Schuldnerberatung in der Sozialarbeit close

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Details

Institution/Hochschule: Universität Trier
Tags: Schuldnerberatung, Sozialarbeit
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2001
Seiten: 44
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 838 KB
Archivnummer: V34531
ISBN (E-Book): 978-3-638-34725-9

Textauszug (computergeneriert)

Hausarbeit in Studienrichtung Sozialpädagogik

WS 2000/2001

Schuldnerberatung in der Sozialarbeit

Name: 

Andrea Eva Adam

3. Semester, Januar 2001

 

INHALTSVERZEICHNIS

1. Vorstellung des Themas ...  1

2. Überschuldung ...  1
2.1. Wie gerät man von der Verschuldung in die Überschuldung?  ...  1
2.2. Ursachen der Überschuldung ...  2
2.3. Folgen der Überschuldung ...  4
2.4. Der „Teufelskreis Schulden“  ...  6

3. Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit ...  7
3.1. Warum Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit?  ...  7
3.2. Geschichte und Definition der Schuldnerberatung als Sozialarbeit ...  7
3.3. Klienten der Schuldnerberatung ...  9
3.4. Der Grundsatz der „Ganzheitlichkeit“  ...  10
3.5. Anforderungen der ganzheitlichen Schuldnerberatung ...  11
3.6. Der Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“  ...  11
3.7. Der Grundsatz der Freiwilligkeit ...  13
3.8. Ablauf einer Schuldnerberatung ...  13
3.9. Der bürokratische Aufwand in der Schuldnerberatung ...  15
3.10. Die Schwierigkeit mit dem Sozialen in der Schuldnerberatung ...  16

4. Zusammenfassung ...  16

5. Ein Weg zur Schuldenbefreiung ...  18
5.1. Verbraucherinsolvenzverfahren und Restschuldbefreiung ...  18

6. Erfahrungen, Probleme und Kritik aus eigener Sicht ...  20

Literaturverzeichnis ...  23

Anhang ...  25 - 41

 

1. Vorstellung des Themas

„Jetzt kaufen, später zahlen“ - dieser oder ähnliche Slogan begegnen uns fast täglich und beschreiben das oft alltägliche Kauf- und Konsumverhalten vieler Menschen. Fast jede Person hat schon einmal Schulden gehabt. Solch eine Lebenssituation ist heute nichts mehr besonderes, das Aufnehmen von Krediten gehört heute zum Alltag der Lebensführung. Normalerweise sollte es kein Problem darstellen, diese Schulden in festen Teilbeträgen monatlich zurückzuzahlen. Unvorhersehbare Ereignisse aber verwerfen oftmals den Haushaltsplan. Dann reicht das verfügbare Einkommen nicht mehr aus und Haushalte geraten von der Verschuldung in die Überschuldung. 
Überschuldung führt in der Regel eine Vielzahl von psychsozialen Belastungen mit sich und hat meist Auswirkungen auf das gesamte Umfeld des Verschuldeten. Hier wird deutlich, daß bei Überschuldung nicht nur eine finanzielle Beratung von Notwendigkeit ist, sondern auch eine soziale Betreuung des Verschuldeten. 
Der Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit kommt hierbei ein entscheidender Stellenwert zu. Hier gilt es, den Blick nicht nur auf die wirtschaftliche Seite zu richten, sondern auch das persönliche, familiale und soziale Umfeld des Verschuldeten mit in den Blick zu nehmen, um dem Klienten bei seiner Gesamtsituation Hilfestellung zu leisten. Im folgenden sollen diese genannten Punkte näher erörtert werden, um die Notwendigkeit, aber auch die Schwierigkeiten der Schuldnerberatung als Sozialarbeit aufzuzeigen.

2. Überschuldung

2.1. Wie gerät man von der Verschuldung in die Überschuldung?

Mit Schulden zu leben, stellt zunächst keine Besonderheit dar. Viele Privathaushalte nehmen für die Finanzierung größerer Anschaffungen (PKW-Kauf, Elektrogeräte, Möbel...) Ratenkredite auf oder es handelt sich bei den Schulden um Verpflichtungen bei Sparkassen oder Banken. Weitere übliche Verschuldungsformen sind beispielsweise Mietschulden, Energieschulden, Schulden bei Versandhäusern, Versicherungsschulden, Wett- und Spielschulden, Schulden bei Freunden, Bekannten oder Verwandten, Schulden bei Ämtern, Steuerschulden oder Schulden aus Unterhaltszahlungen. Oftmals liegt eine Kombination von verschiedenen Verschuldungsformen vor, nur selten ist ein Haushalt nur durch eine Form belastet. 

