Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 20 Pages
Author: Ann-Kathrin Keller
Subject: Pedagogy - Media Pedagogy
Details
Institution/College: University of Hamburg (Inst. für Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Tags: Inszenierung, Körper, Geschlecht, Film, Medienrezeption, Perspektive
Year: 2003
Pages: 20
Grade: 1
Bibliography: ~ 14 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34857-7
File size: 232 KB
Medienanalytische Hausarbeit
Other users also were interested in the following titles:
Excerpt (computer-generated)
*Männerphantasien* Zur Inszenierung
von Körper und Geschlecht im Film
von: Ann-Kathrin Keller
Gliederung
I: Eingang ins Themenfeld
Verortung/en der Arbeit
II: Medienanalysen
„Species“
„fight club“
“Minority Report”
Menschen und Maschinen (Björk: All Is Full Of Love)
Anhang: Songtext zu All Is Full Of Love
III: Fazit/Ausblick
IV: Literatur
Eingang
Im Folgenden soll es um die Bilderproduktion der Massenmedien gehen; um Bilder von Männern, Frauen und Heranwachsenden, die alle sowohl Betrachtende, als auch Dargestellte sind, Subjekte und Objekte der Bilder. Die These ist, dass es dabei ein ganz bestimmter Blick ist, der auf die Körper und ihr Interagieren geworfen wird und dass Medien nicht einfach etwas darstellen, sondern produzieren. Sie bilden nicht nur ab, sie bilden auch neu. Renate Lippert stellt in einem Beitrag zur feministischen Filmtheorie die Frage: „Ist der Blick männlich?“1 Sie bezieht sich dabei unter anderem auf die Lacansche Relektüre der freudschen Psychoanalyse, die die Frau in den Status des Nicht-Subjekts setzt. Lacans Behauptung: Die Frau gibt es nicht, lässt sich jedoch auf vielfältige Weise lesen. Dass die Frau vom männlichen Blick erschaffen und damit zwangsläufig funktionalisiert und eingegrenzt wird, ist eine mögliche, wenn auch sehr pessimistische Lesart. Die Frau wird darin zur tabula rasa, die dem einzigen Zweck dient ausgefüllt zu werden: mit Kindern und gesellschafts-stabilisierenden Diskursen über Weiblichkeit, die sich in verschleierter Form auf die beiden Pole Heilige oder Hure beziehen. Michel Foucault hat unter anderen diese regressive Funktionalisierung der Sexualität/ Geschlechtlichkeit als einen Diskurs entlarvt, der der Sicherung ökonomischer Verhältnisse dient.2
Ähnliches formulieren Gilles Deleuze und Felix Guattari im Anti-Ödipus. Sie betrachten die Zusammenhänge von Kapitalismus und Schizophrenie und finden, dass die Psychoanalyse nicht etwa den Analysanden aus seinem Gefängnis ödipaler Phantasien befreit, sondern mit der Produktion derselben sein Begehren pervertiert, welches dann kapitalistisch ausgebeutet werden kann. Sie schreiben: „Ödipus setzt eine ungeheure Repression der Wunschmaschinen voraus“3 Das Unbewußte ist dabei die Wunschmaschine schlechthin, deren innovative Energie verloren geht, wenn der Versuch gemacht wird, ein befestigtes Ich, eine begrenzte Identität zu schaffen. Klaus Theweleit schreibt in Männerphantasien über das Mißlingen solcher Versuche.4 Er kritisiert dabei auch das freudsche Verständnis von Ich-Bildung, weil diese bei Freud mit Stillegung und Trockenlegung assoziiert wird. „Die mit der Topik von Ich/Es/Über-Ich beschreibbare Person wäre somit konzipiert als trockenes Grab für die Ströme und die Wunsch-maschinen“, schreibt Theweleit.5 Daran schließt er eine Vermutung an, die mich auch in der vorliegenden Arbeit interessiert zu erforschen, nämlich „dass die konkrete Form des Kampfes gegen die fließend/maschinelle Produktionskraft des Unbewußten als Kampf gegen die Frau, als Kampf gegen die weibliche Sexualität geführt wurde (und wird).“6 Inwiefern dieser Kampf tatsächlich stattfindet und wie er möglicherweise medial stattfindet, werde ich im Folgenden näher betrachten.
