Scholary Paper (Seminar), 2002, 22 Pages
Author: Marc Philipp
Subject: History - National Socialism, World War II
Details
Tags: München
Year: 2002
Pages: 22
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 22 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-34913-0
File size: 279 KB
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Excerpt (computer-generated)
Johannes Gutenberg – Universität Mainz
- Institut für Osteuropäische Geschichte -
Proseminar: Nationalsozialistische Osteuropapolitik von der
Machtergreifung bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs
3. Semester
München 1938
von: Marc Philipp
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 03-05
II. Die Sudetenproblematik 05-09
2.1 Die Rolle der Sudetenproblematik in den Beziehungen zwischen der Weimarer Republik und der Tschechoslowakei 05-07
2.2 Die Sudetenproblematik im Jahre 1938 und ihre Instrumentalisierung 07-09
III. Der Weg nach München 09-14
3.1 Chamberlain auf dem Obersalzberg 09-10
3.2 Das Scheitern der Konferenz von Bad Godesberg 10-12
3.3 Münchner Vortage 12-14
IV. Die Münchner Konferenz 14-18
4.1 Die Ausgrenzung der Sowjetunion 14-16
4.2 Ergebnisse und Auswirkungen 16-18
V. Schlußbetrachtung 19-20
VI. Literaturverzeichnis 21-22
VII. Anhang 22-25
I. Einleitung
Nach dem Ende des Kalten Kriegs unterzeichneten Anfang der neunziger Jahre die Tschechische Föderative Republik und die Bundesrepublik Deutschland einen Vertrag über gutnachbarliche und freundschaftliche Beziehungen in dessen Präambel geschrieben steht: „...hinsichtlich einer Nichtigkeit des Münchner Abkommens von 1938“.1 Dies zeigt, daß das Münchner Abkommen nicht nur einen Wendepunkt der weltpolitischen Lage im Jahre 1938 bedeutete, sondern auch noch im heutigen Blickfeld der deutsch-tschechischen Beziehungen steht. Wenn heute in der Welt irgendwo von einem „ne uen München“ gesprochen wird, ist damit vor allem die „Kapitulation vor dem Bösen“ 2 gemeint. An der Münchner Konferenz am 29. September 1938 nahmen der britische Premierminister Neville Chamberlain, sein französischer Kollege Edouard Daladier, der italienische Duce Benito Mussolini und der deutsche Führer und Reichskanzler Adolf Hitler teil, um die Sudetenkrise zu beenden und die durch Hitlers Forderungen entstandene Kriegsgefahr zu bändigen. Das Abkommen verfügte darüber, daß die von überwiegend Deutschen bewohnten Grenzgebiete der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich abgetreten wurden.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Vorgeschichte, das Zustandekommen und die Auswirkungen des Münchner Abkommens zu analysieren. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Frage gelegt, warum die Sowjetunion als einzige europäische Großmacht von der Münchner Konferenz ausgeschlossen wurde. War nur Hitler dafür verantwortlich, daß Moskau keine Einladung erhielt oder hatten Großbritannien und Frankreich ebenfalls Einwände gegen eine Teilnahme der UdSSR? Im Zusammenhang der Auswirkungen von München ist nicht nur auf die Folgen für die Tschechoslowakei und die teilnehmenden Mächte einzugehen, sondern auch auf die Auswirkungen des Ausschlusses der Sowjetunion. Die Entwicklung der Sudetenproblematik, aus der im Laufe des Jahres 1938 eine handfeste Krise wurde, die Europa an den Rand eines Krieges brachte, dient als Einführung in die Problematik, über die in München verhandelt wurde. In Kapitel zwei wird dieser Aspekt behandelt, wobei unter Punkt 2.1 die Entstehung der Sudetenproblematik und das Verhältnis zwischen der Prager und der Weimarer Regierung beleuchtet wird, um zu sehen, ob bereits in den zwanziger Jahren das Sudetenproblem Gegenstand der deutsch-tschechischen Beziehungen war und wie diese Beziehungen ausgesehen haben. Neben der Situation der Sudetendeutschen nach Hitlers „Machterschleichung“ 3 befaßt sich Abschnitt 2.2 mit der Sudetenkrise im Jahr 1938 und deren Instrumentalisierung für Hitlers Pläne zur Zerschlagung der CSR. Seit wann bestanden Hitlers Pläne, die sudetendeutsche Minderheit für seine Zwecke zu mißbrauchen und wie sah seine Vorgehensweise aus? Um diese Frage beantworten zu können, muß sowohl auf die Rolle der Sudetendeutschen Partei und ihres Anführers Konrad Henlein eingegangen werden als auch auf die Sitzung Hitlers mit den Oberbefehlshabern der Wehrmacht am 5. November 1937, die Hoßbachniederschrift,4 in der der Führer seine außenpolitische Vorgehensweise ausführlich darlegte.
