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Termpaper, 1995, 15 Pages
Author: Barbora Sramkova
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: Technical University of Berlin (Institut für Deutsche Philologie)
Tags: Struktur, Arthur, Anatol, Dramatik, Hofmannsthal, Bernhard, Größenwahn, Schnitzler
Year: 1995
Pages: 15
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34824-9
File size: 243 KB
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Excerpt (computer-generated)
Technische Universität Berlin
Institut für Deutsche Philologie
WS 1994/95
PS Österreichische Dramatik von
Hofannsthal bis Bernhard
Die dramatische Struktur von Arthur
Schnitzlers Anatol
von Barbora Sramkova
INHALT
1. Einleitung 3
2. Die dramatische Form 4
3. Der Zeitaspekt 5
3.1 Chronologischer Fortschritt 5
3.2 Stationen im Leben Anatols 6
4. Der Schluss als Schlüssel zum Verständnis 7
4.1 "Anatols Größenwahn" als Alternative 7
4.2 Prinzip der Wiederholung 9
4.3 Die Reigenstruktur .. 10
5. Die Szenenfolge 11
6. Zusammenfassung 12
7. Literaturverzeichnis 15
l. Einleitung
Arthur Schnitzlers dramatischer Zyklus Anatol ist in der Regel von der Forschung als ein Werk behandelt worden, das aus selbständigen Einaktern besteht, die, um eine abendfüllende Länge zu erreichen, praktisch ohne jeden Zusammenhang, dadurch beliebig vertauschbar und reduzierbar, aneinandergereiht sind.1 Die Kritiker, allen voran Ernst L. Offermanns, der sich mit diesem Thema wahrscheinlich am ausgiebigsten beschäftigt hat, verweisen dabei auf die Austauschbarkeit von Anatols Partnerinnen, auf die Lebenseinstellung eines "impressionistischen Menschen" und nicht zuletzt auf die Erkenntnisse der Freudschen Psychoanalyse, deren "Entdeckung" der Desintegration des Ich sich auch in der literarischen Form niederschlägt.2
Ohne diese Aspekte zu bestreiten, möchte ich dennoch mit der vorliegenden Arbeit eine alternative Lesart darbieten, die das Werk in seiner Komplexität zeigt und dabei die Art und Weise hervorhebt, in der die einzelnen Teilstücke des Zyklus miteinander zusammenhängen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Problematik der Struktur. Von der Frage der Form ausgehend, werde ich versuchen, die Strukturelemente und Prinzipien zu erarbeiten, die dem Zyklus zugrunde liegen, ihm eine gewisse Kohärenz verleihen und ihn damit als ein Ganzes charakterisieren.
Ausschlaggebend für diese Überlegungen ist die Tatsache, dass Schnitzler für die Buchveröffentlichung (1892) nicht nur eine Auswahl seiner Anatol-Stücke vorgenommen hat, sondern dass er sie auf eine Art und Weise geordnet hat, die nicht der Chronologie ihrer Entstehung entspricht. Über die Gründe, die ihn dazu bewogen, und über das Konzept, das er im Sinne gehabt haben mochte, lässt sich, soweit uns nicht eine Brief- oder Tagebuchäußerung vorliegt, nur spekulieren. Der uns vorliegenden Fassung lassen sich aber etliche Strukturprinzipien ablesen, die die Annahme, die einzelnen Szenen seien beliebig aneinandergereiht, "austauschbar wie die jeweilige Besetzung" 3 in Frage stellen. Meine Ausführungen beruhen hauptsächlich auf der Analyse der Szenenabfolge und machen auf die Ordnungsprinzipien aufmerksam, die sich daraus ableiten lassen. Bei einer solchen Analyse bietet es sich am ehesten an, die einzelnen Szenen in ihrem Zusammenhang im Hinblick darauf zu untersuchen, inwiefern sie von einer Entwicklung Anatols Zeugnis ablegen. Das Prinzip eines chronologischen Fortschritts, welches jedwede Entwicklung voraussetzt, spielt dabei eine zentrale Rolle. Ferner werden Prinzipien, wie z.B. das Prinzip der Wiederholung, dargestellt, und aus deren wechselseitigen Beziehungen werden Konsequenzen für die Struktur des Zyklus abgeleitet.
Zusätzlich zu den sieben Einaktern, die seit der Buchveröffentlichung im Jahre 1892 die vollständige Fassung des Zyklus bilden, werde ich die Szene Anatols Größenwahn heranziehen, die einst als Abschluss geplant war. Damit möchte ich einen Vergleich zu dem bestehenden Schlussstück anstellen, unter der Fragestellung, inwieweit sich die Gesamtkonzeption des Zyklus verändert, wenn dieser aus der Perspektive der jeweiligen Schlussszene betrachtet wird.
2. Die dramatische Form
Schon auf den ersten Blick ist offensichtlich, dass Anatol kein monolithisches Drama ist, das den klassischen Aufbauprinzipien im Sinne von Gustav Freytag bzw. Aristoteles folgt. Ganz im Gegenteil, wir haben es hier mit einem Beispiel für die offene Form des Dramas zu tun, wie man sie sich offener kaum vorstellen kann. Dabei sei gleich festgehalten, dass selbst der Ausdruck "Drama" in diesem Fall problematisch ist. Günter Selling benutzt in seiner Auseinandersetzung mit Anatol den Begriff des „Episodendramas“, der dem eingelebten Begriff des „Einakterzyklus “ gegenüber die Kohärenz berücksichtigt, die allein aufgrund der durchgehenden Protagonisten entsteht.4 Meines Erachtens ist das Wesen der spezifischen dramatischen Form des Anatol am besten als ein Episodenzyklus zu bezeichnen, weil damit sowohl das Episodenhafte als auch das Zyklische und das Wiederkehrende an dem Werk erfasst wird. In diesem Sinne verstehe ich auch die Bezeichnung Zyklus, die ich im Laufe meiner Ausführungen benutze.
Die Offenheit dieser dramatischen Form wird dadurch manifestiert, dass die Szenenfolge nur fragmentarische Ausschnitte aus Anatols Leben, präziser gesagt aus seinem Liebesleben, präsentiert; diese Diskontinuität scheint geradezu eine Gesetzmäßigkeit des Zyklus zu sein. An der Oberfläche wird der Zusammenhang lediglich durch die Figurenkonstellation Anatol - Max gewährleistet. Da es sich jedes Mal um eine neue Situation handelt, d.h. es ist eine andere Frau im Spiel, wäre zuerst anzunehmen, dass die einzelnen Szenen miteinander so gut wie nicht zusammenhängen. In der Tat kann zwar keine Rede von strengen kausalen Verknüpfungen sein, beim genaueren Hinschauen macht sich aber eine etwas subtilere Kohärenz bemerkbar, die die disjecta membra zusammenknüpft.
[....]
1 Offermans, Ernst L.:“Materiaien zum Verständnis der Texte“, in: Arthur Schnitzler: Anatol. Hrsg. Von Ernst L. Offermanns. Berlin: De Gruyter, 1964, S. 160.
2 Ebda.
3 Baumann, Gerhart: „Nachwort“, in: Arthur Schnitzler: Anatol. Anatols Größenwahn. Der grüne Kakadu. Stuttgart: Reclam, 1975, S. 158.
4 Selling, Günter: Die Einakter und Einakterzyklen Arthur Schnithlers. Amsterdam: Rodopi N.V., 1975, S. 228.
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