Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Zwischen den Wirklichkeiten. Eine Untersuchung ausgewählter Werke Hermann Hesses close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Zwischen den Wirklichkeiten. Eine Untersuchung ausgewählter Werke Hermann Hesses

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1998, 24 Pages
Author: Barbora Sramkova
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1998
Pages: 24
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V34586
ISBN (E-book): 978-3-638-34769-3
ISBN (Book): 978-3-638-72839-3
File size: 268 KB

Abstract

Hesses Dichtung wurde nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend von einem „magischen Denken“ geprägt. Die Erlebnisse der Kriegszeit, Hesses Ehe- und Familienkrise und die Begegnung mit der Psychoanalyse, insbesondere mit der Jungschen Individuationslehre, waren für den Teil von Hesses Werk bestimmend, dem 1919 mit Demian ein Grundstein gelegt wurde. Die Arbeit untersucht den Begriff des Magischen bei Hermann Hesse und konzentriert sich dabei vorwiegend auf die Bücher Der Steppenwolf (1926) und Die Morgenlandfahrt (1932). Das Charakteristische an diesen vordergründig realistischen Geschichten ist die Oszillation zwischen der „so genannten Wirklichkeit“ und der „magischen Wirklichkeit“, wobei die Grenze zwischen der alltäglichen Realität und der Welt der Magie und Phantasie in der Schwebe bleibt. Besonderes Interesse wird dem „Magischen Theater“ im Steppenwolf gewidmet und dem „magischen Denken“, das Die Morgenlandfahrt bestimmt. Im einleitenden Kapitel wird das „magische Denken“ auch in den früheren Werken, hauptsächlich in den zwischen 1919 und 1924 entstandenen Erzählungen und Aufsätzen wie: „Gedanken zu Dostojewskis Idiot“, „Innen und Außen“, „Kurgast“, „Kindheit des Zauberers“, „Kurzgefasster Lebenslauf“.


Excerpt (computer-generated)

Zwischen den Wirklichkeiten - Eine Untersuchung
ausgewählter Werke Herman Hesses

von: Barbora Sramkova

 


Inhalt

1. Einleitung 3

2. Das „magische Denken“  4

3. Der Steppenwolf  7

3.1 Das „magische Denken im Steppenwolf 7
3.2 Der „Tractat vom Steppenwolf“  9
3.3 Die Wirklichkeitsebenen des Steppenwolf 10
3.4 Das „Magische Theater“  14

4. Morgenlandfahrt 19

5. Zusammenfassung 22

6. Literaturverzeichnis 23


 

