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Une famille en pierre - Zu "L'Amant" von Marguerite Duras

Termpaper, 2004, 12 Pages
Author: Cornelia Laufer
Subject: Romance Languages - French Literature

Details

Institution/College: University of Freiburg
Tags: Amant, Marguerite, Duras
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 12
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V34523
ISBN (E-book): 978-3-638-34720-4
ISBN (Book): 978-3-638-81172-9
File size: 240 KB

Abstract

Als 1984 L’Amant in Frankreich veröffentlicht wurde, waren sich die Kritiker und die Presse einig, mit diesem Werk einen Schlüssel zu den früheren Romanen von Duras, wie beispielsweise „Un barrage contre le Pacifique“, gefunden zu haben: In diesem Buch, das gleichzeitig fiktionales Werk und Autobiographie ist, zerreißt M. Duras einen Schleier: den, der ihre Jugend verdeckte, der mehrere ihrer Werke verdunkelte.“ „Duras ist hier zu ihren Ursprüngen, zu ihrer Urszene zurückgegangen.“ Kurz nach der Veröffentlichung von L’Amant wehrte sich Duras noch dagegen, dass es sich um ein autobiographisches Werk handele, betonte, es gehe dabei um eine fiktive Geschichte und verwies auf den Romancharakter. Schließlich äußerte sich die Autorin in ihrem Buch selbst dazu: L’histoire de ma vie n’existe pas. Ca n’existe pas. Il n’y a jamais de centre. Pas de chemin, pas de ligne. Il y a de vastes endroits où l’on fait croire qu’il y avait quelqu’un, ce n’est pas vrai il n’y avait personne. Marguerite Duras legt in ihren Werken Spuren von sich und ihrem Leben, die entziffert und gleichsam übersetzt werden wollen und deren Bedeutung keinesfalls immer evident sind. Duras schafft es, den Mythos, der sich um ihre Person und ihre Lebensgeschichte gebildet hat, aufrecht zu erhalten, indem sie immer wieder die Spuren ihrer Kindheit verwischt und in immer neue Masken schlüpft. Zudem betont ein autobiographischer Roman neben dem Bezug auf „wirklich Erlebtes“ die grundsätzliche Fiktionalität des Erzählten. Auch wenn sich die Romanfiguren direkt auf lebende Vorbilder beziehen, geht ein autobiographischer Roman frei mit den Elementen des gelebten Lebens um und kombiniert diese Elemente neu, ergänzt sie und schafft somit eine fiktionale Welt. Daher ist es problematisch, die Familie, die in dem Roman L’Amant geschildert wird, mit der tatsächlichen Familie Donnadieu, in der Marguerite Duras aufgewachsen ist, gleichzusetzen, auch wenn die Autorin sich als Protagonistin zu erkennen gibt und diesen Eindruck durch das Fehlen eines fiktiven Namens und die Erzählweise in der ersten Person auch noch bestärkt.


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs Universität Freiburg
Romanisches Seminar
Proseminar II Literaturwissenschaft
Der zeitgenössische französische Roman: Marguerite Duras
3. Semester

Une famille en pierre - Marguerite Duras, L′Amant

von: Cornelia Laufer

 


1. Einleitung  3

2. Die Mutter, die Tochter und das Geld  4

3. Der ältere Bruder  7

4. Eine Familie aus Stein  8

5. Der kleine Bruder  9

6. Der Abschied von Indochina  10

7. Schlussbemerkung 12

8. Literaturverzeichnis 13


 

1. Einleitung

Als 1984 L’Amant in Frankreich veröffentlicht wurde, waren sich die Kritiker und die Presse einig, mit diesem Werk einen Schlüssel zu den früheren Romanen1 von Duras, wie beispielsweise „Un barrage contre le Pacifique“, gefunden zu haben: In diesem Buch, das gleichzeitig fiktionales Werk und Autobiographie ist, zerreißt M. Duras einen Schleier: den, der ihre Jugend verdeckte, der mehrere ihrer Werke verdunkelte.“ „Duras ist hier zu ihren Ursprüngen, zu ihrer Urszene zurückgegangen.“ 2 Kurz nach der Veröffentlichung von L’Amant wehrte sich Duras noch dagegen, dass es sich um ein autobiographisches Werk handele, betonte, es gehe dabei um eine fiktive Geschichte und verwies auf den Romancharakter.3 Schließlich äußerte sich die Autorin in ihrem Buch selbst dazu: L’histoire de ma vie n’existe pas. Ca n’existe pas. Il n’y a jamais de centre. Pas de chemin, pas de ligne. Il y a de vastes endroits où l’on fait croire qu’il y avait quelqu’un, ce n’est pas vrai il n’y avait personne. 4

