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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 31 Pages
Author: Aleksander Szumilas
Subject: Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Details
Institution/College: Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg (Politische Wissenschaft)
Tags: Auseinandersetzung, Eric, Voegelin, Aspekt, Werkstatt, Biographie, Werke, Einflüsse, Arbeitsmethode, Autors, Hannah, Arendt, Raymond, Aaron, Eric, Voegelin, Produktion, Theorie
Year: 2003
Pages: 31
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34469-2
File size: 138 KB
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Excerpt (computer-generated)
Friedrich Aleksander Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Politische Wissenschaft
HS: Die Produktion Politischer Theorie
6. Semester
Auseinandersetzung mit Eric Voegelin unter dem Aspekt
der „Werkstatt“: Biographie, Werke, Einflüsse und
Arbeitsmethode des Autors
von: Aleksander Szumilas
1. Ansätze zur Auseinandersetzung mit Eric Voegelin 2
2. Biographie Eric Voegelins 3
2.1 Die Wiener Zeit (bis 1924) 4
2.2 Das Rockefeller Stipendium 1924-1927 5
2.3 Die Wiener Zeit (ab 1929) und die Emigration 6
2.4 Das Leben in den USA 7
3. Werk Eric Voegelins 9
3.1 Über die Form des Amerikanischen Geistes 9
3.2 Rasse und Staat und die Rassenidee in der Geistesgeschichte 10
3.3 Der autoritäre Saat 11
3.4 Die Politischen Religionen 12
3.5 Die Neue Wissenschaft der Politik 13
3.6 Order and History 14
4. Einflüsse 15
4.1 Persönlichkeiten vor Voegelins akademischen und intellektuellen Wirken 15
4.2 Persönlichkeiten aus Voegelins Umfeld 17
4.3 Politische Einflüsse 21
4.4 Korrespondenz 23
5. Arbeitsmethode Voegelins 24
5.1 Sprache als Analysekriterium 25
5.2 Einblick in Eric Voegelins Arbeitsweise 26
6. Resümee 28
Literaturverzeichnis: 30
1. Ansätze zur Auseinandersetzung mit Eric Voegelin
Eric Voegelin (1901-1985) nicht in die Reihe der großen philosophischen Denker des 20. Jahrhunderts zu zählen, würde weder seiner herausragenden Persönlichkeit, noch seinen einzigartigen Errungenschaften auf philosophischer und politologischer Ebene gerecht werden. Dennoch fällt der Name Eric Voegelin – vor allem was die Disziplin der Politikwissenschaft betrifft – nicht so häufig wie beispielsweise der des Karl Marx, sowie jene Namen der Vertreter der kritischen Theorie, Theodor Adorno, Herbert Marcuse, Jürgen Habermas oder der des Systemtheoretikers Nikl as Luhmann (die Biographien und das Wirken der vier letztgenannten Denker überschneiden sich mit Eric Voegelins schöpferischer Tätigkeit in zeitlicher Hinsicht). Zu diesem Sachverhalt trifft die Bezeichnung Michael Henkels auf Voegelin als „unbekannter Bekannter“1 eigentlich hervorragend zu. Einer der Gründe für diese Tatsache ist wohl die zunehmende Distanzierung Voegelins von Europa, die er nach der Emigration im Jahr 1938 in die USA teilweise auch bewusst vorantrieb; einerseits sah sich Voegelin als Amerikaner und der größte Teil seiner Werke wurde nur in englischer Sprache herausgegeben, andererseits vermied er es, sich an zeitgenössischen Debatten in der (deutschen) Politologie zu beteiligen. Jedoch darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass Voegelin mit der Gründung des politikwissensch aftlichen Instituts der Universität München Ende der fünfziger bzw. Anfang der sechziger Jahre einen entscheidenden Beitrag zur deutschen Politikwissenschaft leistete. Er bildete viele Schüler aus, welche heutzutage selbst durchaus