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1860-1914 / Europa zwischen Liberalismus und Protektion

Seminararbeit, 2004, 19 Seiten
Autor: Sebastian Schmidt
Fach: Wirtschaft - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Details

Institution/Hochschule: Universität Hamburg
Tags: Europa, Liberalismus, Protektion
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 20  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V34455
ISBN (E-Book): 978-3-638-34667-2
ISBN (Buch): 978-3-638-76174-1
Dateigröße: 282 KB
Anmerkungen :
Die Arbeit befasst sich detailliert mit der Phase des Europäischen Freihandels und den Gründen für die Rückkehr zum Protektionismus nach 1879.


Zusammenfassung / Abstract

Gegenstand dieser Arbeit ist eine Untersuchung der Außenwirtschaftsbeziehungen zwischen den in Industrialisierung befindlichen europäischen Staaten. Die Untersuchung gliedert sich dabei in einen deskriptiven und einen analytischen Teil. Der deskriptive Teil beinhaltet eine Beschreibung der – unter obiger Vorgabe wirtschaftsgeschichtlich relevanten - Ereignisse der betrachteten Epoche. Aufgrund der Komplexität der nationalen und internationalen Wirtschaftspolitik und der Vielzahl von gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Strömungen, wird sich diese Arbeit hauptsächlich auf die globalen Zusammenhänge konzentrieren. Als Erkenntnisobjekt wird dabei die Entwicklung in Frankreich und Deutschland im Vordergrund und die englische Entwicklung als Referenzobjekt zur Verfügung stehen. Eine Betrachtung der Verhältnisse und Entwicklungen in anderen Ländern soll lediglich stichprobenartig und nur dort erfolgen, wo dadurch ein Erkenntnisgewinn in Bezug auf den analytischen Teil zu erwarten ist. Letzterer wird sich mit der Frage auseinandersetzen, warum nahezu alle Staaten Europas5 nach einem – in historischen Dimensionen - sehr kurzen liberalen Intermezzo zu maßgeblich protektionistischer Außenhandelspolitik zurückgekehrt sind und welche wirtschaftlichen, institutionellen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren dafür verantwortlich waren.


Textauszug (computergeneriert)

1860-1914 / Europa zwischen Liberalismus und Protektion

von: Sebastian Schmidt

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung  4

2. Ausgangslage 5

3. Europäischer Liberalismus  5

3.1. Der Britisch-Fränzösische Handelsvertrag von 1860 7
3.2. Die Ausdehnung des Systems bilateraler Verträge  8
3.3. Freihandel in Europa  9

4. Rückkehr zum Protektionismus  10

4.1. Agrarsektor  11
4.2. Transportkosten 13
4.3. Industrie 13
4.4. Imperialistische Expansion  15
4.5. Sonstige Einflussfaktoren 16

5. Schlussbemerkung 17

6. Tabellenverzeichnis 18

6.1. Tabelle 1 – Teilnahme am europäischen Liberalismus  18
6.2. Tabelle 2 – Durchschnittliche Höhe der Zölle in Europa 1914:  18

7. Literaturverzeichnis  19


 

1. Einleitung

Gegenstand dieser Arbeit zum Thema „Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts – Zwischen Liberalismus und Protektion“ ist eine Untersuchung der Außenwirtschaftsbeziehungen1 zwischen den in Industrialisierung befindlichen europäischen Staaten. Die Untersuchung gliedert sich dabei in einen deskriptiven und einen analytischen Teil. Der deskriptive Teil beinhaltet eine Beschreibung der – unter obiger Vorgabe wirtschaftsgeschichtlich relevanten - Ereignisse der betrachteten Epoche 2. Aufgrund der Komplexität der nationalen und internationalen Wirtschaftspolitik und der Vielzahl von gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Strömungen3, wird sich diese Arbeit hauptsächlich auf die globalen4 Zusammenhänge konzentrieren. Als Erkenntnisobjekt wird dabei die Entwicklung in Frankreich und Deutschland im Vordergrund und die englische Entwicklung als Referenzobjekt zur Verfügung stehen. Eine Betrachtung der Verhältnisse und Entwicklungen in anderen Ländern soll lediglich stichprobenartig und nur dort erfolgen, wo dadurch ein Erkenntnisgewinn in Bezug auf den analytischen Teil zu erwarten ist. Letzterer wird sich mit der Frage auseinandersetzen, warum nahezu alle Staaten Europas5 nach einem – in historischen Dimensionen - sehr kurzen liberalen Intermezzo zu maßgeblich protektionistischer Außenhandelspolitik zurückgekehrt sind und welche wirtschaftlichen, institutionellen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren dafür verantwortlich waren.

