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Autor: Finja Nissen
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Details
Tags: Leben, Lebenssituation, Menschen, Behinderung, Wohneinrichtungen, Berücksichtigung, Normalisierungsprinzips, Beispiel, Wohnheimes, Haus, Rennplatz
Jahr: 2004
Seiten: 100
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 33 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 456 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-34794-5
Textauszug (computergeneriert)
Diplomarbeit
zur Abschlussprüfung im Fachbereich Sozialwesen an der
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven,
zur Diplom-Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin
Thema:
„… ein Leben so normal wie möglich.“
Die Lebenssituation von Menschen mit geistiger
Behinderung in Wohneinrichtungen unter der
Berücksichtigung des Normalisierungsprinzips am
Beispiel des Wohnheimes „Haus am Rennplatz“
vorgelegt von
Finja Nissen
Emden, 08.Juli 2004
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 4
Einleitung 5
Teil I
Theoretische Grundlagen
1. Geistige Behinderung - Begriffserklärung und Personenkreis 7
1.1 Medizinischer Ansatz 7
1.2 Psychologischer Ansatz 9
1.3 Pädagogischer Ansatz 10
1.4 Juristischer Ansatz 11
1.5 Internationale Klassifikation nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 12
1.6 Definition der Amerikanischen Vereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung ("American Association of Mental Retardation - AAMR") 14
1.7 Behinderung als Isolation und Abhängigkeit von Hilfe 14
1.8 Zusammenfassung 17
2. Daten und Fakten zur Lebens- und Wohnsituation geistig behinderter Menschen 18
2.1 Übersicht 19
2.2 Gründe für eine Heimaufnahme 20
2.3 Größen der Wohneinrichtungen 21
2.4 Größen der Wohngruppen 22
2.5 Zusammenfassung 23
3. Normalität 25
3.1 Veränderung der Normalität und des Normalitätsempfindens 28
4. Das Normalisierungsprinzip 30
4.1 Normalisierung 30
4.2 Entstehung des Normalisierungsprinzips 31
4.3 Bestandteile des Normalisierungsprinzips 32
4.4 Aufnahme des Normalisierungsprinzips in Deutschland 35
4.5 Kritische Betrachtung des Normalisierungsprinzips 38
5. Erweiterung des Normalisierungsprinzip durch Wolfensberger 40
5.1 Kritische Betrachtung der Weiterentwicklung des Normalisierungsprinzips durch Wolfensberger 41
6. Zusammenfassung Teil I 42
Teil II
Bestandsaufnahme der Lebensbedingungen von Menschen mit geistiger Behinderung in Wohnheimen unter der Berücksichtung des Normalisierungsprinzips
7. Erläuterung der Planung und Vorbereitung der Bestandsaufnahme 45
8. Beschreibung der Wohneinrichtung „Haus am Rennplatz“ 46
8.1 Konzeption der Wohneinrichtung „Haus am Rennplatz“ 46
9. Auswertung des Fragebogens zur Umsetzung des Normalisierungsprinzips 49
10. Auswertung der MitarbeiterInnenbefragung 59
11. Auswertung der BewohnerInnenbefragung 62
12. Eigene Beobachtungen im Wohnheim „Haus am Rennplatz“ 67
13. Zusammenfassung der Ergebnisse und persönliche Einschätzung 69
Teil III
Resümee und Reflexion der Diplomarbeit
14. Resümee und Reflexion der Auseinandersetzung mit dem Thema 71
Literaturverzeichnis 74
Abbildungsverzeichnis 78
Selbstständigkeitserklärung 79
Danksagung 80
Anhang
A Fragebogen zur Umsetzung des Normalisierungsprinzips 81
B Fragebogen zum Normalisierungsprinzip (Mitarbeiter) 94
C Fragebogen für die Bewohner 95
Vorwort
Etwa 3,8 Prozent aller Menschen mit Behinderung sind geistig behindert. Des Weiteren hatte ich in meinem Studium erfahren, dass die Mehrheit geistig behinderter Menschen in Wohnheimen lebt. Diese Tatsache ließ mich darüber nachdenken, unter welchen Bedingungen geistig behinderte Menschen heute in Wohneinrichtungen leben. Ferner war mein Vertiefungsgebiet „Nichtaussonderung von Menschen mit Behinderung (Inclusion)“ Grund für die Themenwahl. Oft habe ich in Vorlesungen und Seminaren Erschreckendes über die Zustände in Wohneinrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung gehört. Gibt es diese Zustände heute noch? Wie leben Menschen mit geistiger Behinderung Anfang des 21. Jahrhunderts in Wohnheimen?
In diesem Zusammenhang stieß ich auf das Normalisierungsprinzip, welches sich mit der Gestaltung der Lebensbedingungen von (geistig) behinderten Menschen auseinandersetzt. Dieses Prinzip wurde vor etwas 40 Jahren entwickelt. Diese Zeitspanne war ein weiterer Grund dieses Thema zu wählen, da ich wissen wollte, welche Anwendung das Normalisierungsprinzip heute noch findet und wie sich die Anwendung auf die Lebenssituation von Menschen mit geistiger Behinderung auswirkt. Auch die Diskussionen, die rund um das Normalisierungsprinzip geführt wurden und werden, weckten mein Interesse. Und nicht zuletzt die Möglichkeit eine „praktische“ Untersuchung zum Thema zu machen, veranlasste mich das nun hier vorliegende Thema für meine Diplomarbeit zu wählen.