Verortungen
Wenn man über Bilder schreibt, die massenmedial verbreitet werden, dann scheint eine Eingrenzung nötig zu sein. Viele Texte beziehen sich deshalb auf ganz bestimmte Medien. Es geht dann nur um den Film, um das Hollywoodkino vielleicht oder nur um Videoclips, nur um das Fernsehen, nur um Malerei oder Photografie. Ich werde mich im Folgenden auf drei Filme und einen Videoclip beschränken, da eine Einbindung anderer Medien, wie etwas des World Wide Web, oder andere Künste zu weit führen würde. Wichtig wäre es noch zu erwähnen, dass nach Goodmann oder Derrida, das Bild (also auch das filmische) nicht mehr dem Zeichensystem der Schrift/Sprache entgegengesetzt ist7. Auch Bilder seien als Zeichen zu verstehen und als solche zu analysieren, zumal dem Film in den meisten Fällen ein Buch zugrunde liegt (und sei es nur das Drehbuch); dass bei der audiovisuellen Darstellungweise des Films ausschliesslich Distanzsinne angesprochen werden, ist eine mögliche Kritik, die ich hier aber nicht vertreten oder näher bearbeiten will. Zu diesem Thema hat Karl-Josef Pazzini in Bilder und Bildung geschrieben. Er vertritt darin die Ansicht, dass die Distanzsinne für die Herauslösung des Individuums aus der symbiotischen Mutter- Kind-Dyade erforderlich und daher unbedingt zu fördern sind.8 Über meinen eigenen Blick auf die Medien ist noch zu sagen, dass dieser keinesfalls objektiv sein kann. Immer sieht man die Dinge von einem besonderen Ort aus. Daher will ich diesen noch einmal näher bestimmen. Ich schreibe aus der Perspektive einer psychoanalytischen Film- und Medientheorie und versuche dabei sowohl die auf Lacan rekurrierende Lesart, als auch die von Deleuze und Guattari zu Wort kommen zu lassen. Auf die subjektbildende Funktion des Films, wie sie Christian Metz9 oder Laura Mulvey10 beschrieben haben, werde ich nicht genauer eingehen können.
[...]
1 Lippert, R.: „Ist der Blick männlich?“ Texte zur feministischen Filmtheorie in: Psyche 1994
2 Foucault, M.: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit, Suhrkamp Verlag Frankfurt a. M., 1977
3 Deleuze/Guattari: Anti-Ödipus, Suhrkamp Frankfurt a. M., 1997, S. 8
4 Theweleit, K.: Männerphantasien Band 1, Frauen, Fluten, Körper, Geschichte, Verlag Roter Stern Frankfurt a. M., 1977, 325 ff
5 ebd.: 325
6 ebd. 325 f
7 Vgl. den Online-Text Die klassische Trias: Bild, Sprache, Schrift in Telepolis, www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/2006/3.html
8 Pazzini: Bilder und Bildung, Münster: Lit, 1992 (Einbilden und Entbilden; Bd. 1)
9 Metz, C.: Der imaginäre Signifikant..., 2000 Münster: Nodus-Publikationen
10 Mulvey, L.: Visuelle Lust und narratives Kino, 1980 Frankfurt a. M.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Identität und Ideal. Zur Ich-Bildung in der Psychoanalyse
Author: Ann-Kathrin KellerPedagogy - Pedagogic Psychology, 2003 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Bildung im Spiegel: Pädagogik und die Medien aus Sicht der Psychoanalyse
Author: Ann-Kathrin KellerPedagogy - Media Pedagogy, 2002 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Die Malerei von Ingres zwischen Tradition und Transformation
Author: Ann-Kathrin KellerArt - Painting, 2005 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Ingo Schellers Konzept des erfahrungsbezogenen Unterrichts
Author: Lenka EiermannGerman - Pedagogy, Didactics, Literature Studies, 2005 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Kinderzeichnungen in der Kunstpädagogik
Author: Mirja BrandenburgArt - Pedagogy, 2004 Download as PDF-file for 7,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: