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Sozialbedingte Sprachbarrieren in der Schule. Die Theorie von Basil Bernstein

Hauptseminararbeit, 2004, 16 Seiten
Autor: Snejana Iovtcheva
Fach: Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwiss.

Details

Veranstaltung: Hauptseminar: Allgemeine und germanistische Soziolinguistik
Institution/Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Deutsches Institut)
Tags: Sozialbedingte, Sprachbarrieren, Schule, Theorie, Basil, Bernstein, Hauptseminar, Allgemeine, Soziolinguistik
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 16
Note: sehr gut (1)
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V34461
ISBN (E-Book): 978-3-638-34671-9

Dateigröße: 283 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Darstellung eines der Teilgebiete der Soziolinguistik, nämlich die Erforschung des schichtenspezifischen Sprachverhalten und die existierenden Kommunikationshemmungen zwischen den verschiedenen Schichten einer Gesellschaft. Mitte der 50er und Anfang der 60er Jahre des 20 Jahrhunderts begann das Interesse zu diesem Thema zu wachsen und erfuhr einen regelrechten Boom in den 70er Jahren. Die bildungspolitische Situation weltweit fand zu dieser Zeit ihren Ausdruck in Schlagwörtern wie ‚Mobilisierung der Bildungsreserven’, ‚Chancengleichheit’, ‚kompensatorische Erziehung’ und ähnlichen. Die vorliegende Arbeit behandelt die Ansätze des britischen Bildungssoziologen Basil Bernstein - die s.g. „Theorie der linguistischen Codes“, auch bekannt als „Defizit-Hypothese“. Dazu ist vorab anzumerken, dass Bernstein zwischen 1958 und 1972 etwa 30 Aufsätze verfasst hat, in denen er stets den Grundgedanken seiner Theorie definitorisch und konzeptuell modifiziert hat. Somit wird hier keineswegs der Anspruch erhoben, die Konzeption von Bernstein komplex und vollständig zu erfassen. Dennoch wird versucht, die wesentlichsten Ergebnisse seiner empirischen Arbeiten, wichtigsten Hypothesen, und theorethischen Verhältnis zur Relativitäts- oder „Sapir-Whorf-Hypothese“, darzustellen. Behandelt werden die Merkmale des sozialbedingten Spracharten (Codes), die Rolle der Kommunikationsweise innerhalb sozialer Schicht und Famile, sowie die Rolle der sozialen Kontrolle innerhalb Schicht und Familie. Zusätzlich werden die Konsequenzen auf Schulerfolg und Wirksamkeit von kompensatorischen Erziehung diskutiert.


Textauszug (computergeneriert)

Sozialbedingte Sprachbarrieren in der Schule.
Die Theorie von Basil Bernstein

von: Snejana Iovtcheva

 


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung Seite 3

2. Basil Bernsteins Theorie schichtenspezifischen Sprachverhaltens Seite 5

3. Bernstein und die Saphir-Whorf-Hypothese Seite 6

4. Erste Phase der Theorie Bernsteins 1958-1962 Seite 7

4.1 Empirische Untersuchungen Seite 7
4.2 Merkmale der sprachlichen Kodes Seite 8

5. Bernsteins Erklärung der Sprachkodes aus der Sozialstruktur Seite 8

5.1 Die Beziehung zwischen Kognition und sozialer Schicht Seite 8
5.2 Offene und geschlossene Kommunikationssysteme Seite 9
5.3 Status - und personen-orientierte Familien Seite 10
5.4 Die Rolle der sozialen Kontrolle innerhalb der beiden Familientypen Seite 11

6. Der Einfluss der Herkunftsfamilie auf den Schulerfolg der Kinder Seite 13

7. Die kompensatorische Erziehung Seite 14

8. Zusammenfassung Seite 16

9. Literaturverzeichnis Seite 17


 

1. Einleitung

Die Soziolinguistik ist eine relativ neue Wissenschaft, die sich erst nach dem 2. Weltkrieg entfaltete und ihren deutlichen Höhepunkt in den 60er bis Mitte der 70er Jahren erreichte. Begriffen als Teildisziplin der Linguistik, beschreibt die Soziolinguistik die sprachlichen Gegebenheiten, die auf Gesellschaftliches zurückzuführen sind.1 Mit anderen Worten formuliert, untersucht die Soziolinguistik die Beziehungen zwischen der Sprache und der gesellschaftlichen Gruppenzugehörigkeit von Sprechern und Hörern,2 d.h. die Sprache als soziales Phänomen.3