1.Einleitung

Bei der Lektüre der Werke Hermann Hesses, wenn man sie in einer chronologischen Reihenfolge vornimmt, wird man gewahr, daß ab einem gewissen Punkt der Begriff „Magie“ immer mehr an Bedeutung gewinnt. Ob das Wort „Magie“ oder seine Derivate erwähnt werden, oder ob magische Vorgänge „nur“ geschildert werden, ist dabei unerheblich. Es ist nicht im Sinne dieser Arbeit, den genauen Zeitpunkt festzustellen, an dem Hesse eine im Grunde realistische, zu einem hohen Grad autobiographische Erzählweise zu Gunsten einer „magischen“ aufgibt. (Es sei gleich vorausgeschickt, daß sich in Hesses Schriften die autobiographischen und die magischen Elemente keineswegs ausschließen.) Begnügen wir uns mit der Feststellung, daß in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg Hesses Dichtung zunehmend von einem „magischen Denken“ geprägt wurde. Ein Blick in seine Biographie macht klar, daß es nicht nur die Erlebnisse der Kriegeszeit waren, die Hesse tief erschütterten. In diese Jahre fällt auch Hesses Ehe- und Familienkrise. 1916 begibt sich Hesse zum ersten Mal in eine psychotherapeutische Behandlung, 1921 folgen Sitzungen mit C.G.Jung. Die Erfahrungen mit der Psychoanalyse, und die Jungsche Lehre von der Individuation insbesondere, sind bestimmend für den Teil von Hesses Werk, dem 1919 mit Demian ein Grundstein gelegt wird. Im selben Jahr erscheint der Band Märchen, der selbstverständlich ein nahrhafter Boden für allerlei magische Momente ist. In meiner Untersuchung geht es aber nicht um diese offenkundig märchenhaften Geschichten, sondern um die Erzählungen, die sich zwar vordergründig als realistische Geschichten gebärden, die aber auch einen Sprung ins Phantastische wagen. Die Oszillazion zwischen den zwei Welten, nämlich zwischen dem Bereich der alltäglichen Realität und der Welt der Magie und Phantasie, wird zum eigentlichen Gegenstand dieser Arbeit. Es wird nicht der Anspruch erhoben, „das Magische bei Hesse“ schlechthin darzustellen, sondern die magischen Momente auf der Messers Schneide zwischen Traum und Realität anhand von ausgewählten Texten zu untersuchen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit, da es anders auch kaum denkbar ist, steht Der Steppenwolf (1927) mit dem „Magischen Theater“, das als eine Eskalation dessen, was sich schon in den früheren Stationen der Geschichte Harry Hallers ankündigt, zu verstehen ist. Der Steppenwolf ist als ein vielschichtiges Buch angelegt, das gerade von den Spannungen zwischen der „sogenannten Wirklichkeit“ und der „magischen Wirklichkeit“ lebt. Zum besseren Verständnis von Hesses Auffassung des Magischen werden auch andere Texte herangezogen, in denen das „magische Denken“ eine etwas andere Gestalt annimmt. Es handelt sich zunächst um die spätere Erzählung Die Morgenlandfahrt (1932), für die das „magische Denken“ völlig bestimmend ist. Hier wird die magische Wahrnehmung von Raum und Zeit auf eine radikale Weise dargestellt, indem die „magische Wirklichkeit“ für den Erzähler H.H. nicht eine andere Welt darstellt, sondern von ihm direkt erlebt wird. In der Zeit, die zwischen der Erscheinung von Der Steppenwolf und Die Morgenlandfahrt liegt, ist noch eine Fülle von Werken entstanden, in denen das Magische auf irgendeine Weise zum Vorschein kommt. Sie werden in dem folgenden Kapitel behandelt, in dem Hesses „magische Denken“ in einem breiteren Kontext dargestellt wird.

2. Das „magische Denken“

Bevor wir uns einer genauen Untersuchung der ausgewählten Te xte annehmen, wollen wir den Begriff des Magischen bei Hesse näher bestimmen. Den Zugang dazu verschaffen wir uns anhand von einigen Aufsätzen Hesses und den quasi-autobiographischen Aufzeichnungen „Kindheit des Zauberers“ und „Kurzgefasster Lebenslauf“. Auch die Erzählung „Innen und Außen“ soll näher betrachtet werden, da sie eine paradigmatische Umsetzung der Thesen darstellt, die Hesse in seinen theoretischen Schriften formulierte. Die meisten dieser Werke entstammen der Zeit zwischen 1919 und 1924. Im Jahre 1920 sind zwei Texte erschienen, die sich mit der magischen Weltauffassung eingehend beschäftigen. Es ist zunächst der Aufsatz „Gedanken zu Dostojewskis Idiot“ (1919)1, zuerst veröffentlicht in der von Hesse herausgegebenen Zeitschrift Vivos Voco und kurz danach mit zwei weiteren Aufsätzen in dem Band Blick ins Chaos. Es ist durchaus von Belang sich zu vergegenwärtigen, daß diese kritische Betrachtung nach der Beendigung von Klingsors letzter Sommer und vor dem Anfang der Niederschrift von Siddhartha verfaßt wurde.