2. Ausgangslage

Im betrachteten Zeitraum befinden sich die Staaten Europas mitten in der Industriellen Revolution, die in Großbritannien Anfang des 18. Jahrhunderts begonnen hatte. Da es sich bei den weitreichenden Umwälzungen dieser Revolution nicht – wie der Name vielleicht vermuten lässt - um einige wenige einschneidende Ereignisse handelte, sondern vielmehr um eine langfristige Entwicklung, lassen sich die Daten des Beginns in den einzelnen Ländern nur schwer fixieren. Bei Rostow findet sich eine Abgrenzung, nach der die Industrielle Revolution in Großbritannien zwischen 1783 und 1802 begann, in Frankreich (1830-1860), Belgien (1833-1860), USA (1843-1860) und Deutschland (1850-1873) dagegen 47 bis 67 Jahre später6. Landes stellt fest, dass „Die schnellsten der europäischen Nachfolgerländer .. etwas mehr als ein Jahrhundert…“ brauchten, um ihren Rückstand aufzuholen7. Als ein weiterer Indikator des stark divergierenden wirtschaftlichen Entwicklungsstandes kann das Pro-Kopf-Einkommen herangezogen werden, das in Europa um 1860 zwischen 200 USD (zu Preisen von 1960) im Falle Russlands und 630 USD in Großbritannien lag8. Diese Beispiele zeigen, dass die jeweiligen Staaten Europas an den Fortschritten in der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, im Lebensstandard, im Transportwesen aber auch in Gesellschaftsbereichen wie Bildung, Wissenschaft und Forschung in ganz unterschiedlichem Maße partizipierten. Diese Feststellung der mangelnden Konvergenz wird für den Fortgang der Arbeit, insbesondere im Abschnitt über die Rückkehr zum Protektionismus, von besonderer Bedeutung sein.

3. Europäischer Liberalismus

Eine präzise Abgrenzung von Liberalismus und Protektion erscheint im politischen Kontext schwierig9, da der Übergang durchaus fließend sein kann. Zwar bemerkt Joosten10, dass die Ziele der Liberalisten klar wirtschaftlich, die der Protektionisten hingegen oftmals politisch orientiert sind, eine derart strikte Trennung kann aber für den betrachteten Zeitraum nicht aufrecht erhalten werden11.

[...]


1 Der Liberalismus-Begriff soll hierbei ausdrücklich auf Bestandteile der Politischen Ökonomie und insbesondere auf die (politisch geprägten) Handelsbeziehungen zwischen den Nationalstaaten reduziert werden. Dies wird jedoch keineswegs allen Implikationen des Liberalismus-Gedankens gerecht. I.F. soll die Verwendung des Ausdrucks „Liberalismus“ denn auch synonym mit „Freihandel“ gebraucht werden.

2 Eine vollständige Betrachtung ist schon aus formalen Gründen an dieser Stelle nicht möglich. Es sei jedoch auf eine Vielzahl umfassender Ausarbeitungen über alle für die Epoche bedeutenden Staaten in der Literatur verwiesen. Z.B. „Die Entwicklung der industriellen Gesellschaften“ in „Europäische Wirtschaftsgeschichte“, Gustav Fischer Verlag (1977), Stuttgart.

3 Der betrachtete Zeitraum fand nicht umsonst unter vielen verschiedenen Titeln Eingang in die Geschichtsschreibung. Beispielsweise nennt man die Epoche (oder Teile davon) „Zeitalter des Imperialismus“, „Gründerzeit“, „Blütezeit des Hochkapitalismus“, „Erste Welle der Globalisierung“ oder „Epoche der Demokratisierung der Massen“.

4 Im Sinne der Betrachtung der wichtigsten Industriestaaten.

5 Ausnahmen bilden nach herrschender Meinung lediglich Großbritannien, Holland, Belgien und die Schweiz. Siehe hierzu z.B. Pollard, Sidney "The Rise of Neo-Mercantilism - 1870 to 1914" in "The Industrialisation of Europe 1760 - 1970" S. 259, Oxford University Press (1995), Oxford

6 Rostow, Walt W. “Stages of Economic Growth: A non-communist manifesto” S.38, Cambridge University Press (1960), Cambridge

7 Landes, David S. “Wohlstand und Armut der Nationen” S.247, Siedler Verlag (1999), Berlin (1999)

8 Bairoch, Paul "European Trade Policy 1815-1914" in "The Cambridge Economic Hostory of Europe" Bd.8, S.37, Cambridge University Press (1989), Cambridge

9 „Echter“ Liberalismus würde in Außenhandelsfragen das Nicht-Vorhandensein jeglicher Handelshemmnisse bedeuten. Dieser Zustand ist aber in der Realität selten, allerhöchstens für Teilmärkte und zwischen wenigen Staaten, zu beobachten.

10 Joosten, Hugo H. "Vom Freihandel zum Schutzzoll – Vom Wandel der Wirtschaftideologie in Großbritannien“ S.XIV, Verlag Theodor Müller (1933), Nordhausen

11 So wird beim ersten signifikanten Liberalisierungsakt der Geschichte, nämlich der Unterzeichnung des Britisch-Französischen Handelsabkommens von 1860 auf Seiten Napoleons III. eine politische Motivation unterstellt. Bairoch, P. „European Trade Policy“, a.a.O., S. 38


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