zu einem Gelehrtenkreis auf se hr hoher Ebene gezählt werden können. Die Anfänge der intensiven Eric Voegelin Forschung, welche an der Univerity of Baton Rouge – wo Eric Voegelin sechzehn Jahr e lang lehrte – gelegt wurden, blieben nicht auf diese begrenzt. Auch die Hoover Institution an der Stanford University in Kalifornien hatte entscheidenden Anteil bei der Aufarbeitung seines Nachlasses. Anfang der 80er Jahre wurde eine wachsende Zahl von Werken Eric Voegelins ins Italienische übersetzt. Und in den 90er Jahren wuchs das Interesse in Europa noch an. So kann man durchaus das Center für Voegelin Studies in Manchester erwähnen, sowie die Classiefied Bibliographie Voegelins, die durch intensive Aufarbeitung unter der Initiative von Geoffrey Price herausgegeben wurde. Nach und nach wurden die Werke Eric Voegelins in verschiedene Sprachen übersetzt, so wie beispielsweise im Jahr 1992 die „New Science of Politics“ ins Polnische (nicht zuletzt durch das Ende des Kalten Krieges und den Verlust des Glaubens an ideologische Staats- und Gesellschaftsführungsmuster). Man darf dabei aber nicht aus den Augen verlieren, dass die Voegelin Forschung und die damit einhergehende kritische Auseinandersetzung mit dessen Oeuvre, vor allem in Deutschland, noch nicht vollständig ausgereift ist. Dies vermerkt auch Peter J. Opitz: „Verglichen mit den Initiativen in den Vereinigten Staaten befindet sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Philosophie Voegelins in Deutschland noch auf einem niedrigen Niveau – zumindest was den Umfang betrifft“.2
Das Ziel der folgenden Arbeit ist nicht ei ne Auseinandersetzung mit dem Lebenswerk Voegelins bzw. einem seiner Bücher, sondern eine Analyse des Wirkens und Lebens von Eric Voegelin unter dem Aspekt der „Werkstatt“. Dies impliziert seine Biographie, in dem Fall die „Stationen“, die er in seinem Leben durchlief (sowohl geographisch als auch intellektuell), eine kurze Zusammenfassung einiger seiner Werke, sowie di e Beziehung zu historischen Denkern (hier: Geisteswissenschaftler, die in zeitlichen Epochen vor Voegelin lebten ) und Einflüsse durch Gelehrte. 3 Einflüsse deshalb, weil eine beachtliche Anzahl wichtiger Persönlichkeiten im Leben des Eric Voegelin eine enorm gewichtige Rolle spielte, sowohl auf die Gestaltung seiner wissenschaftlichen Interessen hin, als auch auf seine theoretischen Ausarbeitungen, die er im Laufe seines Lebens entwarf; zu Recht vermerkt Tilo Schabert hierbei: „Denn Voegelin bei der Arbeit muss man sich vorstellen als Voegelin in seiner Werkstatt. Voegelin verfasste sein Werk allein. Doch er schuf es nicht allein“.4 Zuletzt soll schließlich noch kurz auf seine – wie wahrscheinlich bei jedem herausragenden intellektuellen Denker – eigenwillige Arbeitsmethode eingegangen werden. In diesem Sinne sollte das Vorhaben „Werkstatt“ unter einem erhellten Gesichtspunkt erscheinen.
2. Biographie Eric Voegelins
Die Biographie Eric Voegelins ist zweifelsohne einzigartig. Zu m einem ist hier die Wiener Zeit entscheidend, die vor allem in den 20e r und Anfang der 30er Jahre ein besonderes akademisches Umfeld bietet. Des weiteren ist die nächste prägende Situation der Amerikaaufenthalt von 1924 bis 1926, sowie die Station Frankreich 1926/27 und natürlich der Verbleib in Wien bis 1938, einschließlich seiner Emigration in die Staaten. Anschließend wird die die Integration sowie das Leben Voegelins als Amerikaner und das Arbeiten an verschiedenen amerikanischen Universitäten beschrieben.
