierigkeitsgrad der Fragen sind ansteigende Geldbeträge von (in Deutschland) 50 € bis 1 000 000 € zugeordnet. So entspricht der Leistungsgrad der Gewinnhöhe. Da der ungewöhnlich hohe Höchstgewinn nur selten ausgespielt wird, erachtet ihn das Publikum als der außergewöhnlichen Leistung angemessen. Zwar spielt bei der computergesteuerten Auswahl der Fragen das Glück eine Rolle, allerdings können auch Fragen, die nicht im Wissensgebiet des Kandidaten liegen, durch Publikums-, 50:50- und Telefonjoker13 gelöst werden. Gerade Diskussionen, welche Joker geeignet wären, die Kandidaten einerseits zum Weiterspielen zu reizen, andererseits aber nicht zum Zocken zu verleiten, nahmen während der Entwicklungszeit des Formats viel Zeit in Anspruch14. Das Erfinderteam, bestehend aus vier Mitarbeitern der britischen Produktionsfirma Celador (D. Briggs, P. Smith, M. Whitehill und S. Knight), verfügte bereits über beträchtliche Erfahrungen im Bereich der Quizshowkonzeption. Dennoch dauerte es mehr als drei Jahre, bis alle Faktoren so perfektioniert und aufeinander abgestimmt waren, dass Celador ‘Wer wird Millionär?’ auf den Markt bringen konnte15.

2.1.2. Innovation

[...]


1 Gogl, Katrin: Entwicklungstendenzen der Fernsehunterhaltung. Veränderungen des Genres Spielshow in der Konkurrenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Systemen. Coppengrave 1995. S.16

2 Spielshow: eine nicht-fiktionale Unterhaltungssendung, in der vom Fernsehen inszenierte Spiele gezeigt werden Quizshow: eine Spielshow, deren Spielaufgabe ausschließlich darin besteht, dass die Kandidaten allgemein- oder spezialwissensbezogene Fragen beantworten müssen.

3 Vgl. Müller, Christine G.: Der europäische Fernsehabend. Köln 1999. S.69

4 Vgl. Müller: Der europäische Fernsehabend. 1999. S.70

5 Vgl. Hallenberger, Gerd / Kaps, Joachim: Hätten Sie’s gewusst?. Die Quizsendungen und Game Shows des deutschen Fernsehens. Marburg 1991. S.13

6 Vgl. Hallenberger / Kaps: Hätten Sie’s gewusst?. 1991. S.14

7 Vgl. McQueen, David: Television. A Media Student’s Guide. London 1998. S.67

8 Vgl. Hallenberger / Kaps: Hätten Sie’s gewusst?. 1991. S.37

9 Dorsch-Jungsberger, Petra E.: Der Waren-Aspekt der Unterhaltung. Hrsg. von Bosshart, Luis / Hoffmann-Riem, Wolfgang: Medienlust und Mediennutz. Unterhaltung als öffentliche Kommunikation. München 1994. S.354

10 Hallenberger, Gerd / Foltin, Hans-Friedrich: Unterhaltung durch Spiel. Quizsendungen und Game Shows des deutschen Fernsehens. Berlin 1990. S.39

11 Gogl: Entwicklungstendenzen der Fernsehunterhaltung. 1995. S.14

12 Tagungsunterlagen des Adolf-Grimme-Instituts zu den 13. Marler Tagen der Medienkultur: “Gutes Quiz, schlechtes Quiz”. Welches Format ist warum erfolgreich?. 2001. S.3

13 Publikumsjoker: die Studiogästen geben per Knopfdruck ihren Antworttipp ab. Das Ergebnis erscheint als Diagramm. 50:50-Joker: vom Computer werden zwei falsche Antworten gestrichen. Telefonjoker: einer von drei vom Kandidaten vorab bestimmten Telefonpartnern kann bei der Beantwortung helfen.

14 Vgl. McGregor, Tom: Behind The Scenes At Who Wants To Be A Millionaire. London 1999. S.36

15 Vgl. Pressemitteilungen von Celador Productions: Who Wants To Be A Millionaire – a worldwide phenomenon. 24 January 2001. www.celador.co.uk/news/news.cgi?prid=24 (5.1.2002)


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