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Termpaper, 2004, 17 Pages
Author: B.A. Yvonne Hoock
Subject: German Studies - Miscellaneous
Details
Tags: Umbruch, Reiseberichterstattung, Bougainvilles, Reise, Welt
Year: 2004
Pages: 17
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 16 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34628-3
File size: 236 KB
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Excerpt (computer-generated)
Umbruch in der Reiseberichterstattung –
Bougainvilles Reise um die Welt
von: Yvonne Hoock
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Bougainville und die Reise um die Welt 2
2.1 Geistige Vorbildung und praktische Nachprüfung 2
2.2 Die Reise bis Tahiti 3
2.3 Aufenthalt auf Tahiti 4
2.3.1 Kulturkontakt 5
2.3.2 Südseemythos 5
2.3.3 Darstellungsweise 6
2.4 Aoturu 7
2.4.1 Sprache 8
3. Dialektik 9
3.1 Natur vs. Kultur 9
3.2 Edler Wilder vs. Barbar 10
3.2.1. Exkurs: Georg Forsters „Tahitischer Fresser“ 11
4. Interkulturalität 12
4.1 Eigenes und Fremdes 12
5. Schlussbetrachtung 13
6. Literaturangaben 14
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit über Louis-Antoine de Bougainvilles Reisebericht Reise um die Welt möchte ich mich zuerst mit dem Text selbst beschäftigen, um von dieser Basis aus theoretische Überlegungen zu entfalten. Dabei möchte ich mich besonders der Beschreibung Tahitis und der darin erkennbaren kulturellen Muster und Denkweisen widmen. Im Rahmen dieser Beobachtungen werde ich den Ablauf eines, wie im Text beschriebenen, europäischüberseeischen Kulturkontaktes, die Darstellung des Südseemythos und die literarischen Darbietungsweise Tahitis durch den Autor erläutern. Danach werde ich auf Aoturu und dessen Funktion in Bougainvilles Reisebericht eingehen. Bei der Beschreibung Aoturus möchte ich mich kurz der Sprache widmen, einem wichtigen Element im Prozess des Wahrnehmens und Verstehens der kulturellen Alterität. Die Sprache kann in diesem Text sowohl auf der Ausdrucks-, als auch auf der Inhaltsebene analysiert werden. Ich lasse allerdings die Sprache des Autors außen vor (auf diese wird kurz bei der Beschreibung des Südseemythos eingegangen) und werde hauptsächlich die Sprache der Wilden, bzw. Aoturus als wissenschaftliches Studienthema des Autors behandeln. Mit diesen Erkenntnissen möchte ich im Anschluss in einer Diskursanalyse wichtige Leitdiskurse der französischen Revolution und Aufklärung deren Gegendiskursen gegenüberstellen, damit die Dialektik in Bougainvilles Beschreibungen erkennbar wird. So gehe ich z. B. auf den Gegensatz und die Beziehung zwischen, Natur und Kultur/Zivilisation, Homme Naturel und Homme Artificiel und Edlem Wildem und Barbar ein.
Zum Schluss möchte ich, anhand der bis dorthin gewonnenen Ergebnisse, auf die Beziehungen zwischen Fremd- und Selbstbild eingehen und erläutern, wie sie den Umgang mit der Alterität und die Interkulturalität – auch in der Literatur - bestimmen. Den ersten Kontakt zu diesen Themenkomplexen haben mir die Werke von Bitterli und Kohl eröffnet. Zur Vertiefung und insbesondere bei der Bearbeitung der Dialektik und der Diskursanalyse habe ich mich dann eingehend mit Fludernik, Haslinger und Kaufmann (Der Alteritätsdiskurs des Edlen Wilden) beschäftigt und deren Ansätze in dem interkulturellen Teil der Arbeit mit Thum und Wierlacher auf theoretischer Ebene teilweise ergänzt. In der Schlussbetrachtung werde ich noch einige Ansätze des Kulturphilosophen Cassirer mit einfließen lassen, um insbesondere den Mythos im Reisebericht Bougainvilles verständlicher zu machen. Am Ende dieser Hausarbeit soll dann klar und deutlich erscheinen, dass sich durch und mit Bougainville ein Umbruch in der Reiseberichterstattung vollzogen hat.
2. Bougainville und die Reise um die Welt
Bougainvilles Reisebericht Reise um die Welt entstand aus dem während der Fahrt regelmäßig geführten Bordtagebuch1, das nach dem Abschluss der Reise noch überarbeitet wurde. Man muss also bei der gesamten Lektüre und Analyse des Reiseberichts beachten, dass hier selektierte Informationen vorliegen.