2.1 Die Wiener Zeit (bis 1924)
Eric Voegelin wird am 3. Januar 1901 als Erich Hermann Wilhelm in Köln geboren. 1910 zieht seine Familie nach Wien. Schon in der Schule lernt er die Sprachen Englisch, Latein sowie Grundkenntnisse in Italienisch und - auf Initiative der Eltern hin- auch in Französisch. Ab 1919 nimmt der junge Voegelin sein Studium an der juristischen Fakultät der Universität Wien auf. Die Entscheidung für diesen Studiengang ist einerseits auf sein Interessensgebiet zurückzuführen, andererseits jedoch auf die finanzielle Situation; Voegelins Ziel ist ein Doktortitel, welcher in diesem Studienfach innerhalb von drei Jahren erreicht werden kann. Dennoch ist die ökonomische Situation für Voegelin nicht unbedingt wesentlich besser, als er 1922 mit seiner Dissertation Wechselwirkung und Gezweigung („Ich befasste mich mit dem Unterschied zwischen Simmels individualistischem und Spanns universalistischem Gesellschaftsentwurf“ 5 ) sein Studium beendet. Zu diesem beschreibt Jürgen Gebhard die damalige Situation der Studenten und Gelehr ten recht gut: „Die Verbindung von marginaler Existenz in der Profession und wissenschaftlicher Tätigkeit ohne jede materielle Absicherung war das übliche Schicksal des Nachwuchses an der alten Ordinarienuniversität, wo ein Privatdozent entweder über ein eigenes Vermögen verfügen oder reich heiraten sollte, um die Wartezeit zu seiner Berufung zu überleben“.6
Erstaunlich ist die kulturelle und vor allem intellektuelle Vielfalt, die Wien in den 20er Jahren bietet. So ist Wien der Geburtsort de r liberalen Grenznutzenschule von Carl Menger, der Psychoanalyse Sigmund Freuds, der universalistischen Lehre des Nationalökonomen und Philosophen Ottmar Spann und der „Reinen Rechtslehre“ durch Hans Kelsen; Spann und Kelsen sind die Doktorväter Voegelins und vor allem zu letztgenannten fühlt Voegelin sich intellektuell besonders hingezogen. Nicht zu vergessen sind die Diskussionszirkel, an denen Voegelin oft und gerne teilnimmt, z.B. dem Privatseminar Ottmar Spanns, Kelsens und Ludwig van Mises, so wie dem „Geist-Kreis“, der sich einmal im Monat zusammenfindet um über verschiedene philosophische Themen zu diskutieren, hierzu Voegelin selbst:
[...]
1 Henkel, Michael: Eric Voegelin zur Einführung, Junius Verlag GmbH, 1 Aufl. Hamburg, 1998 , S.7
2 Opitz, Peter J., Vorwort in: Voegelin , Eric: Autobiographische Reflexionen, Wilhelm Fink Verlag, München 1994, S.8
3 an dieser Stelle soll vermerkt werden, dass lediglich eine kleine Auswahl an Intellektuellen zur detaillierteren Aufarbeitung erfolgt
4 Schabert, Tilo: "Die Werkstatt Eric Voegelins", in: Zeitschrift für Politik, Heft 1, Jahrgang 46, März 2002 , S.83
5 Voegelin, Eric: Autobiographische Reflexionen, Wilhelm Fink Verlag, München 1994, S.44
6 Gebhardt, Jürgen: Zwischen Wissenschaft und Religion, Zur intellektuellen Biographie E. Voegelins in den 30er Jahren, in: Graf Ballestrem, Karl/Gerhardt, Volker/Ottman Henning/ Thomson P. Martyn (Hrsg.): Politisches Denken, Jahrbuch 1995/1996, S. 284f
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