Marguerite Duras legt in ihren Werken Spuren von sich und ihrem Leben, die entziffert und gleichsam übersetzt werden wollen und deren Bedeutung keinesfalls immer evident sind.5 Duras schafft es, den Mythos, der sich um ihre Person und ihre Lebensgeschichte gebildet hat, aufrecht zu erhalten, indem sie immer wieder die Spuren ihrer Kindheit verwischt und in immer neue Masken schlüpft. Zudem betont ein autobiographischer Roman neben dem Bezug auf „wirklich Erlebtes“ die grundsätzliche Fiktionalität des Erzählten. 6 Auch wenn sich die Romanfiguren direkt auf lebende Vorbilder beziehen, geht ein autobiographischer Roman frei mit den Elementen des gelebten Lebens um und kombiniert diese Elemente neu, ergänzt sie und schafft somit eine fiktionale Welt.7 Daher ist es problematisch, die Familie, die in dem Roman L’Amant geschildert wird, mit der tatsächlichen Familie Donnadieu, in der Marguerite Duras aufgewachsen ist, gleichzusetzen, auch wenn die Autorin sich als Protagonistin zu erkennen gibt und diesen Eindruck durch das Fehlen eines fiktiven Namens und die Erzählweise in der ersten Person auch noch bestärkt.8

2. Die Mutter, die Tochter und das Geld

Das in L’Amant geschilderte Verhältnis zwischen der Mutter und ihrer Tochter ist ein zum Teil sehr widersprüchliches. Die Mutter, die wegen des Kaufs einer unbebaubaren Konzession in Geldnot geraten ist, kleidet ihre Tochter sehr aufreizend, um die Blicke der Männer auf sie zu lenken. Insgeheim verspricht sie sich davon, dass ihre Tochter durch die Liaison mit einem reichen Mann wieder Geld ins Haus bringen wird.

Le lien avec la misère est là aussi dans le chapeau d’homme car il faudra bien que l’argent arrive dans la maison, d’une façon ou d’une autre il le faudra. Autour d’elle c’est les déserts, les fils c’est les déserts, ils feront rien, les terres salées aussi, l’argent restera perdu, c’est bien fini. Reste cette petite-là qui grandit et qui, elle, saura peut-être un jour comment on fait venir l’argent dans cette maison. C’est pour cette raison, elle ne le sait pas, que la mère permet à son enfant de sortir dans cette tenue d’enfant prostituée. […] Ca fait sourire la mère.9

[...]


1 Allein der belgische Schriftsteller Pierre Mertens spricht dem Roman jeglichen autobiographischen Wert ab: „Marguerite Duras muss trinken, um zu lügen, um Masken zu finden, die sie noch nicht gefunden hat. Sie geht von Maske zu Maske, und ich glaube, dass sie immer raffinierter suchen muss. Ganz offensichtlich ist die schönste Maske die, die sich der Realität am besten anpasst, deren Umrisse hauchdünn sind.“ In: Marcelle Marini, Eine Frau, die nichts zu gestehen hat. In: Ilma Rakusa (Hrsg.): Marguerite Duras, Frankfurt am Main, 1988, S. 173

2 Marcelle Marini: Eine Frau, die nichts zu gestehen hat. In: Ilma Rakusa (Hrsg.): Marguerite Duras, Frankfurt am Main, 1988, S.170

3 Laure Adler : Marguerite Duras, Frankfurt am Main 1998, S.547

4 Marguerite Duras : L’Amant, Paris 1984, S. 14

5 Doris Kolesch, Gertrud Lehnert: Marguerite Duras, München 1996, S. 32

6 ebd. S. 31

7 ebd. S. 31

8 Marcelle Marini: Eine Frau, die nichts zu gestehen hat. In: Ilma Rakusa (Hrsg.): Marguerite Duras, Frankfurt am Main 1988, S.171

9 Marguerite Duras: L’Amant, Paris 1984, S. 33


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