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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 32 Pages
Author: Stefan Heumann
Subject: Politics - International Politics - Region: Near East, Near Orient
Details
Institution/College: University of Regensburg
Tags: Potenzial, Nahen, Osten, Nahost-Konflikt
Year: 2004
Pages: 32
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 21 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34558-3
File size: 712 KB
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Excerpt (computer-generated)
Universität Regensburg
Internationale Politik und transatlantische Beziehungen
Hauptseminar: Der Nahost-Konflikt
Fachsemester: 4
Öl als strategisches Potenzial im Nahen Osten
von: Stefan Heumann
Einpassung der Thematik/Vorgehensweise 3
Die Positionierung der Nahostregion im internationalen Markt 5
Öl als Vermittler zwischen Tradition und Moderne 7
Öl und Herrschaftslegitimation 8
Neue Herausforderungen 10
Öl als Gegenstand regionaler Kooperation 13
Das „Erzeugerkartell“ 14
Die Grenzen von Kooperation 15
Erfolgreiche Preispolitik? 17
Neue Chancen 21
Öl als Mittel außenpolitischer Einflussnahme 22
17. Oktober 1973, Dependence Day 22
Die Konflikte 23
Versuche volkwirtschaftlicher Emanzipation 25
Öl als Katalysator von Kooperation? 26
Ergebnisse 29
Literatur 31
Einpassung der Thematik/Vorgehensweise
Der strategische Charakter der Ressource Öl resultiert aus der ungleichen Verteilung von geologisch determinierten Vorkommen auf der einen und wirtschaftsstrukturell determinierten Verbrauchsmustern auf der anderen Seite. In der Praxis stellt sich diese Konstellation vor allem als ein Gegenüber der ressourcenreichen Region des Persischen Golfs und den hoch entwickelten Mitgliedstaaten der OECD – allen voran Top-Verbraucher USA – dar. Wenn in der öffentlichen Diskussion von den Ölvorkommen des Nahen Osten die Rede ist, dann fallen häufig einseitig – und beinahe westlich-narzisstisch – die bekannten Bedrohungsszenarien: Ölembargo 1973, zweiter Ölpreisschock im Zuge der islamischen Revolution 1979, das „Erzeugerkartell“ OPEC als Preistreiber. Vermeintlich kritische Stimmen halten dagegen und formulieren angesichts des Zweiten und Dritten Golfkriegs Parolen wie „Kein Blut für Öl!“ Was in all diesen plakativen Äußerungen auffällig kurz kommt ist eins: eine nahöstliche Perspektive. Hier will diese Arbeit ansetzen. Aus einem strikt nahostzentrierten Blickwinkel soll die Bedeutung ausgeleuchtet werden, die die Kontrolle über ein auf globaler Ebene derart nachgefragtes Gut für die Besitzerstaaten mit sich bringt. Welche Potentiale eröffnet die Lokalisation von enormen Ölreserven den dort ansässigen Staaten? In diesem Zusammenhang müssen selbstverständlich auch die gängigen Themen OPEC und die vermeintlichen ressourcenpolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und den Golfstaaten angebracht werden. Hinzu kommt aber die Frage nach den Auswirkungen, die der Ölhandel auf das Verhältnis der dort ansässigen Staaten und Gesellschaften hat. Diese Thematik wird nach einem kurzen einführenden Überblick über die Stellung des Nahen Osten auf dem internationalen Ölmarkt auch gleich als erstes behandelt. Im Anschluss wird gefragt, in welchen Rahmenbedingungen die ölbezogene Kooperation der nahöstlichen Staatenwelt im Rahmen der OPEC stattfindet. Wie erfolgreich war die OPEC bei der Durchsetzung ihrer Macht und damit beim Erreichen ihres Primärziels „hohes Preisniveau“. In diesen beiden Abschnitten sollen auch kurze Ausblicke gegeben werden auf mögliche künftige Entwicklungen. Der letzte Abschnitt befasst sich dann mit dem Verhältnis zwischen den Industrienationen und den Golfexporteuren. Es werden auf Seiten der Industriestaaten zwar am Beispiel der USA die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt, die auch das Ölembargo 1973 ermöglicht haben. Bereits die Überschrift des Kapitels macht jedoch die Annahme deutlich, dass die Abhängigkeit der westlichen Welt von den Ölexporten der Nahostregion nicht nur zum zerstören von zwischenstaatlichen Beziehungen eingesetzt werden kann.