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Darstellung eines der Teilgebiete der Soziolinguistik, nämlich die Erforschung des schichtenspezifischen Sprachverhalten und die existierenden Kommunikationshemmungen zwischen den verschiedenen Schichten einer Gesellschaft. Das Problem des Zusammenhangs zwischen Sprache und sozialer Schicht wurde schon in Arbeiten aus den 19. Jahrhundert erkannt. So weist Peter Martin Roeder darauf hin, dass schon in den Arbeiten von Degerando 1847 bemerkt wurde, „dass die Kinder der Wohlhabenden mehr Worte und weniger Handlungen, die der Armen mehr Handlungen und weniger Worte verstünden“4. Wissenschaftlich hat man sich aber viel später auf diesem Gebiet bemüht. Insbesondere Mitte der 50er und Anfang der 60er Jahre des 20 Jahrhunderts begann das Interesse zu diesem Thema zu wachsen und erfuhr einen regelrechten Boom in den 70er Jahren. Die bildungspolitische Situation weltweit fand zu dieser Zeit ihren Ausdruck in Schlagwörtern wie ‚Mobilisierung der Bildungsreserven’, ‚Chancengleichheit’, ‚kompensatorische Erziehung’ und ähnlichen.5 Sowohl in den U.S.A., als auch in England und wenig später auch in der Bundesrepublik erfolgten zahlreiche wissenschaftliche Bemühungen, die sich mit dem schichtenspezifischen Sprachverhalten umfangreich beschäftigten.

In der vorliegenden Hausarbeit werden die Arbeiten des britischen Bildungssoziologen Basil Bernstein vorgestellt. Dazu ist vorab anzumerken, dass Bernstein zwischen 1958 und 1972 etwa 30 Aufsätze verfasst hat, in denen er stets den Grundgedanken seiner Theorie definitorisch und konzeptuell modifiziert hat.6 Somit wird hier keineswegs der Anspruch erhoben, die Konzeption von Bernstein komplex und vollständig zu erfassen. Dennoch soll versucht werden, die wesentlichsten Ergebnisse seiner empirischen Arbeiten und seiner Code-Theorie anzusprechen. Kapitel 2 soll dem allgemeinen Einstieg in den wichtigsten Hypothesen Bernsteins dienen. Im Kapitel 3 wird das Verhältnis von Bernstein zu der Relativitäts- oder „Sapir-Whorf-Hypothese“ referiert, um Bernstein sprachtheoretisch einordnen zu können. Im Kapitel 4 werden die empirischen Untersuchungen aus der ersten Phase (1958-1962) der theoretischen Bemühungen dargestellt. Gleichzeitig werden die beiden Sprachkodes in einen zusammenfassenden Überblick unter 4.2 erfasst. Kapitel

2. Basil Bernsteins Theorie schichtenspezifischen Sprachverhaltens

Zwischen 1956 und 1972 entwickelte Basil Bernstein seine „Theorie der linguistischen Codes“, auch bekannt als „Defizit-Hypothese“ und löste unter Soziologen, Pädagogen, Psychologen und Linguisten eine umfangreiche Diskussion über das Verhältnis von Sprache und sozialer Schicht aus. Wesentlicher Grund für dieses Interesse bestand darin, dass während die frühren Arbeiten nahezu theorielose und deskriptive Ansätze darstellten, sich Basil Bernstein darum bemühte, eine integrative Theorie schichtenspezifischen Sprachverhaltens zu formulieren, die es gestattete, viele der empirischen Befunde in einen systematischen Bezugsrahmen zu setzen.7

Die grundlegende These Bernsteins besagte:

„Unterschicht und Mittelschicht gebrauchen sehr verschiedene Varianten der gleichen Kultursprache. Die Unterschiede haben ihre Ursache in schichtenspezifischen Sozialbeziehungen. Sie verfestigen sich auf der psychologischen Ebene des Individuums, grenzen dessen kognitive Möglichkeiten ab und stabilisieren so ihrerseits die zugrunde liegende Sozialstruktur“.8

[...]


1 Vgl. Veith, Werner 2002, S.3

2 Vgl. Gross, Harro 1998, S. 167

3 Vgl. Maibauer, Jörg 2002, S. 3

4 Vgl. Roeder, Peter M. 1965, S.14f

5 Vgl. Ort, Michael 1976, S.5

5 beschäftigt sich mit Bernsteins Erklärung der Sprachkodes aus der Sozialstruktur, während Kapitel 6 den Zusammenhang zwischen Herkunftsfamilie und Schulerfolg im Zusammenhang dieser Theorie erklärt.

6 Vgl. Niepold, Wulf 1974, S.11

7 Vgl. Ort, Michael 1976, S.22

8 Zit. aus Niepold, Wulf 1974, S.9f


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