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Die Bedeutung gesellschaftlicher Normen und Werte und die Schuldfrage in Gottfried Kellers "Romeo und Julia auf dem Dorfe"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 21 Pages
Author: Daniel Krohne
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 21
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 5  Entries
Language: German
Archive No.: V34092
ISBN (E-book): 978-3-638-34408-1
ISBN (Book): 978-3-638-78992-9
File size: 159 KB

Abstract

Gottfried Keller gilt als einer der wichtigsten Vertreter des bürgerlichen Realismus. Seine Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ erschien 1856 mit vier weiteren Erzählungen im ersten Band von „Die Leute von Seldwyla“. Kellers Werke kreisen immer wieder um das Individuum im gesellschaftlichen System. Hauptthemen sind vorwiegend lebensbestimmende Faktoren wie Armut, Familienleben, Erziehung, Arbeit und besonders die Frage, inwiefern sich das Individuum in die bürgerliche Ordnung einordnen kann oder soll. In der Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ setzt sich Keller sowohl mit gesellschaftlichen Bedingungen und Normen als auch mit moralischen und ethischen Werten auseinander. Bei Kellers Novelle handelt es sich um eine neue Bearbeitung des alten Romeo und Julia Motivs, dessen bekannteste Bearbeitung die Tragödie des englischen Dramatikers William Shakespeare ist. „Gleich in der Titelgebung dieser Novelle verweist Keller auf weltliterarische Zusammenhänge; es wird an die bekannteste Ausformung des Romeo-und- Julia-Stoffes: an William Shakespeares Tragödie erinnert.“1 Gottfried Keller legt Wert darauf, daß es sich bei der Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ nicht bloß um eine „müßige Nachahmung“2 eines bekannten literarischen Werkes handelt. Bei der Erzählung handelt es sich um die Bearbeitung eines alten Stoffes in einem „neuem Gewande“3, wobei Keller explizit erwähnt, daß seine Erzählung auf einer wahren Begebenheit, einer Notiz aus der Züricher Freitagszeitung vom 3. September 1847, beruht.


Excerpt (computer-generated)

Heinrich-Heine-Universität
Germanistisches Seminar: Abteilung für neuere Philologie
Hauptseminar: Deutsche Erzählungen des 19. Jahrhunderts
7. Semester

Die Bedeutung gesellschaftlicher Normen und Werte
und die Schuldfrage in Gottfried Kellers
"Romeo und Julia auf dem Dorfe"

von: Daniel Krohne

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Die Bedeutung gesellschaftlicher Normen und Werte und die Schuldfrage in Gottfried Kellers „Romeo und Julia auf dem Dorfe“  5

2.1.1. Die Bauern Manz und Marti als Prototypen der Gesellschaft 5
2.1.2. Der Streit der Bauern Manz und Marti und ihr sozialer Abstieg 9
2.1.3. Der Kampf auf der Brücke als Höhepunkt des Konflikts 12

2.2.1. Die Ausgangslage von Sali und Vrenchen 13
2.2.2. Zwischen Traumwelt und Realität 15

3. Kommentar 19


 

1. Einleitung

Gottfried Keller gilt als einer der wichtigsten Vertreter des bürgerlichen Realismus. Seine Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ erschien 1856 mit vier weiteren Erzählungen im ersten Band von „Die Leute von Seldwyla“. Kellers Werke kreisen immer wieder um das Individuum im gesellschaftlichen System. Hauptthemen sind vorwiegend lebensbestimmende Faktoren wie Armut, Familienleben, Erziehung, Arbeit und besonders die Frage, inwiefern sich das Individuum in die bürgerliche Ordnung einordnen kann oder soll. In der Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ setzt sich Keller sowohl mit gesellschaftlichen Bedingungen und Normen als auch mit moralischen und ethischen Werten auseinander. Bei Kellers Novelle handelt es sich um eine neue Bearbeitung des alten Romeo und Julia Motivs, dessen bekannteste Bearbeitung die Tragödie des englischen Dramatikers William Shakespeare ist. „Gleich in der Titelgebung dieser Novelle verweist Keller auf weltliterarische Zusammenhänge; es wird an die bekannteste Ausformung des Romeo-und- Julia-Stoffes: an William Shakespeares Tragödie erinnert.“1 Gottfried Keller legt Wert darauf, daß es sich bei der Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ nicht bloß um eine „müßige Nachahmung“2 eines bekannten literarischen Werkes handelt. Bei der Erzählung handelt es sich um die Bearbeitung eines alten Stoffes in einem „neuem Gewande“3, wobei Keller explizit erwähnt, daß seine Erzählung auf einer wahren Begebenheit, einer Notiz aus der Züricher Freitagszeitung vom 3. September 1847, beruht.