Der Fürst Myschkin aus Dostojewskis Roman stellt für Hesse einen „magischen Menschen“ dar, den von den „gewöhnlichen Menschen“ seine ganz besondere Denkweise trennt: „Sein Denken ist jenes, das ich das »magische« nenne. Er leugnet, dieser sanfte Idiot, das ganze Leben, das ganze Denken und Fühlen, die ganze Welt und Realität der anderen. Für ihn ist Wirklichkeit etwas vollkommen anderes als für sie.“2 Hesse knüpft an den Vergleich an, der des öfteren zwischen Myschkin und Jesus gezogen wurde und bezeichnet beide als Menschen, die „von einer der magischen Wahrheiten gestreift, das Denken vom Leben nicht mehr trenn[en], und dadurch inmitten [ihrer] Umgebung vereinsamt und zum Gegner aller [werden].“3 Zwei Eigenschaften machen Myschkin zu einem „magischen Menschen“. Zum einen hat er „viel nähere Beziehungen zum Unbewußten“ als andere. Zum anderen, und dies ist eng damit verbunden, lebt er nicht unter dem Gesetz der Polarität, das scharfe Linien zieht zwischen Geist und Natur, Gut und Böse, Ja und Nein. Ein solcher Mensch hat „einmal oder einigemal auf der magischen Grenze gestanden, wo alles bejaht wird, wo nicht nur der entlegenste Gedanke wahr ist, sondern auch das Gegenteil jedes solchen Gedankens.“ Jenseits der menschlichen Ordnung und Organisation ist Chaos, das angenommen werden muß, um die höchste Stufe der Menschwerdung zu erlangen, „um uns neu zu orientieren, um an den Wurzeln unseres Seins vergessene Triebe und Entwicklungsmöglichkeiten aufzufinden, um aufs neue Schöpfung, Wertung, Teilung der Welt vornehmen zu können.“4

Die Erzählung „Innen und Außen“5, die ebenfalls im Jahre 1920 entstanden ist, stellt eben diesen Konflikt zwischen Kultur und Wissenschaft auf der einen, und Magie und Chaos auf der anderen Seite dar. Der sich mit geistigen Dingen beschäftigende und die Logik verehrende Friedrich wird von seinem Freund Erwin zu der höheren Erkenntnis der Magie gebracht. Er lernt ihn den gnostischen Spruch verstehen von der Einheit aller Dinge: „Nichts ist außen, nichts ist innen, denn was außen ist, ist innen.“6 Das Mittel, das diese Lehre veranschaulichen soll, ist eine kleine Götzenfigur mit zwei Gesichtern, die Friedrich zuerst verhaßt wird, nach deren Verlust er aber das, was sie repräsentiert, akzeptiert und allmählich verinnerlicht. Erwin fordert Friedrich auf, den Götzen zu lieben, denn er sei ja er selbst. „Du hast erlebt: Außen kann zu Innen werden. Du bist jenseits der Gegensatzpaare gewesen. (...) Siehe, das ist Magie: Außen und Innen vertauschen, nicht aus Zwang, nicht leidend, (...) sondern frei, wollend. Rufe Vergangenheit, rufe Zukunft herbei: beide sind in dir! Du bist bis heute der Sklave deines Innern gewesen. Lerne sein Herr sein. Dies ist Magie.“7

[...]


1 „Gedanken zu Dostojewskis Idiot, in: Hermann Hesse, Gesammelte Schriften, Bd. 7, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1978, S. 178-185.

2 Op.cit., S. 181 f.

3 Op.cit., S. 183.

4 Op.cit. S. 185 f.

5 „Innen und Außen“, in: Hermann Hesse, Gesammelte Schriften, Bd. 2, Suhrkamp , Frankfurt am Main, 1978, S. 836-850.

6 Op.cit. S. 836. Nach Goethes Gedicht Epirrhema.

7 Op.cit., S. 850.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/34586/zwischen-den-wirklichkeiten-eine-untersuchung-ausgewaehlter-werke-hermann
please wait Please wait