Die Diskussion, die aktuell in der wissenschaftlichen Fachliteratur geführt wird, war für die hier untersuchte Problematik nur begrenzt fruchtbar zu machen. Im Mittelpunkt der Diskurse stehen insbesondere die erneuerte Produzentenrolle Russlands und die Auswirkungen, die dessen Erstarken auf die Beziehungen zwischen den USA und Saudi Arabien haben könnte. Dieser Aspekt ist nur ein – wenngleich nicht zu vernachlässigender – Gesichtspunkt des aktuellen strategischen Charakters der Ressource Öl. Die Thematik ist jedoch noch zu jung und zu spekulativ, um hier Anwendung zu finden. Von weit größerer Bedeutung für diese Arbeit war aber statistisches Datenmaterial, das sowohl marktstrukturelle Aspekte wie auch das Verhalten der beteiligten Nationalstaaten gut nachvollziehbar macht. Vor allem der OPEC Annual Statistical Bulletin (abrufbar im Internet unter www.opec.org) bietet ein wahres Sammelsurium ölbezogener Daten. Ebenfalls im Internet ist der jährlich erscheinende BPAmoco Statistical Review of World Energy (www.bpamico.com/worldenergy), der den Markt aus der zumindest politisch etwas unbefangeneren Sicht eines privaten Ölkonzerns analysiert. Ein Vergleich beider Datenquellen lohnt durchaus, da sich zum Teil deutliche Unterschiede in der Datenlage zeigen. Die Regierung der USA stellt über die Energy Information Administration (www.eia.doe.gov) neben Informationen zu nahezu allen energierelevanten Themenkomplexen auch energierelevantes Datenmaterial für die Vereinigten Staaten zur Verfügung. Hilfreich war auch die auf der Web-Site des Weißen Hauses veröffentlichte National Energy Policy der National Energy Policy Development Group um den US-amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney aus dem Jahr 2001, eine Art Agenda, mit deren Hilfe der wachsenden energiewirtschaftlichen Abhängigkeit der Vereinigten Staaten begegnet werden soll. Ein Artikel von Marin Beck („Die Bedeutung des Erdöls für Konflikt, Kooperation und Gewalt in der Golfregion“) bot Hilfe bei der Gliederung der Thematik. Außerdem war vor allem das Buch „The Politics of Oil-Producer Cooperation“ des norwegischen Wissenschaftlers Dag Harald Claes wertvoll, in dem er sich detailliert mit der OPEC und ihrer Rolle auf dem Markt auseinand ersetzt.
Die Positionierung der Nahostregion im internationalen Markt
Obgleich entwicklungstheoretisch eher peripher angesiedelt, ist die Nahostregion – im Speziellen die Region um den Persischen Golf – von der natürlichen Entwicklung durchaus begünstigt worden. Der Persische Golf ist das Öllager der Zukunft. Die fünf Staaten mit den global größten bewiesenen Ölreserven sind unmittelbar um das Meerbecken angesiedelt: Iran, Irak, Kuwait, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Region wurde unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg, der ein künftiges Ansteigen des Energiebedarfs erwarten ließ, erschlossen. Nachdem die Siegermächte Frankreich, England und die USA die Region unter sich aufgeteilt hatten, begann mit der Phase der internationalen Ölfirmen eine Phase ressourcenpolitischer Fremdbestimmung. Allein die seven sisters Exxon, Mobil, Standard Oil of California, Texaco, Gulf (all American), British Petroleum (BP) und Royal Dutch/Shell kontrollieren im Jahr 1953 außerhalb der Vereinigten Staaten 95,8 Prozent der Reserven, 90,2 Prozent der Produktion, 75,6 Prozent der Verarbeitung zu Fertigerzeugnissen und 74,3 Prozent des Verkaufs.1 Die Ölfirmen, die in den 30er und 40er Jahren im Irak (Iraq Petroleum Company, 1928), in Saudi Arabien (Arabian American Oil Company, 1933), Kuwait (Kuwait Oil Company, 1934) und anderen Golfstaaten gegründet wurden, trugen zwar nominell die Namen der Gastländer, waren jedoch kaum mehr als lokale Ableger der seven sisters. Erst nach der Gründung der OPEC 2 erhalten die Golfstaaten ihre ressourcenpolitische Selbstbestimmung. Seitdem spielt die Region eine wichtige Rolle – nicht nur in der globalen Energieversorgung, sondern auch in den strategischen Kalkülen der westlichen Industrienationen. In den fünf oben ge nannten Staaten sind beinahe zwei Drittel der globalen bewiesenen Ölvorräte konzentriert. Darunter ist mit Saudi Arabien der Staat, der allein 25 Prozent der globalen Vorräte beherbergt. Der Umfang der Vorräte ist entgegen gängiger Meinungen (noch) nicht begrenzt. Der Einsatz von Kapital in die Exploration und Erschließung von Ölfeldern können weitere Lager freilegen. Die Frage, wo diese Investitionen getätigt werden, beantwortet sich aus der Qualität des Öls und den Förderkosten. Auch in diesem Zusammenhang darf sich die Golfregion als durchaus privilegiert betrachten. Die off-shore-Reserven der Golfregion sind um ein Vielfaches günstiger zu erschließen und zu fördern als bspw. die onshore- Reserven im Landesinneren Russlands oder in Amerika. Diese Tatsache und die hervorragende Qualität machen das Persische Golföl zum profitabelsten überhaupt und begünstigen auch künftige Investitionen vor allem in dieser Region. Es ist also zu erwarten, dass die Golfregion zumindest bzgl. der Ölvorkommen ihre Dominanz weiter wird ausbauen können, während die Vorräte vor allem in Nordamerika langsam zur Neige gehen.
[...]
1 Organization of Petroleum Exporting Countries
2 vgl. dazu CLAES (2001), S. 54
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