Mit dem Aufnehmen von Schulden rechnet ein Haushalt in der Regel die zukünftigen monatlichen Ratenzahlungen zu ihren Ausgaben dazu. So stellt es eigentlich keine große Schwierigkeit dar, die Schulden in einem vereinbarten Zeitraum zu tilgen. Berücksichtigt wird hierbei oft nicht, daß sich die Einkommenssituation durch sogenannte „kritische Lebensereignisse“ sehr schnell ändern kann. Solche Einkommensbußen sind meist auf unvorhersehbare Geschehnisse im Lebenslauf zurückzuführen. Die Geburt eines Kindes und damit eventuell verbunden entfallendes zweites Einkommen, Arbeitslosigkeit oder Krankheit können eine gesamte Hauhaltsplanung zunichte machen. Und wer denkt schon gerne an solche zum Teil unangenehmen Ereignisse und plant diese bewußt ein?
Wenn einem Haushalt solche Ereignisse widerfahren, können diese schnell den Übergang von der Verschuldung zur Überschuldung auslösen.

„Überschuldung bezeichnet die Situation, in der ein Privathaushalt nach Abzug seiner Lebensunterhaltskosten wie Miete, Energie- und Nahrungsmittelausgaben nicht mehr in der Lage ist, mit seinem restlich verfügbaren Einkommen seinen Ratenverpflichtungen mindestens einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten nachzukommen.“1

Überschuldung stellt eine außerordentliche Belastung für die gesamte Familie und das soziale Umfeld dar. Die Problemlage bezieht sich meist nicht nur auf den finanziellen Bereich, sondern zieht auch psycho-soziale Belastungen mit sich. In dieser Situation haben die Überschuldeten die Möglichkeit, sich an Schuldnerberatungsstellen zu wenden, die den Betroffenen Rat, Unterstützung und Hilfe geben können und ihnen neue Perspektiven öffnen können.

2.2. Ursachen der Überschuldung

Die Suche nach Ursachen der Überschuldung kann aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschehen. Zum einen lassen sich Gründe festmachen, die von dem Überschuldeten völlig unbeeinflußbar sind. Unverschuldete Arbeitslosigkeit oder Kreditvergabe-Kriterien zählen beispielsweise zu solchen Ursachen. Als weiterer nicht unerheblicher Aspekt ist ebenfalls zu beachten, daß Verschuldung in unserer Gesellschaft als Normalität akzeptiert wird. In einer Kreditgesellschaft wie unserer, wird die Situation der Überschuldung als „Unfall“, als normales Ereignis angesehen. 

Gerade diese Auffassung läßt den Anschein entstehen, daß Kreditaufnahme und Schulden kaum Gefahren in sich birgen und problemlos damit umzugehen ist. Neben diesen objektiven Gründen gibt es auch eine Vielzahl von subjektiven Anteilen. Oft liegt bei den Verschuldeten eine mangelnde Kompetenz zugrunde, mit Geld umzugehen. Die verfügbaren Geldmittel werden ohne langfristige Planung ausgegeben. Die finanziellen Mittel werden falsch eingeschätzt und die Kaufentscheidungen basieren auf unwirtschaftlichen Überlegungen. Hierzu kommen oftmals fehlende Kenntnisse über Kredite und ihre möglichen Konsequenzen. Nicht selten haben Käufe die Funktion von Kompensation, beispielsweise bei beruflichen oder privaten Enttäuschungen. Kaufentscheidungen werden dann nicht getroffen, weil sachliche Gründe dafür sprechen, sondern sie dienen als Ausgleich für emotionale Enttäuschungen. Die Kaufentscheidungen sind dann rein emotional gesteuert. Durch berufliche oder private Niederlagen oder die schon bestehende Überschuldung leidet der Schuldner nicht selten unter mangelndem Selbstwertgefühl und Minderwertigkeitsgefühlen. Konsumartikel können dann bei solchen Personen ein Gefühl der Aufwertung herbeiführen.
Ähnlich zu betrachten sind Demonstrationseinkäufe, durch die ein gesellschaftlicher Status dargestellt werden soll und eine Angleichung an anderer gesellschaftliche Gruppen bewirkt soll.
Als nicht zu vernachlässigende Ursache sind weiterhin Suchtprobleme zu nennen. Wenn zum Beispiel eine Alkohol- oder Drogensucht finanziert werden muß, erhöhen sich die Ausgaben in erheblichem Maße. Finanzielle Planung und rationaler Umgang mit Geld wird aufgrund der Sucht undenkbar.

Es wird deutlich, daß für Überschuldung nicht die Ursache festzumachen ist, die als der Auslöser für die Überschuldungsituation zu verstehen ist. Die Ursachen einer Überschuldung sind vielfältig. Strukturelle, objektive Probleme fallen mit individuellen Geschehnissen im Leben des Schuldners zusammen. Soziale Krisen und Ereignisse wie Trennung Scheidung, Krankheit oder Geburt führen oft zu einer Krise der materiellen Lebenssituation. Somit ist es falsch, Überschuldung als ein rein wirtschaftliches Phänomen zu betrachten und psychosoziale Aspekte aus dem Blick zu lassen.

[....]


1 VEIT; WEINHOLD: Schulden ... 1998, S.18

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