Im dritten Kapitel werden die wichtigsten Stationen auf dem Weg nach München skizziert. Abschnitt 3.1 befaßt sich mit dem Besuch Chamberlains auf dem Obersalzberg am 15. September, bei dem sich der britische und der deutsche Regierungschef über die Abtretung der Sudetengebiete bereit s einig zu sein schienen. Hierbei ist auch auf die Reaktionen Prags auf die deutsch-britische Einigkeit einzugehen und zu untersuchen, warum die Tschechoslowakei sich letztendlich mit den Gebietsabtretungen einverstanden erklärte. Am 22. und 23. September sollten in Bad Godesberg auf der Grundlage der Gespräche zwischen Chamberlain und Hitler auf dem Obersalzberg die Gebietsabtretungen geregelt werden. Abschnitt 3.2 widmet sich dieser Konferenz und analysiert ihr Scheitern. Nach Bad Godesberg drohte Chamberlains Appeasementpolitik zu scheitern, was zur Folge hatte, daß Europa unmittelbar vor einem Krieg zu stehen schien und daß in Deutschland eine konservative Opposition ihre Chance auf einen Sturz Hitlers witterte. Wie durch intensivste diplomatische Bemühungen in den letzten Septembertagen der Krieg doch noch abgewendet werden konnte und wie die Münchner Konferenz letztendlich zustande kam, soll unter Punkt 3.3 behandelt werden. Hierbei ist im Besonderen auf die Rolle Mussolinis und auf die Herkunft seines in München präsentierten Vermittlungsvorschlags einzugehen. Es ist zu klären, warum Hitler einer Konferenz zustimmte, die eine friedliche Regelung vorsah, obwohl er eine militärische Lösung favorisierte.
Kapitel vier befaßt sich mit der Münchner Konferenz selbst, wobei Punkt 4.1 der Frage nachgeht, warum die Großmacht Sowjetunion, die 1935 zusammen mit Frankreich einen Vertrag über eine gemeinsame Hilfeleistung gegenüber der CSR geschlossen hatte, von München ausgeschlossen wurde. In diesem Zusammenhang geht es darum, die Parteien zu benennen, die für die Ausgrenzung verantwortlich waren und ihre Gründe für das Fernhalten Moskaus zu analysieren. Unter Abschnitt 4.2 werden die wesentlichen Ergebnisse und unmittelbaren Auswirkungen des Münchner Abkommens auf Europa, insbesondere auf die Tschechoslowakei skizziert. Ebenso soll Chamberlains Appeasementpolitik kritisch gewürdigt werden und ergründet werden, warum Hitler mit den Ergebnissen nur halbwegs zufrieden war, obwohl seine wichtigsten Forderungen erfüllt wurden. Im Anhang sind drei Karten zu finden, die die an Deutschland abzutretenden Sudetengebiete zeigen. Karte eins bezieht sich auf das Bad Godesberger Memorandum vom 23. September, Karte zwei zeigt die ab dem 1. Oktober 1938 von deutscher Seite zu besetzenden Gebiete gemäß des Münchner Abkommens und Karte drei die endgültige Grenzfassung vom 21. November 1938.