Mit Bougainville und seiner Weltumseglung begann das Zweite Entdeckungszeitalter, in dem die Ziele der Reisen durch Forschungsaufträge und Instruktionen exakt festgelegt waren. Neben einer politischen Aufgabe - der Rückgabe der Falklandinseln an Spanien - ging es zum Ersten um den friedlichen Kontakt mit den Eingeborenen („wir waren ihnen zu sehr überlegen, um sie zu strafen“)2. Durch eine harmonische und tolerante Atmosphäre versprach man sich dann zum Zweiten mehr Erfolg bei den wissenschaftlichen Arbeiten, die man auf den fremden Inseln aufnehmen wollte3. Die wissenschaftlichen Forschungen (hier neben politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Motiven wie Handel und Seemacht in den Vordergrund gerückt) beinhalteten Aktivitäten auf verschiedenen Sektoren wie der Seefahrt, Geografie, Ökologie, Bio- und Zoologie, Agrarwissenschaft, Ethnologie, Astronomie, Medizin und Mathematik, deren Ergebnisse später z. B. in der ‚Royal Society’ und anderen Gelehrtenkreisen ausgewertet und diskutiert werden sollten. Dazu nahm Bougainville als erster Seefahrer die dafür zuständigen Spezialisten mit an Bord, z. B. den Astronom Verron oder den Arzt Commerson4. Und auch Bougainville selbst war sehr gebildet. Aus dem gehobenen Bürgertum stammend, war es ihm möglich zuerst Jurisprudenz und Antike in Paris zu studieren und sich später der Mathematik und Physik zuzuwenden. 1755/56 veröffentlichte er zwei Bände über Integralrechnung, die zu seiner Aufnahme in die britische ‚Royal Society of London’ führten – um nur kurz anzudeuten in welchen intellektuellen Kreisen er sich bewegte. Deshalb ist es nicht wunderlich, dass er mit den wissenschaftlichen Diskursen seiner Zeit wohl vertraut war und diese bei seinen Betrachtungen der Südsee im Hinterkopf hatte, z.B. die Schriften von Rousseau und Montesquieu5.
2.1 Geistige Vorbildung und praktische Nachprüfung
Diesem Zwiespalt zwischen der kulturellen Vorbildung - seinem kulturellen Erbe, z. B. durch Aufklärung oder die Denkweisen seiner Zeit geprägt - und den praktischen Beobachtungen vor Ort, war sich Bougainville durchaus bewusst und er nimmt dazu auch Stellung. Als er während seiner Reise entdecken musste, dass die weitläufige Meinung es gäbe einen Südkontinent (terra australis) als Ausgleich zur Erdmasse auf der Nordhalbkugel, nicht zu beweisen ist, kommentiert er dies folgendermaßen: “Ich weiß nicht, worauf die Geografen sich gründen, wenn sie zu Ende dieser Inseln eine Küste festen Landes anzeigen […] Ich will nicht leugnen, dass sich eine solche Menge niedriger und fast unter Wasser liegender Inseln nicht wohl ohne ein in der Nähe liegendes großes festes Land gedenken lässt. Aber die Geografie setzt wirkliche Dinge zum Grunde, man darf hier nicht in seinem Zimmer nach der Wahrscheinlichkeit schließen, ohne in die größten Irrtümer zu fallen“ (S. 162). Man sieht eindeutig, dass für ihn eine kritische Nachprüfung der vorgefassten Meinung oberste Priorität war6 – auch wenn er dadurch seine eigenen Ansichten in Frage stellte oder sogar desillusionierte. Die alten Denkmuster und Paradiesvorstellungen vermischt mit neuen geistigen Haltungen zur Alterität und den praktischen Beobachtungen vor Ort, ergeben eine Dialektik, die sich im Laufe dieser Hausarbeit noch öfter aufzeigen lässt.
2.2 Die Reise bis Tahiti
[...]
1 Hanke -El Ghomri, Gudrun: Tahiti in der Reiseberichtserstattung und in den literarischen Utopien Frankreichs gegen Ende des 18. Jahrhunderts. In: Reihe Sprach- und Literaturwissenschaften. Band 31. München 1991. S.33-35, 46-50.
2 Vgl. Bougainville, Louis-Antoine de: Reise um die Welt. Durch die Inselwelt des Pazifik. 1766 – 1769. In: Brennecke, Detlef (Hg.): Edition Erdmann. Stuttgart 2002. S. 237. Die folgenden Zitate mit Seitenangabe in Klammern beziehen sich auf diese Ausgabe.
3 Bitterli, Urs: Die „Wilden“ und die „Zivilisierten“. Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der europäisch-überseeischen Begegnung. München 1976. S. 28-30, 34.
4 Bitterli, Urs: Alte Welt – neue Welt. Formen des europäis ch-überseeischen Kulturkontakts vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. München 1986. S. 186-191.
5 Kohl, Karl-Heinz: Entzauberter Blick. Das Bild vom Guten Wilden und die Erfahrung der Zivilisation. Berlin 1981. S. 202-206.
6 Bitterli (1976). S. 28, 31/32.
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