Daß die Novelle einen tragischen Verlauf nehmen wird, kann der Leser bereits am Titel erkennen. Gleichzeitig verrät der Titel dem Leser, daß es sich bei der vorliegenden Erzählung nicht um eine herkömmliche Bearbeitung des Romeo und Julia Motivs handelt. Durch das Attribut „auf dem Dorfe“ im Titel der Novelle verdeutlicht Keller direkt am Anfang, in welchem sozialen Milieu die Geschichte spielt. „Keller greift diesen ‚Fall? erneut auf und verhandelt ihn unter Bedingungen, auf die sein Zusatz ‚auf dem Dorfe ? verweist: bei ihm soll es sich um eine Liebestragödie unter Bauernkindern handeln.“4

Unter den Gesichtspunkten des sozialen Milieus, der Bedeutung von gesellschaftlichen Normen und Werten und der Schuldfrage in Gottfried Kellers „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ soll die folgende Analyse gestaltet werden. Die Analyse soll aufzeigen, welchen gesellschaftlichen Bedingungen, Normen und Werten die Personen unterworfen sind, und inwiefern diese das Handeln der einzelnen Personen bestimmen und beeinflussen. Hierbei soll vor allen Dingen die Frage geklärt werden, auf welche Art und Weise Manz und Marti beziehungsweise Sali und Vrenchen schuldig sind, und inwieweit die Gesellschaft dafür die Verantwortung trägt. Gottfried Kellers Novelle „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ besteht nicht aus einer einzigen, durchgehenden Erzählhandlung, sondern sie „trennt die beiden Handlungsstränge ‚Streit der Bauern? und ‚Liebe der Bauernkinder? in scharfem Schnitt fast in der Mitte der Novelle (48)“5. Als dritten Handlungsstrang kann man die Geschichte des „schwarzen Geigers“ ansehen. „Trotz dieser harten Brüche bewahrt die Erzählung ihre Einheit.“6 In der folgenden Analyse soll als erstes schwerpunktmäßig auf die Geschichte von Manz und Marti eingegangen werden. Der erste Unterpunkt beschreibt wie die beiden Bauern sich in die Gesellschaft einfügen bzw. welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen. Hiermit soll geklärt werden, was für Einstellungen, Eigenschaften und Wertvorstellungen Manz und Marti haben, und ob diese konform zur bürgerlichen Gesellschaft sind. Außerdem soll das Unrecht verdeutlicht werden, das die beiden Bauern durch den Landraub des dritten brachliegenden Ackers begehen. Im zweiten Unterpunkt werden die negativen Auswirkungen aufgezeigt, die der Landraub der Bauern verursacht hat. Auf welche Weise haben sich die beiden Bauern charakterlich und im Bezug auf ihre gesellschaftliche Stellung durch ihr begangenes Unrecht verändert? Im dritten Unterpunkt wird der Höhepunkt des Konflikts zwischen Manz und Marti beschrieben. Auf der einen Seite verdeutlicht dieser Unterpunkt die Schuld der beiden Bauern und stellt die Frage, ob sich die Bauern ihrer Schuld bewußt sind und sich die eigene Schuld eingestehen können. Auf der anderen Seite bildet er einen Übergang zum zweiten Teil der Analyse, nämlich der Geschichte der Bauernkinder Sali und Vrenchen. Durch den ersten Unterpunkt im zweiten Teilbereich der Analyse wird die Ausgangslage, in der sich Sali und Vrenchen befinden, dargestellt. Es soll geklärt werden, welche Position Sali und Vrenchen zu dieser Zeit innerhalb der Gesellschaft einnehmen, und ob sie selbst mitverantwortlich für ihre Lage sind. Im Weiteren wird die individuelle Schuld der Bauernkinder betrachtet. Auf welche Art und Weise machen sich Sali und Vrenchen schuldig? Der letzte Unterpunkt soll den Unterschied zwischen dem Leben, wie es sich Sali und Vrenchen wünschen, und dem Leben, wie es in der Realität in der Gesellschaft möglich ist, aufzeigen. Außerdem soll die Frage beantwortet werden, ob die Beiden wirklich den einzig möglichen Ausweg wählen und welche Bedeutung ihr Tod im Hinblick auf die gesellschaftlichen Normen und Werte hat. Die Geschichte des „schwarzen Geigers“ wird hier nicht im Einzelnen, sondern im Zusammenhang mit den beiden anderen Geschichten behandelt, da seine Geschichte eng mit denen von Manz, Marti, Sali und Vrenchen verbunden ist und diese stark beeinflußt. Wenn es bei den einzelnen Unterpunkten teilweise zu Überschneidungen kommt, ist dies durchaus beabsichtigt, da sie alle in einem engen Zusammenhang stehen. Im Schlußwort wird noch mal eine kurze Zusammenfassung über die wichtigsten Ergebnisse der Analyse gegeben und anschließend ein Fazit gezogen.

2. Die Bedeutung gesellschaftlicher Normen und Werte und die Schuldfrage in Gottfried Kellers „Romeo und Julia auf dem Dorfe“

2.1.1. Die Bauern Manz und Marti als Prototypen der Gesellschaft

[...]


1 Neumann, Bernd: Gottfried Keller. Eine Einführung in sein Werk. Königsstein, 1982, S. 129(Künftig zitiert als Neumann 1982).

2 Keller, Gottfried: Romeo und Julia auf dem Dorfe. Stuttgart : Philipp Reclam jun., 2000, S. 3 (künftig zitiert als Keller 2000).

3 Keller 2000, S. 3.

4 Neumann 1982, S. 129.

5 Hein, Edgar: Gottfried Keller. Romeo und Julia auf dem Dorfe: Interpretation/von Edgar Hein. – 2., überarb. u. erg. Aufl. – München: Oldenburg, 1988, S.22 (künftig zitiert als Hein 1988).

6 Hein 1988, S. 22.


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