Da der Themenkomplex um die Sudetenproblematik und das Münchner Abkommen sehr weit und aus allen relevanten Perspektiven erforscht ist, muß zur Erarbeitung des Themas eine Literaturauswahl getroffen werden. Diese Arbeit unterliegt der Prämisse, möglichst die Argumente des neusten Forschungsstandes zugrunde zu legen, weshalb überwiegend Literatur aus den achtziger und neunziger Jahren verwendet wurde, so daß ein Großteil an Literatur aus den fünfziger und sechziger Jahren nicht berücksichtigt werden konnte. Eine Ausnahme hiervon stellt Rönnefarths „Sudetenkrise in der internationalen Politik“ dar, da der Autor die Ereignisse in und vor München in einer detaillierten Weise darstellt, wie sie sonst kaum zu finden ist. Die „Weizsäcker-Papiere“ und Ernst von Weizsäckers „Erinnerungen“ sind ebenfalls älteren Datums, allerdings war Staatssekretär von Weizsäcker bei den wichtigsten Verhandlungen und Besprechungen rund um München anwesend, weshalb auf seine Sichtweise, vor allem beim Zustandekommen der Konferenz, nicht verzichtet werden kann. Bzgl. der Sudetenkrise wurden Mamateys „Geschichte der Tschechoslowakischen Republik von 1918 bis 1945“, Hoenschs „Scheitern der Verständigung“ und Smelsers „Sudetenproblem und das Dritte Reich“ herangezogen, die eher neueren Datums sind. Dies trifft auch auf Wendts „Großdeutschland, Außenpolitik und Kriegsvorbereitungen des Hitler-Regimes“, Glotz‘ „München 1938“ und Hildebrands „Deutsche Außenpolitik 1933-1945“ zu, die alle Auskunft über die Münchner Konferenz selbst geben, während das Osteuropahandbuch, Band Sowjetunion einen intensiveren Blick auf die Situation der UdSSR wirft. Darüber hinaus dienen die „Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918 bis 1945“, die „Documents on British Foreign policy 1919 bis 1939“ und die „Documents Diplomatiques FranÇais 1932 bis 1939“ als Grundlage zur Erarbeitung des Themas.
II. Die Sudetenproblematik
2.1 Die Rolle der Sudetenproblematik in den Beziehungen zwischen der Weimarer Republik und der Tschechoslowakei
[...]
1 Lemberg, Hans: München 1938 und die langfristigen Folgen für das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen. In: Hoensch, Jörg K. (Hrsg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik (1918 – 1938). Essen (u.a.) 1994, S. 147-166, hier S. 147.
2 Hilf, Rudolf: Der Stellenwert von München in Geschichte und Gegenwart. In: Glotz, Peter (Hrsg.): München 1938. Das Ende des alten Europa. Essen (u.a.) 1990, S.445-461, hier S. 454.
3 Der gängige Begriff der Machtergreifung verfehlt eine zutreffende Beschreibung der Vorgänge im Januar 1933. Die NSDAP griff nicht nach der Macht, sondern Hitler bekam sie vom Reichspräsidenten ausgehändigt. Der Begriff Machterschleichung beschreibt den Machtwechsel besser, da hier ein Wortspiel enthalten ist, das sich auf Hitlers Vorgänger als Reichskanzler, General Kurt von Schleicher, bezieht, der aufgrund eines nur schwer zu durchschauenden Machtspiels am 30. Januar 1933 zur Demission gezwungen wurde. Vgl. hierzu Falter, Jürgen W.: Hitlers Wähler. München 1991, S. 17-18.
4 Die Bezeichnung Hoßbachprotokoll, die nach 1945 aufkam, ist unzutreffend, da Oberst Hoßbach während dieser Besprechung am 5. November 1937 kein Protokoll führte, sondern seine Schriften erst nachträglich am 10. November verfaßte, weshalb der Begriff Hoßbachniederschrift präziser ist. Vgl. hie rzu Wendt, Bernd-Jürgen: Großdeutschland, Außenpolitik und Kriegsvorbereitungen des Hitler-Regimes. München 2. Aufl. 1993, S. 11-38.
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