1. Einleitung
Im Folgenden möchte ich die Gliederung meiner Diplomarbeit erläutern.
Die Arbeit ist in drei Teile untergliedert. Im ersten Teil werde ich mich mit den theoretischen Grundlagen beschäftigen. Beginnen werde ich damit, den Begriff der geistigen Behinderung zu erklären und zu erläutern, welcher Personenkreis zu dieser Gruppe der Bevölkerung gehört.
Anschließend werde ich einige Daten und Fakten zur Lebens- bzw. Wohnsituation von geistig behinderten Menschen aufzeigen, um zu verdeutlichen, um welche Größenordnungen und Werte es sich hier handelt.
Danach folgt die Auseinandersetzung mit der Thematik „Normalität“. Diese Auseinandersetzung ist bei dem Thema meiner Diplomarbeit in meinen Augen unvermeidbar. Hierbei soll der Frage „Was ist Normalität?“ nachgegangen werden. In diesem Zusammenhang werde ich darstellen, wie sich ein Verständnis von Normalität entwickelt und stelle Überlegungen zur Veränderung der Normalität und des Normalitätsempfindens an.
Nach diesem Punkt werde ich das Normalisierungsprinzip in seinen Einzelheiten erläutern. Beginnen werde ich hierbei mit der Auseinandersetzung mit dem Begriff der Normalisierung. Darauf folgt die Beschreibung der Entwicklung des Normalisierungsprinzips und seiner Bestandteile. Zudem werde ich beschreiben, wie das Normalisierungsprinzip in Deutschland aufgenommen wurde. Im Anschluss daran folgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem genannten Prinzip.
Dem schließt sich eine Erläuterung der Erweiterung des Normalisierungsprinzips durch Wolfensberger gefolgt von einer kritischen Einschätzung an.
Abschließen werde ich den ersten Teil meiner Arbeit mit einer Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen.
Die Vorgehensweise der Untersuchung im Wohnheim „Haus am Rennplatz“ werde ich im zweiten Teil meiner Diplomarbeit erläutern. Hierzu werde ich die Wohneinrichtung und ihre BewohnerInnen vorstellen. Des Weiteren erfolgt die Auswertung der Fragebögen und der von mir geführten Interviews in diesem Wohnheim. Den zweiten Teil abschließend, werde ich die Ergebnisse meiner Untersuchung zusammenfassen und unter der Berücksichtigung des Normalisierungsprinzips reflektieren.
Im dritten Teil folgen das Resümee und die Reflexion der gesamten Diplomarbeit.
Zur Schreibweise ist zu bemerken, dass ich mit Begriffen wie „BewohnerInnen“ oder „MitarbeiterInnen“ die weibliche und männliche Form dieser Personen meine. Es handelt sich hierbei also um eine Vereinfachung der Schreibweise.
Teil I
Theoretische Grundlagen
1. Geistige Behinderung - Begriffserklärung und Personenkreis
Mit der bewusst provokativen These „geistig behindert wird niemand geboren...“ beschreibt die Hamburger Psychotherapeutin Dietmut Niedecken den Weg des „geistig behindert Werdens“ als das Ergebnis eines vielfältig wirksamen kollektiven Verdrängungs-, Ausgrenzungs- und Projektionsprozesses.1
Die Personen, die der Begriff „geistige Behinderung“ zu beschreiben versucht, sind aufgrund einer prä-, peri-, oder postnatalen Schädigung primär in ihrer kognitiven Entwicklung beeinträchtigt, „wodurch sie in der modernen Industriegesellschaft auf mannigfaltige Weise in ihrer Entfaltung behindert werden oder benachteiligt sind“. 2
Eine allgemeingültige, wissenschaftsdisziplin-übergreifende Definition von geistiger Behinderung gibt es dennoch nicht.
Im Folgenden werde ich auf die verschiedenen Ansätze der Definitionsversuche eingehen.
1.1 Medizinischer Ansatz
Im medizinischen Bereich wird sowohl von einer angeborenen oder frühzeitig erworbenen Intelligenzminderung als auch von Oligophrenie gesprochen. Aus medizinischer Sicht geht dies einher mit einer Beeinträchtigung des Anpassungsvermögens. Als Symptome werden in der Medizin die eingeschränkte kognitive bzw. sprachliche Entwicklung, Anpassungsstörungen, Störung der Affektivität und der psychomotorischen Retardierung beschrieben.3
[....]
1 Niedecken, Dietmut: „Namenlos. Geistig Behinderte verstehen. Ein Buch für Psychologen und Eltern.“, 3. akt. Aufl., München, 1989, S. 14
2 Furrer, Hans in: „Lexikon, Wissenswertes zur Erwachsenenbildung“, Neuwied; Kriftel; Berlin, 1998, S. 112
3 Hildebrandt, Helmut (Bearbeitungsleiter): „Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch“, 258. Auflage, Berlin, 1998, S. 182
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